Spitäler
105 Jahre Spitalswesen in Differdingen
Vor 100 Jahren waren die Leute weit weniger anspruchsvoll und die kommunale Krankenversorgung begann erst langsam Form anzunehmen. Doch Weitsicht gab es damals auch schon: Wie Aline Goergen-Jacoby 1937 in ihrer Studie “Die Gemeinde Differdingen von 1795 bis 1930” schreibt hätten es gleich nach dem ersten Weltkrieg bereits Bestrebungen gegeben, ein interkommunales Schlachthaus und ein interkommunales Spital (in dieser Reihenfolge) zu schaffen, doch “--die Verhandlungen scheiterten nicht so sehr an der finanziellen Frage als vielmehr an dem lokal-patriotischen Ehrgeiz der Gemeindevertreter”.
Es sollte noch 60 Jahre dauern, bis sich die Idee einer interkommunalen Gesundheitsversorgung durchsetzen konnte.
Ab 1912 gab es in Differdingen eine Niederlassung der Krankenschwestern, welche sich um die Gesundheit der Einwohner kümmerten.
Doch in Niederkorn gab es bereits seit 1901:
Ein modern eingerichtetes Hüttenspital
das von der “Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hütten-AG” geschaffen worden war.. Die Hütte hatte dafür das grosse Haus des Gerbers Paquet in Niederkorn erworben und umgebaut.(Heute Einfahrt ins HPMA).
Am 15. April 1901 wurde das Spital in Betrieb genommen. Das Spital war selbstverständlich für die Schmelzarbeiter gebaut worden, denn Unfälle gab es damals fast täglich. Da die “Deutsch-Luxemburgische” eine deutsche Gesellschaft war, wurde die Krankenvesorgung den “Barmherzigen Brüdern Trier” anvertraut, deren Orden auch heute noch weltweit im Dienst der Kranken und Behinderten tätig ist. Das Spital hatte damals schon ein Labor, eine Roentgenabteilung, einen Operationssaal und 35 Betten.
Die Barmherzigen Brüder waren in Niederkorn bei der Bevölkerung sehr beliebt. Unzählige geschundene Knie unserer Schulkinder wurden dort verarztet und zwar unentgeltlich.
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Im Jahre 1971 trat die Arbed ihr Spital in Niederkorn an die Gemeindeverwaltung ab. Von nun an war es eine “annexe” des Differdinger Spitals. Die Barmherzigen Brüder verliessen das Spital im Jahre 1973. Bis Juni 1978 funktionierte es noch als Krankenhau. Ab Januar 1979 war es nur noch Pflegeheim und zwar bis zu dem Moment als der Staat das Spital in Differdingen erworben und dort ein Pflegeheim eingerichtet hatte.
Im Jahre 1984, als das neue Niederkorner interkommunale Spital bereits funktionierte, wurde das Alte abgerissen, um einer breiten Zufahrt zum neuen Spital Platz zu machen.
Spital im Kloster
Das was die Differdinger jetzt noch “aalt Spedol” nennen und in dem jetzt Servior das Differdinger Pflegeheim betreibt war ein Frauenkloster, das Alexander von Zolver anfang des 13. Jahrhunderts bauen liess. Bei dem schönen alten Gebäude, in dem das Pflegeheim untergebracht ist handelt es sich lediglich um das Gästehaus der vormaligen ausgedehnten Klostaranlage mit ihren Dependenzien. Das Zisterzienserinnenkloster überlebte die französische Revolution nicht. Ab 1797 diente es etlichen reichen Familien als Wohnung. Zuletzt wohnte der Notar Ed. Reiffers hier
Von ihm erwarb die Gemeinde im Jahre 1929 das Gebäude, um darin ein Krankenhaus einzurichten.
Am Samstag, den 23. Mai 1931 konnte das neue Spital eingeweiht werden. Von Regierungsseite hatte sich Generaldirektor Clemang eingefunden. Bürgermeister Emil Mark eröffnete die Feierlichkeiten um 15.00 Uhr. Er ging auf die Vorbesitzer und die Geschichte des Klosters ein und freute sich über das neue “hospice civil”. Während der Besichtigung konzertierte die Stadtmusik und die “Espérance” führte mit 54 Pupillen Turnübungen vor. Gegen 18 Uhr fand dann eine Feier im kleinen Kasino statt wo der Zahnarzt Dr Pauly sich im Namen der Aerzteschaft für dieses moderne aber wohnliche Gebäude bedankte.
Das neue Spital hatte 50 Betten. Jedes Zimmer hatte kaltes und warmes Wasser. Eine grosse Neuerung gab es im Operationszimmer. Die Lampe “La Scyalytique” schaltete automatisch auf Batterie, sobald der Strom ausfiel. Es gab eine “Maternité”, Altenbetten, Kinderbetten ein Verbandszimmer, ein Kreisssaal und moderne Roentgen-und Durchleuchtungsapparate.
Der Verwaltungsrat hatte 5 Mitglieder. Organisation und Haushalt lagen bis 1956 in den Händen der Franziskanerschwestern . Ab 1957 waren diese nur noch für die Pflege zuständig. Die Verwaltung übernahm ein von der Gemeinde ernannter “administrateur-économe”. Fernand Schoux war der letzte “économe” des Spitals.
Im Jahre 1957 wurde der neue Teil hinter dem früheren Gästehaus gebaut und 1960 in Betrieb genommen. Hier wurde die Entbindungsanstalt untergebracht. Im Jahre 1980 verfügte das Spital über insgesamt 119 Betten. Es gab übrigens nur Zweibettzimmer. Eine erste und eine dritte Klasse existierten nicht.
Im Jahre 1973 verliessen die Franziskanerinnen das Spital genau in dem Jahr, in dem sich auch die Barmherzigen Brüder aus dem Niederkorner Spital zurückzogen.
In den 70er Jahren stellte sich heraus, dass das Spital den modernen Anforderungen an die Medizin nicht mehr genügte. Die Belegung nahm konstant ab und die Gemeinde musste ein jährliches Defizit von bis zu 15 Millionen Franken tragen.
Das war der Moment, wo die Idee eines gemeinsamen Spitals für mehrere Gemeinde wieder aufgeriffen wurde. Ab 1970 wurden Gespräche mit den Nachbargemeinden geführt, um gemeinsam ein Spital zu bauen. Auf das 1981 eingeweihte “Hôpital Princesse Marie-Astrid “werden wir später eingehen.
r. fleischhauer




