Toorchen

 

«Toorchen» (1)

 

Im Jahre 1984 brachte Josy Moutschen sein Bändchen : «Oberkorner Dorfgeschichten» heraus. Illustriert wurde es von Paul Moutschen. Die Hälfte der lustigen Geschichten beziehen sich auf die Taten des Dorfpfarrers «Toorchen». Es handelt sich dabei um den Pfarrer Henri Gilson aus Wolkrange in Belgien. («Woulken», wo damals noch Luxemburgisch gesprochen wurde.) Henri Gilson war von 1861 bis 1877 Pfarrer in Oberkorn. « Es war ein grobschlächtiger Mann, hatte lange Haare in den Ohren, trug dicke, genagelte Schuhe, versah sein Amt und betrieb nebenbei noch Landwirtschaft », schreibt Josy Moutschen. Noch eins : «Toorchen»  war ein erklärter Weiberfeind. Dem Weibe schrieb er alles Unglück dieser Welt zu.

 

Eine Predigt von «Toorchen» finden wir auch  im «Mitock», einer satirischen Zeitschrift, welche am 14. Oktober 1937 erstmals erschien und deren letzte Nummer genau beim Ueberfall durch die Nazis am 10. Mai 1940 herausgebracht wurde. Der Herausgeber, Nic Molling, der den Nazismus in Deutschland wohl zu sehr karikaturiert hatte, setzte sich nach dem Ueberfall durch die Nazis ins Ausland ab, andere Mitarbeiter mußten sich verstecken. Den Namen «Mitock» hatte Nic Molling gewählt, wahrscheinlich weil dieser im «Vulleparlament am Gréngewald» von Dicks eine Rolle spielte. Auch bei Michel Rodange gehört er zu den Tieren, welche der König Löwe im «Gréngewald» versammelt hatte («Mitock, Mësch a Kréi.. »).«Mitock» ist der luxemburgische Namen für den «Wiedehopf», den Vogel mit dem Schopf  auf dem Kopf, den es leider in Luxemburg nicht mehr gibt. Eine andere luxemburgische Bezeichnung für den «Wiedehopf» war übrigens «Bëschbuppert», ein Namen den man bei Veröffentlichungen eher vermeiden wollte. Einer der Mitarbeiter des « Mitock » muß ein Differdinger gewesen sein, denn etliche Beiträge handeln von Geschehnissen in unserer Gemeinde. Unter anderem wird auch über die Taten des «Toorchen» berichtet. Der Schreibweise nach könnte es sich um den Differdinger Lehrer Lucien Mark « Marke Luss » handeln.
Der Autor im «Mitock» schrieb über seine Geschichte : «Mir wurde sie erzählt von einem ernsten Mann auf der Holzterrasse des Lasauvager Dorfkruges. Unvergesslich bleibt mir das geheimnisvolle nach innen gehende Lachen dieses alten Freundes, der seit einigen Wochen auf dem Differdinger Friedhof ruht. »

 

Wir wollen die handfeste Predigt des «Toorchen» aus dem «Mitock» verteilt auf zwei Nummern des «Magazin» zum Besten geben :

 

« -------Toorchen zelebrierte das Hochamt. Er taucht den fast kahlen Weihwasserwedel tief in den Kessel, damit die borstenleeren Löcher sich ordentlich füllen, intoniert das «Asperges me», hält den Weihwasserwedel stramm waagerecht von sich gestreckt und nähert sich den Frauenbänken. Mit einem kräftigen Ruck  schleudert er das Wasser aus den Hohlräumen, stößt dabei ein verächtliches «Päh» aus und schreitet weiter. Die Frauen sind noch gut weggekommen, denn sie waren ein wenig darauf vorbereitet. Freilich das erste Mal ging es nicht so gelinde ab; damals hatte die Nachbarin eine ordentliche Dusche erhalten. Seither hat man sich darauf eingerichtet…

 

Der Priester steht auf der Kanzel. Von hier dringen die Worte Gottes in die Herzen der andächtigen Zuhörer, von hier donnern die weltlichen und geistlichen Beschwerden. «Ich habe mit sagen lassen, dass verschiedene Frauen am heiligen Sonntage «bauchen» *. Wenn ich einmal eine Frau beim Bauchen erwische, schlage ich ihr den Bauchzapfen ein und wenn die ganze Lauge zum Teufel geht! Ich werde Euch noch bauchen lehren. Ferner muss ich Euch liederliches Pack darauf aufmerksam machen, dass ihr nicht zu faul seid, meinen Käse zu essen, aber mit dem Zurückbringen der Boaren** » hapert es ganz gewaltig. Wer mir meine Boaren  nicht zurückbringt, kriegt keinen Käse mehr, merkt Euch das! Und nun geliebte Christen im Herrn, beginnen wir mit unserer Sonntagspredigt :
(die wollen wir uns in der nächsten Nummer vornehmen)

 

*»gebaucht » wurde zweimal im Jahr, wobei über die Wäsche in der « Bauchbidden » ein Tuch gelegt wurde. Auf das Tuch wurde Asche (Potasch) gestreut. Das Ganze wurde mit warmem Wasser ausgiebig begossen. Dieses floß unten aus dem « Zap » wieder ab. Das Wasser wurde dabei immer brauner und die Wäsche immer weißer. Damit das Wasser abfließen konnte, stand die « Bauchbidden » auf dem « Bauchstull ». Nach dem « Bauchen » erst wurde die Wäsche am Bach oder im « Wäschbuer » mit Seife und Bleuel bearbeitet, um anschliessend auf der Wiese in der Sonne « gebleecht » zu werden.

 

** « Bar » war eine Käse-oder Sülzeschüssel. « Barkéis » = « gekachte Kéis ».

 

 

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