Karnaval 1908

   

Karnevalslied 1908.

 

In diesem Fastnachtsmonat wollen wir einen eher holprigen Liedertext zum besten geben, der im Februar 1908 in der « Escher Zeitung » erschien. Gedichtet und vorgetragen wurde er von « Differdange – Attractions ». Titel : « Kee Su a kee Frang ». Gesungen wird nach der Melodie “ Es steht ein Wirtshaus an der Lahn“

 

 

Lasset jetzt ein Lied erklingen,

Von unserer Ortschaft Differdingen :

Pflegen Kunst, Musik, Gesang,

Wir wollen heut gemütlich sein

Hu mär och kee Sou, kee Frang.

 

 

Der Ort hat große Industrie,

Treibt Ackerbau und zieht auch Vieh,

D’rum kann er nicht verarmen

Und für die Ruh und Sicherheit

Sorgt Police und Gendarmen.

 

 

Plötzlich wurde es bekannt :

Differding zur Stadt ernannt.

Freud’ über alle Maßen

Und dabei prangen immer noch :

Misthaufen an den Straßen.

 

 

Es hat den Anstrich einer Stadt

Wenn man den Dreck durchwatet hat ;

Doch nun kann man gewahren

Wie wenn zufällig Jahrmarkt wär

Die Trottoirs voller Waren.

 

 

Der Ort hat keine Kirchenuhr,

Getutet wird zeitweise nur,

Getutet wird zum Essen

Und wenn es ausgetutet hat

Ist bald die Zeit vergessen.

 

 

Ein großes Badehaus entstand,

Genannt aux Perles von Hrn Weynandt,

Für Groß und Klein zum Nutzen

Und hat man eine Mark bezahlt,

Kriegt man noch kalte Douchen.

 

 

Durch den Dreck ist nicht zu geh’n

Und ratlos bleiben die Leute steh’n :

Erhör uns doch Herr Jeses

Und leg ein gutes Wörtchen ein

Beim Kondukter Majeres.

 

 

Was hast Du Minette nur gemacht ?

Zwietracht in unseren Ort gebracht ;

Du bist der Stein der Weisen,

Zuerst wird Gold aus dir geholt,

Und nachher Stahl und Eisen.

 

 

Kürzlich ist es nachts passiert,

Bekanntes Haus wird bombardiert,

Da gibt es zu erwägen,

Ob man sich um die Folge noch

In’s Bett kann ruhig legen.

 

 

Läßt sich mal ein Häslein seh’n

So ist es bald um ihn gescheh’n,

Schneider, Noel, Thiry

Dann noch ein ganzes Bataillon

Und schließlich Marke Louis.

 

 

Mancher wünscht ein eig’nes Gericht

Fürwahr ne sonderbare Gschicht’

Ich halt es nicht von Nöten,

Wo der Juge und Huissier weilt,

Geh’n die Moneten flöten.

 

 

Doch laßt uns jetzt erheben all

Und rufen kräftig durch den Saal :

Hoch lebe Differdingen,

Wir streben immer weiter vor,

Eintracht vor allen Dingen.

 

 

                                                           ______________________

 

 

 

 

Das Wirtshaus an der Lahn wird zumeist mit sehr schlüpfrigen Strophen versehen : « Die Wirtin hat auch………. »

 

 

 

Was hast du Minette nur gemacht…. :Die Gemeinde lag jahrelang im Clinch mit dem Staat bezüglich der Minette-Konzessionen. Nach der Auslegung durch den Staat des Konzessionsgesetzes von 1870 ging der Gemeinde und den Privatbesitzern viel ausbeutungsfähiges Land verloren. Weiterhin gab es 1907 eine heftige Polemik unter der Bevölkerung über den Verkauf von Minette-Gelände durch die Gemeinde.

 

 

 

 

 

Ein grosses Badehaus entstand…

 

 

 

 

 

 

 

getutet ….es handelt sich natürlich um den « Bier », d.h. das dampfgetriebene Signal der Schmelz beim Schichtwechsel, das damals den Ablauf des Tages in den Arbeiterfamilien bestimmte.

 

 

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