Josy Jacoby

 

 

Josy Jacoby: Helfen war seine Leidenschaft.

 

 

Wohl einmalig in der neueren Geschichte der Gemeinde war die Person Josy Jacoby. Wo man nur Schwachen, Benachteiligten und in Not Geratenen helfen konnte stand er an vorderster Linie. Die meisten der von ihm ins Leben gerufenen Wohltätigkeitswerke werden auch heute noch weitergeführt. Er kannte keine Rast und keine Ruh und trieb seine Mitarbeiter immer wieder an, wenn es galt Bedürftigen Hilfe zukommen zu lassen.

 

 

Josy Jacoby wurde am 25. August 1901 auf Fousbann als siebtes Kind einer Lehrerfamilie geboren. In Differdingen Zentrum ging er zur Schule. Nach der Oberprimärschule wechselte er zur   “Industrieschule” in Esch . Er fand dann eine Stelle  auf Arbed-Belval als Schmelzbeamter , wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1966 blieb. Josy Jacoby heiratete Victorine Binck, welche ein Gemischtwarengeschäft auf der Nummer 55 der avenue de la Liberté betrieb (die alte und wertvolle Geschäftseinrichtung ist in Fond-de-Gras wieder aufgerichtet worden).

 

 

 

Pionier des Sekurismus

 

 

Der technische Fortschritt nach dem zweiten Weltkrieg brachte es mit sich, dass die Zahl der Autos und die Zahl der Verkehrsunfälle zum Teil auch wegen fehlender Reglementierung rasch zunahm. So starben im Jahre 1947 47 Personen im Verkehr, 171 wurden verletzt. Josy Jacoby machte sich Sorgen um die vielen Toten und Verletzten. Sekurismus, die solidarische erste Hilfe war für ihn eine Lösung. Im selben Jahr organisierte er unter der Schirmherrschaft des Roten Kreuzes   zusammen mit Dr Tandel und dem diplomierten Krankenpfleger Emile Neu Ersthilfekurse .

 

 

1950 kam es zur Gründung der ersten Sekuristensektion des Landes in Differdingen. Die Sektion besteht noch heute unter der Präsidentschaft von Jean-Marie Mousel. Sie  ist zwar nicht mehr für Verkehrsunfälle zuständig, erfüllt jedoch immer noch  sehr wichtige Aufgaben im Differdinger Rettungswesen und Ambulanzdienst, besonders auch was die Ausbildung von Nachwuchssekuristen betrifft.

 

 

 

 

Josy Jacoby stand auch am Ursprung  der Rot-Kreuzsektion in Differdingen und der Blutspendervereinigung des Roten Kreuzes. Sie wurde unter seinem Impuls am 12. Juli 1962 im Differdinger Casino geründet.

 

 

 

Arme , Kranke und Behinderte

 

 

Im Jahre 1955 entdeckte Josy Jacoby eine andere Kategorie von Menschen, welche Hilfe benötigten. Die Blinden. Josy Jacoby gründete eine Hilfsorganisation für blinde Menschen. Später wurde diese Organisation dann in die “Canne Blanche” integriert. Auch hier stand Josy Jacoby an vorderster Front, wenn es darum ging Gelder zu sammeln um den Blinden das Leben zu erleichtern.

 

 

Kein Mensch in Not war dem leidenschaftlichen Philanthropen gleichgültig. Er schloss sich der Hilfsorganisation für Leprakranke “Raoul Follereau” an. Josy Jacoby organisierte Altkleidersammlungen, Lotterien und Tombolas, um mit dem Geld das Hilfswerk zu unterstützen. Raoul Follereau selber hielt darauf, Josy Jacoby kennen zu lernen.

 

 

Im Jahre 1963 hatte J.P. Thoma die Idee der Gründung der AMIPERAS, welche heute aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr weg zu denken ist. Josy Jacoby begeistert sich für die Idee und half eine Differdinger Sektion im Jahre 1967 ins Leben zu rufen. Bis zum Schluss war er Vize-Präsident der Sektion.

 

 

Josy Jacoby konnte nie “nein” sagen und anderen das Gutmenschentum überlassen. Als 1965 die Vereinigung “Pro ninos pobres” unter Pater Victor Kirsch gegründet wurde, war Josy Jacoby wieder dabei. Es ging darum Geld zu sammeln für die Kinder in Südamerika. Josy Jacoby war Vize-Präsident dieser Vereinigung. Bei den “Oeuvres paroissiales” und überhaupt im Leben der Pfarrei war Josy Jacoby auf mehreren Posten zu finden.

 

 

Der Mensschenfreund interessierte sich aber auch für Lokalgeschichte. Deshalb war er gleich bei der Gründung der “Amis de l’Histoire” im Jahre 1970 dabei. Er schrieb mehrere Beiträge im “Korspronk” und blieb Vize-Präsident der Geschichtsfreunde bis zum Schluss.

 

 

 

 

“Association d’Aide aux Enfants Handicapés du Grand-Duché”

 

 

Sein grösstes Werk jedoch war die Schaffung der Vereinigung “Association d’Aide aux Enfants Handicapés” im Jahre 1974. Josy Jacoby war allergisch gegen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft. Er konnte nicht mit ansehen, dass es Kinder gab, mit denen das Schicksal es nicht gut gemeint hatte. Durch substantielle Geldspenden an alle Institutionen, welche sich mit behinderten Kindern abgab und die so ihren Schützlingen einiges mehr bieten konnten, wollte er einen Beitrag zu ein bisschen mehr Gleichheit leisten. Die Kleidersammlungen, die er sporadisch für seine karitativen Vereine in Differdingen organisiert hatte und durch die tatsächlich erfolgreich waren, dehnte er auf das ganze Land aus. Dies erforderte einen riesigen logistischen Einsatz. Aber es lohnte sich. Kamen 1976 50 Tonnen zusammen so waren es an seinem Lebensende im Jahre 1987 bereits 221 Tonnen. So konnte er bei seinen jährlichen Schecküberreichungen an die diversen sozialen Einrichtungen  bis zu einer Million Franken verteilen. Josy Jacoby genoss diese Schecküberreichungen, die ja sein einziger Lohn waren.

 

 

Auch dieses Werk wurde nach seinem Tod weitergeführt.Die Vereinigung steht heute unter der Präsidentschaft von Georges Weis, der seine Freizeit fast ganz für die organisatorischen Aufgaben der Sammlungen hergibt. Im Jahre 2005 konnten 1.254 Tonnen gesammelt werden. Auf diese Weise konnte die Vereinigung im letzten Jahr 250.000 Euro an die verschiedenen Institutionen verteilen. Eine Riesenaufgabe, an der viele beteiligt sind. Das Werk kann man heute mit einem mittleren Betrieb vergleichen. Die Vereinigung verfügt über 4 Kleinlaster einen 6,5Tonnenlaster. 131 Altkleidercontainer sind im Land aufgestellt untere anderem in 16 Recyclingzentren.

 

 

Josy Jacoby wurde auch für seinen Einsatz geehrt. Er erhielt mehrere französische Auszeichnungen und ihm wurde von Bürgermeister Eickmann am 11. Juli 1984 die “Médaille de la Ville de Differdange” überreicht, eine Auszeichnung, die nur ganz wenigen vergönnt war. Sein Name wurde auf Vorschlag der “Amis de l’Histoire” auch verewigt und zwar trägt der Ableger des  Sanemer “Kannerschlass” in der rue Roosevelt den Namen “Foyer Josy Jacoby”.

 

 

 

 

 

 

 

Josy Jacoby starb im Frühjahr 1987 nur wenige Stunden nachdem seine Gattin Victorine verschieden war.

 

 

 

                                                                                               r. fleischhauer

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