Pi-men + Resistenz

 

 

 

Was bedeutet “PI-MEN”?

 

 

Wir hatten in einer der letzten Nummern den geschichtlichen Hintergrund des Comics über die Differdinger Geisel beleuchtet. Das Ereignis spielte sich im Jahre 1940 ab, als die Deutschen bei ihrem Frankreichfeldzug auch unser Land besetzten. Unter der militärischen Besetzung  ging es der Bevölkerung noch relativ gut. Das änderte sich grundlgend, als Gustav Simon Gauleiter des “Mosellands” wurde und dem Land eine deutsche Zivilverwaltung aufzwang. Sein Ziel war gleich, aus den Luxemburgern regelrechte Deutsche zu machen. Das bedeutete, dass die Luxemburger Sprache abgeschafft wurde, dass die Namen eingedeutscht wurden, dass kein Französisch mehr in den Schulen gelehrt wurde, dass jeder Luxemburger sich in der “volksdeutschen Bewegung “ einreihen sollte. Am 31. August 1942, dekretierte Gustav Simon, dass alle Luxemburger die deutsche Nationalität erhielten und folglich die jungen Leute in die Deutsche Armee gezwungen und in den Krieg geschickt wurden. Es war ganz klar, dass sich  Widerstand bildete und sich Resistenzgruppen organisierten die im Verborgenen operierten. In Differdingen war die Resistenz besonders stark. Es gab mehrere Gruppen. Eine davon war besonders straff organisiert und funktionierte hervorragend. Es waren die “Pi-MEN”, welche von Josy Goerres (1913 - 1985) geführt wurden. “Pi-MEN” war die Abkürzung für “Patriotes Indépendants”. Sie nannten sich auch “F-16,9” - F=Formation, 16 = “P” im Alphabet , 9 = “I” im Alphabet. Eine ihrer Tätigkeiten war von Nazis Verfolgte über unseren “Berg” nach Frankreich zu bringen, wo sie  in ein geheimes Auffanglager in Les Ancizes gebracht wurden, falsche Papier bekamen und bei Franzosen unterkamen. Rund 1.200 Menschen schafften die PI-MEN trotz der gut bewachten Grenze über den Berg nach Frankreich. Es waren Kriegsgefangene, abgeschossene Piloten der allierten Streitkräfte, Luxemburger, welche aus der deutschen Armee desertiert waren oder Fahnenflüchtige.

 

 

 

Jos Meunier aus Oberkorn, der später im KZ Hinzert furchtbar misshandelt worden war erzählt, wie er mithalf  eine Gruppe über den Berg zu bringen. “Enges Daags huet de Goerrese Josy zu mär gesot: Et kommen der elo e puer un. Du gees déi sichen an da kanns du och een iwerféieren.Ech sinn déi Flüchteg dunn op d’Gare siche gaangen an ech hunn se an d’Weihergaass gefouert. Ech hunn hinne gesot:Elo deet jiddereen eppes Duebeles aus senger Waliss un well mer kënnen net mat Walissen iwer de Bierg goen.Du woar schon een, deen huet Raute gewénkt an déi aner si vum Kleins Néckel a vum Albert Ungeheuer iwerholl ginn an ech hat och een. Mär sinn a groussen Ofstänn iwert de Bierg gaangen. Um Bierg huet de Legers Eugène mär mäin ofgeholl. Vun do aus sinn se an de Parc Grouwe gaangen an dunn op de Stengerches Wee bis duer wou fréier den ale Scoutschalet woar an dann ass et laanscht de Galéi gaang, dann iwer déi Boucle, déi bei de Schéissterrain erofgeet. Den Iwergank a Frankräich woar da bei der Pompelstatioun, wou fréier d’Baache Mille stoung “

 

 

Ausser dieser Tätigkeit erfüllten die PI-MEN auch noch die Aufgaben eines geheimen Nachrichtendienstes. Täglich wurden  Nachrichten über deutsche Truppenbewegungen und Lageberichte aus Luxemburg von mehreren Kurieren nach Brüssel und dann  nach London geschmuggelt.

 

 

Eine anderere nicht unwichtige Tätigkeit war die Antipropaganda: Verfassen und Austeilen von patriotischen Handzetteln, Zerstörung von Nazipropagandamaterial, Boycott von Nazi-Veranstaltungen usw. Als vierte Aufgabe hatten sich die PI-MEN zur Pflicht gemacht, politisch Verfolgte zu unterstützen und ihren Familienangehörigen materielle und finanzielle Hilfe zukommen zu lassen.

 

 

Josy Goerres selber war 1941 durch Verrat verhaftet worden. Da man ihm nicht viel nachweisen konnte, wurde er 1943 entlassen und er baute in Zusammenarbeit mit Emile Krieps und noch vielen anderen bis zum Kriegsende die PI-MEN zu einer der wirkungsvollsten und diszpliniertesten Organisationen des Landes  gegen den Nazi-Terror aus.

 

 

Zu Ehren der vielen “Passeurs”, die Leib und Leben riskierten, um die Verfolgten über die Grenze zu bringen wurde am 3. Oktober 1965 ein Monument  entworfen von Jacques Dollar an der Kreuzung der rue de Hussigny, Montagne und Lasauvage eingeweiht. Es ist der Ort von dem einer der geheimen Pfade über den Berg seinen Ursprung hatte. Das Monument aus Differdinger Stahlträgern hergestellt symbolisiert den “Passeur”, der einem Flüchtling den Weg über die Grenze zeigt.

 

 

Wer sich weiter über die PI-MEN informieren will, findet in unserer Stadtbibliothek das Buch von Jacques Dollar: “Josy Goerres et les PI-MEN dans la résistance”

 

 

                                                                                  r. fleischhauer

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