Titelberg
Der Titelberg : Forscher und Plünderer.
Der geschichtsträchtige “Titelberg“ gehört zur Gemeinde Petingen. Das heißt jedoch nicht, dass Differdingen nichts damit zu tun hat. Im Gegenteil : Eine ganze Reihe von Differdingern haben bei den archäologischen Ausgrabungen Pionierarbeit geleistet und ein früherer Differdinger, Dr Jeannot Metzler vom Geschichtsmuseum hat diese weltweit einmalige Stätte in mehreren Werken genau beschrieben und dafür unter anderem den Kulturpreis der Gemeinde Differdingen bekommen. (Eine Kopie des Wildschweins vom Titelberg, das sich im Musée du Louvre befindet.)
Die Lage des Hochplateaus mit zu zwei Seiten steilabfallenden Hängen war für eine Besiedlung ideal. Spuren reichen bis in die Steinzeit zurück. Die Gewinnung des oolithischen Rasenerzes und die Lage in einer fruchtbaren Gegend waren weitere Vorteile. Bereits zur Eisenzeit begann man mit dem Bau eines 2.700 Meter langen Walls um das Plateau herum. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser in mindestens 5 Bauphasen erneuert und ausgebaut. Der Wall war mit Holzverzimmerung gefestigt. Im ersten Jahrhundert nach Christus war der Siedlungsort eine regelrechte befestigte Stadt, ein “oppidum“ und zwar das Wichtigste des keltischen Volkes der “Treverer“ (treveri – Trier). Die gallischen Kriege des Julius Caesar hinterließen wenig Spuren. Man stellte jedoch bei den Funden fest, dass sich die römische Kultur nach und nach mit der Keltischen vermischte. Die befestigte Stadt hatte wenig Militärisches an sich. Handel und Handwerk waren Trumpf und brachten grossen Reichtum. Durch die Anbindung an die grossen europäischen Straßenachsen der damaligen Zeit wurde Handel bis zum Mittelmeer hinab betrieben.
Daß hier immer noch römische und keltische Münzen gefunden werden, ist allgemein bekannt. Man sieht immer noch mit elektronischem Suchgerät bewaffnete Leute auf den frisch umgepflügten Aeckern herumgeistern, obschon das verboten ist. Im Staatsmuseum befinden sich inzwischen tausende Münzen vom Titelberg. Viel aufschlußreicher für den Archäologen sind jedoch banale Knochenfunde, oder Grabbeigaben. Sie geben Auskunft über die Essgewohnheiten, die Jagd, die Tierhaltung, den Haushalt und vor allem den Handel der damaligen Einwohner.
Heute wird auch nicht mehr gegraben, sondern mit Pinsel und Schaber die Erde Millimeter um Millimeter abgetragen. Lage und Erdschicht der Funde spielen nämlich eine sehr wichtige Rolle. Das war nicht immer so : Der 1890 geborene Schmelzarbeiter Franz Erpelding aus Niederkorn grub mit Leidenschaft vor und nach dem Krieg auf dem Titelberg. Als Autodiktakt entwickelte er sich zum ausgezeichneten Kenner des Titelbergs und stand sogar in Briefkontakt mit etlichen europäischen Archäologen. Sein Haus in der Niederkorner Schulstraße war ein regelrechtes Museum. Vor seiner Haustür hatte er seine größeren Funde aufgestellt. 1965 übergab er seine über tausend Stücke umfassende Sammlung an das Staatsmuseum. Bis zu seinem Tode im Jahre 1974 konnte man ihn immer noch auf dem Berg antreffen. Er war es auch, der Jeannot Metzler dazu brachte, Archäologie zu studieren und später den Titelberg wissenschaftlich zu ergründen. Es gibt noch für viele Jahrzehnte Arbeit dort.
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Regelrecht geplündert wurde der Titelberg in den vorigen Jahrhunderten. Der Jesuit und Historiker Alexander Wiltheim beschreibt 1650 in einem Werk « Luxemburgum Romanum » den Titelberg als einen Ort, auf dem Dachziegel und Töpferwaren und Bausteine nur so herumlagen. Wie man später feststellen konnte, wurde der Titelberg von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften regelrecht geplündert und alles, was man als Baumaterial benutzen konnte wurde in ihren Häusern verbaut. Vauban holte sich anscheinend die besten Quadersteine vom Titelberg, um die Festung Longwy zu bauen.
Neben Jeannot Metzler und Franz Erpelding machte sich der inzwischen verstorbene Henri Niederkorn aus Niederkorn als Amateur verdient um die Erforschung des Titelberg. Auch sein Bruder Michel half mit. Néckel Gaspar aus Oberkorn, einen anderen “Amateur“ trifft man fast täglich auf dem Berg respektiv in den Lokalitäten des Titelberg in Fond-de-Gras.
Ein Spaziergang zum Titelberg mit seinen Rekonstruktionen und Ueberresten vom Parkplatz auf Graskopp (Straße zum Fond-de-Gras) aus lohnt sich jedenfalls.
1. Bildzeile : Ein Brandgrab ausserhalb des Walls. Die Asche des Toten befindet sich in einem Tongefäß.
2. Bildzeile : Das Urnengefäss zerspringt, sobald es an die Luft kommt.
r. fleischhauer




