Toorchen
«Toorchen» (1)
Im Jahre 1984 brachte Josy Moutschen sein Bändchen : «Oberkorner Dorfgeschichten» heraus. Illustriert wurde es von Paul Moutschen. Die Hälfte der lustigen Geschichten beziehen sich auf die Taten des Dorfpfarrers «Toorchen». Es handelt sich dabei um den Pfarrer Henri Gilson aus Wolkrange in Belgien. («Woulken», wo damals noch Luxemburgisch gesprochen wurde.) Henri Gilson war von 1861 bis 1877 Pfarrer in Oberkorn. « Es war ein grobschlächtiger Mann, hatte lange Haare in den Ohren, trug dicke, genagelte Schuhe, versah sein Amt und betrieb nebenbei noch Landwirtschaft », schreibt Josy Moutschen. Noch eins : «Toorchen» war ein erklärter Weiberfeind. Dem Weibe schrieb er alles Unglück dieser Welt zu.
Eine Predigt von «Toorchen» finden wir auch im «Mitock», einer satirischen Zeitschrift, welche am 14. Oktober 1937 erstmals erschien und deren letzte Nummer genau beim Ueberfall durch die Nazis am 10. Mai 1940 herausgebracht wurde. Der Herausgeber, Nic Molling, der den Nazismus in Deutschland wohl zu sehr karikaturiert hatte, setzte sich nach dem Ueberfall durch die Nazis ins Ausland ab, andere Mitarbeiter mußten sich verstecken. Den Namen «Mitock» hatte Nic Molling gewählt, wahrscheinlich weil dieser im «Vulleparlament am Gréngewald» von Dicks eine Rolle spielte. Auch bei Michel Rodange gehört er zu den Tieren, welche der König Löwe im «Gréngewald» versammelt hatte («Mitock, Mësch a Kréi.. »).«Mitock» ist der luxemburgische Namen für den «Wiedehopf», den Vogel mit dem Schopf auf dem Kopf, den es leider in Luxemburg nicht mehr gibt. Eine andere luxemburgische Bezeichnung für den «Wiedehopf» war übrigens «Bëschbuppert», ein Namen den man bei Veröffentlichungen eher vermeiden wollte. Einer der Mitarbeiter des « Mitock » muß ein Differdinger gewesen sein, denn etliche Beiträge handeln von Geschehnissen in unserer Gemeinde. Unter anderem wird auch über die Taten des «Toorchen» berichtet. Der Schreibweise nach könnte es sich um den Differdinger Lehrer Lucien Mark « Marke Luss » handeln.
Der Autor im «Mitock» schrieb über seine Geschichte : «Mir wurde sie erzählt von einem ernsten Mann auf der Holzterrasse des Lasauvager Dorfkruges. Unvergesslich bleibt mir das geheimnisvolle nach innen gehende Lachen dieses alten Freundes, der seit einigen Wochen auf dem Differdinger Friedhof ruht. »
Wir wollen die handfeste Predigt des «Toorchen» aus dem «Mitock» verteilt auf zwei Nummern des «Magazin» zum Besten geben :
« -------Toorchen zelebrierte das Hochamt. Er taucht den fast kahlen Weihwasserwedel tief in den Kessel, damit die borstenleeren Löcher sich ordentlich füllen, intoniert das «Asperges me», hält den Weihwasserwedel stramm waagerecht von sich gestreckt und nähert sich den Frauenbänken. Mit einem kräftigen Ruck schleudert er das Wasser aus den Hohlräumen, stößt dabei ein verächtliches «Päh» aus und schreitet weiter. Die Frauen sind noch gut weggekommen, denn sie waren ein wenig darauf vorbereitet. Freilich das erste Mal ging es nicht so gelinde ab; damals hatte die Nachbarin eine ordentliche Dusche erhalten. Seither hat man sich darauf eingerichtet…
Der Priester steht auf der Kanzel. Von hier dringen die Worte Gottes in die Herzen der andächtigen Zuhörer, von hier donnern die weltlichen und geistlichen Beschwerden. «Ich habe mit sagen lassen, dass verschiedene Frauen am heiligen Sonntage «bauchen» *. Wenn ich einmal eine Frau beim Bauchen erwische, schlage ich ihr den Bauchzapfen ein und wenn die ganze Lauge zum Teufel geht! Ich werde Euch noch bauchen lehren. Ferner muss ich Euch liederliches Pack darauf aufmerksam machen, dass ihr nicht zu faul seid, meinen Käse zu essen, aber mit dem Zurückbringen der Boaren** » hapert es ganz gewaltig. Wer mir meine Boaren nicht zurückbringt, kriegt keinen Käse mehr, merkt Euch das! Und nun geliebte Christen im Herrn, beginnen wir mit unserer Sonntagspredigt :
(die wollen wir uns in der nächsten Nummer vornehmen)
*»gebaucht » wurde zweimal im Jahr, wobei über die Wäsche in der « Bauchbidden » ein Tuch gelegt wurde. Auf das Tuch wurde Asche (Potasch) gestreut. Das Ganze wurde mit warmem Wasser ausgiebig begossen. Dieses floß unten aus dem « Zap » wieder ab. Das Wasser wurde dabei immer brauner und die Wäsche immer weißer. Damit das Wasser abfließen konnte, stand die « Bauchbidden » auf dem « Bauchstull ». Nach dem « Bauchen » erst wurde die Wäsche am Bach oder im « Wäschbuer » mit Seife und Bleuel bearbeitet, um anschliessend auf der Wiese in der Sonne « gebleecht » zu werden.
** « Bar » war eine Käse-oder Sülzeschüssel. « Barkéis » = « gekachte Kéis ».

Reconnaître et utiliser le potentiel touristique
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En 2012, un petit hôtel ouvrira dans l’ancien presbytère de Lasauvage. Des projets privés d’hôtels supplémentaires (zone Haneboesch, Terrasses de la Ville, Parc des Sports) soulignent l’importance touristique de notre ville. Qui plus est, le centre d’hébergement de Lasauvage restera ouvert toute l’année et recevra des associations, des groupes de jeunes, des familles et des touristes individuels en plus des classes scolaires habituelles. Le centre d’hébergement sera complété par un petit commerce dans lequel aussi bien les touristes que les habitants de Lasauvage pourront faire leurs courses.
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En collaboration avec les organisations pour la protection de la nature, la Commune de Differdange promouvra la création d’une zone naturelle interrégionale et transfrontalière autour de Lasauvage. Dans ce contexte, une connexion entre Hussigny et Lasauvage en draisine et des projections de films en plein air sont prévues comme attractions touristiques supplémentaires. Le Collège échevinal soutiendra aussi l’aménagement d’un camping écologique dans notre commune.
Differdange passera ainsi du tourisme journalier au tourisme sur plusieurs jours et a d’ailleurs beaucoup à proposer dans ce contexte: les attractions liées à la culture industrielle à Lasauvage et au Fond-de-Gras, la nouvelle piscine AquaSud à Oberkorn, le site archéologique du Titelberg, des sites naturels uniques comme le «Giele Botter» mais aussi un programme culturel attractif.
La Commune continuera à soutenir l’implantation d’entreprises issues de la branche du tourisme. La commercialisation des offres existantes et à créer sera repensée et restructurée. Des paquets touristiques complets, comprenant les attractions de toute la région frontalière, devront être proposés.
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Après l’ouverture du nouveau parc aquatique et de la piscine, les partenaires de la coalition soutiendront activement la création de nouvelles attractions. Ainsi, la Commune aménagera une aire de jeux pour enfants couverte et un «monde d’expériences» pour enfants autour des thèmes de la science et de la technique. Dans le cadre du renouvellement du plan d’aménagement général, les bâtiments historiques seront identifiés et classés monuments protégés.
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Hall Sportif - Ecole Fousbann
L’un des grands intérêts du hall sportif – outre le fait qu’il ait été aménagé dans les règles de l’art pour correspondre aux tous derniers standards –, c’est qu’il pourra être utilisé aussi bien pour le sport scolaire que par les associations sportives. En effet, les clubs de badminton, de basket-ball et de handball utiliseront la salle pour leurs entraînements et/ou leurs parties. Quelques détails plus techniques : Le nouveau hall sportif s’étend sur 1 252 m2 et fait huit mètres de hauteur. Grâce à deux rideaux de séparation, la salle peut-être divisée en trois parties entièrement autonomes, ce qui permet à plusieurs salles de classe de suivre des cours de sport simultanément. Le hall sportif dispose, en outre de trois groupes de deux vestiaires pour garçons, filles et enseignants, de tribunes encastrées dans la paroi pouvant acueillir 180 spectateurs, d’un local de rangement de 185 m2 et d’un parquet flottant absorbant les chocs.
Adresse :
place de Alliés
Differdange Fousbann
Tél: 58 77 1 -
Le Marché de Noël
La place du Marché, la zone piétonne, ainsi que le Parc Gerlache accueillent chaque année plus de cinquante chalets et stands, proposant un grand nombre d’articles et de produits saisonniers dans une atmosphère festive.

Cliquez sur l'image pour l'agrandir!
Le Marché de Noël présente un grand nombre d’attractions, dont notamment des concerts et concours journaliers, des expositions sous tente et en plein air, des activités pour jeunes et seniors, une crèche géante en bois et beaucoup plus… Le point fort des festivités de fin d’année à Differdange est sûrement l’installation d’une piste de ski de fond de 230 mètres ainsi que d’une piste de luge sur pneus au «ING Winterpark» (Parc Gerlache), situé en plein centre-ville de Differdange.

À côté des pistes de ski, le «plus grand tipi d’Europe», complètement équipé pour passer des moments agréables. Dans le «TIPI», d’une hauteur de 16 mètres, a accueilli plusieurs soirées à thème avec DJ’s et groupes réputés.
Ein Kleinod in der Gemeinde
Die Kirche von Lasauvage
Seit 1861 gehörte das Dorf Lasauvage zur Pfarrei Differdingen. Den Kirchgängern von Lasauvage war jedoch der Weg nach Differdingen zu weit. Ausserdem hätten sie einen beschwerlichen Pfad benutzen müssen, der im Winter kaum begehbar war. Sie gingen sonntags im benachbarten Saulnes (Zounen) in Frankeich zur Messe. Hier wurde im Gegensatz zu Differdingen die Messe auf französisch zelebriert, was den französischsprachigen Lasauvagern sehr entgegen kam. Der Besitzer des Lasauvager Werkes und der Erzstollen, Graf Fernand de Saintignon beschloß daher, den Einwohnern von Lasauvage eine Kirche in ihrem Ort zu bauen. Immerhin wohnten zu der Zeit bereits 274 Personen im Dorf, eine Zahl welche 1910 bis auf 492 steigen sollte.


Gemäß Armand Logelin in «Differdange chagrins et espérances» schlug der Graf am 24. März 1893 der Luxemburger Regierung vor, einige Meter abseits der «Crosnière» auf seinem Fabrikgelände eine Kirche zu errichten und zwar auf Kosten seiner Gesellschaft «Hauts Fourneaux de Longwy et de Lasauvage». Die Differdinger Gemeindeverwaltung hatte auch nichts dagegen einzuwenden. Beim Baugelände handelte es sich um die frühere Schlackenhalde der Lasauvager Schmelz. Der Untergrund war also ziemlich unstabil. Die Fundamente reichen nur etwa 60 cm unter die Erde, was sich dann bemerkbar machte. Die Kirche mußte nämlich später mit schweren Ankerschrauben zusammengehalten werden, da sie sonst auseinander zu brechen drohte. (Auch heute noch zu sehen.)
Der Architekt Dax aus Paris nahm sich auf Wunsch des ferventen französischen Patrioten De Saintignon die «Sainte Chapelle» aus Paris als Vorlage für seinen Plan. Eine «Miniatur» der bereits im 12ten Jahrhundert erbauten «Sainte Chapelle» auf der Stadtinsel in Paris wurde es jedoch nicht, so wie in vielen Schriften immer wieder behauptet wird. Man kann höchstens feststellen, dass die Lasauvager Kirche der «Sainte Chapelle» nachempfunden wurde.
Eine wahre Kuriosität sind die Kirchenfenstern. Als bleibende Erinnerung an die Spender, ließ der Graf de Saintignon die diversen Heiligen mit den Gesichtern seiner Familienangehörigen und nahen Bekannten versehen. So trägt Johannes der Täufer die Züge des Grafen selbst, der heilige Petrus ähnelt dem P.L. Giraud, der hl. Ludwig sieht aus wie J.J. Legendre, der hl Antonius ist Amidieu du Clos, Franz von Sales ist der Colonel de Merlin und die hl Pauline als einzige Frau sieht aus wie Pauline Legendre.
Leider mussten die wertvollen Kirchenfenster von außen geschützt werde, da auch vor solch geschichtsträchtigen Gegenständen der Vandalismus nicht halt macht.

Das Unternehmen Logelin frères aus Differdingen war mit dem Bau der Kirche beauftragt worden. Das meiste Baumaterial stammt aus der Umgegend, respektiv von der Schlackenhalde und dem seit 1881 still gelegten Hochofen. Die Arbeiten dauerten ein Jahr.
Und : schön ist diese kleine im neogotischen Stil erbaute Kirche geworden! Einfach, ausgewogen und bezaubernd, ein Schmuckstück in der Gemeinde! Von Anfang an war sie der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute gewidmet. Ihre Statue steht in der Nische des rechten Türmchens. Darunter findet man das Wappen der «De Saintignon» : die 3 Türme. Ueber dem Eingang unter der herrlichen Rosette ist eine lateinische Inschrift angebracht: «HIC VENITE ADOREMUIS» (kommt hierher, lasset uns anbeten).
Am 5. September 1894 konnte die neue Kirche bereits eingeweiht werden. Die Differdinger « Chorale Municipale » unter der Leitung ds Lehrers J-J- Theisen erhielt viel Lob für ihre Darbietungen bei der Einweihung. Bischof Koppes und viele hohe Würdenträger nahmen daran teil. Am 29. September traute Jacques Klingenberg, der erste Vikar der neuen Kirche das erste Lasauvager Paar. Am 23. Juni 1895 zog die erste Fronleichnamprozession durch das Dorf angeführt von der werkseigenen Musikgesellschaft. Die Familie des Grafen nahm geschlossen an der Feier teil und kniete zusammen mit den Arbeitern und Angestellten vor den 4 Altären, welche im Dorf errichtet worden waren. Der Graf hatte bei der Gelegenheit ein riesiges Kreuz auf der «Pierre de Cron» errichtet, welche den Eindruck vermittelte als stehe das ganze Dorf unter dem Schutze des Herrn (Armand Logelin : Differdange, chagrins et espérances)

Der Bischof stellte die Kirchengemeinschaft Lasauvage unter die Verwaltung der Differdinger Pfarrei und der Differdinger Kirchenfabrik. Lasauvage wurde damit eine Kaplanei der Differdinger Pfarrei. Die Lasauvager schienen die Differdinger Kapläne jedoch nicht so in ihr Herz geschlossen zu haben. Es amtierten nämlich dort 2 Kapläne innerhalb von 3 Jahren. Am 20. Dezember 1948 wurde die Pfarrei in der Kammer zur Landespfarrei erklärt, was bedeutete, dass die Pfarrer vom Staat besoldet wurden. Seit 1975 wird die Pfarrei von Niederkorner Geistlichen betreut. Die Lasauvager Pfarrer wohnten im nahe der Kirche gelegenen Pfarrhaus, das de Saintignon ebenfalls errichten liess. De Saintignon bezahlte auch die Gehälter der Vikare, Pfarrer und Lehrer bis zu seinem Tode. Am 17. Februar 1924 nahm die Differdinger Gemeindeverwaltung kostenlos Besitz von der Kirche, dem Pfarrhaus ud dem Garten und war somit für deren Unterhalt zuständig. In der Kirche wurde eine Zentralheizung installiert und im Jahre 1947 erhielt die Kirche ein Harmonium. Die vom Grafen gespendete Orgel war nämlich nach ihrer Reparatur in die Kirche vom Fousbann eingebaut worden.
Da Lasauvage über keinen Friedhof verfügte, wurden die Lasauvager bis 1905 in Saulnes begraben. 1907 legte der Graf dann einen Friedhof am Ort an und zwar auf der französischen Seite. Seine zumeist französischen Arbeiter und Angestellten sollten in französischer Erde begraben werde. Dies führte jedoch bei den grenzüberschreitenden Begräbnissen zu einigen administrativen Problemen, die von Paris gelöst werden mußten. Bis 1980 war bei Begräbnissen ständig ein französischer Zollbeamter anwesend. Im Jahre 1949 wurde der Friedhof von Lasauvage von der Gemeindeverwaltung vergrössert.
Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt im Einklang mit der staatlichen «Sites et Monuments» Verwaltung dieses unbedingt erhaltenswerte Juwel der kirchlichen Baukunst als nationales Monument zu klassieren und fachgerecht zu restaurieren, um es dann später sowohl zu religiösen Zeremonien als auch zu kulturellen Zwecken zu nutzen.
Eine traurige Grenzgeschichte II
Eine traurige Grenzgeschichte : Fortsetzung.
Im « Déifferdanger Magazin » Nr 9 vom September 2011 hatten wir von einer Kriegstrauung berichtet, welche über die luxemburgisch-französische Grenzlinie hinweg vollzogen wurde. Ein Zeitungsartikel berichtete damals über diese ungewöhnliche Trauung, jedoch ohne nähere Angaben. Es taten sich also etliche Fragen auf, die wir jetzt dank der Reaktionen verschiedener Personen beantworten können.

Zuerst meldete sich Herr Jean-Claude Kujawa aus Oberkorn, der mit Recht der Meinung war, dass diese Trauung nur im Januar 1940 stattgefunden haben konnte. Deutschland befand sich damals schon in einer Art Stellungskrieg mit Frankreich, der sogenannten « Drôle de Guerre ». Luxemburg tat alles, um seine Neutralität zu bewahren, was dem Land allerdings nichts nutzte wie man am 10. Mai desselben Jahres feststellen mußte. Wahrscheinlich war diese Neutralität, die Heirat mit einem französischen Militär und die Furcht vor Spionage die Ursache für die ungewöhnliche, heute kaum vorstellbare Trauungszeremonie.
Mme Charlotte Ziger vom Literaturarchiv Mersch erinnerte sich an das Bild in der Zeitung und fand heraus, dass der Artikel in der « Revue » Nr 6 vom 10. Februar 1940 erschienen war. Das deckt sich also mit der Annahme von Herrn Kujawa.
Schliesslich und das war der Glücksfall, meldete sich der Sohn des Paares, der in Kehlen wohnhafte Herr Antoine Residori. Er konnte den Hergang in den richtigen Zusammenhang stellen.
Sein Vater, Amédée Residori war Franzose (italienischer Abstammung). Er arbeitete vor dem Krieg in Differdingen im Hochofenbetrieb. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig zur französischen Marine. Er wurde U-Bootfahrer und war in Toulon stationiert. Er hatte allerdings schon Jahre vorher ein Verhältnis mit Marie-Madeleine Krippeler aus Differdingen und war bereits Vater eines Sohnes, der 1938 zur Welt kam und einer Tochter, welche 1939 geboren wurde. Eine Heirat war hauptsächlich wegen des Widerstandes innerhalb der Familie nicht möglich. Jetzt, als Soldat schien er endlich seine Marie-Madeleine über eine Kriegstrauung heiraten zu können. Die Trauung konnte nun nach dem bekannten Muster in der Nähe des « Baache Jang » vollzogen werden.

Es sollte jedoch der Neuvermählten nicht gegönnt sein, ihren Ehemann wieder zu sehen. Marie-Madeleine Krippeler verstarb am 3. September 1942 an Lungenentzündung. Sie wohnte mit Mutter und Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf dem « Rollesberg » weit entfernt von der Ortschaft. Im Haus gab es kein Wasser und kein Licht. Sie musste das Wasser von einem Hydranten der Gemeinde bis zum Haus schleppen und zog sich dabei diese damals tödliche Krankheit zu.
Nach dem Krieg arbeitete Amédée Residori als Bergmann auf « Renkert ». Sein Sohn Antoine und seine Tochter Marie-Thérèse wurden von der allein lebenden Großmutter erzogen. « Si woar keng bong », sagt Antoine Residori heute. Die Erziehung war hart. Während der Besatzungszeit brachte Mme Thérèse Lambert, vormals Krippeler als « Passeur » 98 Flüchtlinge, Deserteure, von der Gestapo Gesuchte usw. über die Grenze nach Frankreich und wurde dafür nach dem Krieg vom Luxemburger und vom französischen Staat mit einer Médaille belohnt. « Einmal hatte sie 4 Russen in ihrem Haus versteckt », erzählt Antoine Residori, « nachts steckte sie die Flüchtlinge zusammen mit mir ins « Reetshaischen », damit ich nichts verraten konnte. Mehrmals schlief die Familie nachts in einem Erzstollen, um der Gestapo zu entgehen. Thérèse Lambert besass auch eine Pistole, mit der sie ohne zu zögern auf die deutsche Polizei geschossen hätte, behauptet Antoine. Die Befreiung durch die Amerikaner rettete die Familie in letzter Sekunde vor der Verhaftung resp. Deportierung.
Nachträglich gesehen muß man Thérèse Lambert zu diesen stillen Heldinnen zählen, welche im Gegensatz zu vielen anderen sich auch nach diesen schlimmen Jahren nicht bemerkbar machten.
Doch die Trauung auf dem Differdinger Berg über die Grenzlinie hinweg wird wohl einzigartig bleiben.
Bildunterschrift : Die Familie Residori-Krippeler mit ihren Kindern Antoine und Marie-Thérèse

Herr Antoine Residori
Groussgasmachinn
C’est dans le cadre des journées du patrimoine que la Ville de Differdange, le Ministère de la Culture, le Service des Sites et Monuments Nationaux et la Groussgasmachinn a.s.b.l. ont exposé le moteur
Diesel Deutz, qui a été acquis par la maison grand-ducale en 1907, sur la place du marché à Differdange du samedi 24 septembre au 9 octobre 2011.
Ce moteur servait à quelque chose qu’aujourd’hui chaque famille luxembourgeoise considère comme étant un droit «fondamental» : L’électricité dans la maison ou l’appartement.
A l’époque, le réseau électrique n’ayant pas encore atteint Colmar-Berg, le seul moyen de pouvoir disposer de la lumière électrique était de faire son électricité soi-même. Aujourd’hui, les pompes à chaleur ou cellules solaires remettent le propriétaire d’une maison dans la même situation : celle d’un producteur d’énergie.

L’exposition était accompagnée de panneaux explicatifs et de matériel multimédia sur l’évolution énergétique nationale.
Differdange n’a pas été choisie par hasard comme lieu d’exposition de ce moteur : Le grand moteur à gaz Nr. 11 de l’usine sidérurgique de Differdange fut mis en service en 1939 pour récupérer les gaz de hauts-fourneaux, un déchet industriel, afin d’en produire de l’électricité pour l’usine et le réseau national. Ce moteur de 1.100 tonnes et le bâtiment de la centrale à gaz, dans laquelle il se trouve, ont été mis sur le registre des Monuments Nationaux en août 2007.
En mars 2009, le Gouvernement a pris la décision de principe de préserver ce grand moteur à gaz dans le cadre d’un Musée de l’Energie Industrielle à instaurer sur le territoire de la Commune de Differdange.
Projet en élaboration
Alors que les travaux de préservation du moteur ont commencés, un projet est en élaboration pour abriter cette extraordinaire collection d’équipements énergétiques sur le territoire differdangeois. Ce musée va être le témoin historique de la (R)évolution énergétique, tout comme un centre des énergies futures.

Parc de récréation “Um Bierg”
Cette nouvelle aire de récréation près du "Vesquenhaff" de 90 ares, s’intègre parfaitement dans le concept d’offrir aux promeneurs un réseau de parcs à différents thèmes. Accessible également avec le Sondesbus ou par voiture, ce terrain présente l’avantage de se trouver en zone verte entre le centre-ville, la localité d’Oberkorn et Lasauvage. Il est conçu pour offrir un lieu de tranquillité aux familles désirant faire une petite excursion dans la nature.

La prairie fleurie, le champ de tournesol semé par les écoliers, les arbres fruitiers, le tunnel en osier, les butes pour s’exercer en vtt et la tyrolienne, permettent aux familles de passer un moment agréable aux portes de Differdange. L’abri en bois est conçu pour s’abriter des intempéries soudaines ou de l’ensoleillement. Vous remarquerez la toiture verte, couverte de graminées et de fleurs sauvages, constituant un habitat pour les plantes indigènes.

Il est encore prévu de planter différents arbres afin de produire de l’ombre pour le promeneur qui se repose sur un des nombreux bancs tout en observant les enfants explorer les alentours.
Le parc a pu être réalisé grâce à la donation généreuse de la famille Lamborelle qui n’avait que le souci de créer un espace de détente de qualité pour les enfants.
Ce parc a des atouts importants lui promettant un bel avenir.

Accès:
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Aires de jeux
Aire de Jeux écologique Woiwer
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Aire de Jeux Eglise Oberkorn

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Aire de Jeux Ecole Bock Oberkorn

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Aire de Jeux Loushaff
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Aire de Jeux Lasauvage
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Aire de Jeux rue Xavier Brasseur
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Aire de Jeux coin de rue Av. Charlotte / Av. Parc des Sports
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Parc de la Chiers
Le Parc de la Chiers a été aménagé sur une surface de cinq hectares dans le cadre du projet du Plateau du funiculaire. A titre de comparaison, le Parc Gerlache ne fait que 0,80 hectare. Pour Differdange, le nouveau parc devient donc un véritable havre de paix.
Le nouveau poumon vert de la Ville fait le lien entre les localités de Differdange, d'Oberkorn et du Fousbann. Grâce à ses sentiers pédestres et ses pistes cyclables, le parc est accessible à tous les habitants des différents quartiers de la ville et invite à la détente et offre des moments d'évasion à toute la famille. A côté du Parc Gerlache au centre ville, il s'agit d'une deuxième zone de verdure en plein milieu de Differdange qui a pour but de rehausser la qualité de vie des citoyens.
Pour garder le caractère sauvage du site et pour la mise en valeur et l'évolution du biotope, l'intervention dans le milieu naturel a été réduite au maximum. La renaturation de la Chiers s'est faite sur une longueur de 500 mètres et le cours d'eau actuellement canalisé sera mis à ciel ouvert. Le ruisseau coule sur un tracé méandriforme à travers le parc et l'ancien lit artificiel de la chiers a disparu. Nos décideurs politiques tentent de préserver la richesse de ce patrimoine naturel et culturel que constitue la Chiers.
Dans la partie nord du parc, différentes sources d'eau alimentent un étang de 60 mètres de long et de 22 mètres large.




Parc Schlassgaart
Promenade des sculptures à Differdange.
La Ville de Differdange a le grand plaisir de vous présenter sa nouvelle promenade des sculptures. C’est grâce à la collaboration avec ArcelorMittal, propriétaire du terrain, et la Miami University, implantée depuis de nombreuses années sur le site même, qu’une partie du grand parc entourant le Château de Differdange peut ouvrir ses portes au grand public.




Les sculptures réalisées lors des symposiums de sculpture des années 2009 et 2011 ont ainsi trouvé un cadre très idyllique et peuvent être admirées par les promeneurs qui auront accès au parc tous les jours de 10h00 à 20h00 heures par la rue Saint Hubert ou par le quai CFL direction Esch-sur-Alzette :
Les œuvres des sculpteurs suivants ont trouvé leur emplacement au parc jusqu’à présent mais il n’est pas exclu que de nouvelles sculptures s’y ajouteront lors des prochaines éditions du symposium de sculpture.
Pedro Ania (Espagne)
2011
Gabriele Loi (Italie)
2011
Josep Manuel (Espagne)
2011
Pedro Jordan (Espagne)
2011
Giuliano Giussiani (Italie)
2011
Tania Röder (Allemagne)
2011
Rob Kierkels (France)
2009
Paolo Vivian (Italie)
2009
Adriana Badii (Argentine)
2009
Juan Carlos Mercurio (Argentine)
2009
Miguel Isla (Espagne)
2009
Ateliers de modelage
La commission culturelle de la Ville de Differdange en collaboration avec le « Jugendtreff » Differdange vous informe qu’à partir du lundi, 3 octobre 2011 seront organisés, des ateliers de modelage.

avec Kingsley Ogwara, artiste,
diplômé en beaux arts et arts appliqués
Ce cours de sculpture sur argile s’adresse aux débutants aussi bien qu’aux avancés de tout âge. Il vise à approfondir les connaissances de modelage avec l’argile. Les participants travailleront, à travers l’argile les proportions, l’anatomie et la construction géométrique du corps humain – tête, torse, corps entier. Dans les sculptures, l’essence humaine sera mise en évidence et cela permettra aux participants d’apprendre à dessiner et sculpter de mémoire d’une manière rigoureuse et réaliste.
Les cours auront lieu à la maison des jeunes de Differdange, 5, rue Roosevelt L-4662 Differdange.
Langue véhiculaire : anglais et français
Prix : 50 € pour les 10 cours
Dates : 03.10.2011,
10.10.2011,
17.10.2011,
24.10.2011,
31.10.2011,
07.11.2011,
14.11.2011,
21.11.2011,
28.11.2011,
05.12.2011.
Horaire : 19h00- 21h00
Matériel requis : crayon et bloc d’esquisses
Informations et inscriptions au service culturel : Tél. 58771 -1900
Die Sporthalle, damals ein Jahrhunderprojekt
Die Sporthalle, damals ein Jahrhundertprojekt
Jetzt wo die Gemeindeverwaltung beabsichtigt, ein neues Sportzentrum an Stelle der aktuellen Sporthalle in Oberkorn zu bauen, sollte man sich vielleicht an die Anfänge erinnern.
Im Jahre 1936 wurde unter Bürgermeister Emil Mark das offene Schwimmbad im Rahmen der damaligen Notstandsarbeiten fertig gestellt. 1965 wurden die technischen Anlagen verbessert und eine Beheizung des Beckens installiert. Schliesslich wurde das Schwimmbad im Jahre 1997 komplett modernisiert und erhielt das jetzige Aussehen.
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Das an das Schwimmbad grenzende Stadion wurde 1950 fertig. Es bestand aus einem Fussballfeld mit Tribünen und Stehplätzen für 10.000 Zuschauer, einem Trainingsfeld, Tennisplätzen, einem Basketballfeld, einer Aschenbahn und Einrichtungen für jede Art von Leichtathletik. Seiner Bestimmung übergeben wurde das Stadion am 18. Juni 1950. Ein zweiwöchiges sportliche Rahmenprogramm sollte im ganzen Land auf diese neue, moderne Freiluftsporteinrichtung aufmerksam machen. Es gab Konzerte,ein Fechtturnier, Leichtathletik-meetings, Basketballspiele, eine « rallye cycliste », Fussballtreffen, Turnfeste der « Pupilles », Degenfechten zwischen Nationalmannschaften, Tennisturniere mit Spitzenspielern, Hundedressurvorführungen, rhytmische Gymnastik und 5 Boxkämpfe des « Roude Léiw » gegen andere Boxclubs. Sogar Pferderennen fanden zeitweise dort statt. Im Jahre 1963 erhielt das Stadion eine neue Flutlichtanlage und eine moderne Lautsprecheranlage.
Zu dieser Zeit kaufte die Gemeindeverwaltung bereits 8,5 ha in der Nähe mit der Absicht später einmal eine grosse Mehrzwecksporthalle dort zu errichten. Im Jahre 1962 war es dann soweit. Der Schöffenrat führte Gespräche mit einer Beratungsstelle für kommunalen Sportstättenbau in Deutschland. Die Planung übernahmen die Architekten Paul Kayser und Jean Lanners, Gewinner des Wettbewerbs, der vom Schöffenrat ausgeschrieben worden war.
Nach den Wahlen von 1964 kaufte der neue Schöffenrat bestehend aus Bürgermeister Jean Gallion und den Schöffen Jos Haupert und Jéhan Steichen noch weitere 3,5 ha hinzu, so dass man den Bau in Angriff nehmen konnte. Der Kosten wurden auf 105 Millionen Franken veranschlagt. Dieser Kostenvoranschlag wurde im Juli 1965 vom Gemeinderat angenommen. Die Arbeiten wurden nach der öffentlichen Ausschreibung an die Unternehmerfirma der Gebrüder Lazzara aus Niederkorn vergeben. Den Haushalt 1967 lehnte die Opposition im Gemeinderat ab und zwar wegen des Baus eines Sportkomplexes, « den man ruhig als wahnsinnig bezeichnen könne und welcher zum finanziellen Ruin der Gemeindeverwaltung führen würde. »
Die Straußfeier konnte bereits im November 1967 stattfinden. Dabei wurde das Grunddokument in einer Schatulle in die Betonwand nahe des Eingangs eingemauert. Ein regelrechter Grundstein konnte wegen der Betonkonstruktion nicht gelegt werden.
Es gab allerdings wegen der Finanzierung des Rohbaus viel Opposition im Gemeinderat und einen Konflikt mit dem Innenministerium. Im « Journal » und im « Letzebuerger Land » wurde heftig gegen das Projekt und dessen Finanzierung polemisiert. Man schrieb vom « grössten und auch teuersten Sportkomplex des Landes ». Dabei soll die 200-Millionen-Grenze (Luxfranken) überschritten werden bei einem vorgesehenen Kostenvoranschlag von 105 Millionen Franken.
Und tatsächlich mit seinen 950 Zuschauern auf den Tribünen der Mehrzweckhalle und den zusätzlichen 450 Plätzen im Parterre, dem 25-Meterschwimmbecken, den grosszügig geplanten Sportsälen im Kellergeschoss, alles versehen mit modernster Technik und in solider Bauweise stellte der Oberkorner Komplex die grösste und best eingerichtete Sportstätte im Lande dar. Nicht nur für Sport, sondern auch für internationale Shows, Kongresse, Ausstellungen Konzerte musste die Sporthalle herhalten.
Die anspruchsvollen Einweihungsfeierlichkeiten begannen am 7. September 1969. S.K.H Prinz Charles mit seiner Gattin Joanne war anwesend, sowie Sportminister Gaston Thorn. Bürgermeister Jos Haupert mit den Schöffen J. Conter und René Bürger begrüßten die vielen Ehrengäste. Während zwei Stunden wurden alle möglichen Sportarten vorgeführt, die zeigen sollten, dass man für alle Sportarten vorgesorgt hatte. Das Einweihungsprogramm zog sich über eine ganze Woche hin. Jeden Tag traten andere bekannte internationale Stars und Mannschaften auf. Es gab grosse Konzerte Schwimmwettbewerbe, Turnen, Fechten, Tischtennis …und Udo Jürgens. Die Polemik über die Prozedur der Finanzierung zog sich allerdings bis zum September 1971 hin.

LËTZEBUERGER MUSEKFESTIVAL
De Comité des Fêtes vun der Stad Déifferdeng invitéiert op déi 2. Editioun vum « Lëtzebuerger Musekfestival VUN HIPPCHES OP HAAPCHES», an dat an der « Hall La Chiers », Samschdes, den 29. Oktober 2011 vun 18h00 un bis spéit an d’Nuecht. D’Diere gin ëm 17h00 opgespaart.
Vun 18h00 - 19h00 ass „Béier-Häppy Aua“, da gëtt et zwee fir een!
Eng hellewull Museksgruppen spillen hier eege Lidder mat Texter a lëtzebuerger Sprooch. All Zort Musek ass vertrueden, et geet vu Folk, iwer Rock an HipHop bis zum Häwi Mättel. Mat derbäi sinn:
BENNY & THE BUGS
DE LÄB
MILLERMOALER
SÄITESPRONG
SERGE TONNAR & LEGOTRIP
SPACK-O-MAT
TËSCHEGAS
Spot deen um Radio leeft ! Op de Radio klicke fir ze lauschteren !
An engem uerëge Kader gëtt natierlech och traditionnel lëtzebuerger Kascht zerwéiert an nët ze vergiessen: eise gudde lëtzebuerger Béier!
Et gëtt ënner aanerem Okult a Wëllen Ourdaller VUM FAASS!
De Virverkaf leeft ab den 9. September am Kulturbüro vun der Stad Déifferdeng an op www.e-ticket.lu.



Eine traurige Grenzgeschichte
« sie konnten zusammen nicht kommen… »
In der Nummer 2 der kulturellen Zeitschrift « Galerie » aus dem Jahre 1986 finden wir folgende Abschrift eines Zeitungsartikels, die besagter Zeitschrift ohne nähere Angaben damals zugeschickt wurde :
Es muss sich wohl um den Zweiten Weltkrieg handeln.
Da der Artikel trotz intensiver Suche in keiner Luxemburger Zeitung aus dieser Zeit zu finden ist, ist anzunehmen, dass er in einer grenznahen deutschen Zeitung erschienen ist.
Beim Schöffen, der die Trauung vornahm, kann es sich nur um Albert Goerres handeln, der von 1950 bis 1955 sozialistisches Mitglied des Differdinger Schöffenrates war. Zu dieser Zeit war jedoch der Krieg vorbei. Allerdings hätte er auch als Ratsmitglied eine Trauung vollziehen können. Er war nämlich seit 1934 ununterbrochen Mitglied des Gemeinderates.
Weiter fragt man sich, weshalb die beiden nicht zusammen kommen konnten. Möglicherweise war es dem französischen Marinesoldaten verboten, das Land zu verlassen. Doch warum durfte das Fräulein Krippler nicht nach Frankreich einreisen? Vielleicht besitzt einer unserer Leser den Schlüssel zur Erklärung dieser mysteriösen Angelegenheit… ?
« Kriegstrauungen » gab es im ersten und zweiten Weltkrieg. Es handelte sich um ein stark vereinfachtes Verfahren, das innerhalb kürzester Zeit vollzogen werden konnte, damit der Soldat so schnell wie möglich wieder an die Front gelangte, wo man beständig mit seinem Tode rechnen musste. Daneben gab es im zweiten Weltkrieg noch die « Ferntrauung », die in Abwesenheit des Partners vollzogen werden konnte und die « Leichentrauung », welche zur Anwendung kam, nachdem der bisher in « wilder Ehe » lebende Soldat gefallen war. Auf diese Weise war sie soziale Absicherung der Frau mit dem Nachwuchs gewährt. Es gab aber auch die « Totenscheidung » für « unwürdige Kriegerwitwen. ».
Zöllner in Differdingen während der Kriegsjahre waren :
Christoph Beck wohnhaft in Rodange, Karl Bergmann wohnhaft in Differdingen, Johann Bölsterling wohnhaft in Rodange, Heinz Böttcher wohnhaft in Differdingen, Wilhelm Daurer wohnhaft in Lamadelaine, Fritz Friese wohnhaft In Rodange, Helmuth Glas wohnhaft in Oberkorn, Paul Hainke wohnhaft in Differdingen, Hermann Hünerfauth wohnhaft in Oberkorn,Theodor Marschall wohnhaft in Lamadelaine, Anton Rieger, wohnhaft in Lamadelaine, Jodef Schaefer, wohnhaft in Rodange und Joseph Schmitz wohnhaft in Rodange.
Douane III
Die eifrigen Beamten in Lasauvage (2)
Jean Diderich erzählt:
Et woaren zu Zoowaasch e puer Leit déi méi franséisch wéi d’Fransouse woaren. Eng Damm ass all Dag op Zoune gaang fir d’Baguette an d’Zoossiss fir hire Mann ze kafen. Do woar jo alles besser a méi bëlleg ! Et woar eng flott Fra, an d’Douanieren haten et op se ofgesinn. Si hu se richteg gepisakt. Sonndes hat eise Bäcker, de Jempi op an da si vill Fransousen hir Baguette bei hie kafe komm. Dat woar dee klenge Grenzverkéier.
Déi franséisch Douanieren haten ënner der Bréck en Haischen, mä se waren net dacks do. Enges Daags sinn ech mat menger Fra, et woar eréischt siwen Auer, do spadséiere gaangen. Bei der Bréck ass e klenge Wee iwwer d’Crosnière erop op de Fussballsterrain gaang. A mär si ganz stramm no eise Pabeiere gefrot ginn, genee 200 Meter vun der Schoul ewech. Ech hu gesot, da sollen se mat eis heem kommen, da kinnt ech hinnen eis Pabeiere weisen. Du hu se d’Saach si gelooss.
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Mä dat allerschlëmmst woar d’Saach mam Magnetophon. Ech hat mengem Brudder vun Esch säin ale Magnetophon geléint. A mär hu wéi sou dacks de Bus fir op Däitschoth geholl, fir vun do aus op Zounen ze kommen. Op der Douane zu Oth klëmmt en Douanier an de Bus era kontrolléieren. De Bus woar struppevoll. Wat ech do hätt? Ech hunn dem gudde Mann dunn erklärt, ech misst duerch Frankräich fuere fir op Sauvage a méng Wunneng ze kommen. Dat ass einfach net an deem säi Kapp eragaangen. Ech hu misse mat op de Büro goen an dem grousse Chef dat erklären. Deen huet mer gesot, hie kënnt net gleewen, dass e Lëtzebuerger Schoulmeeschter keen Auto hätt a misst mat hirem Bus fueren. Déi Zäit huet de Bus mat menger Fra drann musse woarden an d’Passagéier woare guer net frou. Eng Véierelstonn huet dat gedauert. Et woar nach gutt, dass de Magnetophon wierklech en aalt Stéck woar, ganz zerschréipt a knaschteg.
Niklosdag hate verschidde Leit och Problemer. Vill Sauvager Leit hate Famill zu Zounen an zu Héiseng. An dann hu se missen iwwer d’Douane bei Baache Jang fueren. Deen Dag woar d’Douane bal ëmmer besat, an deemno wat fir en Hennes do woar, hunn d’Leit missen Taxen fir hir Kaddoë bezuelen.
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Mär sinn och nach op d’Douane "um Bau" gefuer an hunn den Auto, de Fotoapparat an aner Apparater plombéiere gelooss, fir se kënnen spéider mat an aner Länner ze huelen.
All dat, kann ee sech haut net méi virstellen. Gott sei Dank huet déi Schengener Konventioun vun 1990 deene Schikanen en Enn gesat.
Douane II
Die eifrigen Beamten in Lasauvage.
Dass die Zollaufsicht in einem Grenzdorf wie Lasauvage auch nerven kann, erzählt Jean Diderich, welcher von 1961 bis 1971 Lehrer in Lasauvage war.
“Lasauvage woar de Lëtzebuerger Douanieren hiert Spillfeld. D’Volante woar zimlech dacks do. Déi meescht woare cool. Mä do ass et e Chef ginn, deen séng Autoritéit onbedingt voll ausgespillt huet. An dat ass em eng Kéier an d’Box gaang.
Mäi Schwoer huet an der Direktioun vun der Eisebunn geschafft. An déi Beamten, zesumme mat deene vun der Stater Douane hunn all Joer Cognac an Armagnac am Grousse bestallt, gant offiziell, mat Dédouanement an Taxen. Ech hat mer 3 Liter reservéiert. Déi sinn ech owes bei hie siche gefuer a si géinz 10 Auer a mäi Garage am Schoulhaff eragefuer. Vum Garage bis op d’Trap sinn et ongeféier 50 Meter. Ech hat meng Bonbonne am Grapp, an dunn ass den Douanieren hir DS tëscht mech an d’Trap gefuer, si sinn aus dem Auto erausgesprongen an hu mech an engem strengen Toun gebaupst, wat ech do hätt. Ech sot voller Houfert : 3 Liter Armagnac. Deen hätt ech geschmuggelt a si géife mer deen elo konfiskéieren, hunn se behaapt. Ech konnt hinne laang a breet erklären, ech kéim elo eréischt vun Nidderkuer hir. Nee, si hätte mech gesinn, aus Richtung Zoune kommen, laanscht de Bäcker. Mir war wierklech virdrun e VW opgefall, dee queesch duerch den Haff gefuer war. Si hu mech mat deem verwiesselt. Et woar näischt ze maachen, d’Diskussioun ass méi hefteg ginn. Dee jonken Douanier huet sengem Chef ëmmer erëm erklärt, ech wär dach de Schoulmeeschter an d’Saach wär scho richteg. De Chef huet den Armagnac konfiskéiert ! Ech hunn e gedoe mir eng Quittung ze schreiwen an hunn ëm nach gesot, ech géif drop halen, dass mäi Cognac net gedeeft géif ginn, iert ech en erëm krit. Du huet e mer dohi gebass, dee krit ech net erëm. Natierlech hunn ech mueres um aacht mäi Schwoer um Büro ugeruff. An ech mengen du sinn d’Telefonen an der Stad woarm gelaf. Um zwielef, d’Schoul woar just aus, du schellt et. Wie stoung vrun der Dir mat enger Bonbonne am Grapp an engem bedepperte Gesiicht ? Mä e konnt sech et net verknäifen, eng Bemierkung ze maachen, ech hätt Protektioun, mä déi nächst Kéier géif dat net esou einfach goen !

Déi Douanieren haten d’Gewunnecht hiren Auto am Schoulhaff bei der Goulette ze wäschen. Mat deene meeschten woar gutt fueren. Enges Daags woaren se erëm do. Deen een huet säi Rimm mam Revolver ausgedoen an en op den Daach vum Auto geluecht. Wéi se fäerdeg woaren, si se Richtung Kierch fortgefuer. Ech hunn hinnen nach nogeruff, mä si hunn net héieren. Eng Zäitchen drop si se erëmkomm an hunn op der ganzer Streck nom Revolver gesicht. Dee woar verschwonne. Ech hunn och ni am Duerf erausfonnt, wien e fonnt hat !
Eise Paschtouer ass mueres op Esch an de Lycée schaffe gefuer. Si mussen deen um Napp gehat hunn, well si hunn en zimlech dacks uewe bei der bloer Brak ugehal a säin Auto duerchsicht.

Enges Daags huet e Bekannten eis vu Mamer heembruet. Hie woar Feinmechaniker, spezialiséiert op Instrumenter vun Zänndokteren. An deen Owend hat hien eng ganz Zänndokteschinstallatioun an der Mall, déi hie sollt nokucken. Géint zwou Auer hunn d’Douanieren hien uewen um Bierg ugehal an ënnersicht. En ass mat op d’Zentral geholl ginn. Dat huet déi ganz Nuet gedauert, den Dokter huet missen erklären, wéi déi Saach woar. Ni méi kommen ech op Lasauvage, sot eise Bekannten herno Ufanks der siechzéng Joren ass nach ëmmer vill geschmuggelt ginn. Iwwert de Boulesterrain. Dee läit hallef op franséischem Territoire. Ech hunn eng Kéier d’Woch do gespillt an hu méi wéi eng Kéier gesi, wéi Motorseeën, Fëschstäbchen an aner Saachen Iwwergedroe si ginn. Vu Surfrance (Wee fir op Zounen hanner dem Boule-Terrain) konnt een deemools nach mam Auto déi aner Säit bis bei den Terrain kommen.”
(Fortsetzung in der nächsten Nummer)
Douane
« Rien à déclarer ? »
Im Jahre 1993 ist die Zollverwaltung ihrer früheren Aufgabe, nämlich der Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs größten Teils enthoben worden. Sie hat heute eine ganze Reihe anderer Kontrolltätigkeiten im fiskalen Bereich, beim Drogenschmuggel, aber auch beim Umweltschutz und der Kontrolle des Eu-übergreifenden Verkehrs übernommen. Doch die Differdinger als Bewohner eines Grenzortes erinnern sich noch gut an den « Douanier » « um Bau » mit seiner bekannten Frage: »Hutt der näischt ze verzollen? » Oder « rien à déclarer ?».
1894, als die Straße nach Hussigny fertiggestellt war, wurden « Um Bau » erstmals Grenzkontrollen vorgenommen. (Kodisch). Vorher mußte man die Grenze beim Zollbüro an der Straße Luxemburg-Longwy überqueren.
Der Differdinger Grenzposten
Der Posten wurde im Jahre 1924 per Gesetz als « succursale de douane » eingerichtet, nachdem die Hütte im Jahre 1923 das dafür notwendige Gelände zur Verfügung gestellt hatte. Darauf errichtete man ein Zollhäuschen, das inzwischen (leider) abgerissen wurde. Nur der Baum, unter dem das Häuschen stand, existiert noch (unser Bild). Dass man in früheren Zeiten gerne versucht hat, Alkohol, Kaffee oder Tabak ohne die Entrichtung der Akzisen am « Douanier » vorbei zu schmuggeln und durch den Preisunterschied zwischen Frankreich und Luxemburg Geld zu verdienen, war völlig normal.

Wegen des heftig betriebenen Schmuggels in der Gegend um Lasauvage verfügte Differdingen denn auch zeitweise über eine motorisierte Einheit, welche die Grenze in dieser Region überwachte. Allgemein bekannt war sie unter der Bezeichnung « d’Fligend ».
Zuständig war der Posten in der rue de Hussigny für ganz Differdingen, Bachermühle, Bëschendall, Fond-de-Gras, Fond de Hussigny, Kahlbréck, Kuelesgrond, Lasauvage, Oberkorn, Roudenhaff und ferme Vesque. Dem « arrêté grand-ducal » vom 21. Februar 1928 betreffend einer Zweigstelle der Zollverwaltung bei der « ferme Vesque » entnehmen wir den weiteren Kontrollbereich der Differdinger « Douaniers » :
- Drahtseilbahn Differdingen – Oettingen (Frankreich)
- Schmalspurbahn : Gruben Prince Henri und Grandbois – Hütte Hussigny-Godbrange
- Schmelz Hussigny-Godbrange – Schlackenhalde (Luxemburger Territorium)
- Schmalspurbahn Lasauvage (inkl Herrenbusch und Grandbois) – quai Gouraincourt (De Saintignon Longwy)
Hatte eine Erzgrube einen Ein-oder Ausgang im nahen Frankreich, so wie in Rumelingen, so wurden auch die betreffenden Stollen vom Zoll kontrolliert.
Im Buch « La douane luxembourgeoise hier et aujourd-hui » finden wir ein Organigramm von 1918. Damals versahen folgende Zöllner ihren Dienst in Differdingen : Pierre Roilgen, Jean-Grégoire Schaul, Joseph Mitten, Victor Weydert und Michel Schmit. Niederkorn :Jean-Baptiste Ferber, Nicolas Martin, Jean-Baptiste Hostert.
Reger Schmuggel
Eine einzigartige grenzbedingte Besonderheit gab es bis 1980 in Lasauvage. Da der Friedhof auf französischem Territorium liegt, musste bei Begräbnissen jedes Mal ein französischer Grenzbeamter anwesend sein.
Gleich nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Schmuggel besonders intensiv betrieben, so dass man sogenannte « Hilfsgendarmen » einstellte, um die Grenze zu kontrollieren. Diese hatten jedoch nur eine minimalistische Ausbildung. Und so geschah es im Grenzgebiet bei Kuentzig, am 28. Juli 1945, dass einer dieser Hilfsgendarmen seinen Kollegen Nic Kneip aus Petingen erschoss, weil er ihn mit einem Viehschmuggler verwechselt hatte.

Die Differdinger begaben sich im Laufe der Jahre gerne zu Fuß auf den Markt nach Hussigny, wo sie die beliebten französische Erzeugnisse wie Käse und Wein einkauften. Dasselbe galt für die Niederkorner, welche die «Hiel» hinauf bis nach Longwy auf den Markt und zurück wanderten.
Oben in der « Hiel » zur Seite des « Honsbësch » gab es vor dem ersten Weltkrieg die Wohnhäuser für die Zöllner, die « Gaardenhaiser », (die Zollbeamten wurden damals « Gaarden » genannt : Katrin C. Martin in Nicolas Kodisch : Studien zur Toponymie und Geschichte der Gemeinde Differdingen). Vor dem ersten Weltkieg bestand die Absicht der Gemeindeverwaltung, Zöllnerwohnungen in der alten Schule in Niederkorn einzurichten. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Die Schule wurde am 10. Mai 1940 ein Raub der Flammen.
Josy Moutschen erzählt in seinem Bändchen « Oberkorner Geschichten » vom Pfarrer Toorchen, der während der « Houmass » ein Fass Wein von Hussigny nach Oberkorn schmuggeln liess, weil die Zöllner alle im Hochamt waren. (Hussigny gehörte 1714 zur Pfarrei Oberkorn). Nicolas Kremer erzählt in seinem Buch « Wéi et deemools wor », dass die französischen « douaniers » seinen Vater einmal gezwungen hatten, seinen ganzen Eimer wilder Erdbeeren, die er auf dem Berg gepflückt hatte auf den Boden zu entleeren, weil sie auf französischem Territorium gepflückt worden waren. In der nächsten Nummer lassen wir den früheren Lehrer in Lasauvage Jean Diderich zu Wort kommen, der wie sehr viele Lasauvager mit der « Fligend » zu tun hatte.

Le service Biblio-Mobil
Le service de la bibliothèque municipale, en collaboration avec le Centre d’Initiative et de Gestion Local (CIGL) et l’association «Liesen zu Déifferdang» offrent un nouveau service aux habitants de la commune de Differdange. Il s'agit du service :
Biblio – Mobil
Les habitants à mobilité restreinte ne seront plus forcés de renoncer à la lecture. Les livres et audiodisques de la bibliothèque municipale resteront à leur disposition. Ils leur seront livrés à domicile par courrier «Biblio-Mobil».

Les intéressés ayant des problèmes de mobilité pourront s’inscrire par téléphone jusqu’au 15 avril au plus tard :
Tél. : 58 77 1 – 1244 ou
58 77 1 – 1249
Les explications et conditions de prêt leur seront communiquées par la même occasion.
Les premiers volumes seront livrés au courant du mois de mai. La livraison et la récupération des livres lus se fera mensuellement.
Tout comme les clients habituels de la bibliothèque municipale, les clients de «Biblio-Mobil» pourront choisir parmi plus de 30.000 volumes et une multitude de disques audio .
Les clients concernés indiqueront leurs préférences en matière de lecture sur un formulaire spécial que leur sera remis après l’inscription. Le personnel de la bibliothèque en tiendra compte dans la mesure du possible.
Tout comme le prêt habituel, l’action «Biblio-Mobil» sera gratuite pour les usagers.
Association des commerçants de la Ville de Differdange

Le comité se compose comme suit:
Président: Madame GUISCH Guillaine (Couture Guisch)
Vice-président: Monsieur BORGES Tony (Chaussures Don Diego)
Secrétaire: (Couture Guisch)
Trésorier: Monsieur BINSFELD Yves (Garage Binsfeld)
Pour tous renseignements
Par téléphone à Mmes GUISCH ou FOURNY au 58 75 54 ou par Email : .(JavaScript must be enabled to view this email address)
Site : http://www.acomm.lu
Den Dolles
« Dolles », eine schon fast historische Figur
2 Minister brachte Niederkorn bisher hervor, berühmte Sportler und…eine waschechte Prinzessin! Doch da gab es noch einen berühmten Niederkorner, den man der jüngeren Generation nicht vorenthalten sollte, den « Dolles » ! Der Bezeichnung « Strummert » wurde er bestimmt nicht gerecht. Er gehörte einfach zum Dorf wie der « Pësselbuer », den es leider auch nicht mehr gibt. « Dolles », mit richtigem Namen Pierre Adolphe Schockmel, wurde am 19. Februar 1896 geboren und verstarb am 12. Dezember 1970 im Niederkorner Spital, wo die Barmherzigen Brüder ihn bis zuletzt gepflegt hatten. Ueber den « Dolles » gab es viel zu erzählen : Man bewunderte ihn , weil er nie im Leben gearbeitet haben soll, nur die deutschen Besatzer hätten ihn zum Arbeiten gebracht, er sei im Spital gestorben, weil man da versucht hätte, ihn in eine Badewanne zu stecken usw.

« Dolles » hatte seinen Stammplatz auf einer Bank auf dem Niederkorner Marktplatz. Von da aus beobachtete er das Dorfgeschehen, äusserte sich jedoch nie darüber, höchstens in Selbstgesprächen, die er zuweilen führte. Wenn jemand ihm, was hin und wieder vorkam, neue Stiefel schenkte, so schnitt er sogleich mit dem Messer die Stiefelspitzen auf, was wahrscheinlich der stiefelinneren Klimatisierung zuträglich war. Trotz seines schmutzigen Aussehens, seines wild wuchernden Bartes, seines speckig glänzenden Hutes und seines abgetragenen Ueberziehers, liebten ihn die Niederkorner. Auch die Schulkinder, welche über den Marktplatz hinweg zur Schule gingen, hatten keine Angst vor ihm. Viele blieben stehen und unterhielten sich mit ihm. Seine Aussprache war jedoch ziemlich undeutlich.
Geleistet hat der « Dolles » nichts, nicht einmal für sich selber. Und trotzdem war er beliebt, vielleicht gerade deshalb. Ein bißchen Neid spielte schon immer mit, wenn die Niederkorner herumerzählten, dass der « Dolles » noch nie in seinem Leben einen Finger gerührt hätte. Nicolas Kremer schreibt zwar in seinen Erinnerungen « wéi et deemools wor », « Dolles » habe vor dem Krieg kleinere Arbeiten ausgeführt wie Gartenbeete umgraben oder Holz hacken, was ihm jedes Mal eine Mahlzeit einbrachte. Jedenfalls tat er solches nach dem Krieg nicht mehr und trotzdem stand auf vielen Fensterbänken ein Teller Suppe oder sonstwas für ihn bereit. Sein Nachtlager befand sich in einer Scheune in der Theisstrasse.



Einen Höhepunkt erlebte er am 25. Mai 1966, als in Niederkorn Firmung war. Bischof Léon Lommel wurde bei seiner Ankunft in der Nähe des Marktplatzes von den Autoritäten aus Gemeinde und Pfarrei empfangen. Kinder überreichten ihm Blumen. Der Bischof sah sich um und bemerkte den « Dolles » auf seinem angestammten Platz. Er liess das Empfangs-Komitee stehen, ging mit seinem Blumenstrauss auf ihn zu und gab ihm die Hand. Ob sich « Dolles » der Ehre bewusst war, die ihm widerfahren war, war nicht festzustellen. Sein Gesichtsausdruck blieb unergründlich. Abbes Jacoby, der fotobegeisterte Niederkorner Lehrer, der sein Haus nie ohne seine « Mamyaflex » verliess, hielt die Szene für die Nachwelt fest.
Aloyse Bernard, Präsident des « Garten und Heim » Niederkorn, kümmerte sich damals ein wenig um den « Dolles ». Er war es auch, der das Grab vom « Dolles » liebevoll bepflanzte. Nach dessen Tod übernahm Raymond Souvignier bis heute diese Aufgabe, so dass dem « Dolles » auch heute noch eine einfache, aber äusserst gepflegte Grabstätte zusteht, ein Zeichen, dass die Niederkorner den « Dolles » auch wenn er aus dem Stadtbild verschwunden ist, nicht vergessen haben.
Kommunistesch Partei Letzebuerg
Vor 90 Jahren : Clara Zetkin in Differdingen.
Gründung der kommunistischen Partei Luxemburg.
Nach dem ersten Weltkrieg, am 24. Januar 1919 veröffentlichte Lenin sein Manifest an die Arbeiter der ganzen Welt zwecks Gründung einer “Dritten Internationalen”. Die Zweite Internationale hatte « versagt », als 1914 die Mitglieder auf einmal ihre « Vaterlandsliebe » entdeckten und für den Krieg eintraten.
Die Luxemburger Sozialistische Partei tagte am 1. und 2. Januar 1920 in Differdingen, um über den Anschluss an die Dritte Internationale zu beraten. Der Kongress fand am Neujahrstag 1921 im festlich geschmückten Saal Heidel in der Nähe des früheren Bahnhofs statt.
Es gab heftige Diskussionen. Schliesslich wurde der Antrag Th. Ewert angenommen, der besagte, dass darüber abzustimmen sei, ob der Anschluss mit oder ohne Vorbehalt anzunehmen sei. Bei Vorbehalten, sollte eine neu zu wählende Parteileitung mit Moskau diskutieren. Der Antrag wurde mit 67 gegen 21 Stimmen angenommen.
Daraufhin erklärten an die 18 Anhänger der « kommunistischen Gruppe » ihren Kollektivaustritt aus der sozialistischen Partei und gründeten anschliessend im Saal Josy Anen in Niederkorn die « Kommunistische Partei Luxemburg ».
Eine ausschlaggebende Rolle spielte dabei Clara Zetkin, welche am 1. Januar auf dem Kongress aufgetaucht war und mit Hochrufen und dem Absingen der « Internationalen » begrüsst wurde. Sie plädierte für einen bedingungslosen Beitritt zur Komintern, auch wenn es zu einer Spaltung kommen sollte.

Eine der ersten Kämpferinnen für die Gleichheit.
Der Name Clara Zetkin ist eng verbunden mit der Anfängen der Arbeiterbewegung und des Sozialismus in Deutschland und Europa, vor allem aber mit der Frauenbewegung innerhalb des Sozialismus.
“Gleichheit” hiess denn auch die Zeitschrift, die Clara von 1892 bis 1917, also 25 Jahre lang sozusagen im Alleingang herausbrachte. Sie erzielte eine Auflage von 140.000. Es war, wie der Untertitel auswies, die “Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen”.
Hauptthema war denn auch das Elend der Fabrikarbeiterinnen, der Dienstmädchen, der Landarbeiterinnen. Kellnerinnen und Hausarbeiterinnen, welche für einen Hungerlohn ihre Gesundheit ruinierten und meistens frühzeitig an Schwindsucht und Erschöpfung zu Grunde gingen. Frauenwahlrecht und Gleichstellung der Frauen waren weitere Themen.
Für Clara Zetkin war die Frauenemanzipation nur in einem revolutionären, marxistischen System zu verwirklichen (was sich später als Illusion herausstellen sollte). Sie stand auch am Ursprung des « Frauentages » vom 8. März, der ja auch heute noch gefeiert wird.
Kompromisslose Kriegsgegnerin.
Clara Eissner wurde 1857 in Wiederau (bei Leipzig) geboren. Während ihres Studiums am Lehrerinnenseminar kam sie schon sehr früh mit russischen Emigranten und Revolutionären in Kontakt. So lernte sie den russischen Studenten Ossip Zetkin kennen, den sie später heiratete. Als Lehrerin mit Abschluss aber ohne Stelle verliess sie Deutschland und lebte längere Zeit in Paris, wo ihr Gatte im Jahre 1889 verstarb. Clara Zetkin zog mit ihren Söhnen nach Stuttgart, wo sie die Redaktion der "Gleichheit" übernahm. Als die deutschen Sozialdemokraten 1914 bedingungslos die Kriegskredite des Kaisers stimmten, war der Bruch mit der Sozialdemokratie perfekt. Mit Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring und etlichen andern geriet Clara Zetkin in der Partei ins Abseits und ein regelrechtes Kesseltreiben gegen die “Abtrünnigen” und “Verräter” begann. 1917 schliesst Clara Zetkin sich der der neu gegründeten USPD an. Der aus ihr hervorgehende “Spartakusbund” konstituierte sich 1918 als KPD. Die kommunistische Partei erhielt bei den Wahlen 1920 zwei Sitze und Clara Zetkin zog am 6. Juni 1920 als Abgeordnete in den Reichstag ein. Am 30. August 1932 eröffnete sie als Alterspräsidentin den Reichstag und rief in einer flammenden Rede in Gegenwart von 230 Braunhemden zum Widerstand gegen den Faschismus auf. Vier Monate nach der Machtergreifung durch die Nazis starb Clara Zetkin in Moskau und wurde an der Kremlmauer beigesetzt.

Die”Mystifikation” Clara Zetkin.
Clara Zetkin verschwand am Abend des 1. Januar aus Differdingen so geheimnisvoll, wie sie aufgetaucht war: “ni vue, ni connue”, wie das “Escher Tageblatt” am 15. Januar in seinem “Supplément N. 12” über Clara Zetkin schrieb. (Die Presse war auf dem Parteitag selbst nicht zugelassen). Clara Zetkin war direkt vom Kongress der französischen Sozialisten in Tours, der vom 25. Dezember bis zum 30. Dezember dauerte und der ebenfalls mit der Spaltung Sozialisten/Kommunisten endete, nach Luxemburg gekommen. Sie hatte in Tours eine ähnliche Rede wie in Differdingen gehalten. Die französische Regierung hatte der Reichstagsabgeordneten die Einreise verweigert und dafür ein neues Gesetz gestimmt. Clara Zetkin brachte es jedoch fertig die Grenze heimlich zu überqueren. Damit riskierte sie eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten bis 3 Jahre.
Trotzdem tauchte sie am 1. Januar zur allgemeinen Ueberraschung in Differdingen auf, wie eine “dea ex machina”, wie die “Soziale Republik” schrieb. Scheinbar hat sie im Zug als unscheinbare Frau mit Strickzeug die Grenze passiert. Das “Escher Tageblatt” schrieb von einer “Mystifikation”. In einem “Interview mit einem Sozialisten”, das das “Escher Tageblatt” am 9. Januar 1921 brachte, fragte man den “anonymen Sozialisten” skeptisch, ob Clara denn nun wirklich in Differdingen gewesen sei, was dieser natürlich bejahte. Clara Zetkin wurde in dem Artikel beschrieben als “alternde Frau aus dem Volke, von eher kleiner Statur, mit weissen Haaren, unansehnliche Erscheinung, doch man müsse sie reden hören. Jeder lasse sich mit fortreissen. Der Zauber sei dahin, wenn sie aufhöre. Sie sei gegen den Krieg und predige jetzt den Bürgerkrieg! Man könne nur Gretchen aus dem Faust zitieren:”Heinrich, mir graut vor dir!”
r.fleischhauer
Die deutsche Zuwanderung in Differdingen
Wir haben im letzten Beitrag über die Einwanderung der Italiener in unsere Gemeinde berichtet. Anfang des vorigen Jahrhunderts gab es allerdings ein genau so wichtiger Zuzug von Deutschen. Allerdings gibt es heute kaum Spuren ihrer Präsenz in unserer Stadt.
Die Zusammensetzung der Differdinger Bevölkerung nach Nationalitäten sah am 1. Januar 1908 folgendermassen aus: 5.089 Luxemburger, 1412 Italiener, 502 Franzosen, 464 Belgier, 51 Oesterreicher, 12 Schweizer, 7 Holländer, 4 Ungarn, 3 Schweden, 4 Russen, 4 Amerikaner, 3 Türken, 1 Engländer und…6049 Deutsche! Also fast soviele wie Luxemburger und Italiener zusammen!
Wie kam das? Eigentlich hing dies mit den finanziellen Turbulenzen zusammen, in welche die 1896 auf Initiative von Alexandre de Gerlache gegründete « Société Anonyme des Hauts-Fourneaux de Differdange » geriet. Wegen Schwierigkeiten beim Beschaffen der Kohle, fusionierte die Gesellschaft 1899 mit der Zeche « Dannenbaum » aus Bochum und nannte sich jetzt « S.A. des Hauts Fourneaux Forges et Charbonnages de Differdange-Dannenbaum ». In dem Moment zählte der Verwaltungsrat bereits 4 Deutsche. Die Deutschen Max Meier und Reinhardt Eigenbrodt leiteten das Werk. Im Jahre 1901 geriet das Werk in massive finanzielle Schwierigkeiten und musste durch die Berliner Bank für Handel und Industrie gerettet werden. Von da an funktionierte sie weiter als « Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft » und gehörte jetzt zum Konzern des deutschen Grossindustriellen Hugo Stinnes. Sein Konglomerat entwickelte sich Laufe der Jahre zum grössten Montankonzern Deutschlands. Im Verwaltungsrat und im Vorstand des Differdinger Werks sitzen jetzt nur noch 2 Luxemburger : Paul Wurth und Charles Simons neben 14 Deutschen.
Ein Wort noch zu Generaldirektor Max Meier: Er war ein hochqualifizierter Fachmann. Unter seiner Regie wurden die berühmten Differdinger Gasmotoren erfunden und gebaut. Das Patent von Henry Grey wurde erworben und das Grey-Walzwerk gebaut. Die Schmelz erhielt weitere Hochöfen, ein Thomas-Stahlwerk wurde errichtet usw. Er kümmerte sich auch um Stromversorgung und Wohnungsbau in der Gemeinde.Seine Verdienste waren unbestreitbar und im Jahre 1904, also zu Lebzeiten des Generaldirektors, beschloss der Gemeinderat, die Strasse welche vom Marktplatz zum Werk und weiter nach Zolwer führt « avenue Max Meier » zu nennen. Erst nach dem Tod von Emile Mark wurde sie in « avenue Emile Mark » umgetauft. Der Direktor wurde auch vom Grossherzog mit dem Titel eines Ritters der Eichenlaubkrone ausgezeichnet.
Selbstverständlich fand die neue Führung die so dringend notwendigen Fachkräfte für den Hüttenbetrieb nicht in unserer Gegend und schon gar nicht in Differdingen. Es wurden daher Spezialisten aus allen Teilen Deutschlands angeworben. Sie nahmen nach und nach alle Führungsposten ein, vom Direktor, Betriebschef über das Verwaltungspersonal bis zum Werkmeister und Vorarbeiter. Zum Beispiel arbeiteten im Jahre 1912 1.200 Luxemburger im Werk, 1.400 Italiener und 1.300 Deutsche. Es gab also ausser den Führungskräften auch sehr viele mehr oder weniger qualifizierte deutsche Arbeiter hier.
Wie verhielt sich nun die deutsche Einwohnerschaft zur luxemburgischen?
Es sieht so aus, als habe es wenige direkte Kontakte zwischen den Deutschen und der übrigen Bevölkerung gegeben. Lucien Marc erzählt in seinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg folgendes : » --Si hunn séch fréier ganz fir sech gehalen, haten hier gemeinsam « Weihnachtsfeiern », hire « Kriegerverein ». hir « Pfadfinder » . Si sinn net an d’Déifferdanger Musek gaangen, mä haten hir eegen « Hüttenkapelle ».---All klenge Preis, dee bei de Bleser, wat och en Däitsche woar, kafe gaang ass, huet bei der Bestellung dobäi gesot, wat säi Papp op der Schmelz woar. Dann huet en e Rondel weider kritt. »
Es gab also etliche deutsche Vereine : Die « Hüttenkapelle », welche gemäss der angekündigten Programme Konzerte mit klassischem Repertoire anbot, ein « Flottenverein », der Kriegerverein « Germania », welcher jährlich einen Tag lang, heftig « Kaisersgeburtstag » feierte, wobei meistens einiges zu Bruch ging, der Turnverein « Attila », die Pfadfinder, welche die Einwohner öfters durch Kriegsspiele nervten. Viele deutsche Namen findet man in den Lokalnachrichten aus dieser Zeit, sei es bei Ehrungen hoher Hüttenbeamten, sei es bei den vielen Betriebsunfällen, oder gar bei kriminalistischen Tätigkeiten und sogar bei den Prostitutierten, welche von der rührigen Gendarmerie festgenommen wurden.
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Der Autor dieses Beitrages erinnert sich, dass ihm in den sechziger Jahren eine ältere Niederkorner Einwohnerin erzählt hat, dass die deutschen Kinder die Lieblinge der Schulschwestern waren. Sie sollen intelligenter, sauberer und fleissiger, als die Luxemburger und Italiener gewesen sein.
Durch die Deutschen gab es im Jahre 1908 894 Einwohner evangelischen Glaubens. Darunter viele vom Führungskader der Hütte. Generaldirektor Max Meier trat deshalb an die Gemeindeführung heran, damit diese eine protestantische Kirche baute. Im Jahre 1909 wurde der Bau im Gemeinderat debattiert und positiv bewertet. Das Ratsmitglied Emile Mark sah das anders : »Sie brauchen keine Kirchen, können ihre Messen und Andachten unter freiem Himmel halten ! ». Wegen des bevorstehenden Krieges wurde der vorgesehene Bau in « Schlossbongert » dann auch nicht ausgeführt.
Nach dem ersten Weltkrieg verlor der Hugo-Stinnes-Konzern seine Lothringer Werke und auch Differdingen. Die Hütte kam unter französisches Sequester und funktionierte später als HADIR weiter. Der Anteil der Deutschen an der Bevölkerung sank von 22,58 % im Jahre 1916 auf 8,72 % im Jahre 1922 (Goergen-Jacoby). Wo sie alle abgeblieben sind, ist schwer festzustellen. Jedenfalls blieben auch etliche im Land. So der in Berlin geborene Grossvater des Autors dieser Zeilen, der als Dreher und später als Werkmeister bei der « Deutsch-Luxemburgischen » arbeitete, eine Luxemburgerin heiratete und bis zu seinem Tode im Land blieb.
r. fleischhauer
Als die Italiener nach Differdingen kamen.
Als die Italiener nach Differdingen kamen
Die komplette Aufmischung der Differdinger Bevölkerung begann Ende des 19ten Jahrhunderts durch den Zuzug der Italiener. Diese haben zweifelsohne im Laufe der Jahre frisches Blut in die vorherige eher dröge Bevölkerung Differdingens gebracht und das gesellschaftliche und kulturelle Leben weitgehend beeinflusst.
Um das Jahr 1910 betrug der Anteil der italienischen Einwohner in der Gemeinde nach Goergen-Jacoby so um die 13%. In diesem Jahr überstieg übrigens der Anteil der ausländischen Bevölkerung der Gemeinde denjenigen der Luxemburger (so wie heute). 59% der Ausländer waren Italiener. Wohlgemerkt waren das fest etablierte Einwohner. Ein italienisches Wohnviertel wie in Düdelingen gab es in Differdingen eigentlich nicht, wenn man einmal von den « Wangert »-Strassen absieht. Daneben gab es nämlich noch die italienischen Saison-oder Wanderarbeiter, von denen ein grosser Teil nicht mitgezählt wurde. Es handelte sich meistens um Junggesellen und unqualifizierte Arbeiter. Der grösste Teil stammte aus den nördlichen Regionen Italiens, hauptsächlich L’Aquila und Macerata. Die jährlicher Migration zwischen Heimatort und Arbeitsstelle der Saisonarbeiter hatte für das Differdinger Werk den grossen Vorteil, dass es die Zahl der eingestellten Arbeiter haargenau der Konjunktur anpassen konnte.
Die Italiener waren durchwegs unqualifiziert. Sie verrichteten die niedrigsten und schmutzigsten Arbeiten. Ihre Löhne lagen im Durchschnitt um 20 bis 40% unter denjenigen der Deutschen und Luxemburger. Ein grosser Teil der Italiener arbeitete in der Möllerei, wo die Minettesteine per Hand umgeladen wurden, um die “Charge” für den Hochofen vorzubereiten. Es wurde in Schichten von 12 Stunden geschaufelt. Sonntags beim “laangen Tour” waren es sogar 24 Stunden. Wenn die Zeiten schlecht waren, gab es unbezahlte Feierschichten in der Woche. Ordungsstrafen, das heisst Abzug vom Lohn waren an der Tagesordnung. Das Fass zum Ueberlaufen brachte jedoch die Einführung der “Alters-und Invalidenversicherung”. Den Beitrag von 70 Pfennig sahen dier Italiener ganz einfach als Lohnkürzung. Die Folge war der « wilde » Streik der Italiener im Jahre 1912, bei welchem es Tote gab.
Solidarität war damals ein Fremdwort. Die deutsche Direktion sprach von « italienischem Gesindel ». P. Christnach, « berittener Zollaufseher » im Ruhestand schrieb im Hinblick auf die Ereignissen von 1912 in Differdingen von « Pöbelhaufen », « Abschaum aller Länder », « Menschen die vor Mord und Raub nicht zurückschreckten ». Nur der Differdinger Schuster und Gewerkschaftler Georges Droessaert stellte sich damals hinter die Forderungen der Italiener.
Die Wohnverhältnisse der Italiener waren katastrophal. Auszug aus einem Leserbrief im Luxemburger Wort von 1907 : »Das Sparsystem, das die genügsamen Italiener hier einschlagen ist in hygienischer Sicht gewiss kein Empfehlenswertes, aber es lässt die Italiener weit billiger leben, als selbst unsere Landsleute. Eine ganze Anzahl Arbeiter mietet zusammen ein Quartier und oft liegen 8-10 Mann in einem Raum zusammen. Dasselbe dient zugleich als Stube, Küche und Schlafzimmer. » Daher würden sie mit sehr wenig Geld auskommen und monatlich viel Geld nach Italien schicken. Ausserdem sei es normal, dass den Italienern die schwersten Arbeiten zum geringsten Lohn zugeschoben würden. Und tatsächlich lebten gemäss Jean Reitz bis zu 22 Italiener in einem Haus. Den italienischen Einwanderern und ihren unhygienischen Wohnverhältnissen schob man auch die Schuld an der Typhusepidemie von 1900 zu. Während der Krisis von 1900 bis 1903 entliess man wie meistens, zuerst die unqualifizierten Italiener. Es blieb ihnen nichts anderes übrig als bettelnd durch die Gegend zu ziehen, was wenig zu ihrer Beliebtheit beitrug.
Bei so vielen Junggesellen, die auf engstem Raum miteinander auskommen mussten, war es nicht verwunderlich, dass Alkohol und darauf folgende Messerstechereien an der Tagesordnung waren. Die Zeitungen berichteten genüsslich darüber.
Viele italienische Cafés entstanden, welche die Mehrheit der italienischen Arbeiter beherbergten. Ueberall wurden italienische Vereine gegründet, welche die italienische Kultur pflegten. Beipielsweise die italienische Musikgesellschaft « Guiseppe Verdi », welche Konzerte mit klassischen italienischen Komponisten anbot. In Niederkorn entstand im Jahre 1900 eine italienische Unterstützungorganisation « Regina Elena, Operaia italiena di mutuo soccorso », welche sich um Italiener in Not in der Gemeinde kümmerte. (Armand Logelin : Differdange, chagrins et espérances). Nach und nach verbesserten sich die Wohn-und Lebensumstände. Die Familien der Arbeiter zogen nach, es wurden italienische Sprachkurse für die Einwohner angeboten. Die Integration der italienischen Kinder in unser Schulsystem wurde noch bis in die achtziger Jahre durch einen speziellen Deutschunterricht finanziert von der italienischen Botschaft gefördert.

Anfangs blieben die italienischen Einwohner unter sich und heirateten auch unter sich. Doch auch das änderte sich im Laufe der Jahre. Italienische Namen findet man heute bis in die höchsten Kreise der Stadt und des Landes. Die Nachkommen der damaligen italienischen Einwanderer sind heute vollständig in unsere Gesellschaft eingegliedert. Witze über die damaligen « Bieren » oder « Bodjaren », werden heute höchstens noch von den italienischen Abkömmlingen selber gerissen.
Differdingen ging im Jahre 1981 eine Städtepartnerschaft mit der Ortschaft Fiuminata (Provinz Macerata) ein, weil die meisten Einwanderer von dort stammten. Wer dahin fährt, kann sogar mit vielen Einwohnern luxemburgisch sprechen, da sich viele frühere Schmelzbeschäftigte nach ihrer Arbeitszeit in ihr Heimatdorf zurückgezogen haben.
Das Dilemna des Einwanderers vergleicht auf poetische Weise Jean Portante, Sohn italienischer Einwanderer in Differdingen in seinem « Mrs Harroy ou la mémoire de la baleine » mit dem Dasein des Walfischs, der kein Landtier mehr ist, aber auch noch kein richtiger Fisch « N’étant donc chez elles ni dans la mer ni sur terre, les baleines vivaient, selon les dires de notre instituteur, une vie tragique. »
Die italienische Einwanderung in Differdingen spielt jedenfalls eine wichtige Rolle in der Geschichte unserer Stadt.
Charte de bonne conduite
La police grand-ducale et l’administration communale sont régulièrement confrontées à des réclamations ayant trait aux nuits blanches dans les cafés et au tapage nocturne qui en résulte. Convaincu que chaque exploitant d’un débit de boissons peut améliorer la situation à travers quelques petits efforts, le Comité de prévention de la Ville de Differdange a invité les exploitants à une soirée d’information qui s’est déroulée le 27 septembre 2010.
Au cours de la soirée, les exploitants ayant accepté l’invitation se sont vu présenter une charte de bonne conduite comprenant une série d’engagements visant à favoriser la bonne entente avec leurs voisins.

Lutte contre le bruit
Plusieurs questions ont été abordées dont notamment la lutte contre le bruit. Dans ce contexte, les exploitants qui ont signé la charte s’engagent, par exemple, à respecter les horaires de fermeture, à faire en sorte que le départ des clients se fasse dans le calme et à prévenir la police en cas rixe. La musique sera baissée progressivement, au fur et à mesure que l’heure de fermeture approche.
Lutte contre l’abus d’alcool et les stupéfiants
Les exploitants s’engagent également à refuser l’accès au café aux mineurs de 16 ans non accompagnés d’un adulte, à ne pas vendre d’alcool à des adolescents de moins de 16 ans et à ne pas en servir à des personnes dans un état d’ébriété. La vente et la consommation de stupéfiants à l’intérieur ou dans les alentours des locaux doit être scrupuleusement interdite.
Objectifs
En adhérant à la charte, les exploitants de débits de boissons devraient contribuer à rendre la vie nocturne à Differdange active et intéressante tout en respectant la tranquillité du voisinage. Les exploitants participant à cette initiative recevront sous peu un «diplôme» qu’ils pourront afficher dans leur établissement ainsi que des dessous de verre spécialement conçus dans le cadre de la charte.
Liste des adhérents :
Brasserie du Centenaire – 6, rue Emile Mark
Casino Club – place du Marché
Ikkuvium – Place du Marché
Café Le Nôtre – 39, rue Emile Mark
Haute-Tension – 2, rue J. F. Kennedy
Café Al Déifferdeng – 9, av. Charlotte
Café du Quai – 37, rue Emile Mark
Café Roude Léiw – 58, av. Liberté
Café Lamego – 9, Montée Wangert
Café L’Europe – 35, rue Emile Mark
No Name Café – 11, Grève Nationale
Café Steelway – 30, rue de la Gare – Oberkorn
Union amicale portugaise – 64, av. Liberté
Café bei der Gemeng – 1, rue de la Montagne
The Diff Café – 16, rue J. F. Kennedy
Café O Pescador – 31, rue Emile Mark
Minières V
Copiapo (Chile) Oktober 2010
Fond-de-Gras Januar 1933
Mit den Angehörigen und Freunden der 33 Bergleute, welche 2 Monate lang 700 Meter tief in einem Stollen eingeschlossen waren, hat die ganze Welt gebangt. Welche Freude, als durch den unermüdlichen Einsatz der Rettungskräfte, eine fachkundige Vorgehensweise und vor allem eine unerschütterliche Kameradschaft und Solidarität einer nach dem anderen ans Tageslicht kam.
In diese, von allen Bergarbeitern gefürchtete Lage gerieten im Januar 1933 6 Bergleute in Fond-de-Gras. Sie wurden am Donnerstag, den 19. Januar durch den Zusammenbruch eines Stollens an ihrer Arbeitsstelle eingeschlossen.
Gemäss Berichten der Tagespresse war folgendes passiert :
Gegen 10.00 Uhr stürzte in der Grube Langfuhr von Thy-le-Château in Fond-de-Gras ein Stollen von 45 Metern Länge in der grauen Schicht zusammen und schnitt dabei die 6 Arbeiter, welche sich dahinter befanden, von der Außenwelt ab. Es handelte sich um Phil. Baasch, Vater von 6 Kindern, Nik. Hirtz, 40 Jahre alt, 2 Kinder, J.P. Hoscheid, 27 Jahre, ledig, Mich. Stork, 42 Jahre, 5 Kinder, Nik. Weyer, 1 Kind und Dominik Schwinden, der Belgier. Die Ougrée-Marihaye-Gesellschaft ging sofort die Rettungsarbeiten an. Man wollte von einem 35 Meter entfernten Parallellstollen aus zu den Verschütteten vordringen. Dies gestaltete sich allerdings als sehr schwierig. Der Rettungsstollen von 2 auf 1,50 Meter mußte nämlich durch taubes Gestein schräg nach unten geführt werden. Mit einem Spezialbohrer, der Durchstiche von 20-25 Metern Länge erlaubt, versuchte man ein Bohrloch bis zu den Eingeschlossenen zu treiben, um sie eventuell mit Nahrung zu versorgen. Wegen Motorschadens musste diese Aktion jedoch aufgegeben werden. Anfangs vernahm die Rettungsmannschaft Klopfzeichen und eine Sprengung, die jedoch auch von einer anderen Arbeitsstelle hätte herrühren können. Ohne Unterlass im Schichtbetrieb trieb man den Hilfsstollen weiter und am Samstag morgen, einen Tag früher als vorhergesehen, trennte nur noch ein dicker Block die Retter von den Verunglückten. Durch herabfallendes Gestein hatte man viel eher Kontakt mit den Eingeschlossenen aufnehmen können. Prinz Felix, der Gemahl der Grossherzogin Charlotte begab sich nach Fond-de-Gras um sich über die Lage zu informieren. Man hatte vor allem befürchtet, dass sich Wasser, das jetzt nicht mehr abfließen konnte, im Stollen ansammeln könnte und vor allem wusste man, dass die Temperatur in den « Galerien » beständig um 6 Grad Celsius liegt.

Die Freude nach der Rettung war natürlich groß. Sogar die Zeitungen in unseren Nachbarländern berichteten darüber.
Das “Tageblatt“ suchte nach der Bergung die Bergleute zu Hause auf und befragte sie. Hier ein Teil des Berichtes eines der Verschütteten :
“… Nun stellte sich allmählich der Hunger ein und die Kälte machte sich immer unangenehmer fühlbar. Wir waren nicht sehr warm gekleidet, unsere Arbeit verträgt das nicht und so litten wir sehr unter der Kälte. Wir mußten versuchen, uns zu erwärmen. Wir legten eine Leiter über zwei Pulverkisten, legten Bretter darüber und stellten unsere Karbidlampen darunter. Dann setzten wir uns über die Flammen. Wir hatten glücklicherweise 11 kg Karbid bei uns. Die Zeit verstrich mit unheimlicher Langsamkeit. Wir unterhielten uns, so gut es ging, sprachen von unseren Familien und was sie wohl taten oder sagten. Wir erzählten Späße, pfiffen und sangen. Wir munterten uns gegenseitig auf, so gut wir konnten. Geschlafen haben wir wenig. Hunger und Kälte plagten uns immer mehr, vor allem aber die Kälte. Wir wärmten uns Wasser, tranken es so heiß wie möglich. Das Brot, das wir mithatten, teilten wir in daumengrosse Rationen, von denen wir jeden Tag nur eine aßen. Wir ließen unseren Galgenhumor an unserem Hunger aus. Wir berieten, welchen von uns wir zuerst aufessen sollten, den fettesten oder den jüngsten.

Freitag abend wurden wir immer einsilbiger und mutloser. Hätten wir nicht immer die Schüsse der Kameraden gehört, wir wären verzweifelt. Wir wurden schwindlig vor Hunger. Einer schreckte aus seinem Hindösen auf, zeigte ins Dunkel der Grube und lallte : “Dort kommen 10 Kilo Brot “. Wir schnitten unsere Schuhriemen ab und kauten daran. Aus einem ersoffenen Stollen lief anhaltend Wasser auf den Bruch zu, wo es sich staute. Bald stand dieser ganze Stollen unter Wasser und wir mußten unseren Platz ändern, weil das Wasser bis zu uns vordrang. Wir stiegen öfters in ein “Buggi“ und fuhren die Strecke hin bis zum Bruch. Der Berg war jetzt ruhig und wir konnten versuchen, von unserer Seite her vorzudringen. Samstag früh wurden wir zuerst von außen gehört. Jetzt wussten wir, daß wir gerettet waren. Aber gerade jetzt dehnte sich die Zeit bis zur Unendlichkeit.
Ja, es ist gutgegangen ! Jetzt liege ich im Bett und bin warm wie eine Maus. Es ist doch ein großes Glück bei Frau und Kindern zu sein.“
Nach dem ersten Weltkrieg war in Differdingen in der Grube “Kirchberg“ Aehnliches passiert. Drei Bergleute konnten nach zwei Tagen gefunden werden. Einer war allerdings schon tot und die zwei anderen schwer verletzt.
Selbstverständlich gab es damals noch keine psychologische Hilfe, auf die Verunglückte heute zählen können und wie einer der 1963 in der Kohlengrube Lengede eingeschlossenen Bergleute heute einem Reporter anvertraute, begleitet einen so eine Erfahrung bis ans Ende des Lebens.
Bildzeilen : Tageblatt 20.01.1933
Eingang Grube Langfuhr 1950
r.fleischhauer
Minières IV
Das Leben des Bergmanns
Von der Gefahr geprägt
Durch seine Kleidung (Samthose, Schärpe, « Murkstricot », « Jilli » und der unvermeidliche rote « Fischi »), wie auch durch seinen Stolz und seine unverblümte Rede (« vun der Long op d’Zong ») trug der Bergmann Anfang der vorigen Jahrhunderts viel zum Bild des « Minettdapp » bei. Bei seiner Arbeit musste er sich voll und ganz auf seinen Nebenmann verlassen. Das band ihn an seine Arbeitskollegen, das förderte auch das gesellschaftliche Leben in den Minettortschaften.
Selbstverständlich fand man nicht genug Arbeitskräfte im Land, so dass die meisten Bergarbeiter aus dem Ausland stammten. Vor 1900 waren es eher Wanderarbeiter, welche von der Strasse weg vom Meister engagiert wurden, ein Zeitlang in einer Grube arbeiteten und dann weiterzogen.
Im Jahre 1908 arbeiteten 5607 Luxemburger in den Gruben des Landes, 822 Belgier, 2130 Deutsche, 327 Franzosen, 4543 Italiener und 222 anderer Nationalitäten. Im Jahre 1926 waren es 16185 Luxemburger, 1490 Belgier, 2890 Deutsche, 770 Franzosen, 3506 Italiener, und 867 anderer Nationalitäten.
Im Jahre 1913 arbeiteten in den Differdinger Gruben: 260 Luxemburger, 208 Italiener, 68 Deutsche, 38 Belgier, 54 Franzosen und 3 anderer Nationalitäten. Luxemburger und Italiener hielten sich in den Gruben wie auch im Werk die Waage.
Die Arbeitsbedingungen in der « Galerie » sind heute unvorstellbar: Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde an 6 Tagen die Woche gearbeitet. Urlaub oder Ruhetage gab es keine. Am 1. August 1909 wurde deshalb u.a. in Differdingen der Bergmannsunterstützungsverein « Glück auf » gegründet. Er funktionierte auf Solidaritätsbasis. « Zweck des Vereins war, den kranken und verwundeten Mitgliedern, während der Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit eine zeitweilige Unterstützung zu gewähren « schreibt der heutige Präsident des Unterstützungsvereins Arthur Huss in der Broschüre zum 95ten Jubiläum des Vereins.
Der Bergmann musste sein Essen an seiner Arbeitsstelle, wo sich die Ratten tummelten, einnehmen. Von Hygiene konnte man da nicht sprechen. Um neuen Uhr war meistens die erste Pause. Der Bergmann aß dann seine « Kuuscht » welche sehr oft aus einem Wurstbrot (Lyoner oder Leberwurst ,« Groen Drot ») und Kaffee bestand. Wie ein Abort in der « Galerie » aussah, kann man sich vorstellen. Erst viel später durfte sich der Bergmann ausserhalb der Grube in der Waschkaue waschen, so dass er wenigstens sauber nach Hause ging.
Dr Alexander Klein, früherer Betriebsarzt im Differdinger Werk zählt im « Korspronk No 18 » die Krankheiten auf, die den Bergmann befielen: Vor allem die Siderose oder Staublunge, aber auch andere Lungenkrankheiten, bedingt durch die Dieselabgase und vor allem auch den exzessiven Tabakkonsum. Diese Krankheiten machten sich bis ans Lebensende durch Husten und Schleimauswurf bemerkbar
Ein wahres Uebel unter den Bergleuten (und den Schmelzarbeitern) war allerdings der Alkoholismus, der nicht nur die Gesundheit des Arbeiters ruinierte, sondern oft auch seine vielköpfige Familie ins Unglück stürzte. Möglich, dass die gefahrvolle, schwere und eintönige Arbeit daran Schuld war. Im Jahre 1907/1908 gab es in Differdingen 1 Ausschank pro 63 Einwohner ! ! Es handelte sich öfters um primitiv zusammengezimmerte Holzhütten nach dem Modell der « Giedel » in Fond-de-Gras. Noch in den 60er und 70er Jahren gab es in der Gegend des Thilleberg und in der Nähe des Portals in der Emile-Markstrasse fast mehr Wirts-als Wohnhäuser. Bei Schichtanfang und Schichtschluss warteten dort die gefüllten « Humpen » und Branntweingläser in einer Reihe auf der Theke. Alte Rechnungen, die man bei der « Giedel » fand, beweisen, dass dort zeitweise mehr Liter Branntwein, als Bier verkauft wurden.
Ueber Sicherheit sprach anfangs niemand. In den Gruben geschahen die schrecklichsten Unfälle. Im Laufe der Jahre wurde immer mehr in die Sicherheit des Bergarbeiters investiert und auch für seine Familie wurde bei Tod oder Invalidität gesorgt. Zwischen 1845 und 1981 fanden 1445 Bergleute den Tod in den Luxemburger Galerien. Der Aelteste war 78 Jahre alt und der Jüngste knapp mal 13 ! Allein zwischen 1875 und 1914 verloren 60 Bergleute das Leben in den Differdinger Gruben. (Logelin :Differdange, chagrins et espérances). Zwei Deputierte der nationalen Kammer starben in der « Galerie »: Jean Schortgen und J-P. Bausch. Unfälle mit zum Teil Schwerverletzten wussten die Zeitungen fast monatlich zu vermelden. Die tiefe Verehrung der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute ist also durchaus verständlich. Ihr Fest am 4. Dezember wurde seit jeher von allen Bergleuten zünftig gefeiert, ob sie nun gläubig waren oder nicht.
Zum Schluss möchte ich den in Differdingen geborenen Dichter und Schriftsteller Jean Portante zitieren, der mit « Miss Harroy ou la mémoire de la baleine » wohl das schönste und treffenste Buch über Differdingen und seine italienischen Einwanderer geschrieben hat :
La mine du Thillenberg : « On m’a dit que le mur qui bouche l’entrée de la mine est une barrière de protection. A-t-on peur que les morts ne sortent et viennent crier vengeance ? Il y a de quoi. La richesse du pays s’est accumulée à coups de pelle et de pioches. Sans oublier le sang. Mais l’oubli a mis un drap noir sur tout ça. »
Bildzeile : « Bergarbeiter » des Differdinger Künstlers Ben Reuter
(Foto Francis Bernard)
rfleischhauer
Lundi littéraire
La Ville de Differdange, en collaboration avec sa bibliothéque municipale et sa commission culturelle, invite aux prochaines éditions du lundi littéraire.
Vivez une fois par mois des extraits séduisants présentés par des auteurs passionnés.
Les lecteurs d'auteurs auront lieu à chaque fois avec un encadrement musical. L'entrée étant gratuite.
Le programme pour les mois à venir : (pour agrandir le programme, cliquez dessus)

Das Werkzeug des Grubenarbeiters
Das Werkzeug des Grubenarbeiters
Von Anfang an war die Arbeit in den Erzgruben Handarbeit. Das Werkzeug war einfach, aber zweckmässig. Man kann es sich im « Musée Pesch » in Lasauvage ansehen. Hier eine Uebersicht der einfachsten Hilfsmittel, um das Gestein anzubohren, das Bohrloch mit Sprengstoff zu füllen, das Erz zu zerkleinern und die « Buggis » zu laden. (Norbert Quintus : « D’Aarbecht an de Galerien »)

Ein Wort noch zur Karbidlampe. Sie wurde 1904 von Pierre Schiltz in Tetingen gebaut. Die Firma Buchholz und Ettinger stellte sie serienmässig her. Die Tetinger Karbidlampe wurde später in der ganzen Welt als Grubenlampe benutzt. Das Karbid (Calciumcarbid) befand sich im unteren Teil der Lampe. Drehte man den kleinen Hahn auf, so tropfte Wasser darauf und es bildete sich ein brennbares Gas (Acetylen), das oben am Brenner angezündet wurde und ziemlich hell leuchtete. Später wurde die Karbidlampe durch ein elektrisches Licht ersetzt, dass am Helm befestigt war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das oben abgebildete Werkzeug nach und nach durch immer modernere Maschinen errsetzt, die noch bis 1981 (Schliessung der Grube Thillenberg) im Betrieb waren. Beispielsweise gab es den Walzenschrämmlader, der Minette abbaute und gleichzeitig weiterbeförderte, oder die Ankerbolzenmaschine, welche lange Bolzen in die Decke dübelte, wodurch diese gehalten wurde und keine Holzstützen mehr brauchte, oder die Beraubermaschine, welche automatisch die Decke putzte, der Wurfschaufellader (auf der Strecke der Minièresbunn zu sehen) usw. In den Gruben gab es grosse Druckluftanlagen und elektrische Zentralen, welche die Energie für die Maschinen lieferten. (ebenfalls in auf der Strecke der Minièresbunn zu sehen). Die Arbeit in der Grube wurde damit um einiges sicherer und die Produktion stieg.
Erztransport
Aus der Grube heraus wurde das Erz von Anfang an mit dem « Buggi » befördert. Der typisch luxemburgische « Buggi » wurde auch in Tetingen im « Atelier Friser » hergestellt. Geleert wurde der « Buggi » indem der Mineur den Kasten mittels eines Hebels hochstemmte und dann kippte. (unser Bild). Die « Buggis » wurden vom Zichelchen bis oben auf die Verladeaderampe mit Rutsche gezogen. Darunter befanden sich die Eisenbahnwaggons. Wurde der Buggi vom Arbeiter gekippt, so rutschte das Erz über die Rampe hinab in die offenen Waggons. Das Hochdrücken des Kastens erforderte allerdings viel Muskelkraft.

Gezogen wurde der « Buggi » anfangs von Pferden. In Fond-de-Gras beispielsweise arbeiteten die Pferde des Bauern Kies morgens in der Grube und am Nachmittag für den Besitzer auf dem Feld. Später wurde die « Ramme » von kleinen Lokomotiven gezogen. Da die Dampfloks sich wegen des Qualms in den engen Gängen als wenig geeignet zeigten, setzte man bereits in den Zwanzigerjahren Elektroloks ein. Davor gab es auch noch die Diesel-und Benzolloks, welche allesamt zu viel Rauch produzierten. Die Schmelz bezog auch Erz über die Seilbahn von Oettingen her.


Hans Punzel
Les 16 otages de Differdange:
Un geste humain au milieu de la guerre
La bande dessinée publiée au “Déifferdanger Magazin” No 10 qui raconte la libération miraculeuse de 19 Differdangeois arrêtés par l’armée allemande et condamnés à mort lors de l’invasion en 1940 a un arrière-fond historique concret. L’un des hommes qui devaient être exécutés, Nicolas Kremer, a raconté ce qui lui est arrivé dans son livre publié en 1985: “ De Krich am Ennergrond”. En outre ces événements de mai/juin 1940 figurent dans les annales du Corps des Sapeurs Pompiers de Differdange publiées en partie dans une brochure sortie en 1983 lors de la “Journée Cantonale” à Differdange.
En effet les “19 otages de Differdange” étaient bel et bien des sapeurs pompiers du corps des pompiers de l’usine HADIR. Ils n’étaient pas 19, mais 16. Une grande partie des Differdangeois avaient été évacués surtout vers le nord du pays sur ordre du bourgmestre puisque Differdange était bombardée d’un côté par les Allemands et de l’autre côté par l’armée française qui avait fait une incursion dans notre pays afin d’arrêter l’armée d’invasion allemande. Après le retrait des Français, les Allemands occupaient Differdange. Les pompiers de Differdange avaient l’ordre de monter la garde dans la ville abandonnée, dans l’usine et aux abords de celle-ci. Le 31 mai 1940 Nicolas Kremer qui occupait son poste de garde à 7 heures du matin fut arrêté par des soldats allemands et avec lui 15 autres pompiers. On les traitait de “Franzosenschweine” qui devraient être exécutés de suite. Le commandant du régiment leur tint ce discours:” Es wurde in den letzten Tagen wiederholt festgestellt, dass Blinkzeichen vom Förderturm der Hütte ausgingen. Ohne fremde Hilfe wäre es dem Feinde in den letzten Tagen nicht möglich gewesen, so genau unsere Stellungen zu treffen. Ihr seid im Frontgebiet der Spionage überführt und somit zum Tode durch Erschiessen verurteilt...Es mag sein, dass vielleicht einige von euch unschuldig sind. Ich gebe euch deshalb eine Stunde Zeit, um die Schuldigen ausfindig zu machen!” Comme le commandant partait tout de suite après, il laissait à celui qui le suivait le soin de mener l’enquête, ce qui laissait quelques heures de sursis aux condamnés. Le sous-officier Punzel qui avait l’ordre de s’occuper des otages réussit à convaincre l’officier allemand de remettre l’exécution au lendemain 16 heures. Il apportait aussi à manger et à boire aux détenus. Comme le lendemain le nouveau commandant partait lui aussi au front avec son régiment, le sous-officier Punzel profitait du toho-wabohu du départ pour libérer les otages dont les tombes étaient déjà creusées. Les 16 pompiers ont rapidement pris place dans un camion organisé par Punzel pour se faufiler entre les colonnes allemandes jusqu’à Luxembourg.
Après la guerre Nicolas Kremer fit tout pour retrouver le sous-officier allemand. Finalement il a pu le localiser en Bavière et l’a invité à Differdange où il fut comblé d’honneurs.
La “Münchener IlIustrierte” rapportait l’histoire le 18 juin 1955, mais en modifiant un peu les faits:
“Eine menschliche Tat fand nach 15 Jahren ihren Lohn. Ein Ritterkreuz hat sich der deutsche Unteroffizier Hans Punzel aus Oberfranken verdient. Auf Befehl eines Standgerichtes sollte er am 3. Juni 1940 binnen einer Stunde 16 Feurwehrleute des Luxemburger Städtchens Differdingen, die heimlich einen französischen Offizier mit Essen versorgt hatten, erschiessen lassen. Punzel liess das Hinrichtungskommando abmarschieren, verschob die Exekution um 24 Stunden und entliess die 16 Todeskandidaten dann auf eigene Verantwortung. Er hatte den Befehl verweigert und nach seinem Gewissen gehandelt. Jetzt nach 15 Jahren erhielt Punzel dafür seinen Lohn. Er wurde nach Differdingen eingeladen, gefeiert und beschenkt. Der luxemburgische Justizminister sprach ihm den Dank aus”.
En effet Punzel et son épouse assistaient à une messe en leur honneur . D’après une photo de l’époque, Punzel n’a pas pu retenir ses larmes suite aux éloges prononcés par les autorités. Il a été mené en cortège par les rues de Differdange et applaudi par la population. Les sapeurs pompiers sauvés par Punzel lui ont offert une montre en or. 6 des pompiers Fixmer, Wallers, Kremer, Courtois, Henkes Lucien et Henkes Marcel se sont fait photographier devant le mur prévu pour l’exécution et l’endroit où ils devaient être enterrés.
Rob fleischhauer
Wohnverhältnisse 1907
Vor 100 Jahren :
Katastrophale Wohnverhältnisse
Wenn man bedenkt dass es im Jahre 1895 gemäss einer Zählung 3.976 Einwohner in der Gemeinde gab und im Jahr der Verleihung des Stadttitels 14.000 (offizielle Zahl, die jedoch angezweifelt wurde) ,so kann man sich leicht vorstellen, mit welchen Problemen die Stadt zu kämpfen hatte. Es war nicht möglich so schnell Wohnraum für die all neu Hinzugezogenen zu schaffen, die im Hüttenwerk gebraucht wurden. Die Differdinger lebten sozusagen auf einem Haufen. Dies geht ganz klar aus einer Erhebung des « statistischen Büros » hervor :
Ueberfüllter Wohnraum
Die 3.976 Personen des Jahres 1895 wohnten in 619 Häusern. In den folgenden 10 Jahren stieg die Einwohnerzahl gemäss der Erhebung des statistischen Büros um 272%, während die Zahl der Häuser nur um 196% zunahm. Dieselbe Untersuchung ermittelte im Jahre 1906 2098 besetzte Wohnungen mit insgesamt 10.480 Bewohnern. Es kamen also rund 5 Personen auf eine Wohnung.

Die Wohnungen waren jedoch sehr klein und so kamen in 321 Mietwohnungen, in 34 Eigentumswohnungen und 5 Freiwohnungen mehr als zwei Personen auf ein Zimmer. Schon damals galt eine Wohnung als überfüllt, wenn zwei oder mehr Personen pro Zimmer gezählt wurden. Man sprach von einer « übermässigen, anthygienischen und sogar unmoralischen Ueberfüllung. »
Wie sah so eine Wohnung aus ? Auch hier spricht die Statistik : « Von den 4154 Zimmern der Mietwohnungen werden 413 als reine Küche und 375 als reines Wohnzimmer benützt so dass nur auf jede dritte bis vierte Mietwohnung je eine Küche und ein Wohnzimmer entfielen. Dagegen wurden 231 Zimmer gleichzeitig als Küche, als Wohnzimmer und Schlafzimmer benützt, »
Das statistische Büro wundert sich auch über das Volumen des Wohnraums, das in Differdingen einem Bewohner zur Verfügung stand. Im Allgemeinen verlangten die Hygieniker schon damals 30 bis 40 Kubikmeter pro Person. « Was minder ist, ist eine Konzession an das Schicksal », bemerkte damals der Hygieniker Schuster. In den Zellen des Staatsgefängnisses in Luxemburg durfte ein Gefangener nicht weniger als 24 Kubikmeter Luftraum haben. Für Differdingen hat man ausgerechnet, dass 4607 Personen, also nahezu die Hälfte der Bewohner über weniger als 20 Kubikmeter Luftraum verfügten, dass ihnen also nicht einmal der den Sträflingen zugestandene Wohnraum blieb ! Man mag sich ausrechnen über wieviel Kubikmeter heute eine Person in ihrer Wohnung verfügt. (4-500 mindestens).
Mieter und Schlafgänger.
Ganz viele Haushalte vermieteten Zimmer oder Betten um sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Es wurde alles vermietet, was auch nur notdürftig als Unterkunft dienen konnte : fensterlose Räume, Keller, Speicher, Mansarden, Hintergebäude , Schuppen usw. Insgesamt traf man 380 Haushalte mit Zimmermietern oder Schlafgängern. Es wurden 55 Schlafzimmer gezählt, die gleichzeitig von Familienmitgliedern und Schlafgängern benutzt wurden. Als « verwerflich » bezeichnete man den Zustand, dass in einigen Wohnungen sogar die Familienmitglieder die Betten mit Fremden teilten. Ein Schläfer hatte oft weniger als 10 Kubikmeter Luftraum für sich. Die italienischen Junggesellen waren am schlimmsten dran. In ihren Baracken wurde ein Bett von mindestens 3 Bewohnern in der Abfolge der Schichten auf der Hütte benutzt. Sie wurden nie kalt. Die « tâcherons » oder Kleinunternehmer vermieteten neben einem Ausschank oder einem Lebensmittelgeschäft auch Zimmer an Arbeiter. Verschiedene wie das Haus Rodighiero beherbergten an die 50 Pensionäre. (Antoinette Lorang : Luxemburgs Arbeiterkolonien und Billige Wohnungen)
Von Hygiene keine Spur.
Von Hygiene konnte man wohl kaum sprechen wenn man feststellen musste, dass 500 Toiletten von je zwei Familien benutzt wurden, 279 wurden von je 3 Familien , 120 von 4 und 195 von 5 und mehr ! Von den insgesamt 1409 gezählten Aborten wurden 695 in Bütten und Fässer abgeleitet. Auf einer der Wohnungskarten in Oberkorn fanden die Zähler folgende Bemerkung : » Abort dicht am Bache gelegen und ohne Tür ;wenn das Fass voll ist , lässt man es in den Bach laufen. »
Ueber die immer wieder auftretenden Typhuserkrankungen brauchte man sich also nicht zu wundern.
Zum Teil teuere Mieten
Was die Miete für die 1360 Mietwohnungen betrifft, so hat man ausgerechnet, dass ein Arbeiter ungefähr den sechsten Teil seines Einkommens fürs Wohnen aufwenden musste.
In den verschiedenen Ortschaften der Gemeinde wies Oberkorn im Allgemeinen die ungünstigsten Wohnverhältnisse auf, während es in Lasauvage, wo alle Wohnungen dem Grafen De Saintignon gehörten mit dem Wohnen am besten bestellt war. Die Arbeiterwohnungen der Differdinger Hüttengesellschaft waren anscheinend genau so überfüllt wie die sonstigen Mietwohnungen. Der Mietpreis für die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Wohnungen war jedoch sehr viel niedriger. Hier bezahlte man zwischen 10 und 15 Franken pro Monat für eine Dreizimmerwohnung, während eine Dreizimmerwohnung auf dem freien Wohnungsmarkt auf 25 Franken monatlich kam.
Es dauerte viele Jahre, bis man wenigstens die schlimmsten Zustände beseitigen konnte. Der Wohnungsmangel beschäftigte bis in die 80er Jahre die Differdinger Gemeindepolitiker. Die diversen Gemeindepolitiker setzten im Laufe der Jahre viel daran , um billigen Wohnraum für die Arbeiter zu schaffen. Heute stellt sich das Problem nicht mehr in dem Masse und das Hauptgewicht der kommunalen Bemühungen kann auf die Verbesserung der Lebensqualität gelegt werden.
r.fleischhauer
Vor dem Stadttitel
Als Differdingen noch keinen Stadttitel besass
Bevor die Eisenhütte gebaut wurde, war Differdingen noch eine typische Dorfgemeinde. Die Einwohnerzahl blieb zwischen 1800 und 1880 relativ stabil. Sie stieg im Laufe der 80 Jahre konstant von 1.129 auf 2.626, um dann nach dem Bau der Schmelz auf 7.929 zu schnellen und sich schliesslich 30 Jahre später bei 18.000 einzupendeln. Die Einwohner der Gemeinde waren Kleinbauern, Tagelöhner und kleine Handwerker. Die hygienischen Zustände waren für heutige Verhältnisse katastrophal nicht zuletzt wegen der Misthaufen vor den Häusern. Cholera und Typhus grassierten. Mit ihren Haustieren, kleinen Aeckern und Gärten versorgten sich die Familien vor allem selber. Von den 2.218 Hektar Gemeindefläche fielen rund 1.500 auf Aecker, Weiden und Gärten. 1873 zählte man 259 Pferde, 768 Stück Rindvieh, 1 Maulesel, 118 Schafe, 1049 Schweine, 211 Ziegen und 55 Bienenstöcke. Mit dem Gemeindeeigentum nahmen es die Bewohner damals nicht so genau. Die ans Haus stossenden Strassen, Wege und Wiesen wurden ohne Skrupel als Lagerplatz für Holzstösse, Baumaterial, oder als Abfallhalde benutzt.
Eine Wasserleitung gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Das Wasser wurde an den öffentlichen Brunnen geholt. Es gab Tränken und Waschbrunnen. In der Sektion Differdingen gab es den« Iwergaasserbur » (heute Grossstrasse), den « Weihergaasserbur » (heute rue Roosevelt)), « um Pillchen » den « Lachgaasserbur » (heute rue St. Nicolas) und den « Kreizbur » (heute av. Charlotte). Verschiedene Häuser besassen ihren eigenen Brunnen im Keller.
Die meisten Häuser waren mit Stroh gedeckt. Die Brandgefahr war also gross. Deshalb gab es etliche Reglemente, welche die Feuergefahr bannen sollten : Der Kamin musste eine bestimmte Höhe haben, um weit genug vom Stroh entfernt zu sein, Flachs und Hanf, die damals in den Gärten angepflanzt wurden, durften nicht bei Kerzenlicht bearbeitet werden. Alljährlich wurden Kamine und Backöfen auf ihre Feuerfestigkeit untersucht und bei Ausbruch von Feuer musste jeder Familienvater Eimer, Kübel, Leiter und Werkzeug zur Verfügung stellen. Wagen mit Holz-oder Kohlenladungen durften nicht in der Nähe der Häuser ausspannen oder halten.

Um 1830 gab es noch keine Schulen in der Gemeinde. Der Unterrricht wurde in den Privaträumen des Lehrers abgehalten. 1837 hatte der Niederkorner Lehrer sogar einen Schulsaal auf eigene Rechnung gebaut. Die Oberkorner errichteten 1844 einen Schulsaal, damit die Kinder nicht nach Differdingen gehen mussten. Das erste Schulhaus war 1844 fertig, nachdem der Baron de Soleuvre einen Teil seines Besitzes gegenüber dem Schloss (im Grousse Gaart) der Gemeinde geschenkt hatte. Diese Schule war für die Differdinger und Oberkorner Schüler geplant. Das Gebäude befand sich an der Stelle wo jetzt das frühere Stadthaus steht. Eine Plakette an der seitlichen Fassade erinnert an diese Schenkung. Es gab noch keine Schulpflicht. Das Gehalt des Lehrers aber auch seine Ausbildung waren miserabel.
Um die Jahrhundertwende, als die Bevölkerungszahl explodierte mussten neue Schulgebäude her. Das älteste heute noch bestehenden Gebäude ist die « al Haushaltungsschoul » damals Knabenschule « op der aller Kapell » (heute Bergstrasse).

Zwischen 1900 und 1924 entstanden in der Gemeinde 7 weitere Schulgebäude.
1860 wurde in der Sektion Differdingen eine Kirche neben dem Schulgebäude im « Grouss Gaart » errichtet. Das Gelände dafür hatte die Gemeinde vom Baron de Soleuvre abgekauft. Niederkorn hatte bereits 1854 mit dem Bau einer Kirche begonnen . Die Oberkorner Kirche ist viel älter. Der Turm stammt aus dem Jahr 1738.
Der bäuerliche Charakter der Gemeinde blieb zum Teil auch noch bis ins Industriezeitalter erhalten, wie folgender Auszug eines Spottlieds aus einer Fastnachtssitzung des Differdinger Vereins « Differdange-Attractions » aus dem Jahre 1908 zeigt :
« --Plötzlich wurde es bekannt :
Differding zur Stadt ernannt.
Freud über alle Maßen
Und dabei prangen immer noch :
Misthaufen an den Straßen.
Es hat den Anstrich einer Stadt
Wenn man den Dreck durchwatet hat --«
Hauptquelle : Aline Goergen-Jacoby: Die Gemeinde Differdingen von 1795 bis 1930
Bildzeilen : Der dörfliche Charakter blieb lange erhalten
Die Strasse als Materiallager
Die alte Differdinger Pfarrkirche mit Friedhof
r. fleischhauer
Thillenbahn
Vom “Talbo“ zum Fahrrad.
Am Parkplatz der Umgehungsstraße hat man eine Auffahrt zum neuen Fahrrad-und Spazierweg zum Thillenberg fertiggestellt. Der Weg folgt genau der früheren Erzbahn. Nicht weit vom Zugang entfernt, also damals noch auf HADIR-Gelände wurden die Erzwagen vom Thillenberg in der « Käseminn » ausgetippt, zerkleinert und dem Hochofen zugeführt.
Auf dem neuen Spazierweg nimmt man heute nur noch Spuren der früheren Erzbahn wahr.
Man sah sie schon von weitem, wenn man von Niederkorn aus über die av. de la Liberté das Differdinger Geschäftszentrum erreichen wollte: die Stahlbrücke, die den “Thillebierg” mit der Schmelz verband. Selten ging man darunter hindurch, ohne dass es oben rumpelte, ächzte und quietschte, wenn die “Rame” mit den vollbeladenen “Talboën” in Richtung Hochofen schwankte. Es herrschte beständig reger Verkehr auf der Brücke, denn die Züglein kamen nicht nur vom “Thillebierg” sondern auch vom “Rollesbierg“, wo die Minette bis 1975 im Tagebau gewonnen wurde. Zwischen Thillenberg und Rollesberg wurde auch bis 1957 die Grube “Grôven” von der Arbed betrieben. Auch sie benutzte die Geleise bis zum Bahnhof, wo die Minette in die Arbed-Eisenbahnwagen getippt wurde. Der Grubeneingang wurde vom CIGL auf 114 Metern wieder instand gesetzt. Im früheren Maschinenhaus neben dem Eingang ist ein Dokumentationszentrum über die Differdinger Grubenbetriebe entstanden. Dies wird den Spazier-und Fahrradweg umso interessanter machen.
Die Bahn Differdingen-Thillenberg mit ihrer 700 mm-Spur gehörte ursprünglich der Prinz Heinrich-Bahngesellschaft und war am 23. Januar 1901 in Betrieb genommen worden. Sie hatte eine Länge von 2,27 km. Sie führte über 4 Brücken. Von der Schmelz ab überquerte sie die Eisenbahnstrecke Petingen-Esch, setzte über die av. de la Liberté hinweg (heute mit neuer Brücke), überquerte die Brücke über der Spitalstrasse, um dann über eine weitere Brücke über die Hussigny-Strasse hinüber zum “Bounefeldchen“ und zum “Rollesbierg“ zu gelangen. 1933 verpachtete die Prinz-Heinrich-Bahn der HADIR die gesamte Strecke mit den Nebengeleisen. Zu Beginn wurde die Strecke mit Dampfloks der Prinz-Heinrich-Bahn befahren. Später wurde sie elektrifiziert und es kamen Elektroloks der Marken Siemens-E und AEG zum Einsatz.

Die Strecke vom Thillenberg bis Rollesbierg wurde in den Jahren 1971/72 parallell zu den alten Gleisen neu verlegt und mit einem Tunnel versehen. Auf diese Weise konnte die Steigung einigermassen ausgeglichen werden. (Die alte Strecke ist noch sichtbar).

“Die Strecke führte zum grossen Teil knapp an den Häusern und Gärten vorbei. Da musste man besonders auf die Kinder aufpassen die an der Bahn spielten”, erzählt uns Arthur Huss, der 30 Jahre lang auf dieser Strecke fuhr.“im Winter sausten sie mit dem Schlitten über die Geleise hinweg, was sehr gefährlich war, denn wir bemerkten nicht immer, was hinten an der “Rame” passierte. Es war auch nicht immer angenehm für die Anwohner, wenn die “Talboën” neben den Gärten und Häusern entgleisten. Sowas kam fast täglich vor. Dann hieß es mit dem “Opgleiser”, die Wagen wieder auf die Schienen zu setzen was viel Zeit und Kraft kostete. “Aber”, betont Arthur Huss, “Gott sei Dank passierte sowas nie auf der Brücke, denn das wäre schlimm gewesen.“ Arthur Huss fuhr hauptsächlich die Kleinlok von Siemens-Schuckert. Aber auch die AEG kam zeitweise zum Einsatz. Von Fahrkomfort war da nicht die Rede. Der großgewachsene Arthur musste sich da hineinzwängen, wie in einen Schuhkarton.

Ab Thillenberg geht es leicht bergab bis zum Werk. Deshalb gab es am hinteren Talbo einen Bremser. Später wurden die Züge mit Luftdruckbremsen ausgerüstet, so dass man den Bremser nicht mehr brauchte. Wichtig war auch die Arbeit des “accrocheur“.
Im Jahre 1963 wurde auf Thillenberg eine Vorbrecheranlage in Betrieb genommen. Hier wurden die Minette-Steine bereits vor dem Werk zerkleinert. Den Lärm dieser Zermalmungsanlage konnte man bis weit die Spital-und Hussigny-Straße hinauf und hinunter hören. Jetzt fuhren die “Rammen” vom Tagebau “Bounefeldchen” nur noch bis in die Anlage und kippten die Steine dort ab. Eine zweite “Rame” wurde mit dem zerkleinerten Erz abgefüllt und zuckelte dann bis ins Werk. Das Tageblatt vom 13. Juli 1967 berichtete über eine schwere Explosion eines mit Pulver gefüllten Talbos in der Nähe der Hussigny-Straße. Es gab Sachschäden an den Häusern, doch Gott sei Dank keine Verletzte. (in “Korspronk“ No 18/ 1999).
Seit 1981, seit auch der “Thillenberg” seine Tore geschlossen hatte, war es still auf der Strecke. Nur noch die Wasser-und Kabelleitung vom Werk bis zum “Thillenberg” funktionierte, denn das Stahlwerk betätigt eine Pumpstation in den früheren Galerien, die ihr das Kühlwasser für den ganzen Betrieb liefert.
Jetzt hat die Gemeindeverwaltung hier einen Spazier-und Radfahrerweg geschaffen, den man unbedingt von der avenue de la Liberté respektiv vom Parkplatz aus ausprobieren sollte. Er bietet eine herrliche Sicht auf Differdingen und zeigt gleichzeitig, wie Differdingen durch den Schweiß seiner Schmelz-und Grubenarbeiter zum Wohlergehen des Landes beigetragen hat.
Wer über den Erzabbau in der Differdinger Gegend Genaueres erfahren möchte, sollte sich den “Korspronk 18” und “Korspronk 20 “ der Differdinger Geschichtsfreunde beschaffen (Gemeindebibliothek).
r. fleischhauer
Streik 1942
Von tapferen Arbeitern und Verrätern
Am 30. August 1942 (Kirmessonntag) verkündete der Gauleiter Gustav Simon auf einer “Großkundgebung“ in den Limpertsberger Ausstellungshallen, ab jetzt besäßen alle Luxemburger die deutsche Nationalität und die jungen Jahrgänge würden infolgedessen zum Kriegsdienst eingezogen. Die Resistenzorganisationen hatten schon frühzeitig von diesem Beschluß Wind bekommen und verteilten bereits den Aufruf zum Generalstreik. Doch es hätte dieses Aufrufes nicht einmal bedurft: Die Reaktionen im Land kamen spontan: Angefangen in Wiltz wo die Lehrerschaft und die Belegschaft der Ideal-Lederfabrik bereits am 31. August in den Streik traten. Ueberall gab es an den folgenden Tagen Streik-und Protestaktionen: in Ettelbrück, in Diekirch, auf der Schifflinger Hütte, in Düdelingen, in Kehlen, wo die Bauern die Milch in die Gosse kippten, auf “Terres-Rouges “in Esch, in fast allen Lyzeen und in der Normalschule, in der hauptstädtischen Post, in den Erzgruben usw. Die Gestapo reagierte sofort: Das Standrecht wurde eingeführt. Ein Exempel mußte statuiert werden. Nach fiktiven Verhandlungen vor dem Standgericht wurden sehr schnell Todesurteile gefällt und auf blutroten Plakaten überall im Land verkündet.
Auf der Differdinger HADIR hatte man beschlossen erst am 2. September zu streiken, zu dem Zeitpunkt also, als die roten Plakate bereits aushingen. Man wußte also , was man riskierte.
Am 2. September erschienen 156 Arbeiter aus dem Walzwerk nicht auf der Frühschicht. Das Blockwalzwerk konnte also nicht anfahren. Der Hochofenbetrieb und das Stahlwerk liefen. Es wurde hauptsächlich im Walzwerk und im Maschinenbetrieb gestreikt. Die deutsche Direktion geriet in Panik. Der “Betriebsobmann“ Krause versuchte sogar, die Arbeiter, die Schicht hatten, aus ihren Wohnungen zu holen. Den Streikenden wurde die Exekution angedroht. Ernest Toussaint stand vor dem Portal und versuchte, die langsam anrückenden Arbeiter von ihrer Arbeitsstelle abzuhalten. Worte, wie “Feigling“ usw fielen. Ernest Toussaint wurde vom Polizeileutnat Jaegen verhaftet. Gegen viertel vor 8 Uhr war ein Großteil der Arbeiter wieder in ihrem Betrieb und die Hütte funktionierte wieder. Gegen 8 Uhr brach dann eine Art Bummelstreik in der Zentralwerkstatt aus. An die 50 Leute standen neben ihren Maschinen oder saßen auf ihrer Werkbank. Andere standen im Hof und unterhielten sich. Doch da gab es den deutschen Werkzeugausgeber Nikolaus Medinger, der die Gelegenheit wahr nahm, Rache an einigen zu üben, welche ihm nicht gut gesinnt waren. So denunzierte er u.a. Alphonse Weets, einen Belgier, J.P. Schneider, Nic Betz und Robert Mischo. Die vier, welche nach den Aussagen des Betriebschefs Margue im Kriegsverbrecherprozess 1951 nicht mehr taten, als all die anderen, wurden zu “Rädelführern“. Nikolaus Medinger war als fanatischer Nazi für seine Denunziationen sogar bei der Direktion gefürchtet. Er wurde allerdings nie zur Rechenschaft gezogen, obschon seine Arbeitskollegen nach dem Krieg mehrmals Klage gegen ihn erhoben hatten. Der Sitzstreik dauerte bis ungefähr 10 Uhr.
Nachmittags ging es dann los: J.P Schneider, Nicolas Betz, Alphonse Weets, Robert Mischo und René Angelsberg wurden zuhause verhaftet. Zusammen mit Ernest Toussaint wurden sie ins Differdinger Stadthaus und dann nach Esch in die Villa Seligmann überführt, wo sie nach Gestapoart verhört wurden. Am folgenden Tag, als Eltern und Ehefrauen nach den Verhafteten schauen wollten, hingen bereits die Plakate mit den Todeurteilen aus. Die 6 wurden in Hinzert erschossen. Viele andere waren verhaftet worden oder erhielten schriftliche Verwarnungen.
Insgesamt 20 Luxemburger wurden infolge der Streikaktionen von den Nazischergen exekutiert. Der Deutsche Hans Adam, der in Schifflingen den “Bier“ in Betrieb gesetzt hatte, um zum Streik aufzurufen, wurde, weil er Deutscher war, in Köln-Klingelpütz geköpft.
Mit seinen 6 Naziopfern hat das Differdinger Hüttenwerk den höchsten Blutzoll für den Protest gegen die Zwangsrekrutierung der Luxemburger bezahlt. 2572 junge Luxemburger mußten in der Folge ihre Zwangsrekrutierung mit dem Leben bezahlen. Die Streikaktionen in Luxemburg fanden in der internationalen Presse ein starkes Echo. Titel wie « Luxemburgs Courage“, “ General Strike dares Nazi-Rule in Luxemburg“, “Valiant Luxemburg“, “Brave Luxemburg“ konnte man in den verschiedenen Zeitungen finden.
Bis heute wird der 2. September in der Differdinger Schmelz jährlich um 9 Uhr durch Blumenniederlegungen und stilles Gedenken am Portal und in der Zentralwerkstatt begangen.
Bildzeilen : Erinnerungsplakette in der Zentralwerkstatt

Schriftliche Verwarnung
r. fleischhauer
Streik 1912
Der blutige Streik vom 26. Januar 1912
4 Tote und 6 Schwerverwundete.
Der erste und einzige blutige Streik in der Geschichte der Luxemburger Gewerkschaftsbewegung fand in Differdingen im Januar 1912 statt. Er wird gemeinhin als “Streik der Italiener” bezeichnet.
Bei der “Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft” arbeiteten um 1912 rund 1.200 Luxemburger, 1.300 Deutsche und 1.400 Italiener. Die Deutschen stellten zumeist die Facharbeiter und Handwerker, Werkmeister, Ingénieure und das Büropersonal. Sie bildeten damals in Differdingen eine eigene Kaste, welche kaum Kontakt mit gewöhnlichen Arbeitern hatte.
Die Italiener waren durchwegs unqualifiziert. Sie verrichteten die niedrigsten und schmutzigsten Arbeiten. Ihre Löhne lagen im Durchschnitt 20 bis 40% unter denjenigen der Deutschen und Luxemburger. Ein grosser Teil der Italiener arbeitete in der Möllerei, wo die Minettesteine per Hand umgeladen wurden, um die “Charge” für den Hochofen vorzubereiten. Es wurde in Schichten von 12 Stunden geschaufelt. Sonntags beim “laangen Tour” waren es sogar 24 Stunden. Wenn die Zeiten schlecht waren, gab es unbezahlte Feierschichten in der Woche. Ordungsstrafen das heisst Abzug vom Lohn waren an der Tagesordnung. Das Fass zum Ueberlaufen jedoch war die Einführung der “Alters-und Invalidenversicherung”. Den Beitrag von 70 Pfennig sahen dier Italiener ganz einfach als Lohnkürzung. Solidarität mit den Italienern gab es keine. Von Direktionsseite her sprach man von “italienischem gesindel”
Am 26. Januar traten in der Möllerei morgens an 340 italienische Arbeiter in den Ausstand. Die Streikenden zogen mit roten Fahnen durch Differdingen und Niederkorn und standen gegen halb zwölf wieder vor dem Werktor. Dort wurden sie von 18 Gendarmen erwartet. Den Frauen und Kindern, die täglich gegen Mittag ihren Vätern und Männern das Essen ans Tor brachten wurden die Essens abgenommen und auf die Strasse geschmissen. Da die Stimmung eskalierte telefonierten die Gendarmen Bürgermeister Emil Mark herbei. Dieser versuchte die Aufgebrachten zu beruhigen. Doch vergebens. Der Bürgermeister wurde zusammen mit den Gendarmen, die ihn umringten vom Tor bis an die Hochöfen gedrängt. Steine und Messer flogen durch die Luft. Es gab bereits Leichtverletzte. Für die Ordnungsmacht gab es kein Ausweichen mehr. Da rief der Bürgermeister so wie im Protokoll des Wachtmeister-Stationskommandanten vermerkt: “Alles kann nichts nutzen, schiesst, denn es ist nicht mehr anders möglich”
Hierauf schossen die Beamten in die Menge. Bei dieser Gelegenheit wurden der 27-jährige Deutschen Jacob Rapedius und der 13-jährige Walter Schmidt getötet. Walter Schmidt hatte seinem Vater das Mittagessen bringen wollen.
Schwer verwundet wurden Rafael Corinaldesi 23 Jahre, Luigi Corinaldesi 24 Jahre, Ascavino Massiovecchio 23 Jahre, Carmine Di Scipio 22 Jahre, Venanzio Resteino 28 Jahre und Luigi Catani 22 Jahre. Carmine Di Scipio sollte ein paar Tage später an seinen Verletzungen sterben.

Stadttitlel 1907
Der Stadttitel löste keine Euphorie aus
Durch Gesetz vom 4. August 1907 veröffentlicht im Memorial No 42 vom Samstag, den 10. August 1907 wurde den Ortschaften Differdingen, Düdelingen, Ettelbrück und Rümelingen kurz und bündig der Stadttitel verliehen « Article unique. La qualification de ville est attribuée aux localités de Differdange, Dudelange, Ettelbruck et Rumelange. » Unterschrift : « Saint Blasien, le 4 août 1907 sign. Guillaume » und « Le Directeur général de l’Intérieur H. Kirpach. »
Grosse Pläne..
Im Gemeinderat nahm man sich vor, den Stadttitel zu feiern. Das Luxemburger Wort bemerkt bereits am 31. Juli 1907 in der Lokalchronik unter Differdingen : »Wie verlautet, sollen zur Einweihung des kürzlich verliehenen Stadttitels grosse Festlichkeiten geplant sein. »
Im Januar 1908 setzte der Rat im Haushalt einstimmig 10.000 Franken für Feierlichkeiten zur Verleihung des Stadttitels ein. Sie sollten im Mai oder Juli desselben Jahres stattfinden. In der Sitzung vom 19. Oktober 1907 legte der damalige Bürgermeister Dr Conzemius den Entwurf eines Stadtwappens vor. Er liege dem Wappen der Herren von Differdingen aus dem 13. Jahrhundert zu Grunde, betonte er. Man werde auch eine Kupfergravur mit Wappen und Gesetzestext der Stadttitelverleihung anfertigen und im Sitzungssaal anbringen lassen. Dafür wurde dem Schöffenrat ein Kredit von 250 Franken bewilligt Allerdings unterscheidet sich der darauf abgebildete Löwe von demjenigen, den man heute allgemein auf dem Differdinger Wappen sieht. (Doppelschwanz, Krone..). Die Gravur hängt jetzt rechts hinter der Eingangstür des Stadthauses .

Mit Begeisterung zählt der Korrespondent der « Escher Zeitung » auf, was so alles für die Feierlichkeiten geplant sein sollte : Die Feier soll sich auf zwei Tage erstrecken. Es geht die Rede von einem Fackelzug am Vorabend, einem historischen Umzug, Festreden, Konzerten, Bällen und Illuminationen. Am zweiten Tag sei ein Blumenfest mit den Schulkindern vorgesehen, das Aufsteigen eines « Luftballons » mit Personen, Volksbelustigung, « Taubenstechen »( *), Kinderspiele, Preiskegeln, Volksball und Volksbelustigungen am Abend. 4 Militärkapellen , eine luxemburgische, eine deutsche, eine belgische und ein französische sollen spielen. Auf dem Marktplatz soll Volkstheater stattfinden. Weiter hat man einen Sängerwettstreit, einen « Schönheits-Concours », die Verteilung der « Tugendrose »( **), ein Hundewettrennen, ein Blumencorso vorgesehen. Präsident des Festkomitees sei das Ratsmitglied Emil Mark, also « müsse die Sache gehen »
Aber kein Ergebnis.
Doch über die Feierlichkeiten in Esch, Rümelingen und Düdelingen wird im Laufe des Jahres 1908 in der Presse berichtet. Eine Feierlichkeit in Differdingen wird jedoch nirgends erwähnt. Nur so zwischen den Zeilen in der Presse und im Beratungsregister des Gemeinderats liest man heraus, dass es wohl Unstimmigkeiten unter den Gemeindeädilen gab und dass vielleicht deshalb überhaupt nicht gefeiert wurde.
Im Jahre 1909 beging die Differdinger Musikgesellschaft die seit 1907 offiziell den Titel eines « Stadt »-musik ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festival. In der Gemeinderatssitzung vom 7. April wurde der Vorschlag gemacht, dieses Festival mit den Stadteinweihungsfeiern zu verbinden.
In der Gemeinderatssitzung vom 26. Juni 1909 wurde dann erneut über die Gewährung des Subdids an die Stadtmusik aus Anlass ihres Festivals abgestimmt. Bürgermeister Dr Conzemius bemerkte dabei folgendes : »Ich nehme jedoch an der Abstimmung nicht teil weil Sie meinen Vorschlag das Fest der Stadttitelverleihung mit diesem zusammen zu feiern verworfen haben. Nun haben Esch, Rümelingen und Düdelingen dieses Fest gefeiert und es wäre lobenswert gewesen, wenn wir es auch gefeiert hätten. Ich werde daher den Saal verlassen, bis darüber abgestimmt ist… »Seinen Abgang begleiteten spöttische Bemerkungen einiger Ratsmitglieder.
In der Gemeinderatssitzung vom 5. März aus Anlass der Gewährung einer kommunalen Beihilfe zur Organisation eines Musikwettstreites in der Gemeinde organisiert vom Adolfverband wurden die Stadteinweihungsfeierlichkeiten dann definitiv fallen gelassen. Im Ratsregister lesen wir folgendes : »Nach Einsicht der Schreiben unterzeichnet von den Präsidenten der verschiedenen hiesigen Gesellschaften mit folgender Mitteilung, dass am 19. Juni dieses Jahres ein Musikwettstreit veranstaltet vom Adolfverband in hiesiger Stadt stattfinden wird . In diesem Schreiben wird die Frage an den Gemeinderat gestellt, ob es nicht angezeigt wäre mit diesen Festlichkeiten die Stadteinweihungsfestlichkeiten zu begehen.
Zutreffendenfalls wäre dann ein angemessenes Subsid als Beitrag zu den Kosten zu votieren ;
beschliesst
mit 7 Stimmen gegen 3 (Hausemer, Schambourg, Thiry) nebst einer Enthaltung eistweilen noch keine Stadteinweihung zu feiern.
Der Bürgermeister hat sich enthalten aus dem Grunde weil man seinen Vorschlag in derselben Frage im vergangenen Jahr nicht beigepflichtet habe. »
Man muss allerdings auch hinzufügen, dass die Gemeindeverwaltung 1907 und in den darauffolgenden Jahren mit einer Stadt, die aus allen Nähten platzte sehr schmerzliche Probleme zu meistern hatte.
* Taubenstechen : Ein hölzerner Vogel mit Nagel als Schnabel hing an einer Schnur oder Kette an einem Galgen. Man fasste ihn, trat zurück und liess ihn los, so dass er mit Schwung in eine Zielscheibe schoss und dort mit dem Schnabel stecken blieb.
**Die « Tugendrose » war die vom Papst verliehene « goldene Rose » jedoch an weibliche Personen. Die « goldene Rose » wurde an Personen verliehen, welche dem Vatikan besondere Dienste erwiesen hatten. (was das mit den Festlichkeiten zu tun hatte, bleibt rätselhaft).
r. fleischhauer
Spitäler
105 Jahre Spitalswesen in Differdingen
Vor 100 Jahren waren die Leute weit weniger anspruchsvoll und die kommunale Krankenversorgung begann erst langsam Form anzunehmen. Doch Weitsicht gab es damals auch schon: Wie Aline Goergen-Jacoby 1937 in ihrer Studie “Die Gemeinde Differdingen von 1795 bis 1930” schreibt hätten es gleich nach dem ersten Weltkrieg bereits Bestrebungen gegeben, ein interkommunales Schlachthaus und ein interkommunales Spital (in dieser Reihenfolge) zu schaffen, doch “--die Verhandlungen scheiterten nicht so sehr an der finanziellen Frage als vielmehr an dem lokal-patriotischen Ehrgeiz der Gemeindevertreter”.
Es sollte noch 60 Jahre dauern, bis sich die Idee einer interkommunalen Gesundheitsversorgung durchsetzen konnte.
Ab 1912 gab es in Differdingen eine Niederlassung der Krankenschwestern, welche sich um die Gesundheit der Einwohner kümmerten.
Doch in Niederkorn gab es bereits seit 1901:
Ein modern eingerichtetes Hüttenspital
das von der “Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hütten-AG” geschaffen worden war.. Die Hütte hatte dafür das grosse Haus des Gerbers Paquet in Niederkorn erworben und umgebaut.(Heute Einfahrt ins HPMA).
Am 15. April 1901 wurde das Spital in Betrieb genommen. Das Spital war selbstverständlich für die Schmelzarbeiter gebaut worden, denn Unfälle gab es damals fast täglich. Da die “Deutsch-Luxemburgische” eine deutsche Gesellschaft war, wurde die Krankenvesorgung den “Barmherzigen Brüdern Trier” anvertraut, deren Orden auch heute noch weltweit im Dienst der Kranken und Behinderten tätig ist. Das Spital hatte damals schon ein Labor, eine Roentgenabteilung, einen Operationssaal und 35 Betten.
Die Barmherzigen Brüder waren in Niederkorn bei der Bevölkerung sehr beliebt. Unzählige geschundene Knie unserer Schulkinder wurden dort verarztet und zwar unentgeltlich.

Im Jahre 1971 trat die Arbed ihr Spital in Niederkorn an die Gemeindeverwaltung ab. Von nun an war es eine “annexe” des Differdinger Spitals. Die Barmherzigen Brüder verliessen das Spital im Jahre 1973. Bis Juni 1978 funktionierte es noch als Krankenhau. Ab Januar 1979 war es nur noch Pflegeheim und zwar bis zu dem Moment als der Staat das Spital in Differdingen erworben und dort ein Pflegeheim eingerichtet hatte.
Im Jahre 1984, als das neue Niederkorner interkommunale Spital bereits funktionierte, wurde das Alte abgerissen, um einer breiten Zufahrt zum neuen Spital Platz zu machen.

Spital im Kloster
Das was die Differdinger jetzt noch “aalt Spedol” nennen und in dem jetzt Servior das Differdinger Pflegeheim betreibt war ein Frauenkloster, das Alexander von Zolver anfang des 13. Jahrhunderts bauen liess. Bei dem schönen alten Gebäude, in dem das Pflegeheim untergebracht ist handelt es sich lediglich um das Gästehaus der vormaligen ausgedehnten Klostaranlage mit ihren Dependenzien. Das Zisterzienserinnenkloster überlebte die französische Revolution nicht. Ab 1797 diente es etlichen reichen Familien als Wohnung. Zuletzt wohnte der Notar Ed. Reiffers hier
Von ihm erwarb die Gemeinde im Jahre 1929 das Gebäude, um darin ein Krankenhaus einzurichten.
Am Samstag, den 23. Mai 1931 konnte das neue Spital eingeweiht werden. Von Regierungsseite hatte sich Generaldirektor Clemang eingefunden. Bürgermeister Emil Mark eröffnete die Feierlichkeiten um 15.00 Uhr. Er ging auf die Vorbesitzer und die Geschichte des Klosters ein und freute sich über das neue “hospice civil”. Während der Besichtigung konzertierte die Stadtmusik und die “Espérance” führte mit 54 Pupillen Turnübungen vor. Gegen 18 Uhr fand dann eine Feier im kleinen Kasino statt wo der Zahnarzt Dr Pauly sich im Namen der Aerzteschaft für dieses moderne aber wohnliche Gebäude bedankte.

Das neue Spital hatte 50 Betten. Jedes Zimmer hatte kaltes und warmes Wasser. Eine grosse Neuerung gab es im Operationszimmer. Die Lampe “La Scyalytique” schaltete automatisch auf Batterie, sobald der Strom ausfiel. Es gab eine “Maternité”, Altenbetten, Kinderbetten ein Verbandszimmer, ein Kreisssaal und moderne Roentgen-und Durchleuchtungsapparate.
Der Verwaltungsrat hatte 5 Mitglieder. Organisation und Haushalt lagen bis 1956 in den Händen der Franziskanerschwestern . Ab 1957 waren diese nur noch für die Pflege zuständig. Die Verwaltung übernahm ein von der Gemeinde ernannter “administrateur-économe”. Fernand Schoux war der letzte “économe” des Spitals.
Im Jahre 1957 wurde der neue Teil hinter dem früheren Gästehaus gebaut und 1960 in Betrieb genommen. Hier wurde die Entbindungsanstalt untergebracht. Im Jahre 1980 verfügte das Spital über insgesamt 119 Betten. Es gab übrigens nur Zweibettzimmer. Eine erste und eine dritte Klasse existierten nicht.
Im Jahre 1973 verliessen die Franziskanerinnen das Spital genau in dem Jahr, in dem sich auch die Barmherzigen Brüder aus dem Niederkorner Spital zurückzogen.
In den 70er Jahren stellte sich heraus, dass das Spital den modernen Anforderungen an die Medizin nicht mehr genügte. Die Belegung nahm konstant ab und die Gemeinde musste ein jährliches Defizit von bis zu 15 Millionen Franken tragen.
Das war der Moment, wo die Idee eines gemeinsamen Spitals für mehrere Gemeinde wieder aufgeriffen wurde. Ab 1970 wurden Gespräche mit den Nachbargemeinden geführt, um gemeinsam ein Spital zu bauen. Auf das 1981 eingeweihte “Hôpital Princesse Marie-Astrid “werden wir später eingehen.
r. fleischhauer
Spahis
10. Mai 1940 :
Differdingen und die algerischen und marokkanischen “Spahis »
Am Samstag den 4. Mai 1985, weihte die Differdinger Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Nic Eickmann eine Schrifttafel an der Kirche in Lasauvage ein. Der Text lautet wie folgt: ”Les 10, 11 et 12 mai 1940 sur le territoire des communes de Differdange, Pétange et Sanem, les lieutenants Jacques Chauvin et Abdelkader Batoul, le Maréchal des Logis-Chef Jacques Gendreau et le Spahi Guy Daniau ansi que trois sous-officiers et 53 brigadiers et spahis du 6e régiment des Spahis Algériens sont morts au champ d’honneur”.
Auch ehemalige “Spahis” in ihren schmucken Reiteruniformen nahmen an der Feier in Lasauvage teil. (“Spahi” vom Türkischen sipahi = Reiter). Der frühere Leutnant der “Spahis” René Doligé bedankte sich damals für diese Ehrung. Er erinnerte an die Kämpfe, die an den drei Tagen beim Einmarsch der Nazis in und um Differdingen und die Nachbargemeinden stattfanden, an die französischen Soldaten der 6ten algerischen und der 4ten marokkanischen Spahis, die ihr Leben liessen, als sie versuchten die eindringenden Deutschen von Longwy her zurückzuschlagen. Unter anderem bemerkte er gegenüber der Differdinger Bevölkerung « Nous nous souvenons que vous avez soigné nos blessés, enterré nos morts et fleuri leurs tombes, alors que les Allemands nazi ne le permettaient pas. »
Die Ereignisse vor 68 Jahren
Am 10. Mai1940 berichteten Arbeiter, welche von auswärts zur Frühschicht nach Differdingen kamen, dass deutsche Sturmtruppen in den Wiesen zwischen Niederkerschen, Linger, Petingen und Niederkorn gelandet seien. Die Einwohner hofften auf die Maginot-Linie und darauf, dass die französische Armee sogleich über die Grenze einmarschieren würde, um die Deutschen zurückzuschlagen. General P. Jouffrault hat in seinem Werk «“Les Spahis au feu“, das 1948 erschien, im Einzelnen die Ereignisse vom 10. bis 13. Mai an der französisch-luxemburgischen Grenze geschildert. U.a. schreibt er : “ Il a fallu dix heures au Commandement français pour se rendre compte de l’invasion et donner l’ordre d’exécution de la parade préparée. La surprise a été complète : elle est impardonnable!“. Obschon die Grenze bloss 4 Kilometer entfernt war, dauerte es bis halb zehn Uhr bis die ersten französischen “Spahis“ auf ihren wendigen Pferden und mit motorisierten Einheiten über “Kiemerchen“ und “Metzkimmert “ her Differdingen erreichten.
Jouffrault schreibt :“L’enthousiasme des habitants est touchant ; les Français sont acclamés , les Luxembourgeois patriotes se voient débarrassés des Allemands et ils s’empressent de dénoncer leurs agents.“ Die berittenen Spahis trugen farbige, hübsche Uniformen und breite Gürtel, in denen ein Säbel steckte. Mit ihren kleinen Wüstenpferden waren sie sehr beweglich (auf Befehl warfen sich Pferd und Reiter hinter einem Busch in Deckung).
Bürgermeister Pierre Gansen verhandelte mit den Franzosen, um eine Möglichkeit zu finden, die Differdinger Bevölkerung nach Frankreich zu evakuieren.
Die Franzosen beschossen von den Niederkorner Anhöhen mit Maschinengewehren die anrückenden Deutschen. Durch diese Feuergefechte wurde die Niederkorner Knabenschule, die dort stand, wo heute der Parkplatz ist, vollständig durch Brand zestört.(unser Bild)

Am Giebel der früheren Apotheke Hougnon in Niederkorn kann man heute nach 69 Jahren noch Einschusslöcher der Maschinengewehre erkennen. (Unser Bild)

Die Spahis waren bekannt für ihren Mut und ihren Einsatz. Der technisch hochgerüsteten deutschen Kriegsmaschinerie waren sie jedoch keineswegs gewachsen. Ausserdem kämpften die Spahis zum Teil in ihren weissen Tuniken mit dem farbigen Turban am Helm, während die Deutschen wohl wussten, welchen wichtige Rolle eine gute Tarnung spielte. Und trotzdem hatte es die französische Armee geschafft den deutschen Vormarsch zu stoppen und zwar bis zur Linie Petingen – Beles – Zolver – Esch. Sie kämpfte “verbissen “ gegen eine technisch und strategisch hochgerüstetes Heer. Doch nach und nach wichen sie der Uebermacht und am 11. Mai gegen Abend zogen sie sich über die Grenze zurück bis nach Longwy und zu den Maginot-Befestigungen.
Der 10. Und 11. Mai kostete die französische Armee 4 tote Offiziere und 3 Schwerverletzte, 90 tote Soldaten und 82 schwer Verwundete. Wieviel Deutsche bei diesen Kämpfen ihr Leben liessen, ist schwer zu schätzen. Auf dem Friedhof gab es 6 Gräber mit deutschen Soldaten. ( Schoux : Korspronk No 13).Wegen des Beschusses der Ortschaft kamen auch 16 Differdinger ums Leben (Armand Logelin : Meine Evakuierung – Eugène Weiss).
Unter anderem schlug eine deutsche Granate in das Haus der Familie Vettorretti auf “Metzkimmert”, wobei der Vater und zwei Söhne umkamen. Durch herumfliegende Granatsplitter gab es weitere Verwundete und Tote unter der Zivilbevölkerung. Roger Lamborelle, der im “Pissoire “ gegenüber der Metzgerei Jacques Schutz gesucht hatte, wurde durch einen Splitter in der Halsschlagader getötet. Doktor Behm operierte Verwundete im Niederkorner Spital der Hadir bei Kerzenlicht, weil der Strom ausgefallen war. Während der Operation fiel eine Granate auf den Operationssaal. Der verwundete Patient kam dabei ums Leben. Gegen 10.30 Uhr rückten die ersten deutschen Soldaten in die Stadt vor. Das französische Militär, das sich noch in Differdingen aufhielt wurde entwaffnet und gefangen genommen. Etliche Soldaten konnten über den Berg hinweg flüchten.

Die Kämpfe zwischen den neuen Besatzern und den französischen Truppen jenseits der Grenze dauerten jedoch fort. Die Franzosen belegten Differdingen mit Dauerfeuer, wodurch etliche Gebäude zerstört wurden. Unter anderem wurde der “Roudenhaff” auf dem Berg Opfer des Dauerbeschusses. Die 3 Tage nahmen also einen ziemlich blutigen Verlauf in der Südwestecke des Landes. Jedenfalls sollte die Dankbarkeit der Differdinger den tapferen gegen eine grosse Uebermacht kämpfenden marokkanischen und algerischen “Spahis” erhalten bleiben.

r. fleischhauer
Red-Boys
Vor hundert Jahren begann in Differdingen das Fussballfieber.
Am 25. Mai 1907 also 2 Monate vor der Stadttitelverleihung schlug die Geburtsstunde des Fussballs in Differdingen. Drei junge Leute, nämlich H. Kayser, Ch. Logelin und Nic Origer aus Differdingen bekundeten ihre Interesse für das aus England stammende Spiel mit dem Ball, der per Fuss weiterbewegt wurde. In Esch und Luxemburg hatte man ein Jahr vorher einige Versuche unternommen, das Spiel bekannt zu machen, doch der Erfolg war eher gering. Zu einem ersten Treffen weiterer Interessierter kam es am besagten 25. Mai 1907 im Café Josy Hames. Als man sich einig war, wurde gleich eine Vereinsgründungsurkunde aufgesetzt und am selben Tag unterschrieben und zwar von H. Kayser, Jos Noel, Nic Origer, Wilwers, P. Marx, Ch Kolbach, H. Forster, P. Hostert, J. Berns, F. Franck, Ch. Logelin, J.P. Kayser, A. Krieps, J. Waschburger, Oppenrieder, Ortlieb, Kintziger, V. Iversen, Heuskin, C. Bloch, R. Schambourg, V. Mattes, L. Frisch, J.P. Lamesch, H. Rheingans, F. Jacoby, Guirsch. Den Namen nach zu urteilen, gab es auch Deutsche unter diesen ersten Mitgliedern. Das Hüttenwerk, die « Deutsch-Luxemburgische Hütten-und Bergwerksaktiengesellschaft » stand ja damals unter deutscher Leitung und arbeitete mit deutschen Ingénieuren und Verwaltungsleuten.

Am 3. Juni fand die erste Generalversammlung auch im Hotel Hames statt. Folgender Vorstand wurde gebildet : 1. Vorsitzender : Emil Mark, Tierarzt und Schöffe, Schriftführer : H. Rheingans, Kassierer : H. Kayser, Materialverwalter : Ch. Kolbach, Beisitzende : J. Berns und Heuskin. Erster Kapitän und Trainingsleiter war der Schwede Vigga Iversen. Als Uniform wählte man : ein blau-und weissgestreiftes Hemd, eine weisse Hose, eine blau-weissgestreifte Mütze ( !) , und schwarze Strümpfe.
Im August pachtete der neue Verein beim Bauer Mainz zum Mietspreis von 80 Mark eine Wiese als Spielfeld. Sie befand sich hinter den aktuellen Gemeindebetrieben.
Das erste Spiel wurde am 22. September desselben Jahres in Luxemburg ausgetragen. Der « Football-Club Differdingen » gewann gegen den « Racing-Club » Luxemburg. Spieler des Differdinger Vereins waren : Iwersen, J.P. und H. Kayser, Heuskin, H. Forster, Noel, Guirsch, Kolbach, Oppenrieder, Schiltz, Rheingans und Logelin. In der Folge spielte man auch gegen Vereine aus den Nachbarstädten Trier, Longwy, Metz, Arlon, Longuyon, Bernkastel, Saarburg.

Im folgenden Jahr wurde auf Initiative des « Racing-Club » ein Landesverband gegründet. Differdingen war darin mit Schiltz, Fritsch, Kayser, Noel und Forster vertreten.
1908 konnte auch ein starker Zuwachs an Mitgliedern verzeichnet werden. Nach der zweiten Generalversammlung war E. Fritsch Vorsitzender, Fr Forster zweiter Vorsitzender. G. Schiltz Kassierer, W. Wenneckers Sekretär und H. Rheingans Beisitzender. Im November konnten bereits zwei Mannschaften aufgestellt werden.
Chaos und Anarchie
Doch es sollte nicht bei dieser ersten Begeisterung bleiben. Im Jahre 1909 liess das Interesse besonders bei der Vereinsleitung stark nach. Innerhalb der Spieler gab es Streitereinen, was dazu führte, dass einige von ihnen einen zweiten Ortsclub gründeten. Doch man sah schliesslich ein, dass so etwas in eine Sackgasse führt. Verhandlungen zwischen den beiden Vereinen fanden statt und in der Generalversammlung vom 20. April 1910 fand man wieder zueinander. Der « Sportclub » wie er damals hiess, änderte auch seine Farbe. Die Spieler trugen jetzt rot-weiss.
Das Hüttenwerk kaufte das bisherige Spielfeld und stellte es dem Fussballclub zu einem geringen Pachtzins zur Verfügung.
Das Jahr 1911 begann wieder mit internen Zwistigkeiten und eine erneute Spaltung drohte. Der Club wurde auch wegen der häufigen Unspielbarkeit seines Feldes von der Landesmeisterschaft ausgeschlossen.
So begann die folgende Saison mit « grösstem Chaos und völliger Anarchie im Club ». Als Retter in der Not erwies sich Eugène Didier, der neue Kapitän und Trainingsleiter , der den « Sportclub » wieder auf die richtigen Geleise bringen sollte. Das Spielfeld wurde gemeinsam instand gesetzt und es wurde fleissig trainiert.
Nach all diesen Kinderkrankheiten konnte sich der Sportclub in den Jahren 1916 bis 1919 trotz der Kriegsjahre straff organisieren und die Mannschaften spielten an oberster Stelle auf Landesebene.
Red-Boys
Am 11. Juli 1919 beschloss der Vorstand auf Vorschlag des damaligen Kapitäns Mosinger (späterer Professor an der Universität Aix/Provence) den Namen « Red-Boys » anzunehmen. 1919 wurde auch der « Progrès Niederkorn » gegründet. Von da an gings bergauf und im Jahre 1923 war es dann soweit : Die Red-Boys wurden Landesmeister. Dies sollte ihnen in der Folge noch 5 mal gelingen.
1925 konnte die erste Mannschaft den Landespokal erringen, etwas, das dem Verein noch 15 mal gelingen sollte.
Heute nach hundert Jahren kann der FCD 03, wie er nach der Fusion mit der AS Differdingen heisst, bei seinen Feiern auf hundert Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken, etwas was im Land wohl einmalig sein dürfte.
Quelle : Broschüre zum 50ten Jubiläum des Red-Boys im Jahre 1957

r. fleischhauer
Probleme 1907
Sorgen einer explodierenden Stadt
Der Minenprozess
Nach den Sorgen, die der unehrliche Gemeindeeinnehmer im Juli 1907 der Verwaltung bereitete, geriet im September der Gemeinderat unter Bürgermeister Conzémius in eine offene Konfrontation mit einem Teil der Bürgerschaft. Der Gemeinderat beabsichtigte Minenfelder in « Grossenbusch » zu verkaufen. Der Verkauf stand mehrmals auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Am 7. September 1907 fand eine Protestversammlung von ein paar hundert Differdinger Bürgern im Saale Theis-Rollinger statt. Hier wurde eine Protestnote mit 200 Unterschriften an den Gemeinderat verfasst. Die Differdinger Bürger befürchteten nämlich, dass durch einen Minetteabbau auf « Grossenbusch » die Quellen, aus denen die Stadt ihr Trinkwasser bezog, zerstört würden. Ausserdem waren diese Bürger der Meinung, dass der Gemeinderat bei einem Preis von 200 Fr pro Ar das Terrain regelrecht verschleuderte. Die Gemeindeverwaltung hatte wohl eine « Wasserklausel » in das Angebot gesetzt. Da sich jedoch wegen dieser Quellenschutzklausel kein Liebhaber meldete, wurde die Klausel wieder aus dem Vertrag genommen, was den Zorn der Bürger hevorrief. Es folgte der berühmte « Minenprozess » von 1907 den die Gemeinde verlor.
Wassermangel
Sowieso war die Wasserversorgung der neuen « Stadt » katastrophal. Ein Differdinger Bürger mit Humor stellt in der « Escher Zeitung » die Frage : »Weshalb wird die Stadt Differdingen niemals reich werden ? und antwortet dann selbst : »Weil die Einwohner stets Bier und Wein trinken müssen, da die teure Wasserleitung nur ein paar Liter Wasser pro Tag und Kopf verteilt ! » Und fährt fort : »..denn will man Wasser haben, so geht man an die Leitung, dreht den Hahn derselben dreimal auf, worauf ein heftiges Sprudeln erfolgt, dann ein langsames Zischen, welches sich alsdann allmählich in ein fernes Rauschen verläuft. Hat man diese Operation drei-bis viermal wiederholt, so hat man ungefähr drei bis vier Liter des edlen Nasses erhalten, welches alsdann in Flaschen gezapft und bis Kirmessonntag aufbewahrt wird. » 1911 kam dann endlich die intersyndikale Wasserleitung, wodurch dieses Problem gelöst war.
Separatistische Gelüste der Niederkorner
Zu dieser Zeit waren die Sektionen Niederkorn und Oberkorn weit selbstständiger. Sie wählten ihre eigenen Ratsmitglieder in den Differdinger Gemeinderat und verfügten zum Teil über ein eigenes Budget. Die Niederkorner fühlten sich bei der Verteilung der Gelder benachteiligt. Es enstand eine separatistische Bewegung, die darauf hinauslaufen sollte, Niederkorn komplett von der Gemeinde Differdingen zu lösen und eine eigene Gemeinde zu bilden. Eine Kommission überreichte 1911 einen entsprechender Antrag mit der Unterschrift von 200 Niederkorner Wahlberechtigten an die Regierung. Der Anfrage wurde jedoch nicht stattgegeben.
Typhus
Ein anderes Problem beschäftigte die Gemeindeväter zu dieser Zeit : Es gab mehrere Typhusepidemien. Im Jahre 1909 stellte man 20 Fälle in der Gemeinde fest. Im Stadtrat führte man dies darauf zurück, dass noch in vielen Häusern das Wasser aus Brunnen entnommen wurde und dass überhaupt Wassermangel herrschte. Das Haus 46, Nikolausstrasse wurde als Ausgangsherd der Epidemie bezeichnet. Rat Pinth bemerkte, « in diesem Haus wimmelt es von Italienern, welche sich Tag und Nacht ablösen in den Betten. ».Tatsächlich gab es in diesem Haus gleich drei Fälle.
Kriminalität und Schmutz
Raubmord, Diebstahl, Schlägereien, Messerstechereien und vor allem Unfälle auf der Hütte und im Erzabbau waren an der Tagesordnung . Ein für uns heute kaum nachvollziehbarer Zustand war der Schmutz in den Strassen. Mehrmals wies man in den Zeitungen darauf hin. Man müsse in Regenzeiten in den Strassen durch « fusshohen Kot waten », der neue Bürgersteig nach Niederkorn sei nicht mehr zu benützen , er sei « stellenweise durch breiige Kotmassen geradezu ungangbar geworden », « trotzdem Differdingen zur Stadt ernannnt worden ist », müsse man « mit Bedauern feststellen, dass es noch wenig städtisches Aussehen besitzt », bei regnerischem Wetter könne man die Strasse nur mit Stiefeln begehen.. » usw
Zwischen der Volkszählung von 1895 und 1906 hatte die Bevölkerung um sage und schreibe 272 % zugenommen. Nach amtlicher Feststellung betrug die Einwohnerzahl im Jahre 1907 12.110 . (Im Gemeinderat sprach man jedoch von 14.000). Selbstverständlich konnte der Wohnungsbau dieser Entwicklung nicht folgen mit dem Resultat, dass in Differdingen zur Zeit der Verleihung des Stadttitels katastrophale Wohnverhältnisse herrschten.
Bildzeile : Nur die schönsten Ecken der Stadt dienten als Motiv für Postkarten


r. fleischhauer
Pi-men + Resistenz
Was bedeutet “PI-MEN”?
Wir hatten in einer der letzten Nummern den geschichtlichen Hintergrund des Comics über die Differdinger Geisel beleuchtet. Das Ereignis spielte sich im Jahre 1940 ab, als die Deutschen bei ihrem Frankreichfeldzug auch unser Land besetzten. Unter der militärischen Besetzung ging es der Bevölkerung noch relativ gut. Das änderte sich grundlgend, als Gustav Simon Gauleiter des “Mosellands” wurde und dem Land eine deutsche Zivilverwaltung aufzwang. Sein Ziel war gleich, aus den Luxemburgern regelrechte Deutsche zu machen. Das bedeutete, dass die Luxemburger Sprache abgeschafft wurde, dass die Namen eingedeutscht wurden, dass kein Französisch mehr in den Schulen gelehrt wurde, dass jeder Luxemburger sich in der “volksdeutschen Bewegung “ einreihen sollte. Am 31. August 1942, dekretierte Gustav Simon, dass alle Luxemburger die deutsche Nationalität erhielten und folglich die jungen Leute in die Deutsche Armee gezwungen und in den Krieg geschickt wurden. Es war ganz klar, dass sich Widerstand bildete und sich Resistenzgruppen organisierten die im Verborgenen operierten. In Differdingen war die Resistenz besonders stark. Es gab mehrere Gruppen. Eine davon war besonders straff organisiert und funktionierte hervorragend. Es waren die “Pi-MEN”, welche von Josy Goerres (1913 - 1985) geführt wurden. “Pi-MEN” war die Abkürzung für “Patriotes Indépendants”. Sie nannten sich auch “F-16,9” - F=Formation, 16 = “P” im Alphabet , 9 = “I” im Alphabet. Eine ihrer Tätigkeiten war von Nazis Verfolgte über unseren “Berg” nach Frankreich zu bringen, wo sie in ein geheimes Auffanglager in Les Ancizes gebracht wurden, falsche Papier bekamen und bei Franzosen unterkamen. Rund 1.200 Menschen schafften die PI-MEN trotz der gut bewachten Grenze über den Berg nach Frankreich. Es waren Kriegsgefangene, abgeschossene Piloten der allierten Streitkräfte, Luxemburger, welche aus der deutschen Armee desertiert waren oder Fahnenflüchtige.
Jos Meunier aus Oberkorn, der später im KZ Hinzert furchtbar misshandelt worden war erzählt, wie er mithalf eine Gruppe über den Berg zu bringen. “Enges Daags huet de Goerrese Josy zu mär gesot: Et kommen der elo e puer un. Du gees déi sichen an da kanns du och een iwerféieren.Ech sinn déi Flüchteg dunn op d’Gare siche gaangen an ech hunn se an d’Weihergaass gefouert. Ech hunn hinne gesot:Elo deet jiddereen eppes Duebeles aus senger Waliss un well mer kënnen net mat Walissen iwer de Bierg goen.Du woar schon een, deen huet Raute gewénkt an déi aner si vum Kleins Néckel a vum Albert Ungeheuer iwerholl ginn an ech hat och een. Mär sinn a groussen Ofstänn iwert de Bierg gaangen. Um Bierg huet de Legers Eugène mär mäin ofgeholl. Vun do aus sinn se an de Parc Grouwe gaangen an dunn op de Stengerches Wee bis duer wou fréier den ale Scoutschalet woar an dann ass et laanscht de Galéi gaang, dann iwer déi Boucle, déi bei de Schéissterrain erofgeet. Den Iwergank a Frankräich woar da bei der Pompelstatioun, wou fréier d’Baache Mille stoung “
Ausser dieser Tätigkeit erfüllten die PI-MEN auch noch die Aufgaben eines geheimen Nachrichtendienstes. Täglich wurden Nachrichten über deutsche Truppenbewegungen und Lageberichte aus Luxemburg von mehreren Kurieren nach Brüssel und dann nach London geschmuggelt.
Eine anderere nicht unwichtige Tätigkeit war die Antipropaganda: Verfassen und Austeilen von patriotischen Handzetteln, Zerstörung von Nazipropagandamaterial, Boycott von Nazi-Veranstaltungen usw. Als vierte Aufgabe hatten sich die PI-MEN zur Pflicht gemacht, politisch Verfolgte zu unterstützen und ihren Familienangehörigen materielle und finanzielle Hilfe zukommen zu lassen.
Josy Goerres selber war 1941 durch Verrat verhaftet worden. Da man ihm nicht viel nachweisen konnte, wurde er 1943 entlassen und er baute in Zusammenarbeit mit Emile Krieps und noch vielen anderen bis zum Kriegsende die PI-MEN zu einer der wirkungsvollsten und diszpliniertesten Organisationen des Landes gegen den Nazi-Terror aus.
Zu Ehren der vielen “Passeurs”, die Leib und Leben riskierten, um die Verfolgten über die Grenze zu bringen wurde am 3. Oktober 1965 ein Monument entworfen von Jacques Dollar an der Kreuzung der rue de Hussigny, Montagne und Lasauvage eingeweiht. Es ist der Ort von dem einer der geheimen Pfade über den Berg seinen Ursprung hatte. Das Monument aus Differdinger Stahlträgern hergestellt symbolisiert den “Passeur”, der einem Flüchtling den Weg über die Grenze zeigt.

Wer sich weiter über die PI-MEN informieren will, findet in unserer Stadtbibliothek das Buch von Jacques Dollar: “Josy Goerres et les PI-MEN dans la résistance”
r. fleischhauer
Missstände 1907
Stadttitel bedeutet nicht unbedingt Lebensqualität.
Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk, Nobelpreisträger für Literatur 2006 beschreibt in seinem Werk « Istanbul, Erinnerungen an eine Stadt » seine Heimatstadt in allen ihren so vielfaltigen Facetten. U. a erzählt er, dass wegen der allgemeinen Zensur es einem Journalisten nicht erlaubt war, politische Persönlichkeiten zu kritisierten. So « stürzte » sich der Journalist Ahmet Rasim auf städtische Alltagsprobleme , « denn solche werden immer gerne gelesen, » schrieb er.
Ob Journalisten und Lokalkorrespondenten vor hundert Jahren politische Themen untersagt waren, glauben wir nicht. Dennoch « stürzten » sie sich auch gerne auf Aergernisse des Alltags. Und eine aus allen Nähten platzende neue « Stadt Differdingen » gab genug her für kritische Anmerkungen :
Hier was vor hundert Jahren in der « Escher Zeitung » angemerkt wurde :
Die Strassen erinnerten wohl an « Dawson City » :
- « Differdingen : 3. April : Trotzdem Differdingen zur Stadt ernannt worden ist, muss man mit Bedauern sehen, dass es noch wenig städtisches Aussehen besitzt. Betrachtet man beispielsweise die meisten Strassen, so sieht man den Schmutz bei regnerischem Wetter derart angehäuft, dass man fast genötigt wäre grosse Stiefel anzuziehen. Sollte unser Stadtrat nicht bald ein Mittel finden, diesen Uebelständen abzuhelfen ! Es wäre doch so leicht. »
Sicherheit war nicht von ungefàhr ein Thema :
- « Differdingen 27. Oktober : Die Zahl unserer Gendarmen ist um einen Mann vermindert worden. Diese Massregel erscheint uns durchaus unberechtigt. Die stets zunehmende Bevölkerung unserer Stadt würde eher eine Vermehrung, denn eine Verminderung rechtfertigen. Wie viele Ueberfälle liest man täglich von hier in den Zeitungen ! An den Zahl-und Sonntagen müssen unsere Gendarmen beständig auf den Strassen patrouillieren. Rechnet man dazu noch die Ueberwachung des fremden Gesindels, das sich hier herumtreibt, der Animierkneipen und sonstigen Buden, so begreift man nicht, wie die genannte Massregel getroffen werden konnte. Hoffentlich wird sie bald rückgängig gemacht werden ! »
Ein Problem das sich über 90 Jahre hinzog :
- « Differdingen, 7. November : Der Wasserlauf der « Korn » bedarf einer gründlichen Reinigung. Das gesammte Bett derselben ist derartig verschlammt und mit Unrat angefüllt, dass unbedingt eine umfassende Säuberung vorgenommen werden muss, schon allein aus hygienischen Umständen. »
Heute unvorstellbar :
- « Differdingen, 16. Dezember : Seit etwa 6 Monaten leidet hiesige Ortschaft derart an Wassermangel, dass die Wasserleitung tagsüber nur zu 2 verschiedenen Malen während einer Stunde geöffnet ist. »
Heute ärgert man sich über Hundekot :
- « Differdingen, 14. Januar : Hoffentlich werden unsere Polizeiorgane die Ueberwachung der « Schweinigel », welche regelmässig die Umgebung des « Rathaus », der Kirche und der Schulen ausersehen, um ihre Fäkalien dort niederzulegen für die Zukunft besser ausführen. Es ist eine Schande wie gewisse « Saukerls » am öffentlichen Tage sich hinstellen, die Hose aufreissen, ihr Geschirr zeigen und mit einigen Schwenkungen nach rechts und links in die blaue Luft schiffen. Pfui Teufel ! Die ganze Nachbarschaft beschwert sich über diese aller Moral sprechende « Schweinerei ». Falls nichts geschieht, werden wir diese « Hallunken » öffemtlich an den Pranger stellen. Solche Kerls gehören in den Stall des « Epicur » ! »
Bürgersteig oder Strasse für Fussgänger ?
- « Differdingen 24. November : Als im vorigen Jahr die hiesige Stadtverwaltung längst der Staatsstrasse Differdingen-Niederkorn ein Trottoir anlegen liess, wurde diese Neuerung überall mit Freuden begrüsst ; man brauchte eben nicht mehr durch den fusshohen Kot zu waten, welcher besonders zur Regenzeit auf dieser verkehrsreichen Strasse lagert. Heutzutage ist es jedoch an verschiedenen Stellen vorzuziehen, eher die Strasse als den Bürgersteig zu benützen, weil derselbe stellenweise durch breiige Kotmassen geradzu ungangbar geworden ist. Es steht zu erwarten, dass die massgebenden Behörden etwas denken an die Hunderten von Arbeitern die täglich diesen Weg passieren müssen und deshalb baldigst Remedur schaffen. – Auch möge man uns die leise Anfrage gestatten, ob der mechanische Kehrbesen, welcher etwa vor 2 Jahren der hiesigen Gemendeverwaltung vom Staat übergeben worden ist , bereits pensioniert worden ist. Dieser Besen war eine Zeit lang im Gebrauch und man war allgemein mit seiner Leistung zufrieden . Warum hat man denselben seit einem Jahr nicht mehr zu Gesicht bekommen ? Wahrlich es wäre kein Zeitverlust, wenn derselbe eine kleine Spritzfahrt durch die Berg-Brunnen-und Marktstrasse unternehmen würde. »

Bildzeile : Kaum Strassenbelag
r. fleischhauer
Minières III
Arbeit im Grubenbetrieb
Die Belegschaft :
- der Hauer (Mineur) : Er war für alle Abbauarbeiten zuständig : bohren, sprengen, verbauen usw
- der Schlepper (Rouleur): Er lud und schleppte die Förderwagen und ging dem Hauer zur Hand
- der « Déboiseur » (Holzraiber). Er baute das Holz in den leergeräumten Stollen ab.
- der Verbauer oder Bahnleger (Poseur) : Er war für die Bahnanlagen verantwortlich
- der Pferdetreiber (Schaartjen : fr charreteur) und später der Lokführer und Ankuppler:
Sie sorgten für den Transport der abgebauten Erze.
- der Schmied und der Wagner : Sie waren für den Unterhalt der Anlage zuständig.
Später kamen noch Elektriker, Mechaniker usw hinzu.

Das Aufsichtspersonal :
- Der Steiger (Porion) : Er beaufsichtigte die Arbeiten in einem Revier. Er musste die Bergschule
in Esch absolvieren.
- Der Obersteiger : Er leitete mehrere Reviere.
- Der Betriebsführer. Er war für den ganzen Grubenbetrieb zuständig.
- Der Markscheider : (Geometer). Er besorgte alle Ausmassarbeiten.
Er hatte ebenfalls die Bergschule absolviert.
- Der Grubeningénieur : Er hatte die Aufsicht über mehrere Grubenbetriebe.
Er konnte zum Oberingénieur und zum Grubendirektor aufsteigen.
- Der Grubenbesitzer (Minnenhär) : Er besass die Konzessionsrechte.
- Der « tâcheron fr. -à qui le propriétaire cède sa tâche- » (früher) war ein Unternehmer,
der das Erz für den Besitzer abbaute und die Hauer pro geförderte Tonne bezahlte.
Die Auszahlung erfolgte in Wirtshäusern, was 1895 verboten wurde. Der « tâcheron » fungierte auch oft als Wirt und Gemischtwarenhändler. Er verkaufte den Bergleuten die benötigte Arbeitskleidung und das Handwerkszeug. Er bezahlte einen Pachtzins an den Besitzer. Man nannte das « auf Toccage » arbeiten.
Der Bergmann war quasi gezwungen, beim « Tâcheron », oder im « Economat » (Lasauvage ) Lebensmittel und Kleider einzukaufen. Und zwar « op d’Buch » das heisst, es wurde angeschrieben und die geschuldete Summe wurde vom Lohn abgezogen.
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Arbeitsbedingungen und Lohn.
Der Hauer sprengte meistens abends bei Schichtschluss. Am nächsten Morgen hatte der Pulverdampf sich verzogen und er konnte mit seinem Schlepper abbauen. War ein « Buggi » gefüllt, so hängte er seinen « Stong » daran. Der Buggi wurde abgewogen, die Qualität begutachtet und der « Equipe » wurde der Lohn gutgeschrieben. Ehe der Hauer jedoch mit seinen Gesellen teilen konnte, musste er seine Kosten abziehen. Er musste nämlich den Sprengstoff, die Sprengkaspeln, die Holzpfeiler zum Abstützen des Stollens, das Karbid für die Grubenlampen, Pressluftbohrer, Pickeln und Stangen Aexte, Hämmer aus eigener Tasche bezahlen. Besonders gefährlich wurde es, wenn er dann am Holz sparte. War ein Schuss falsch gesetzt, so kam das teuer zu stehen.

Seinen « Kuuschtesak » befestigte er an einem Seil an der Decke, damit die Ratten ihn nicht erreichten. Anfangs musste er sich zu Hause waschen. Später wurden « Waschkauen » und Umkleideräume ausserhalb der Grube geschaffen, so dass der Bergmann sauber nach Hause gehen konnte.
Abends durfte er ein Stück Abfallholz (« eng Klatz Holz ») mit nach Hause nehmen zur Feuerung des Ofens. Den Rest aus dem « Kuuschtesak » räumten die Kinder aus. Das war ihr « Huesebrout »
Durch Gesetz vom 15. Juli 1936 wurde endlich der Lohn des Grubenarbeiters per Kollektivvertrag festgelegt.
Nach dem zweiten Weltkrieg konnten die Arbeitsbedingungen und der Lohn des Bergmanns dank des massiven Einsatzes der Gewerkschaften weitgehend verbessert werden. Neue Maschinen erleichterten ihm die Arbeit (und erhöhten den Gewinn der Besitzer). Der Bergmann zählte nun zu den am besten verdienenden Arbeitern des Landes. Viele Bauern und Handwerker gaben ihre kleinen Betriebe auf und suchten eine Beschäftigung im Bergbau oder auf der Hütte.
Kommunale Probleme 1907
Kommunale Turbulenzen zur Zeit der Verleihung des Stadttitels im Jahre 1907.
Am 6. Juli 1907 meldeten die Zeitungen, dass der Differdinger Gemeindeeinnehmer verschollen sei. Am nächsten Tag wurde berichtet, dass er vom 22. bis 28. Juni Urlaub genommen hatte und dann nicht mehr an seiner Arbeitsstelle erschienen sei. Am 5. Juli erhielt Bürgermeister Dr Conzemius einen Brief, in dem der Einnehmer ihm mitteilte, er habe sein ganzes Vermögen an der Börse verspekuliert und er sehe sich deshalb gezwungen zu demissionieren. Die Schlüssel des Kassenschrankes folgten in einem Paket. Am 6. Juli nahm man eine Untersuchung vor und stellte fest, dass im Kassenschrank noch die Summe von 3.040 Franken vorhanden war. Aus sämtlichen Verwaltungsbüchern waren die Blätter ab Januar 1906 herausgerissen und verschwunden.
- Stadthaus im Jahre 1907 : Untergeschoss : Gemeindeverwaltung, Obergeschoss : Schule
Nachträglich fand man heraus, dass der Einnehmer schon des längeren an der Börse « gespielt » hatte. Ein Defizit von 30.000 Franken in der Kasse war bereits von seinem Schwiegervater, einem vermögenden Unternehmer aus Dudelingen gedeckt worden. Der Einnehmer habe damals hoch und heilig versprochen, nie mehr zu spekulieren. Sein Versprechen brach er jedoch schnell und verspielte sein ganzes Vermögen (so an die 50.000 Franken). Im Monat Juni versuchte er auf jede Art sich Geld, das der Gemeinde geschuldet war « auszuleihen ». Das ging natürlich schief. Daher die Flucht. Er soll zuerst nach Brüssel gereist sein, dann nach Paris und dann verlor sich seine Spur. Man munkelte, er sei in Cuba gelandet. Er soll dabei im Besitz von an die 50.000 Franken gewesen sein. Am 20. November wurde in der Presse gemeldet, dass der untreue Einnehmer bevor er das Weite suchte u.a. für über 6.000 Franken Titel der luxemburgischen Staatsschuld aus der Kasse entnommen und in Luxemburg bei einem Bankhaus versilbert hatte.
Der Gemeinderat ernannte den Gemeindesekretär Colbach provisorisch zum Einnehmer. Es dauerte lange, bis man herausgefunden hatte, wieviel denn nun in der Gemeindekasse fehlt, das ja der Einnehmer die Konten hat verschwinden lassen. Es war auch nicht mehr festzustellen, wer von den Steurpflichtigen seinen Teil bezahlt hatte und wer nicht, so dass der Gemeinde ein hoher Schaden entstand. Bei der Gelegenheit wurde bemängelt, dass das Finanzsystem der Gemeinden veraltet sei. Es stamme noch aus der französischen Revolution. Das System sah damals so aus. Die eingenommenen Gelder der Gemeinde flossen in bar in die Gemeindekasse und dort blieben sie bis zur Verwendung liegen. Der Weg über Geldinstitute war damals noch für Gemeindefinanzen nicht üblich !
Am 29. Juli nahm in der « Escher Zeitung » ein Leser (scheinbar ein früherer Freund des unehrlichen Einnehmners) diesen Vorfall zum Anlass um die Geldgier der Leute an den Pranger zu stellen. « Cette impérieuse et inextinguible soif de l’or, cette âpre course à la fortune a fait une nouvelle victime. Notre receveur communal s’est laissé tenter par les charmes de la Circé malfaisante ; il a embrassé à lèvres goulues sa bouche provocante, il a possédé son corps souple et voluptueux, il a été son fol amant. Sous ses baisers brûlants et malsains se sont envolés les beaux attributs de la jeunesse ; adieu folie et charité ! Pour lui plaire, pour conserver les faveurs de l’inconstante il a foulé aux pieds tout ce qu’il y avait d’honnête en son âme de travailleur acharné ; il se sentait capable des pires malfaits. Il est devenu avare, voleur et faussaire, il a croulé dans la fange. Cheval fougueux mais mal entrainé il a panaché dans les tribunes…… »
Erst in der Sitzung vom 19. Januar 1908 wählte man einen neuen Einnehmer. Ein Lehrer, ein Postbeamter und ein Bürobeamter waren Kandidat.
Kantin 1916
Schulkantinen gab es bereits 1916.
Eben wurde die herrliche « maison relais » in Differdingen-Zentrum eingeweiht. Sie funktioniert als Ganztagsbetreuung und als Mittagskantine für Schüler. Heute nehmen die Kinder im « Restaurant scolaire » ihr Mittagsmahl ein, weil die Eltern berufstätig sind. Damals 1916 mitten im ersten Weltkrieg schickten die Eltern ihre Kinder in die Schulkantine, weil es zu Hause nichts zu essen gab und die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Emile Mark die Aufgabe übernahm, die hungernden Kinder wenigstens notdürftig zu beköstigen. Heute muss die Zubereitung der Mahlzeiten und die Essensausgabe strengsten hygienischen Vorschriften entsprechen und die Kinder dürfen sogar ihre Essenswünsche äussern. Damals im Keller und im Turnsaal der Schule im Zentrum sah das ein bisschen anders aus (unser Bild).
Durch die Lebensmittelknappheit während des Krieges ging es den Städtern und der Arbeiterbevölkerung miserabel. Der Streik vom 31. Mai 1917 war eine Folge dieser Situation. Die Bauern, die ihre Produkte hätten abliefern sollen, zogen es vor, sie von den Hamsteren in Gold aufwiegen zu lassen.
Der “Arme Teufel” schreibt: “Von Eiern weiss der Arbeiter und der kleine Beamte nicht mehr ob sie rund oder viereckig sind”
Der frühere Differdinger Lehrer Lucien Marc erzählt in seinem Büchlein “Kind im Krieg” von den Brotkarten, vom Schlangestehen vor den Läden, vom Hunger, von den Hamsterfahrten zu den Bauern.
Hier ein Entschuldigungszettel, den der Lehrer Nic Kodisch aufbewahrt hatte:” Herr Lehrer Faber, mein Sohn Willy konnte gestern die Schule nicht besuchen, der war mit nach Oesling Kartoffeln holen und dann hätte ich noch eine Bitte, könnte ich den Willy nicht aus der Schule bekommen er könnte bei einen Bauern kommen und ich hätte ihn aus der Kost, denn die Zeiten sind jetzt zu schlecht, wollen Sie bitte Willy näheren Bescheid mitgeben, und wohin ich mich wenden muss.”

Die Gemeindeverwaltung greift ein
Die Differdinger Schulkommission stellte fest:” Attendu que le fait est certain qu’un grand nombre d’élèves souffrent de la dénutrition, ce que la commission scolaire a constaté à l’occasion de ces tournnées habituelles dans les écoles, et que le produit sur leur état physique et moral a été trouvé désolant;
attendu que pour rémédier à cet état lamentable il aurait lieu de faire servir aux élèves indigents une nourriture réconfortante ce qui serait très difficile par les moments qui courent à moins que l’Etat prenne des dispositions en vue de l’approvisionnement plus abondant de ces cantines....”
In der Gemeinderatssitzung vom 7. Dezember 1916 wurde über das entsprechende Kredit für eine Schulkantine debattiert. Wir erfahren, dass die Schulkantinen im Oktober 1916 eingerichtet worden waren und dass es 650 Teilnehmer an 26 Tagen gab. Die Ausgabe pro Kopf und Tag betrug 4 Sous. Jetzt nachdem die Ober-und Niederkorner Schüler ebenfalls aufgenommen wurden, stieg die Gesamtausgabe auf 60.000 Franken für 6 Monate. Es gab ein abwechselndes Menü mit Bohnen und Erbsen. (Von Fleisch geht keine Rede). Der Staat trug die Hälfte zu den Ausgaben bei während “die Industriegesellschaften” insgesamt 25 % trugen. Der “Morgenkaffee” wurde wieder abgeschafft, weil er das Ganze verteuerte. Es folgte eine Diskussion der Ratsmitglieder, die sich damals, wie auch 1988 bei der Einführung der neuen Schulkantinen um die Kinder drehte, deren Eltern ein gutes Einkommen haben. Damals wie auch 1988 wurde jedoch beschlossen, alle Kinder aufzunehmen. Selbstverständlich kostenlos im Unterschied zu heute.

Reisbrei und Hafergrütze
Lucien Mark war nicht so begeistert vom Menü. Er schreibt:”In den Hungerjahren 1917 wurde die Schulkantine eingeführt und der Turnsaal in Küche und Speisesaal verwandelt. An langen Tischen sassen nun jeden Mittag Hunderte Jungen und Mädchen und assen fröhlich um die Wette. In langen Reihen sind sie allemal angetreten, die Buben mit dem Löffel im Knopfloch der Jacke. Die Mädchen hatten ihn fein säuberlich in Papier eingewickelt.
Ich selbst bin nie hingegangen. Einmal, weil es allzuoft Reisbrei und Hafergrütze gab, Dinge, die ich nie, auch in den allerschlimmsten Kriegstagen nicht hinunterzuwürgen vermochte und dann... ich schämte mich. Denn keiner meiner Klassenkameraden ging hin, und ich hätte ihren Spott - das gabs noch in diesen Tagen -nicht ertragen können.
Und mitunter roch’s doch so gut aus dem Turnsaal nach Heringen oder Bohnen oder Linsen.”

r. fleischhauer
Jahresrückblick 1908
Rückblick auf das Jahr 1908 :
Unter der Rubrik “Differdingen“ berichteten die Zeitungen aus dieser Zeit fast täglich über grausige Unfälle im Hüttenwerk, über Diebstähle, Einbrüche, Schlägereien und Messerstechereien mit schlimmen Folgen. Das tat auch die “Escher Zeitung“. Neben dieser üblichen “Kost“ gab es doch auch noch andere berichtenswerte Ereignisse im Jahre 1908 :
Januar :
Aus Lasauvage wurde gemeldet, dass der Hüttenherr Graf de Saintignon nach Kohlen bohrte. Auf 750 Metern liege nämlich eine Kohlenschicht von 20 cm Dicke. Man zeigte sich bereits erfreut darüber, dass man jetzt “Kohlen und Eisenerz beisammen hätte.“
Februar :
Voll des Lobes war man über eine Vorstellung von “Differdange Attractions“ im Hotel Thommes. Frl Mila Hirschberger verfasste eine “poetische“ Kritik des Abends. Auszug :
“ Der Schornsteinfeger wirft sich in Wichs,
Im Scholdschein von unserem Dicks,
Sie spielten alle wunderschön
Im Grabe würde Dicks sich drehen,
Wenn er hört’ wie in Differdingen
Seine schönen Lieder klingen.“
März
Der flüchtige Gemeindeeinnehmer wird ersetzt :“Mit dem ersten März wird Hr Einnehmer Schwinnen seine Amtsperiode beginnen. Die Amtsstube befindet sich in seinem Wohnhause (!) Bergstrasse, 3“
April.
Zum ersten Mal wird in Niederkorn ein Wochenmarkt abgehalten.
Juli :
Die Ehrungen und Ovationen für den neuen Deputierten Emil Mark verliefen glänzend. Ueber 18 Gesellschaften und Vereinigungen beteiligten sich am Festzug. Dieser zog durch Differdingen, Oberkorn und Niederkorn. “Der Ehrenbaum wurde während des Umzuges vor der Wohnung des neuen Deputierten gepflanzt.“
Juli :
Eine Vereinigung früherer deutscher Militärpersonen hatte sich gebildet. Bedingt durch die “Deutsch-Luxemburgische“ belief sich der Anteil der Deutschen auf nahezu 30% der Bevölkerung.
August :
Differdingen wurde durch eine “scheußliche Bluttat“ erschüttert: Die 13-jährige Tochter des Hüttenarbeiters Hay, die auf dem Berg die Kühe hütete, wurde von ihrem Vater gefunden :“mit entblößtem Unterkörper und durchschnittenem Hals in einer Blutlache liegend“. Die Spurensuche der Polizei führte schließlich zum Mörder.
August.
Ableben einer bekannten Persönlichkeit.
“12. August : Montag morgen um 10 Uhr ist Hr. Baron de Gerlache im Alter von 49 Jahren gestorben. – Der Verstorbene gehörte der luxemburgischen Kammer von 1896 – 1902 als Vertreter des Kantons Esch an; als solcher übte er sein Mandat in konservativ-katholischem Sinne aus. Hr. de Gerlache war eine allgemein geachtete Persönlichkeit. Sein Tod kommt ziemlich unerwartet. Erst am Freitag kehrte er von einer 6-monatigen Auslandsreise zurück“. Fügen wir hinzu, dass Alexandre de Gerlache Besitzer des Gerlache-Schlosses und erster Präsident des Verwaltungsrates der neu gegründeten Hütte war.
September :
Die “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hütten-Aktiengesellschaft“ florierte. Sie beabsichtigte einen 8ten Hochofen zu bauen, da die derzeitige Roheisenproduktion zur Versorgung des Stahl-und Walzwerkes noch nicht ausreichte.

September :
Probleme der Gemeindeverwaltung “Unsere Stadtverwaltung scheint bei der Regierung nicht gerade Gnade zu finden. Die Minettsangelegenheit ging gegen den Strich, (die Gemeinde verlor den Prozess), das Alignement Hausemer wurde über die Köpfe der Stadträte hinaus von der Regierung genehmigt und nun wird zu guter Letzt die definitive Anstellung des Polizeikommissars einstweilen verschoben. Ein Witzbold meinte. “Wir brauchen keinen Stadtrat mehr, wenn dieser so wenig Beachtung höheren Ortes findet.“
Oktober :
Man ärgerte sich darüber, dass die Zahl der Gendarmen in Differdingen um einen Mann vermindert wurde : “Wie viele Ueberfälle liest man täglich in unseren Zeitungen. Rechnet man dazu noch die Ueberwachung des fremden Gesindels, das sich hier herumtreibt, der Animierkneipen und sonstiger Buden, so begreift man nicht, wie die genannte Maßregel getroffen werden konnte… “
November :
“Sport“. Am 7. November traf der Differdinger “Sportclub“ (Vorläufer der Red-Boys) sich mit dem “Club sportif Longovicien“ aus Longwy. Die Differdinger unter Präsident Edg. Fritsch gewannen mit 5 zu 1 “Goals“. “Besonders setzte die Zuschauer die schöne Taktik, mit welcher die Differdinger Stürmer aufeinander spielten in Staunen.“
November :
Ein Mittel der Direktion bei Flauten im Hüttenwerk sind Lohnabzüge. Bis zu 10% wird den Arbeitern abgezogen. Wenigstens wird diesmal niemand entlassen.
Dezember
Eine weiter Bluttat bringt die Stadt in Aufregung: Das Ehepaar Strauß-Bonem, Inhaber eines Konfektions-Mützen-und Schuhwarengeschäfts wird abends überfallen. “Strauß erhielt mehrere Schläge über den Kopf, die so wuchtig ausgeführt waren, dass das Gehirn umherspritzte und derselbe lautlos zusammenbrach. Die Gattin erhielt einen furchtbaren Schlag an die Schläfe. Sie überlebte, fiel jedoch von einer Ohnmacht in die andere und erinnerte sich an nichts mehr. Herr Strauß verschied noch in derselben Nacht. Erwähnen wir noch, dass der Täter gefaßt wurde.
Dezember
Wassermangel
“Seit etwa 6 Monaten leidet hiesige Ortschaft derart an Wassermangel, dass die Wasserleitung tagsüber nur zu 2 verschiedenen Malen während einer Stunde geöffnet ist.“
Dezember
Vielleicht eine Folge davon : “Unter dem Arbeiterpersonal der Differdinger Hüttenwerke ist der Typhus ausgebrochen. Zirka ein halbes Dutzend Leute sind davon befallen.. “
r. fleischhauer
Josy Jacoby
Josy Jacoby: Helfen war seine Leidenschaft.
Wohl einmalig in der neueren Geschichte der Gemeinde war die Person Josy Jacoby. Wo man nur Schwachen, Benachteiligten und in Not Geratenen helfen konnte stand er an vorderster Linie. Die meisten der von ihm ins Leben gerufenen Wohltätigkeitswerke werden auch heute noch weitergeführt. Er kannte keine Rast und keine Ruh und trieb seine Mitarbeiter immer wieder an, wenn es galt Bedürftigen Hilfe zukommen zu lassen.
Josy Jacoby wurde am 25. August 1901 auf Fousbann als siebtes Kind einer Lehrerfamilie geboren. In Differdingen Zentrum ging er zur Schule. Nach der Oberprimärschule wechselte er zur “Industrieschule” in Esch . Er fand dann eine Stelle auf Arbed-Belval als Schmelzbeamter , wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1966 blieb. Josy Jacoby heiratete Victorine Binck, welche ein Gemischtwarengeschäft auf der Nummer 55 der avenue de la Liberté betrieb (die alte und wertvolle Geschäftseinrichtung ist in Fond-de-Gras wieder aufgerichtet worden).
Pionier des Sekurismus
Der technische Fortschritt nach dem zweiten Weltkrieg brachte es mit sich, dass die Zahl der Autos und die Zahl der Verkehrsunfälle zum Teil auch wegen fehlender Reglementierung rasch zunahm. So starben im Jahre 1947 47 Personen im Verkehr, 171 wurden verletzt. Josy Jacoby machte sich Sorgen um die vielen Toten und Verletzten. Sekurismus, die solidarische erste Hilfe war für ihn eine Lösung. Im selben Jahr organisierte er unter der Schirmherrschaft des Roten Kreuzes zusammen mit Dr Tandel und dem diplomierten Krankenpfleger Emile Neu Ersthilfekurse .
1950 kam es zur Gründung der ersten Sekuristensektion des Landes in Differdingen. Die Sektion besteht noch heute unter der Präsidentschaft von Jean-Marie Mousel. Sie ist zwar nicht mehr für Verkehrsunfälle zuständig, erfüllt jedoch immer noch sehr wichtige Aufgaben im Differdinger Rettungswesen und Ambulanzdienst, besonders auch was die Ausbildung von Nachwuchssekuristen betrifft.

Josy Jacoby stand auch am Ursprung der Rot-Kreuzsektion in Differdingen und der Blutspendervereinigung des Roten Kreuzes. Sie wurde unter seinem Impuls am 12. Juli 1962 im Differdinger Casino geründet.
Arme , Kranke und Behinderte
Im Jahre 1955 entdeckte Josy Jacoby eine andere Kategorie von Menschen, welche Hilfe benötigten. Die Blinden. Josy Jacoby gründete eine Hilfsorganisation für blinde Menschen. Später wurde diese Organisation dann in die “Canne Blanche” integriert. Auch hier stand Josy Jacoby an vorderster Front, wenn es darum ging Gelder zu sammeln um den Blinden das Leben zu erleichtern.
Kein Mensch in Not war dem leidenschaftlichen Philanthropen gleichgültig. Er schloss sich der Hilfsorganisation für Leprakranke “Raoul Follereau” an. Josy Jacoby organisierte Altkleidersammlungen, Lotterien und Tombolas, um mit dem Geld das Hilfswerk zu unterstützen. Raoul Follereau selber hielt darauf, Josy Jacoby kennen zu lernen.
Im Jahre 1963 hatte J.P. Thoma die Idee der Gründung der AMIPERAS, welche heute aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr weg zu denken ist. Josy Jacoby begeistert sich für die Idee und half eine Differdinger Sektion im Jahre 1967 ins Leben zu rufen. Bis zum Schluss war er Vize-Präsident der Sektion.
Josy Jacoby konnte nie “nein” sagen und anderen das Gutmenschentum überlassen. Als 1965 die Vereinigung “Pro ninos pobres” unter Pater Victor Kirsch gegründet wurde, war Josy Jacoby wieder dabei. Es ging darum Geld zu sammeln für die Kinder in Südamerika. Josy Jacoby war Vize-Präsident dieser Vereinigung. Bei den “Oeuvres paroissiales” und überhaupt im Leben der Pfarrei war Josy Jacoby auf mehreren Posten zu finden.
Der Mensschenfreund interessierte sich aber auch für Lokalgeschichte. Deshalb war er gleich bei der Gründung der “Amis de l’Histoire” im Jahre 1970 dabei. Er schrieb mehrere Beiträge im “Korspronk” und blieb Vize-Präsident der Geschichtsfreunde bis zum Schluss.
“Association d’Aide aux Enfants Handicapés du Grand-Duché”
Sein grösstes Werk jedoch war die Schaffung der Vereinigung “Association d’Aide aux Enfants Handicapés” im Jahre 1974. Josy Jacoby war allergisch gegen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft. Er konnte nicht mit ansehen, dass es Kinder gab, mit denen das Schicksal es nicht gut gemeint hatte. Durch substantielle Geldspenden an alle Institutionen, welche sich mit behinderten Kindern abgab und die so ihren Schützlingen einiges mehr bieten konnten, wollte er einen Beitrag zu ein bisschen mehr Gleichheit leisten. Die Kleidersammlungen, die er sporadisch für seine karitativen Vereine in Differdingen organisiert hatte und durch die tatsächlich erfolgreich waren, dehnte er auf das ganze Land aus. Dies erforderte einen riesigen logistischen Einsatz. Aber es lohnte sich. Kamen 1976 50 Tonnen zusammen so waren es an seinem Lebensende im Jahre 1987 bereits 221 Tonnen. So konnte er bei seinen jährlichen Schecküberreichungen an die diversen sozialen Einrichtungen bis zu einer Million Franken verteilen. Josy Jacoby genoss diese Schecküberreichungen, die ja sein einziger Lohn waren.
Auch dieses Werk wurde nach seinem Tod weitergeführt.Die Vereinigung steht heute unter der Präsidentschaft von Georges Weis, der seine Freizeit fast ganz für die organisatorischen Aufgaben der Sammlungen hergibt. Im Jahre 2005 konnten 1.254 Tonnen gesammelt werden. Auf diese Weise konnte die Vereinigung im letzten Jahr 250.000 Euro an die verschiedenen Institutionen verteilen. Eine Riesenaufgabe, an der viele beteiligt sind. Das Werk kann man heute mit einem mittleren Betrieb vergleichen. Die Vereinigung verfügt über 4 Kleinlaster einen 6,5Tonnenlaster. 131 Altkleidercontainer sind im Land aufgestellt untere anderem in 16 Recyclingzentren.
Josy Jacoby wurde auch für seinen Einsatz geehrt. Er erhielt mehrere französische Auszeichnungen und ihm wurde von Bürgermeister Eickmann am 11. Juli 1984 die “Médaille de la Ville de Differdange” überreicht, eine Auszeichnung, die nur ganz wenigen vergönnt war. Sein Name wurde auf Vorschlag der “Amis de l’Histoire” auch verewigt und zwar trägt der Ableger des Sanemer “Kannerschlass” in der rue Roosevelt den Namen “Foyer Josy Jacoby”.

Josy Jacoby starb im Frühjahr 1987 nur wenige Stunden nachdem seine Gattin Victorine verschieden war.
r. fleischhauer
Hondsbësch
122 Refraktäre im Bunker “Honsbësch” in Niederkorn
Von Februar bis August 1944 waren bis zu 122 junge Luxemburger, welche aus der Wehrmacht desertiert waren, oder sich der Zwangsrekrutierung entziehen wollten, in einer stillgelegten Eisenerzgrube in Niederkorn versteckt. Dass sie nicht entdeckt wurden und dass sie überhaupt überleben konnten, verdanken sie etlichen Niederkorner Familien und vielen anderen Helfern, welche es in diesen Zeiten der absoluten Lebensmittelknappheit fertig brachten, die 122 während all dieser Monate heimlich zu ernähren und ihnen das Leben in ihrem feuchten Verlies so angenehm wie eben möglich zu machen.
Eine bevorstehende Razzia
Das Ganze begann damit, dass am 5. Februar 1944 in Niederkorn das Gerücht sich breit machte, dass die Gestapo hier eine Razzia veranstalten wolle, um die jungen Fahnenflüchtigen zu finden, welche bei mehreren Familien dort versteckt waren. J.P Gratia., der als Nachtwächter bei den Gruben beschäftigt war und selbst 2 Deserteure versteckt hielt, sah sich um und schlug vor, alle “Jongen” in einen stillgelegten Teil der Grube “Honsbësch” zu bringen. Am ersten Abend konnten so 6 Flüchtige und ein politischer Flüchtling hier untergebracht werden. Bereits am 17. Februar war die Zahl auf 17 angewachsen, da das Versteck sich als geeignet erwies. Monat für Monat kamen neue Fahnenflüchtige hinzu, so dass die Zahl im August bei 120 lag. Das war kein Spass mehr. Eine Art Organisationsgruppe bestehend aus Resistenzlern bildete sich. Diese Gruppe leistete fast Unmögliches.
Es wurden strenge Regeln aufgestellt: Am Tage mussten alle absolute Stille bewahren , denn in den angrenzenden Galerien wurde gearbeitet. Während dieser Zeit schliefen die jungen Leute. Nachts durften die Eingesperrten an die frische Luft. Nachts wurde auch gehämmert und gezimmert, um die feuchte Grube wohnlich zu machen. Es wurden Betten gebaut, Tische und Bänke. Später musste noch ein zweiter Schlafsaal und dann ein dritter Aufenthaltsraum im“Bunker “ hergerichtet werden.. Es wurde Oefen aufgestellt. Anfangs wurden Karbidlampen benützt, später legte man sogar elektrischen Strom, so dass der Bunker elektrisch beleuchtet werden konnte. Sogar über ein Radio verfügten die “Jongen” , die so die so wichtigen Kriegsnachrichten abhören konnten.
Ausgefeilte aber gefahrvolle Logistik.
Was die Verproviantierung der 122 betrifft, so lassen wir Jean Poupart, einen der Helfer in seinen “Notizen” zu Wort kommen.
--”Aber das wurde meiner Mutter doch zuviel mit der Kocherei und es musste daran gedacht werden,dass in den Bunkern selbst gekocht werden müsste, was nach Anschaffung grosser Töpfe und Kessel auch gemacht wurde. Aber die Sache mit dem Fleisch kochen oder braten war doch nicht so einfach, denn der Geruch desselben konnte die Jungen verraten. So wurde das Fleisch wieder unten bei den Eltern zubereitet und wurde dort abgeholt durch einige Jungen unter Aufsicht eines Beobachters, der Posten zu stehen hatte.um die angelieferten Lebensmittel von den verschiedenen Lagerplätzen abzuholen.”---
” Anfangs wurde das Brot von einzelnen von uns von verschiedenen Bäckern abgeholt und in Säcken bei Dunkelwerden zur Grube getragen. Doch mit der Zeit ging das auch nicht mehr. Ich musste mich umsehen nach geeigneten Häusern und fand sie auch nach kurzer Zeit. Jetzt wurden jeden Tag bis zu 150 Pfund geliefert von 2 Bäckern mit Auto und Triwagen. Ueberhaupt die ganze Verpflegung musste jetzt im grossen Format betrieben werden, denn wir mussten darauf bedacht sein, dass eine gnügend grosse Reserve vorhanden sei im Falle wo wir uns hier draussen nicht viel rühren könnten, was jeden Tag eintreten konnte. Für frische Wäsche sorgte meine Mutter und meine Frau aufs beste durch Waschen und Flicken derselben, was in der Woche bis zu 50-60 Unterhosen, Trikots, unzählige Strümpfe, Handtücher und Trockentücher waren. Das war oft eine mühselige Arbeit um alles trocken zu bekommen. Die vorerwähnten Absatzlager wurden in dem Gemeindeatelier, der “Gel”, und der Garage des Herrn Schaack sichergestellt. Von dem Atelier aus wurden zum grössten Teil die Kartoffeln und andere Lebensmittel, die per Auto aus den verschiedenen Dörfern geliefert wurden von den Jungen nachts zur Grube hinaufgetragen.
Grosse Sammelaktionen von Lebensmitteln wurden von uns hoch oben im Oesling ausgeführt und dann mit dem Auto von der Gemeinde angeholt. “--
Gefährlicher Uebermut.
Es war kein leichtes Unterfangen, 122 junge Burschen 7 Monate lang ruhig zu halten. Obschon man Disziplinlosen mit der Todesstrafe drohte, kam es einmal vor, dass einer aus purem Uebermut nachts einen Förderwagen mit Erz belud, andere setzten elektrische Fördermaschinen in Gang. Andere wiederum machten eine Spritztour in der Umgegend. Man kann sich vorstellen, dass die vielen Helfer darüber nicht glücklich waren, denn wenn die Nazis das Versteck entdeckt hätten, wären nicht nur die Deserteure dran gewesen, sondern auch alle die zahlreichen Helfer, die dann ihren selbstlosen Einsatz für andere wahrscheinlich mit dem Leben bezahlt hätten.
Panik und Evakuation
Im August forderten die Deutschen Pläne der Gruben an. Dies kam den Eingeschlossenen zu Ohren. Panik kam auf und unter den jungen Leuten entstanden heftige Diskussionen und Streitereien. Die Lage war nicht mehr zu halten und man beschloss den Bunker zu räumen. Auch diese Evakuation von 122 Refraktären ging reibungslos dank der perfekten Organisation der Verantwortlichen und einem grösseren Netz von Helfern und Resistenzlern über die Bühne. Niemand wurde geschnappt. Später stellte sich dann heraus, dass nicht die Gestapo sondern die Wehrmacht die Pläne einsehen wollten, um hier vor ihrem bevorstehenden Rückzug einiges zu verstecken.
Ueber die Grube “Honsbësch” und die 122 Refraktäre informiert das Dokumentationszentrum im ehemaligen Schloss Saintignon in Lasauvage.
r. fleischhauer
Henry Grey
Ein weltbekannter “Differdinger”
In dieser Zeit des schnellen und überraschenden Umbruchs in der Stahlproduktion auf Weltniveau wäre es angebracht an die ersten zaghaften Schritte bei der Stahlproduktion in unserem Lande zu erinnern. Gleich nach der Entdeckung, Erschliessung und Verhüttung der “Minette” war ganz sicher die Einführung des von Henry Grey entwickelten Walzverfahrens der Stahlträger die wichtigste nächste Etappe in der Geschichte der Luxemburger Stahlindustrie. Dieses Verfahren wurde nach einigen Versuchen in den Vereinigten Staaten in Differdingen zum ersten Mal eingeführt, angewandt und weiterentwickelt. Daher auch die Bezeichnung “Differdinger” für den neuen Träger.
Henry Grey war ein bekannter Ingénieur in den USA. Sein Verdienst war, das Walzverfahren , das von den Gebrüdern York erfunden wurde weiter zu entwickeln und in der Praxis auszuprobieren. Dass der neue Träger gerade hier in dem kleinen Luxemburg zum ersten Mal hergestellt wurde, verdanken wir der Interesselosigkeit der amerikanischen Stahlindustrie und dem feinen Gespür Luxemburger Industrieller wie Paul Wurth, Xavier Brasseur und Max Meier.

Der Vorteil des neuen Verfahrens
In der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts stieg besonders in den USA der Bedarf an schweren Doppel-T-Stahlträgern. Es wurde viele Brücken und immer mehr Wolkenkratzer gebaut. Die vorgefertigten Stahlblöcke liefen damals durch einen einzigen Walzgang. Das heisst alle Seiten und auch die Breite der Flügel wurden in einem Mal geformt. Das hatte zur Folge, dass Risse und Verformungen auftraten. Die Gebrüder York und Henry Grey hatten die Idee, den Träger durch zwei Walzgänge laufen zu lassen. Beim Ersten wurden das Profil des Trägers geformt und beim Zweiten erst die Breite der Flügel. So konnten Spannungen im Block vermieden werden und das Walzen verschiedener Flügelbreiten und Trägerhöhen wurde möglich. Henry Grey experimentierte mit seinem neuen Verfahren in der”Ironton Steel Cie” in Duluth für die er arbeitete.
Kaum Interesse bei der Stahlindustrie
Grey meldete sein Patent im Jahre 1896 an und versuchte es an den Mann zu bringen. Doch niemand interessierte sich dafür. So pilgerte Henry Grey bis nach Luxemburg, wo er sein Verfahren dem Industriellen Paul Wurth vom Verwaltungsrat des Differdinger Werks vorführte. Dieser erkannte sofort die unermesslichen Vorteile und am 8. Juli 1898 unterschrieb er einen Vorvertrag für den Erwerb des Grey-Patentes. Paul Wurth beauftragte daraufhin Max Meier, ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrates, nach Duluth zu reisen und sich das Verfahren in der Praxis anzusehen. Max Meier liess sich von Xavier Brasseur, dem Rechtsbeistand der Gesellschaft begleiten und beide schifften in Bremen Richtung USA ein. Durch persönliche Notizen der beiden und die archivierte Korrespondenz konnte Jemp Biver im “Korspronk 11/1998” die Odyssee der beiden in den USA rekonstruieren. Am 16. Oktober 1898 genehmigte der Verwaltungsrat den Kontrakt mit Henry Grey.

Schwierige Anfangsphase.
Schlussendlich konnte eine “Grey-Walzstrasse “ im Differdinger Werk errichtet werden und die Experimente begannen. Es gab viele Rückschläge und Enttäuschungen. Die Gesellschaft geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste mit deutschem Kapital wieder flott gemacht werden. Von nun an hiess sie “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft”. Im Jahre 1901 wurden erstmals Grey-Träger verbaut und zwar in Dommeldingen in der Eisenbahnbrücke. Es dauerte jedoch an die zehn Jahre, bis das Werk das Walzen der Stahlträger nach dem Grey-Verfahren komplett im Griff hatte. Im Juni 1911 wurde der erste Einmeterstahlträger der Welt in Differdingen hergestellt. Im ersten Weltkrieg profitierte das Deutsche Heer selbstverständlich vom “Differdinger” zu Kriegszwecken.
Kriegsauszeichnung für den “Differdinger”
Eine sehr rühmliche Rolle spielte der Greyträger in den Jahren 1944 und 1945. Die Amerikaner waren in der Normandie gelandet. Bei ihrem Rückzug zerstörte die Wehrmacht so viele Brücken und Strassen wie möglich. Dasselbe taten die Amerikaner bei ihren Angriffen auf die deutsche Armee. Um so schnell wie möglich Land zu gewinnen, musste die Army in aller Hast notdürftige Brücken und Uebergänge aus verschiedenstem Material bauen, was nicht so einfach war. Eines Tags entdeckte die Armee in der Normandie Greyträger welche die Deutschen dort gelassen hatten. Diese “Meter-Beams” wie sie die Amerikaner nannten kamen ihnen zupass. Der Transport dieser Dinger war wohl nicht so einfach , doch der Bau der Notbrücken, für die die amerikanischen Pioniere bald ein einfaches Verfahren entwickelt hatten, ging blitzschnell und somit war der schnelle Truppentransport gewährleistet. Als die Amerikaner Luxemburg befreit hatten, halfen sie mit allen Mitteln das Differdinger Werk, das jetzt “HADIR” (“Hauts-fourneaux et Aciéries de Differdange-St. Ingbert et Rumelange” ) hiess wieder flott zu machen. Am 20. September 1944 wurden wieder Grey-Träger gewalzt und dorthin transportiert, wo Brücken wieder instandgesetzt oder neu angelegt werden sollten. Unter anderem konnte auf diese Weise der Rhein bei Wesel schnell überquert werden. Der Grey-Träger half so den Krieg gegen die Nazis gewinnen. Am 10. Oktober 1945 zeichnete der Armee-Generalleutnant John C.H. Lee, Commander der US-Army das Differdinger Werk mit der “Army-and Navy Flag” aus, die stolz am Eingang flatterte. Anwesend war damals die ganze Belegschaft, welche hier einen förmlichen Kraftakt im Dienste der Befreiung geleistet hatte. Anbei die “Citation” des Generals.

Vor allem auch der Verdienst der hiesigen Industriellen
Heute walzt Differdingen bis 110 cm-Träger nach dem System “taylor-made”, ein Produkt, das immer noch in der Welt verlangt wird. So manche Wolkenkratzer in der Welt werden vom “Differdinger” gehalten, etwas worauf Differdingen stolz sein kann und das wahrscheinlich auch das Werk vor dem Abbau bewahrt hat. Es ist schon richtig, dass man den Namen Henry Grey in Differdingen verewigt hat. Ohne Leute wie Max Meier und Paulk Wurth wäre der Greyträger jedoch nie eine Luxemburger Erfolgsgeschichte geworden.

Wer sich intensiver mit dem Grey-Träger beschäftigen möchte, sollte sich unbedingt den “Korspronk 11/1968” und besonders “19/2003” beschaffen.Hier haben sich die Differdinger Geschichtsfreunde eingehend mit der Geschichte der Schmelz und des Trägers beschäftigt, welcher 1998 100 Jahre alt geworden ist. (kann auch in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.).
r. fleischhauer
Das Gewerkschaftsheim
Das « Heim »
Gemeint ist natürlich das Differdinger Gewerkschaftsheim. Nachdem es eine Zeit lang leer stand, wird es jetzt umgebaut, wobei die Fassade in etwa erhalten bleiben soll. Neuer Wohnraum und Geschäfte sollen dort entstehen. Selbstverständlich wird auch wieder die Beratungsstelle des OGB-L nebst Versammlungsraum dort untergebracht werden. Das ist dann auch alles, was vom früheren Haus der Gewerkschaft übrigbleibt. Doch das Gebäude war nicht nur das “Heim“ der gewerkschaftlich Organisierten. Es spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde. Ins “Heim“ ging man, wenn man Kollegen treffen wollte oder zum Kegeln. Im Heim organisierten die großen Vereine der Gemeinde ihre Jahresversammlungen. Ins “Heim“ begab sich vor allem die Jugend, denn im “Heim“ fanden die großen Bälle statt, die ja vor Jahren noch Hunderte und Tausende anzogen.
Das Gebäude wurde anfang des vorigen Jahrhunderts errichtet und beherbergte zuerst das Geschäft Germain frères. Germain frères verkaufte alles von der Bekleidung bis zu Esswaren und alkoholischen Getränken. Später ging das Gebäude dann an die “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft “. Hier richtete die Hüttengesellschaft die sogenannte “Stoffhalle“ ein, eine Art “Wohlfahrtswesen“ für die Beschäftigten. Im Jahre 1918, bei Kriegsende, wollte die “Deutsch-Luxemburgische“ den Warenbestand der Stoffhalle heimlich, still und leise nach Dortmund überführen. Dagegen wehrten sich die Arbeiter und Beamten der Schmelz heftig. In zähen Verhandlungen gelang es der Kommisssion des Arbeiter-und Beamtenausschusses einen Betrag von 100.000 Franken herrührend vom Verkauf des Restwarenbestandes als Wiedergutmachung für die schlechte Behandlung der Beschäftigten während des ersten Weltkrieges dabei herauszuschlagen. Das Geld wurde jedoch von der Nachfolgegesellschaft der “Deutsch-Luxemburgischen“, nämlich der HADIR bis 1926 blockiert. Nach dessen Freigabe konnte die Kommission das Gebäude zum Preis von 210.000 Franken erstehen. Der Gründung des Gewerkschaftsheimes und der Verwaltung durch eine Kooperative stand jetzt nichts mehr im Wege. Allerdings hatte die Kooperative sich jetzt mit 127.000.- Franken verschuldet. Am Neujahrstag 1927 wurde das Heim feierlich mit vielen Reden, Musik und Gesang eröffnet. Erster “Gérant“ war François Bartholmé. In den ersten Verwaltungsrat wurden gewählt : Martin Flammang, J.P. Gansen, Nicolas Biever, Pierre Muller und J.P. Angelsberg. Es ging langsam bergauf mit dem Haus. Doch Geldsorgen begleiteten den Verwaltungsrat bis zuletzt. 1950 wurde das “Heim“ zum ersten Mal umgebaut. Der benachbarte Saal Jungers wurde hinzugekauft und so entstand auch die Kegelbahn. Im Jahre 1976 wurde noch einmal umgebaut und die UCL-Bank mietete ein Lokal im Untergeschoß. Mit der Miete konnte ein Teil der Schulden getilgt werden. 1986 musste ein Notausgang angelegt werden und im Jahre 1992 übernahm die Brauerei Bofferding die Wirtsstube zur Miete. Erwähnen wir noch dass das “Heim“ zwischen 1940 und 1944 von den Okkupanten in ein « Kameradschaftshaus » umgewandelt wurde, das jedoch von allen rechtschaffenen Arbeitern gemieden wurde.

Bildung und soziale Hilfe.
Ein grosses Anliegen der Gewerkschaften in der Anfangszeit war das Heranführen der Beschäftigten an Kultur und Wissen. So gab es des öfteren im Gewerkschaftsheim Filmvorführungen über alle möglichen sozialen und kulturellen Themen. Ganz viele und gut besuchte Konferenzen über Probleme der Arbeiterschaft im In-und Ausland, Ausflüge, Gedenkfeiern, Ausstellungen, Aufklärungs-Protest und Wahlversammlungen fanden regelmäßig statt. Schon sehr früh gab es die rechtliche Beratung und ab 1951 “Auskünfte und Ratschläge in allen Angelegenheiten politischer, sozialer, wirtschaftlicher und rechtlicher Natur“. Nach dem Krieg wurde auch ein Photoclub im Heim mit einer Dunkelkammer im ersten Stock eingerichtet, wo die Amateure selber ihre Bilder herstellen konnten. 1955 stand einer der ersten Fensehapparate der Gemeinde im Heim “ein hochmoderner ACEC-Apparat mit einem Bildschirm von 54 cm“, der bei den ersten Sendungen von Radio Luxemburg am Samstag und Sonntag viel Zulauf hatte. Man organisierte Ausstellungen über jede Art von Freizeitbeschäftigung, u.a zeigte Franz Erpelding seine Schätze vom Titelberg. Im Heim gab es anfangs auch einen Arbeitergesangverein, der sich regelmässig zu Proben traf. Nicht fehlen durfte auch eine Bibliothek, welche zur Weiterbildung der Arbeiter beitrug und welche des öfteren erneuert wurde.
Im Jahre 1947, als es überall an dem Nötigsten fehlte, verteilte man im Gewerkschaftsheim Kakao an die Arbeiterkinder und “Bouillon-Würfel“ an die Erwachsenen. Im Januar 1947 konnte man Regenmäntel zum Preise von 50 – 100 Franken abholen. Im März gab es “house-slippers“ (Pantoffeln). Kleider aus dem “stock américain“ wurden im folgenden Jahr verteilt. All diese Gaben stammten vom “American Labor Gift“, das heisst von den amerikanischen Gewerkschaften.
Das Haus an sich war in den letzten Jahren stark renovierungsbedürftig. Doch dafür reichten die Mittel der Kooperative bei weitem nicht, so dass es an einen privaten Promoteur vergeben wurde, der eben einen kompletten Umbau vornimmt.
Das neue “Heim“ wird sicherlich seinen Zweck in gewerkschaftlicher Hinsicht erfüllen. Seine Rolle als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde hat es jedoch ausgespielt.
Quellen :
Nic Eickmann : “Das Differdinger Gewerkschaftsheim, ein Stück Geschichte der Arbeiterbewegung“
Rob Fleischhauer : Chronik zu “70 Joer OGB-L Déifferdang » (1986)
Früheres Stadthaus
Das “frühere“ Stadthaus.
Wie alles begann.
Die Umbauarbeiten am früheren Stadthaus der Gemeinde haben begonnen. Hier soll ja bekanntlich ein funktionstüchtiges, der Zeit angepaßtes Kulturzentrum entstehen. Genau 45 Jahre lang hat das Gebäude den etwas abwertenden Titel der “al Gemeng“ getragen. Am 24. Oktober 1964 war nämlich das neu erbaute Gebäude gegenüber in Gegenwart der Großherzogin seiner Bestimmung als neues Stadthaus übergeben worden.

Die Baugeschichte des “früheren“ Stadthauses entspricht in etwa der bevölkerungsmäßigen Entwicklung der Gemeinde. Begonnen hat es mit der Gemeindeverwaltung in der Schule, oder wenn man so will, der Schule im Gemeindehaus. Die Eckdaten haben wir dem Werk von Armand Logelin “Differdange, chagrins et espérances » das anlässlich der Jahrhundertfeier von der Gemeindeverwaltung herausgegeben wurde, entnommen. Die Schule war zuerst da. Sie war im Jahre 1847 eingeweiht worden und ersetzte das überalterte einklassige Schulgebäude auf dem “Kéizap“, (rue Victore Hugo). Der damalige Bürgermeister Baron Gabriel de Soleuvre hatte sich der klammen Gemeindekasse erbarmt und der Differdinger Bevölkerung seinen früheren Obstgarten gegenüber dem Schloß für den Bau einer Schule geschenkt, allerdings unter der Bedingung, dass eine Gedenktafel ständig an diese Schenkung erinnern sollte. Die Inschrift befindet sich noch heute an der Fassade links vom Eingang : “A la mémoire du Baron Gabriel d’Arnould de Soleuvre Bourgmestre qui a fait don à la commune de ce terrain à bâtir – le 20.7.1844 et en souvenir du VI centenaire de la remise de la charte d’affranchissement 1338 – 1938.“ Die Inschrift, wie auch diejenige zur Befreiung der Gemeinde 1945 sollen auch nach der Renovierung erhalten bleiben. Diese Schule sollte ursprünglich auch die Oberkorner Kinder aufnehmen. Die Oberkoner Eltern widersetzten sich dem jedoch heftig und bauten ihre eigene Schule, wie Armand Logelin in seinen « Déifferdenger Schoulsuergen » erzählt. Ausser Schulsälen umfasste das Gebäude Lehrerwohnungen, einen Pferdestall und einen Backofen. Im Jahre 1877 befand sich die Knabenschule im Erdgeschoss und die Mädchenschule im ersten Stockwerk. Ein zweiter Eingang wurde geschaffen, damit Knaben und Mädchen sich nicht begegnen sollten.

Im Jahre 1902 zog dann das “Bürgermeisteramt“ in das Gebäude ein. Zu dem Moment funktionierten hier 4 Mädchen-Schulklassen. Im Jahre 1907, als Differdingen den Stadttitel erhielt, machte man sich im Gemeinderat Gedanken über ein richtiges Stadthaus. Enige plädierten für einen Neubau. Schliesslich einigte man sich darauf, das bestehende Gebäude um ein Stockwerk zu erhöhen und die Schulklassen in dem neuen Gebäude in « Stoppelbommert » (heute rue E. Mark) unterzubringen, sobald es fertiggestellt sein würde, was dann auch im Jahre 1907 geschah. In der Gemeinderatssitzung vom 23. Oktober 1909 stritt man sich über die Erneuerung. Ratsmitglieder wie Emil Mark wollten direkt woanders ein neues Rathaus bauen und das Alte als Schule weiter verwenden. Das wurde jedoch abgelehnt mit dem Argument, das Bauterrain fehle und die Witwe de Gerlache verlange viel zu viel für ihr Besitztum (heutiger Park), das ja nach dem Tode von Alexandre de Gerlache leer stand. E. Mark verlangte daraufhin, dass man noch ein weiteres Stockwerk hinzufügen sollte. Dies lehnte Bürgermeister Conzemius ab mit dem Argument, das Rathaus würde dann die “Symetrie mit der Kirche stören“, was den wenig kirchenfreundlichen Oppositionspolitiker Emil Mark auf die Palme brachte. Emil Mark plädierte damals auch dafür, zuerst einmal eine Fusion der Sektionen anzustreben und damit eine Gesamtverwaltung zu ermöglichen. Jede Sektion verwaltete nämlich damals noch ihr eigenes Budget. Doch auch das würde den Bau wieder verzögern, wurde ihm erklärt. In das erste Stockwerk zog das Polizeikommissariat. Auch das Friedensgericht sollte hier unterkommen. Im Erdgeschoss wurde der Sitzungssaal vergrössert und für den Bürgermeister wurde ein “Extra Raum“ geschaffen. Der Escher Architekt Nicolas Majeres wurde mit dem Umbau betraut. Die Arbeiten dauerten von 1911 bis 1913 und kosteten 93.703.-Franken. Während der Umbauarbeiteten mietete sich die Gemeindeverwaltung im “kleinen Casino“ auf dem Marktplatz ein, der ja damals der “Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft“ gehörte. Als das alte Rathaus niedergelegt wurde, vermeldete die “Escher Zeitung“: “Die allgemeine Stimmung der hiesigen Bürgerschaft geht dahin, man solle das alte Kasino ankaufen und die Büros der Gemeinde dort lassen.“ Die Bauarbeiten wurden an den Unternehmer Josy Logelin vergeben. Sogar eine Zentralheizung war vorgesehen.

Im Jahre 1916 fanden die Abnahmeverhandlungen statt. Das Gebäude wurde noch mehrmals vergrössert und umgeändert. Unter anderem entstand ein großes “Pissoir“ vor dem Eingang und das nicht ohne Grund: Der sogar in Leserbriefen oft gescholtenen Unverschämtheit der Männerwelt sollte endlich Einhalt geboten werden. Im Jahre 1964 hatte das Gebäude dann als Stadthaus ausgedient. Ab 1964 fand man dort nacheinander die verschiedensten Einrichtungen: Festsaal, Friedensgericht, Steuerverwaltung, Polizei, Bibliothek, Probesaal der “Chorale Municipale“, Musikschule, Schulkantine, Vorschulklassen, Gemeindearchiv, Büros des “Essentiel“.
r. fleischhauer
Franzousekräiz
« Franzousekräiz »,
Die Rache der Franzosen.
Würde man auf der Strasse von Niederkorn nach Lasauvage die 90-Gradkurve in der Nähe des « Roudenhaff » verfehlen, würde man direkt auf einem Parkplatz landen auf dem sich das sogenannte « Franzousekräiz » unter hohen Bäumen befindet. « Franzousekräiz » keineswegs zu Ehren unserer französischen Nachbarn, sondern als Erinnerung an die Niederkorner, die von den Franzosen hier niedergemetzelt wurden.

Wir sind im Jahre 1794. Die französischen Revolutionstruppen lagen diesseits der Grenze in Tiercelet. Von der Festung Longwy aus wollten sie die oesterreichischen Truppen angreifen, welche sich in der Festung Luxemburg zusammengezogen hatten. Es gab mehrere Uebergriffe der französischen Truppen auf das Dorf Differdingen, das ja genau an der Grenze auf dem Weg zum oesterreichischen Feind in Luxemburg lag. Dabei hatten die französischen Republikaner es besonders auf das Kloster und das Schloss abgesehen, die ja Symbole des alten feudalen Systems waren. Die Klosternonnen flohen nach Luxemburg, der adlige Baron de Soleuvre ebenfalls. Charles-Ferdinand Vesque, « officier de la baronnie de Soleuvre », Notar und Besitzer des Hofes « Um Bau », heute noch « Vesquenhaff » geheissen beschloss den Widerstand gegen die « sans-culottes » zu organisieren.
Er hatte keine Mühe, Leute zu finden, welche bereit waren, sich mit den Franzosen, welche ihre Dörfer genug terrorisiert hatten, auseinander zu setzen. Waffen und Munition bekamen sie von den Oesterreichern von Luxemburg aus durch die Vermittlung des Barons. So kam es, dass seit Beginn des Jahres jedesmal auf die Franzosen aus dem Hinterhalt heraus geschossen wurde, wenn sie sich in Differdingen, Niederkorn, oder Oberkorn zeigten. Barrikaden wurden in « Metzkimmert » errichtet, um sie vor dem Dorf aufzuhalten. Die französischen Marodeure schleppten des öfteren Tote und Verwundete mit nach Hause.

Am 19. April, an Gründonnerstag, erschien ein Trompeter mit 9 Reitern vor den Barrikaden in Metzkimmert. Gegenüber standen die bewaffneten Verteidiger. Der Trompeter versuchte die Differdinger zu beruhigen. So wie berichtet wird, rief Joseph Lambert genannt « Jütz » : « Waart du kriss et geblosen ! » und schoss den Trompeter in die Brust. Die Reiter zogen sich schleunigst mit der Leiche zurück. Nun musste sich die Einwohnerschaft auf einen Rachefeldzug der Franzosen gefasst machen. Und so kam es auch. Gegen 9 Uhr rückten ungefähr 6.000 Mann an. Die Differdinger gaben einige Schüsse ab. Die Franzosen kümmerten sich jedoch nicht darum. Sie ritten an den bewaffneten Bauern vorbei, umzingelten sie und stürzten sich von Oberkorn her auf sie. Da wegen der Umzingelung weder eine Flucht nach Niederkorn, noch nach Oberkorn möglich war, blieb nur noch der « Woiwerbësch », wo die so Ueberfallenen flüchten und sich verstecken konnten. Die Franzosen verfolgten sie nicht weiter, weil sie oesterreichisches Militär in der Nähe vermuteten. Andere versuchten sich in den Häusern zu verstecken. So auch Charles-Ferdinand Vesque, der sich auf seinem Hof in eine Hanfgarbe eingewickelt hatte und so knapp der Entdeckung entging. Viele wurden auf grausame Art niedergemetzelt. Die Soldaten der Republik plünderten Differdingen, Oberkorn und Niederkorn regelrecht aus. So wurden zum Beispiel alle Güter und Kostbarkeiten des Klosters geraubt. Anscheinend beteiligten sich auch Einwohner der naheliegenden französischen Dörfer an dem Raubzug. Nur knapp entgingen die drei Dörfer der kompletten Brandschatzung. Was mit den Gefangenen geschah, hing vom Wohlwollen der Kommandanten ab. Einige wurden wieder laufen gelassen. Die Gefangenen aus Niederkorn jedoch mussten ihr eigenes Grab schaufeln und wurden dann an der Stelle erschossen, an der eben heute das « Franzousekräiz » steht.
Die Zahl der Toten bei diesem Scharmützel wird verschieden angegeben. Es scheinen jedoch so an die 12 tote Luxemburger gegeben zu haben. Die aus dem « Woiwerbësch » flüchteten mit Hab und Gut nach Luxemburg und kehrten erst nach Wochen zurück.
Diese Ereignisse werden ausführlich in der Broschüre des Differdinger « Syndicat d’Initiative » von 1937 geschildert. (Es sind noch etliche Exemplare vorhanden, die man in der Stadtbibliothek erhalten kann).
Jacques Dollar hat in den französischen Archiven zusätzliche, interessante Dokumente zum « Massaker » entdeckt. (Luxemburger Wort vom 14. April 1994).
Vor allem geht Armand Logelin in allen Einzelheiten auf das abenteuerliche Leben des « arpenteur » aus Differdingen Charles Ferdinand Vesque und auf seinen Kampf gegen die Armee der Republik in « Galerie » 1, 2 und 3 von 2003 ein.
r. fleischhauer
Fond-de-Gras
Mme Schroeder Kies aus Niederkorn erinnert sich.
« Wir wohnten in Fond-de-Gras. »
Meine Erinnerung an Fond-de-Gras geht auf das Jahr 1930 zurück. Ich verbrachte meine Kinderjahre und meine Jugend dort.
Am Eingang der kleinen Ortschaft, auf der rechten Seite der Strasse stand das erste Haus. Es war quer zur Strasse gebaut. Es hiess seit jeher « d’Haus op der Trap ». Es gehörte der Eisenerzgesellschaft « Thy le Château ». Das Haus wurde bis 1933 von einer italienischen Familie bewohnt, dann von der Familie Alverdi (Eltern und 3 Kinder) bis nach dem zweiten Weltkrieg.

Im nächsten Haus genannt « am Haff » waren 4 Wohnungen untergebracht. In den ersten 4 Zimmern wohnten 2 Junggesellen : Angelo Bosio und Willy Weyer, ein deutscher Nazi, den wir damals « de preisesche Willy » nannten. In der zweiten Wohnung lebte die Familie Nic Stolz (Eltern und 5 Kinder), in der dritten Wohnung die Familie Michel Weber (Eltern und 2 Kinder) und in der vierten Wohnung eine italienische Familie namens Silvio…(der Familienname ist mir entfallen).
Im nächsten Haus befand sich das noch heute wohlbekannte hölzerne Wirtshaus « bei der Giedel ». Das Haus wurde anfangs des vorigen Jahrhunderts gebaut und wurde von der ersten « Giedel » geführt, Mme Mullesch, dann kam die « Giedel »Bosseler die ich kannte und später deren Sohn Paul Bosseler (mit Ehefrau und 4 Kindern).

Unterhalb des Wirtshauses war die « Kantine » (heute Restaurant). Um 1915 bis 1930 wohnten dort Nic Schmitt mit Ehefrau und 4 Kindern. Dann wurde die Kantine aufgelöst und privat vermietet. Das Gelände gehörte der Gesellschaft « Providence ». In der Kantine wohnte jetzt die Familie Flammang (Eltern und 4 Kinder). Aus den Zimmern der « Kaschtgänger » entstanden 2 Wohnungen. Erstere bewohnte der Steiger Jean Schuh mit Familie (3 Kinder) und 1938 dann der Steiger Vic Reder. In der anderen Wohnung lebte der Bergarbeiter Jos Heitz.
Auf der rechten Strassenseite befanden sich noch die Hallen für die Lokomotiven und die Büros der Gesellschaft « Providence ».
Auf der linken Strassenseite lag nur ein einziges Haus, das der Gesellschaft « Thy le Château » gehörte. Es war mein Elternhaus. Hier wohnte der einzige Bauer des Ortes Jos Kies mit seiner Ehefrau und mir, seiner Tochter. Zum Haushalt gehörte noch ein Knecht. Wir lebten vom Bauernbetrieb und hatten 3 Pferde. Sie waren in der Grube beschäftigt. Hier zogen sie die « Buggis » mit dem Erz aus der Grube und arbeiteten dort, wo die Maschinen nicht hinkamen. Ein Pferd verdiente 60 Franken am Tag. Dieses Geld war für unseren Lebensunterhalt sehr wichtig. Nachmittags arbeiteten die Pferde mit meinem Vater und dem Knecht auf dem Feld.

Die Männer aus Fond-de-Gras waren alle Bergarbeiter.
Die oben aufgezählten Häuser gehörten alle zur Gemeinde Differdingen. Die Kinder (18 an der Zahl) besuchten alle die Primärschule in Niederkorn. Sie gingen zu Fuss zur Schule und zwar 4 mal am Tag, im Sommer wie im Winter. Damals gab es noch keinen Schulbus und der Schulweg schien uns manchmal unendlich lang, besonders im Winter.
Etwas unterhalb dieser Wohnhäuser auf der rechten Seite stand ein Haus, genannt « op der Knupp ». Es gehörte der Gesellschaft « Couliers ». Dort wohnte Mich. Reichling mit Ehefrau und 3 Kindern. Dieses Haus lag auf dem Petinger Bann und die Kinder mussten nach Rodingen zur Schule.

200 Meter rechts befanden sich die Büros und die Abladequais der Gesellschaft « Couliers » und « Providence ».
Auf der linken Seite waren Büro und Abladequai der Gesellschaft « Thy le Château »
Dort begannen dann auch die Bahngeleise und ungefähr 100 Meter weiter stand das Bahnhofsgebäude mit der Wohnung für den Bahnhofswärter. Die Familie Grégoire Arend (5 Kinder) war dort zu Hause.
Daran schloss sich der Abladequai der Gesellschaft « Fuussbësch » an. 50 Meter weiter stand ihr Büro mit Wohnung und Ställen für die Pferde, die der Gesellschaft gehörten. Dort wohnte der Betriebsführer der Gesellschaft « Fuussbësch » Jean Palm mit seiner Ehefrau und seinem Schwager. Herr Palm war ein leidenschaftlicher Bienenzüchter.
In Fond-de-Gras gab es damals noch keine Wasserleitung. Wir holten das Wasser von einer Quelle bei der Grube « Thy le Château » am Anfang der Bahngeleise. Einkäufe besorgten wir in Differdingen oder Rodingen. Kleinigkeiten brachten wir nach der Schule aus Niederkorn mit.
Im Jahre 1933 (glaube ich) gab es ein Grubenunglück. 5 Bergarbeiter waren 2 Tage lang eingeschlossen. Glücklicherweise wurden alle gerettet. Die Grossherzogin Charlotte kam zur Unglücksstelle um sich nach den Bergarbeitern zu erkundigen. Ihre Limousine war auf unserem Hof geparkt. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Leider habe ich keine weiteren privaten Fotos aus Fond-de-Gras. Für Fotografien war das Geld zu knapp.
Madame Lucie Schroeder-Kies.

Evakuiergung 10.05.1940
Differdingen auf der Flucht.
Am 10. Mai 1940 geriet Differdingen und die meisten Minette-Städte zwischen die Fronten. Der französische Brigadekommandant, dessen Hauptquartier sich in Oberkorn befand, eröffnete dem Differdinger Bürgermeister Pierre Gansen, dass die französischen Truppen sich strategisch besser positionieren würden und dass dadurch die Grenzortschaften mitten im Kampfgebiet liegen würden. Die Bevölkerung solle deshalb evakuiert werden.
Eugène Weiss aus Differdingen, der das Ende des Krieges nicht überleben sollte, hatte damals Tagebuch über die Ereignisse seiner Evakuierung geführt. Armand Logelin hat das Tagebuch nebst zusätzlichen Erläuterungen im Verlag "Galerie" des "Centre Culturel" im Jahre 1993 herausgegeben. (Steht in der Stadtbibliothek zur Verfügung.)
Während der Schiesserei in Differdingen, Oberkorn und Niederkorn hielten sich die Einwohner zum Teil in den Kellern auf. Keiner wusste so richtig was tun. Die Gemeindeverwaltung war durch den plötzlichen Befehl der Evakuierung leicht überfordert Am 11. Mai hing eine Bekanntmachung der Gemeindeverwaltung aus, mit der man der Bevölkerung vorschlug, der Aufforderung der Franzosen zu folgen und sich auf den Weg nach Frankreich zu machen, oder aber im Bergwerk Schutz zu suchen. Jeder tue wie ihm beliebe. Die Gemeindeverwaltung übernehme keine Verantwortung. Eine zweite Aufforderung, die Stadt zu verlassen erfolgte von Seiten der Deutschen, nachdem Differdingen eingenommen worden war. Die Einwohner seien nach Luxemburg in Marsch zu setzen und zwar zum Stadion an der Arloner Strasse, wo Verpflegung und Unterkunft der Flüchtenden geregelt werde solle.
In den Erzstollen.
Eugène Weiss erzählt, dass die Leute sich am 11. Mai gegen Mittag mit Decken und Verpflegung im Thillenberg einfanden. Es war dort kalt und feucht. Vom Eingang her beobachtete er, wie Differdingen bombardiert wurde und bemerkte auch die ersten deutschen Soldaten. Am nächsten Morgen wurde bekannt, dass die Deutschen die Säuberung der Erzstollen angeordnet hätten und dass alle ins Landesinnere evakuiert werden sollten. Ein langer Flüchtlingstreck zog bald durch Niederkerschen Richtung Hauptstadt. Manche Familien wurden dabei auseinandergerissen und fanden sich nur mit Mühe wieder.

Evakuierung ins Oesling.
Jos Romeo, der einen Granatsplitter im Fuß hatte und sein Bruder, der einen Streifschuss abbekommen hatte, begaben sich auch zu Fuss nach Luxemburg. Zwei deutsche Soldaten sorgten unterwegs dafür, dass ein Auto sie mitnahm. Mme Evrard hatte sich auch mit ihrem kleinen Josy im Erzstollen versteckt, ehe sie mit der ganzen Familie, einem Wägelchen mit einigen Habseligkeiten Richtung Luxemburg zog. Unterwegs wurden sie vom Schreiner Hengen aufgenommen und zum Stadion transportiert. Ihr Vetter Watgen mit Frau und Tochter starben beim Bombardement.("D'Geschicht vun ënnen" in “Livre du Centenaire” der Gemeinde)
Die meisten evakuierten Differdinger kamen im Oesling bei Bauernfamilien unter. Da die Minetter schwere Arbeit gewohnt waren, konnten sie den Bauern gut zur Hand gehen und verdienten so ihr Brot. Für einige Aufruhr sorgten sie jedoch schon in der damals noch sehr verschlossenen Dorfgemeinschaft. Nicht wenige hatten noch nie eine Kirche von innen gesehen und sorgten dementsprechend für Gespräch im Dorf. Wie Eugène Weiss erzählt, versuchten die Minetter sich jedoch auch so gut wie möglich anzupassen. Es schlossen sich auch viele Freundschaften zwischen Familien aus dem Oesling und aus der Minettsgegend, die ein Leben lang anhielten.
Evakuierung nach Frankreich.
Jacques Dollar hat in seinem Buch "L'exode des Luxembourgeois sur les routes de France" sehr genaue Nachforschungen angestellt. Er selbst flüchtete damals mit seinen Eltern nach Frankreich und zwar im grossen Treck über Hussigny, über die Maginot-Linie, Joppécourt, Xivry-Circourt Domprix , wo ein Auffanglager funktionierte. Es gab viele, deren Weg bis hinab in den Süden Frankreichs vor allem in den Languedoc in die Gegend um Montpellier und Lodève führte. Die Flüchtlingstrecks sahen mitleiderregend aus wie alle Kolonnen von Flüchtenden. Fahrräder, Autos, Pferdewagen, Handkarren, Kinderwagen voll beladen mit den Kindern und einigen Habseligkeiten bewegten sich in langen Reihen über die Strassen. Jacques Dollar hob immer wieder hervor,wie hilfreich die französische Bevölkerung war. Viele Freundschaften zwischen Differdingern und französischen Familien wurden auch hier geknüpft. Der Autor schätzt die Zahl der Differdinger, die nach Frankreich flüchteten auf rund 300. Gegen Ende Juni kehrten die meisten zurück. Differdingen hatte einiges abbekommen, besonders auf Fousbann und in der Hussigny-Strasse gab es etliche zerstörte Häuser. Durch die Einquartierung der deutschen Soldaten war trotz Warnungen der Militärobrigkeit vieles zerstört respektiv abhanden gekommen. Doch nach und nach hatte alles wieder seine Ordnung. Auch das Hüttenwerk arbeitet wieder, aber von jetzt ab für die Nazis.

r. fleischhauer
Eisenbahn
Als die Eisenbahn nach Differdingen kam.
Anfang des neunzehnten Jahrhunderts war Luxemburg ein armes Land mit sehr wenig Industrie und einer wenig erträglichen Landwirtschaft. Wirtschaftlich war das Land komplett isoliert. Es galt aus dieser oekonomischen Isolation herauszukommen, Das geschah zum Teil durch den Eintritt des Landes in den “Deutschen Zollverein” im Jahre 1842. Nun mussten internationale Verkehrsverbindungen geschaffen werden. 1845 begannen Verhandlungen über den Bau von Eisenbahnlinien mit Anschluss an das internationale Netz und 1859 fuhr der erste Zug in Luxemburg. Michel Lentz schuf damals bei der Einweihung den “Feierwon”. Die neuen Strecken verbanden die Stadt Luxemburg sternförmig mit Frankreich, Belgien und Deutschland. “Mir hunn de Wee nu fond zum éiweg grousse Völkerbond”, hiess es im “Feierwon” Dieses erste Eisenbahnnetz trug den Namen “Wilhelm-Luxemburg” zu Ehren des holländischen Königs und Grossherzogs von Luxemburg Wilhelm lll. Es wurde von der französischen “Compagnie de l’Est” verwaltet.

Doch bald stellte man fest, dass diese sternförmigen Linien grosse Ortschaften des Landes nicht berührten. So plante man ein zweites ringförmiges Netz, das die Hauptlinien der “Wilhelm-Luxemburg”an mehreren Stellen berührte. Deshalb auch der Name “Gürtelbahn”. Es gab wenige, die begeistert waren, in den Bau dieses Netzes Geld zu investieren, da man es für wenig gewinnbringend hielt. Deshalb beschloss die Regierung einem eventuellen Investor Minettkonzessionen zu übergeben, womit dieser dann den Bau und den Unterhalt der Sekundärbahn finanzieren könnte.

Schürfungsrechte
Zu dieser Zeit hatte man nämlich die eisenhaltige “Minette” im Süden entdeckt. Der Besitzer eines minetthaltigen Geländes durfte das Erz im Tagebau abbauen. Alles was tiefer lag und per “Galerie” abgebaut werden musste war konzessionspflichtig, das heisst der Staat musste die Genehmigung zum Abbau erteilen. Wer diese Schürfrechte haben wollte, musste dafür bezahlen. In der Folge gab es immer wieder Streit über die Tiefe der konzessionspflichtigen Schichten, da diese nicht präzis im Gesetz festgelegt war. Wer im Besitz einer Konzession war, durfte das Erz selber abbauen oder den Abbau an andere gegen Entgelt weitergeben.

Die Prinz Heinrich-Bahn profitiert davon.
Hier im Süden war eine belgische Gesellschaft bereit in den Bau einer Eisenbahnlinie zu investieren, die hauptsächlich dem Abtransport des Eisenerzes dienen sollte. So entstand nach vielen Traktationen und Problemen die “Société des Chemins de Fer et Minières Prince Henri”, diesmal zu Ehren des Prinzen Heinrich, des jüngeren Bruders des König-Grossherzogs. Der König hatte ihn zum Statthalter oder “Lieutenant-représentant” für das Grossherzogtum Luxemburg eingesetzt. So entstand die “Prinz-Heinrich-Bahn” deren Abkürzung “PH” an Bahnhöfen und Waggons zu finden war. Die PH erhielt vom Staat 417 ha Minett-Konzessionen in Beles und Oberkorn die sie meist an andere Gesellschaften weiterverkaufte. Beispiel: die Schweizer Winterthur-Gesellschaft, deren Namen mit der Strasse gleichen Namens verewigt wurde. Im Jahre 1870 erwarb die PH Gelände auf dem Differdinger Bann und 1872 war die Strecke Esch/Alzette - Petingen fertig. Im August 1873 verkehrten die ersten Züge von Esch/Alzette über Beles, Oberkorn, Differdingen nach Petingen und zurück. Der Abtransport des Eisenerzes war wie gesagt die Hauptursache für den Bau der Linie. So konnten die Bergbaubetriebe in Beles, Oberkorn (“Bëschendall”), Differdingen (Wangert, Winterthur) und Niederkorn direkt an die Bahn angeschlossen werden. Die “Buggies” aus den Galerien wurden meist durch einen “plan incliné” zur PH-Bahn hinuntergelassen. Dabei zogen sie durch ihr Gewicht die leeren Wagen von den Bahngeleisen wieder hoch.

Hauptsächlich Erztransport
Da der Erztransport ihr Hauptgeschäft war baute die “Prënz Hari” auch 1901 die Schmalspurbahn Rollesberg-Thillenberg, deren Brücke über die avenue de la Liberté eben abgerissen wurde um einem Fahrradweg Platz zu machen. Die PH baute auch 1875 die Erzlinie Fond-de-Gras-Petingen, über die jetzt der “Train 1900” fährt. Erst Jahre später wurden auch Reisende befördert. Der Bahnhof Differdingen wurde 1892 erst einmal als Holzkonstruktion gebaut und im Jahre 1879 der Bahnhof Oberkorn. Diese Bahnhöfe waren damals neben den Verladequais errichtet worden. Deshalb liegen sie auch ziemlich ausserhalb der beiden Ortschaften.
Am 24. Februar 1985 wurde der Oberkorner Bahnhof, das Wahrzeichen der “Goarer” abgerissen. Was mit dem schönen Gebäude des früheren Differdinger Bahnhofs neben der heutigen Umgehungsbrücke geschieht ist noch ungewiss.

War jemand bei der Prinz-Heinrich-Gesellschaft beschäftigt , so sagte man “E schafft beim Prënz”. oder “um Prënz”.
Dass die Eisenbahn im Laufe der Jahre eine immer wichtigere Rolle in Differdingen spielte, beweisen die Strassennamen wie “rue du Chemin de Fer”, “rue de la Gare”, “rue du Rail”, “Schwaarz Bréck” und natürlich “rue Prince Henri” .Am 14. Mai 1946 fusionierten Prinz-Heinrich”, “Wilhelm Luxemburg” und die Schmalspurbahnen “Jangeli, Charly, Benny”usw zur nationalen Eisenbahngesellschaft “Chemins de Fer du Luxembourg” CFL.
r. fleischhauer
Emile Mark
Emile Mark :
Der richtige Mann zur rechten Zeit.
Während ihres 100-jährigen Bestehens als Stadt, zählte Differdingen nicht mehr als 9 Bürgermeister. Jeder davon hat in irgendeiner Weise die Stadt nachhaltig geprägt. Ausschlaggebend für das Aussehen der Stadt und für seine zum Teil wegweisenden sozialen Einrichtungen war sonder Zweifel Emile Mark, der die Geschicke der Stadt in der schwersten Zeit ihres Bestehens nämlich von 1911 bis 1935 das heißt bis zu seinem Tod leitete. Seine Nachfolger konnten auf dem aufbauen, was unter ihm geschaffen wurde. Dieses ganze Heft würde wahrscheinlich nicht ausreichen, um dieser schillernden Persönlichkeit einigermaßen gerecht zu werden.Wir wollen versuchen in Kurzfassung auf sein Wirken während seines 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister einzugehen.

Emile Mark wurde am 18. Juli 1874 in Differdingen als Sohn des Kaufmannes und späteren Bürgermeisters Mathias Mark geboren. Er absolvierte seine Mittelschulstudien in Longwy und Nancy. 1893 nahm er in Alfort seine Studien zum Tierarzt auf. 1897 schloß er diese ab und trat in den Dienst der “Compagnie générale des omnibus“ in Paris, wo er sich um die Zugpferde der damaligen Pferdetrambahnen kümmerte. 1899 wurde er Tierarzt in Differdingen. Bereits 1906 war er in den Gemeinderat gewählt worden. 1911 wurde er schließlich Bürgermeister. 1914 wurde er zum Abgeordneten gewählt und blieb dies mit einer Unterbrechung von drei Jahren bis zu seinem Tod im Jahre 1935.
Als Differdingen den Stadttitel erhielt, war bekanntlich Dr Conzemius Bürgermeister. Als Oppositionspolitiker nahm ihn der junge Emile Mark des öfteren scharf ins Visier, besonders wenn es um, seiner Meinung nach, unlautere Geldgeschäfte ging. Man muß auch sagen, dass Bürgermeister Conzemius bei den riesigen Aufgaben, die sich ihm stellten, leicht überfordert war. Schon zu diesem Zeitpunkt erwies sich Emile Mark als ein Politiker, dem besonders das Soziale am Herzen lag.
Gleich zu Beginn seiner Bürgermeisterschaft war er einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt. Während des blutigen Italienerstreiks von 1912, bei dem er mit der Ordnungsmacht von bewaffneten Arbeitern umzingelt war, soll er dem Gendarmeriebericht zufolge den Schießbefehl gegeben haben, wobei es vier Tote gab. Dies wurde ihm hauptsächlich im Gemeinderat von der sozialistischen Gruppe und später von den Kommunisten immer wieder vorgeworfen. Besonders tragisch war dieser Vorfall für ihn, weil er, und das hat er bei den großen Streikbewegungen von 1917 und 1921 ganz klar bewiesen, stets auf der Seite der Arbeiter stand.
Mit Entschlossenheit und Weitblick nahm er die Herausforderung an, aus den aus allen Nähten platzenden Ortschaften eine Stadt mit einer angepassten Infrastruktur und vor allem mit neuen sozialen Einrichtungen zu schaffen. Dabei kamen ihm sein scharfer Verstand aber auch sein zum Teil berüchtigtes autoritäre Vorgehen oft zu Hilfe.
4 Schulgebäude wurden während seiner Amtszeit gebaut. Bereits 1915 wurden erstmal im Lande “Kinderbewahrschulen“ in sämtlichen Sektionen geschaffen. Die erste kommunale Haushaltungsschule entstand 1920. Bereits 1909 wurde ein Schularzt –und ein Schulzahnarztdienst nebst Schulzahnklinik eingeführt. Auch hier leistete Differdingen Pionierarbeit. 1913 wurde das Werk der Ferienkolonien für Arbeiterkinder eingeführt. Sämtliche Schulen wurden zu der Zeit mit Schulbibliotheken ausgestattet. Besonders während der Hungerjahre des ersten Weltkrieges sorgte die Gemeindeverwaltung dafür, daß die Kinder beköstigt wurden.
Sehr bald entstand ein “Dispensaire“ für Lungenkranke, sowie eine Säuglingsberatungsstelle. Um die Hygiene zu fördern, richtete die Gemeinde in der Differdinger und Niederkorner Schule “Volksbadeanstalten“ mit Brause-und Wannenbädern ein. Sie standen auch den Schülern zur Verfügung und wurden noch bis in die 70er Jahre benützt. Die Elektrifizierung der Gemeinde wurde unter Emile Mark durchgeführt. Das erste Differdinger Krankenhaus im früheren Zisterzienserkloster wurde am 23. Mai 1931 eingeweiht. (Vorher gab es allerdings schon das Hüttenspital in Niederkorn). Emile Mark konnte am 16. Juli 1934 noch den ersten Spatenstich zum Bau des Freiluftschwimmbades in Oberkorn vornehmen, ein Projekt, das damals seinesgleichen in der ganzen Umgegend suchte. Das Oberkorner und Niederkorner Stadion wurden gebaut. Es wurden große Turnsäle in sämtlichen Sektionen errichtet, die auch den Turnvereinen zur Verfügung standen. Der Turnunterricht in den Schulen war obligatorisch.
Am 29. Mai 1927 konnte die elektrische Trambahn des Südens feierlich eingeweiht werden. Präsident des Syndikats war Emile Mark, der sich in den Jahren vorher auch für dieses Werk eingesetzt hatte. Auch der Gerlache-Park mit der berühmten Blumenuhr war sein Werk.
Ein grösseres Kapitel müßte seiner Rolle als Landespolitiker gewidmet werden. Von seinen Kontakten mit Linkspolitikern in Frankreich während seiner Studienjahre vorbelastet, war er sozusagen die Personfizierung des sogenannten “Linksblocks“ in der Kammer der Abgeordneten. Dieser Block sah seine Hauptaufgabe darin, die klerikale Vorherrschaft im Lande zu brechen. Emile Mark liebte die Polemik und war bekannt für seine geschliffenen aber heftigen Stellungnahmen. Doch sein Hauptanliegen blieb stets seine Stadt Differdingen, für die er sich überall stark machte.
In Differdingen war “Schaußen Emil“ (da er “an der Chaussée“ wohnte, heute Fussgängerzone av de la Liberté) bekannt wie ein bunter Hund. Es gibt zahlreiche Anekdoten über ihn als Tierarzt aber vor allem als Bürgermeister und eifriger Präsident der Stadtmusik. Im Buch zum 100ten Jubiläum der Stadt Differdingen haben sich die “Amitiés Françaises“ besonders mit der Neigung des Bürgermeisters zum Französischen auseinandergesetzt. Die vollständige Biographie dieses außergewöhnlichen Menschen, dem man damals nach seinem Tode ein Denkmal im Park setzte, wäre noch zu schreiben.
Bildzeile : 16. Juli 1934 :Erster Spatenstich am Schwimmbad Oberkorn

Denkmal Emile Mark beim Parc Gerlache

r. fleischhauer
Drahtseilbahn
Als das Eisenerz durch die Luft kam
Auf dem “Plateau du Funiculaire“ in Differdingen geschieht im Moment so manches. Die Bezeichnung ist nicht ganz korrekt, denn beim “funiculaire“ handelt es sich eigentlich um eine auf Abhängen funktionierende Seilzugbahn, bei welcher zumeist der eine Zug beim Herunterfahren durch sein Gewicht den anderen hochzieht. So etwas gab es in Differdingen nicht. Nein, Differdingen war Endstation einer Seilbahn, welche von der Grube Oettingen in Frankreich her durch die Luft “Minette“ herbeischaffte. Auf dem “Plateau du Funiculaire“ befand sich damals die Entladestation dieser langen Seilbahn. Das französische Wort “téléphérique“ wäre also eher angebracht gewesen.
Aeltere Einwohner vom “Fousbann“ erinnern sich noch gut an das monotone Klabbern und Klicken der Loren, wenn sie über ihr Wohnviertel hinweg fuhren. Man nahm das Geräusch gar nicht mehr wahr. Höchstens wenn die Seilbahn plötzlich stand und es still wurde, merkte man auf.

Diese längste Erzseilbahn des Landes kam folgendermaßen zustande : In der Sitzung vom 12. März 1896 hatte der Verwaltungsrat des neuen Hüttenwerkes in Differdingen beschlossen, gemeinsam mit der Gesellschaft Cockerill die den Grafen von Hunolstein gehörende 253 ha große Konzession Oettingen samt den bereits bestehenden Schachtanlagen zu erwerben. (Lothringen und damit Oettingen gehörte damals zum deutschen Kaiserreich). Eine Drahtseilbahn sollte das in Oettingen gewonnenen Eisenerz nach Differdingen bringen, wo es verhüttet werden sollte. Es war damals das billigste Transportmittel. Und so wurde eine solche im Jahre 1906 in Betrieb genommen. Mit 13 Kilometern (genau 12.780 Metern) blieb es die längste Seilbahn des Landes. Die “Buggien“ legten also hin und zurück genau 25.560 Meter zurück.
Die Seilbahn führte, wie auf unserer “Google-Earth“-Karte ersichtlich von Differdingen aus über Fousbann, Beleser Straße, Beles am neuen “Espace Belval “ vorbei zum “Kazebierg“, dann geradeaus Richtung Rumelingen und über die Grenze nach Oettingen. Dreimal überquerte sie die Grenze: In der Nähe von Esch nach Frankreich, zurück nach Luxemburg und dann bei Rümelingen definitiv nach Oettingen zu unserem französischen Nachbarn. Die Schneise der Seilbahn ist auch heute noch auf Fousbann (rue d’Oberkorn und Dicks-Lentz) zwischen den Häusern gut sichtbar und auch von der Beleser Strasse aus auf den “Galgenberg“ zu. Die Seilbahn überquerte vier Eisenbahnlinien und sechs Straßen. Hier baute man Schutzbrücken, welche Straßenbenutzer und Züge vor herabfallendem Gestein schützen sollten. Heute folgt auf Fousbann der neue Fahrradweg der Trasse der früheren Seilbahn.

Wie funktionierte das System? Die Loren (Buggien) rollten mit ihren 4 Rädchen auf einem Tragseil. Angetrieben wurden sie mit einem zweiten Seil darunter, das sich vorwärts bewegte und an das sie sich festklammerten. Die Klammer (ähnlich wie eine Wäscheklammer ) konnte gelöst werden. Somit war die Lore ausgekuppelt und bewegte sich nicht mehr. Durch eine spezielle Vorrichtung geschah das automatisch an den Lade-und Abladestationen. Hier wurden die Loren auf eine Art Abstellgleis geschoben, wo sie geladen respektiv entladen wurden. Zum Entladen kippte die Lore ihre Last von immerhin 1,2 Tonnen in die Füllstation in Differdingen.
Eigentlich bestand die ganze Bahn aus zwei Teilstücken, die sich auf dem “Kazebierg“ bei Esch berührten. Hier befanden sich auch die Antriebsstationen der Zugseile für die Strecke “Kazebierg“-Differdingen und für die Strecke “Kazebierg“-Oettingen. Die Rollseile, auf denen die “Buggien“ liefen, wurden mit schweren Gewichten an den Seilspannstationen in Spannung gehalten. Erwähnen wir noch, dass auf der gesamten Strecke insgesamt 144 mit Rollen versehene Masten die Seile trugen. Sie waren so 80 – 90 Meter voneinander entfernt. Die Loren bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von 9 Stundenkilometern.

Selbstverständlich war es streng verboten, die Seilbahnwagen als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Es soll jedoch des öfteren vorgekommen sein, dass Lausbuben das enorme Risiko auf sich nahmen, auf die Masten kletterten, in eine leere Lore sprangen und sich beim nächsten Mast wieder absetzten. Unfälle bei Reparaturarbeiten gab es auch, so 1922, als zwei junge Arbeiter tödlich abstürzten.
Die gesamte Strecke rollte bis zum 1. Februar 1972, als die Grube Oettingen stillgelegt wurde. Ab1972 funktionierte die Seilbahn noch zwischen dem Erzsilo “Heintzenberg“ in Esch bis nach Differdingen. 1980 wurde die Seilbahn definitiv ausser Betrieb genommen.
Heute ragen in der Nähe von Beles noch als letztes Ueberbleibsel ein paar rostige Masten in den Himmel. (Unser Bild). Im Jahre 1979 konstruierte die Arbed längs der Trasse der Seilbahn eine enorme Gasleitung, welche das überschüssige Hochofengas vom neuen Hochofen C auf Belval nach dem Werk in Differdingen pumpte. Erst kürzlich verschwand auch diese Leitung.
Wer an sämtlichen technischen Einzelheiten der Drahtseilbahnen des Landes interessiert ist, sollte sich das 2008 erschienene Buch von Willy Alamano :“Die Drahtseilbahnen im Grossherzogtum Luxemburg und in Lothringen“ beschaffen. (Polyprint)
Bild 1 : Drahtseilbahn als Differdinger Sehenswürdigkeit
Bild 2 : Die Strecke von Oettingen nach Differdingen
Bild 3 : einige rostige Ueberbleibsel bei Beles.
r. fleischhauer
De Saintignon
Zur renovierten Friedhofskapelle in Lasauvage :
Manuel, Giraud, Legendre und der Graf
Sie befand sich während Jahren in einem desolaten Zustand, die alle Gräber überragende Grabkapelle auf dem Friedhof in Lasauvage. Die Differdinger Gemeindeverwaltung hat sie eben instand gesetzt, so dass heute wieder ihre grazile neogothische Schönheit zum Vorschein kommt.
Drei Namen stehen über der Eingangspforte des Familiengrabes: Manuel, Giraud und Legendre. Die drei waren Besitzer der vormaligen Hütten-und Hammerwerkes Lasauvage. Und der Graf de Saintignon, der letzte Besitzer, dessen Namen auf dem Platz in Lasauvage verewigt wurde? Er ruht nicht in Lasauvage sondern zusammen mit seiner Gattin Louise Legendre auf dem Friedhof von Longwy-Bas. Doch er war es, der im Jahre 1907 diese Grabkapelle, die sich auf dem Friedhof von Saulnes befand, demontieren und auf dem Friedhof in Lasauvage wieder aufrichten ließ. Auch die Asche der Familienangehörigen der Manuel, Giraud und Legendre befinden sich in Lasauvage. Im Inneren der Kapelle erinnern Inschriften an die Verstorbenen der drei Familien.

Welche Rolle spielten nun die 4 Hüttenherren ?
Bereits im 16ten Jahrhundert gab es in Lasauvage einen Hochofen und ein Hammerwerk, das das Gusseisen verarbeitete. Angetrieben wurde es vom Bach “Crosnière“, oder “Réierbaach“. Das Werk kannte eine wechselhafte Geschichte und wurde von etlichen Hüttenherrn betrieben. Im Jahre 1828 kaufte Jean-Baptiste Manuel das Werk. Er ließ seinen Freund Pierre Giraud kommen und zusammen renovierten sie die Anlagen als « Société Pierre Giraud et cie ». 1841 errichteten sie einen zweiten Hochofen und im Jahre 1848 einen dritten. Wurde bisher nur Alluvial-oder Bohnerz in den Hochöfen verhüttet, so experimentierten die zwei bereits mit “Minette “. Der dritte Hochofen wurde auch mit Koks betrieben anstelle der bisherigen Holzkohle. Eine Dampfmaschine sorgte für das Gebläse in diesem Hochofen, ein damals revolutionäres Verfahren. Die beiden bauten weiterhin einen Hochofen in Longwy. Sie verkauften auch die “Minette“, die in Lasauvage reichlich vorkam an Werke der Umgegend. Die Eisenproduktion in Lasauvage befand sich in diesen Jahren auf ihrem Höhepunkt. Bis zu 67 Arbeiter waren dort beschäftigt. Doch wegen der fehlenden Eisenbahnverbindung geriet das Werk ins Hintertreffen und 1877 gab man die Produktion ganz auf.


Giraud starb im Jahre1869. Seine Tochter Louise-Marie-Catherine heiratete Jules-Joseph Legendre, der das Werk übernahm. Doch er verstarb sehr früh. Die Witwe heiratete in zweiter Ehe den Grafen Ferdinand de Saintignon, der sich als neuer Besitzer sofort an die Modernisierung der Werke in Lasauvage und Longwy machte. Doch auch er scheiterte schließlich an fehlenden Transportmöglichkeiten für die benötigte Kohle. 1881 wurde das Werk abgerissen. Für de Saintignon blieb nur noch der Erzabbau in Lasauvage. Damit verdiente er allerdings viel Geld. Er baute die Kirche, die Schule, etliche Arbeiterhäuser und richtete ein « Economat » für seine Arbeiter ein, wo sie auf Kredit einkaufen konnten. Johannes der Täufer im Kirchenfenster der Kirche von Lasauvage trägt die Züge des Grafen. De Saintignon hatte Forstwirtschaft studiert. Deshalb war die Jagd in den umliegenden Wäldern auch seine Hauptfreizeitbeschäftigung. Er veröffentlichte auch mehrere technisch-wissenschaftliche Werke, die sich heute in Paris befinden.
Dann kam der erste Weltkrieg. Als französischer Patriot weigerte er sich trotz fester Lieferverträge, “Minette“ an die Differdinger Hütte zu liefern, die ja damals einer deutschen Gesellschaft gehörte. De Saintignon schloß kurzerhand seine Erzgruben und schickte die Bergleute heim. Nach dem Krieg machte die Hadir ihm den Prozess und De Saintignon wurde zu einer extrem hohen Entschädigung verurteilt, die er nicht bezahlen konnte. Vollkommen verschuldet verstarb er am Neujahrstag 1921. An seinem Begräbnis nahmen hohe Würdenträger aus Frankreich teil. Man berichtet, dass allein elf Lobreden gehalten wurden. Die Witwe zog sich in die Villa der de Saintignon in Longwy zurück, wo sie 1932 verstarb.
Der Grubenbetrieb in Lasauvage wurde von der MMR aus Rodange aufgekauft. Später konnten die Bewohner der Arbeiterhäuser diese für 100.000 Franken erwerben. Die Gemeinde Differdingen übernahm die Schule und die Kirche.
Die Ländereien und Immobilien des Grafen wurden nach und nach versteigert. So kamen allein in Luxemburg ca 220 ha Land inklusive der Vesquenhof mit seinen Ländereien unter den Hammer.
Wer Näheres über die Schmelzherren aus Lasauvage wissen möchte : « Korspronk No 20 » der Geschichtsfreunde, « Historique de l’Ancienne Forge de Lasauvage » (Jacques Dollar) und vor allem “Lasauvage et son histoire“ (Emile Thoma) in der Broschüre zum 50ten Gründungsjahr des Club Bouliste Lasauvage.
r. fleischhauer
Bomben auf Differdingen
Bomben auf Differdingen
Im ersten Weltkrieg 1914/18 kamen erstmals Flugzeuge zum Einsatz. Zu Beginn wurden sie für die Fernaufklärung eingesetzt, später dann zur Artilleriekoordinierung. Die ersten beiden Piloten, die ihr Leben bei einem Luftkampf verloren, waren der russische Kapitän Nesteroff und sein Gegenspieler, der oesterreichische Baron Rosenthal. Beide waren auf einem Patrouillenflug an der Ostrfront. Als Nesteroff den Baron erspähte, stürzte er sich mit seinem Flugzeug in die klapprige Maschine des Oesterreichers. Beide stürzten ab und kamen ums Leben. Eine gewisse Ritterlichkeit herrschte bei späteren Luftkämpfen. Schoss man anfangs noch mit Gewehren und Pistolen aufeinander ( sogar mit Flaschen und Steinen), so kam später das Maschinengewehr in Mode, das mit dem Propeller synchronisiert war und durch diesen hindurchschoss.
Angriffsziel: Das Hüttenwerk
Ab 1916 wurden die Flugzeuge auch für Bombenangriffe eingesetzt. In Luxemburg waren die Hauptstadt und die Industriestandorte Hauptziele dieser Angriffe durch die Allierten. In der Nacht vom 20. März 1916 fielen die ersten Bomben auf Differdingen. Es ging darum, die “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft”, die ja für die Deutschen kriegswichtig war, zu beschädigen. Die nächtlichen Bombardierungen des Hüttenwerkes dauerten bis zum 23. Oktober 1918, also fast bis Kriegsende. Im “Korspronk” Nummer 2 der Differdinger “Amis de l’Histoire” zählt Nicolas Kodisch 27 Bombennächte einzeln auf mit genauer Auflistung der angerichteten Schäden. In Differdingen kamen damals 10 Menschen ums Leben, davon 8 Hüttenarbeiter und 2 Militär. Es gab 44 zum Teil schwer Verletzte, hauptsächlich Hüttenarbeiter, aber auch Zivilpersonen in ihren Häusern. Besonders die Häuser in der Nähe der Hütte wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Den meisten Schaden gab es also auf Fousbann und in Oberkorn.
Zur Flugabwehr hatten die Deutschen Abwehrgeschütze mit Scheinwerfern und Horchapparaten auf den Anhöhen um Differdingen in Stellung gebracht. Andere Kanonen wurden auf Eisenbahnwagen oder Lastwagen montiert und konnten so an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Zur Irreführung der alliierten Flugzeuge errichteten die Deutschen etwa 3 Kilometer vom Werk entfernt eine Hüttenattrappe mit einem künstlichen Schornstein. Lediglich einmal gelang es ihnen, ein Flugzeug abzuschiessen.
Die Bevölkerung war am stärksten betroffen.
Am schlimmsten für die Einwohner waren die schlaflosen Nächte, wenn die Sirenen heulten und sie sich in ihren Kellern verkriechen mussten. Die Bombardierungen erfolgten nur in klaren, wolkenlosen Nächten, wenn die Piloten volle Sicht hatten. Die Leute freuten sich also, wenn schlechtes Wetter herrschte. Lucien Marc in seinem vom Differdinger “Centre culturel” neu aufgelegten Büchlein “Kind im Krieg” schildert das so: “Waren das Nächte! Sirenengeheul zuerst, dann das Ballern der Abwehrgeschütze und das Krachen der Bomben. Das dröhnte und heulte oft und brüllte und tobte. Ein Splitterregen polterte nieder, trommelte auf Dach und Pflaster und Strasse” und weiter: “nur in Regennächten sind wir von Angriffen verschont geblieben. Ei, wie lag es sich so gut im Bett wenn dicke Regentropfen aufs Dach trommelten, ans Fenster schlugen und niederrannen...”

Ganz klar, dass die Kinder, die wegen des mangelnden Proviantnachschubs stark unterernährt waren, besonders litten. Die Schulkommission schlug deshalb dem Gemeinderat vor, die Schulzeiten zu änden: “ Considérant qu’il y aurait lieu cependant de faire une exception quant à la durée de la classe pendant les temps anormaux que nous traversons eu égard à l’affaiblissement général causé par la dénutrition qui malheureusemnt a été constaté chez un grand nombre d’élèves, considérant que les attaques aériennes qui sans cesse se produisent instamment sur nos contrées, troublant le sommeil de la population sensiblement qu’en fixant à 8 heures l’heure de la rentrée le matin, les élèves n’ayant pas eu le repos voulu, ne peuvent pas se lever trop de bonne heure”...
schlägt vor “--de réduire les heures de classe de 6 à 5h 3/4”, was wohl kaum eine Verbesserung der Lage brachte.
Lucien Marc schildert eine der schlimmsten Bombennächte. Er musste damals mit ansehen wie die Mutter seines Freundes Jempi von hundert Splittern getroffen blutend in ihrem Hausgang lag.: “Als ich am darauffolgenden Tag in der Schule den Kopf auf die Bank legte und gleich in tiefen Schlaf verfiel, weckte mich der Lehrer nicht.”
Im Gemeinderat wurde beschlossen , dass bei Fliegerangriffen die Strassenlampen zu löschen sind. Dafür wurden 17 Mann eingesetzt. Sie erhielten eine Entschädigung von 2 Franken, was den Gemeindesäckel nicht weiter belastete, so Bürgermeister Emile Mark “da die Ersparnis an Gas der Höhe der zu bewilligenden Entschädigung fast gleichkommt.”
Auch über das nächtliche Sirenengeheul beklagte man sich im Gemeinderat. Das Oppositionsratsmitglied Aprato nahm dabei eine eher fatalistische Haltung ein: “Die Leute beklagen sich auch über das aufregende Heulen der Sirenen, wodurch sie im Schlafe aufgeschreckt werden. Man könnte das unterbleiben lassen, hängt es ja doch nur vom Schicksal ab, ob man von einer Bombe getroffen werden soll oder nicht!”
rob fleischhauer
Bessemer + Thomas
Staub, Stahl und ein Segen für die Landwirtschaft.
Noch vor 30 Jahren stand täglich über Differdingen eine schöne rote Staubwolke, welche nach ihrem Verschwinden gleich von der Nächsten abgelöst wurde. Besonders das Fousbanner Wohnviertel wusste ein Lied vom Staub zu singen. “Esou laang d’Schmelz dämpt, geet et eis gutt“ sagten die Hausfrauen und kehrten das tägliche Quantum an schwarz-grau-glitzernden Staubpartikeln mittels Handfeger von Fensterbänken, Mauern und Bürgersteigen. Wehe, wenn jemand vergessen hatte, das Fenster zu schließen, dann konnte er sich nur noch über das glitzernde Grau auf seiner vormals weißen Bettdecke wundern.

Das Stahlwerk auf Fousbann war der Missetäter. In der sogenannten Bessemer-Birne ( Konverter ) blies man mit enormem Druck Luft und später reinen Sauerstoff durch das flüssige Eisen, das die damaligen 9 Hochöfen ausgespuckt hatten.

Warum das ?
Das flüssige Eisen, das direkt aus dem Hochofen kommt, bezeichnet man als Gußeisen. Es ist stark phosphorhaltig und daher auch brüchig. Die luxemburgische “Minette“ wie auch das lothringische Eisenerz enthalten an die 1,7% Phosphor. Die alten gusseisernen Oefen wie auch “Taken“ usw kann man mit einem schweren Vorschlaghammer in Stücke schlagen. Damit man ein bruchfestes Eisen, das heißt Stahl herstellen kann, mußten verschiedene Komponenten des geschmolzenen Eisens entfernt werden. Und hier kam der Engländer Henry Bessemer ins Spiel. So um 1850 bereits fand er heraus, dass man, wenn man Luft durch das Roheisen bläst, zuerst Silicium und Mangan und dann der Kohlenstoff verbrennen. Erkennen kann man das an der Farbe des ausgeblasenen glühenden Staubs. So konnte man eine gewisse Festigkeit des Eisens erreichen. Dieses Verfahren wurde mit der Bessemerbirne durchgeführt : Sie wurde gekippt und mit ca 25 Tonnen Roheisen gefüllt. Dann wurde sie hochgestellt (Oeffnung nach oben) und mit Luft, die mit enormer Kraft durch Düsen im Boden hereinströmte, durchblasen. Schon bildete sich eine hübsche rote Wolke, die dann nach einigen Minuten die Farbe wechselte. Danach wurde die Birne wieder gekippt und das Eisen in die “Humpen“ gefüllt.

Doch den Luxemburgern war damit anfangs noch nicht geholfen: Es blieb das Problem der phosphorhaltigen “ Minette “. Wie kann man Phosphor aus dem flüssigen Eisen entfernen? Auch da gab es wieder einen genialen Forscher, dem Luxemburg wie auch viele andere eisenproduzierende Länder viel zu verdanken haben, nämlich den Engländer Sidney Gilchrist Thomas. (1850-1885). Zusammen mit seinem Vetter Percy J. Gilchrist beschäftigte er sich so um 1870 mit der Dephosphorisierung des Gußeisens. Er kleidete die Wand der Bessemerbirne mit gebranntem Dolomit und Teer aus. Dolomit ist ein Kalk-und Magnesiumkarbonat. Durch Zugabe von gebranntem Kalk bildet sich dann eine Schlacke auf dem flüssigen Eisen, die den Phosphor bindet, wobei phosphorsauerer Kalk entsteht.
Am 20. April 1879 gelang es der Luxemburger Gesellschaft Metz&Cie die Lizenz für dieses Verfahren zu erwerben. Im Düdelinger Werk konnte am 15. April 1886 die erste “charge“ zur Produktion von hochwertigem Stahl geblasen werden.
Die Namen Bessemer und Thomas spielten also für unsere Eisenindustrie eine hervorragende Rolle. Fast in allen Minette-Städten wurden Straßen nach diesen Erfindern benannt.
Doch damit nicht genug. Kalk und Phosphor, die also bei der Stahlproduktion entstanden, fehlten bisher vor allem im Oeslinger Boden, der ziemlich arm war und auch die Ursache für etliche Familienauswanderungen nach Amerika. Die Kalk-Phosphor-Schlacke aus dem “Konverter“, die “Thomasschlacke“, wurde im Werk in der Thomasmühle gemahlen, in Säcke gefüllt und als Düngemittel in unserer Landwirtschaft verwendet. Es war das berühmte “Thomasmehl“, ein Segen für unsere Aecker! Hier wurden also zwei Mücken mit einem Schlag getroffen und einer besseren wirtschaftlichen Zukunft für unser Land stand anfangs des letzten Jahrhunderts nichts mehr im Wege.
r. fleischhauer
Balcon Lasauvage
« Lasauvage-les-Bains. »
« Place de Saintignon » heisst der renovierte Platz an der Schule in Lasauvage. Wer war wohl dieser De Saintignon, der von 1846 bis 1921 lebte und sogar einen Grafentitel trug ? Halten wir gleich fest, dass er nicht in Lasauvage selbst wohnte, sondern im nahen Longwy, dass er jedoch als der Vater des kleinen Arbeiterdorfes galt, als sein Wohltäter und Beschützer. Das lernten die Lasauvager Kinder bereits in der Schule. « Chantons d’une voix unanime, : Vive le comte de Saintignon ! Son cœur est grand et magnanime. Notre village raconte ses dons !.. » sangen sie Anfang des letzten Jahrhunderts.
Bekanntlich gab es in Lasauvage bereits im 16ten Jahrhundert am Bach « La Crosnière » eine Schmiede mit wassergetriebenem Hammerwerk. Man verarbeitete damals das sehr eisenhaltige Rasenerz, das man auf dem Feld einsammelte. Verhüttet wurde es mit Holzkohle, welche in den umliegenden Wäldern gewonnen wurde. Das Werk gehörte u.a. den Familien d’Huart und Giraud. Durch Heirat übernahm in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Graf Fernand de Saintignon die Direktion der « Société des Hauts-Fourneaux de Longwy et de La Sauvage – F de Saintignon et Cie ». Mit ihm beginnt der Höhepunkt aber auch der Verfall des Lasauvager Werks. Lasauvage zählte zu diesem Zeitpunkt über 1000 Einwohner. (heute 387).
Bereits im Jahre 1880 begann de Saintignon Mietshäuser für seine Arbeiter zu bauen. Etwa 70 Arbeiterhäuser entstanden in der « Rue Principale », an der « Place de Saintignon », in der » rue de Rodange » und in der « rue de la Crosnière ». Die Wohnungen sind einheitlich gebaut. Es gibt drei Zimmer und eine Küche. Die Häuser haben keinen Hausflur, so dass jeweils eines der Zimmer als Durchgang dient. Je nach Geländeverlauf haben die Häuser eine Aussentreppe und einen Keller. Die Häuser sind im Stil der benachbarten lothringischen Arbeiterhäuser gebaut, die man « corons » nannte.
Nun hatten die Arbeiter Wohnungen, aber es fehlte noch einiges zu einem richtigen Dorfleben. So errichtete De Saintignon noch eine Schule an der Stelle der früheren Hochöfen und eine Kirche, die der Pariser « Sainte Chapelle » nachempfunden ist. Im « Economat » (gegenüber dem Schuleingang ) konnten die Arbeiter ihre Einkäufe besorgen und problemlos anschreiben lassen, denn Hausmiete und Kredit wurden gegebenenfalls gleich vom Lohn abgezogen.

Wenn man von Differdingen her in das Dorf einfährt, fällt einem linkerhand der Komplex der Arbeiterhäuser auf, der insgesamt einen schlossähnlichen Charakter hat und eine durchgehende Terrasse an der breiten Vorderfront aufweist. Das Gebäude heisst deshalb auch im Volksmund « Balkon ». « Il habite au Balcon », sagen die « Zowaascher »

Ursprünglich war es nicht die Absicht des Grafen De Saintignon hier Arbeiterwohnungen schaffen, sondern….ein Kurhotel ! Das kam so : Der Graf liess damals in Longwy-Bas im « Parc des Récollets », einem Park, den er 1910 angelegt hatte, nach Kohle bohren, denn inzwischen wurde die « Minette » verhüttet und dazu brauchte man Steinkohle. Er fand keine Kohle, aber Mineralwasser. De Saintignon beschloss, in Longwy-Bas einen Thermalkurort einzurichten. Die Kurgäste sollten dann ganz angenehm und romantisch von dort aus mit einem Züglein in das idyllisch gelegene Dörfchen Lasauvage und ins dortige Kurhaus gebracht werden. Doch der Traum konnte nie verwirklicht werden, unter anderem auch, weil die Gesellschafter des Grafen sich gegen dieses unsichere Projekt aussprachen.
In dem Kurhaus wurden schliesslich dringend benötigte Arbeiterwohnungen eingerichtet und zwar 15 Stück. Doch der Bau selbst erinnert auch heute noch an die Architektur der Badeorte. Seine Bauweise ist symetrisch. In der Fassade gibt es teilweise Fachwerkimitationen, so wie sie in Badeorten üblich waren. Die Wohnungen selbst haben jedoch nichts Luxuriöses an sich. Sie ähneln im Grundriss den anderen Arbeiterwohnungen.

Durch den ersten Weltkrieg verlor der Graf sein ganzes Vermögen und Lasauvage wurde von der Hütte Rodange aufgekauft.
Vielleicht sollte man daran denken im Rahmen von « Lasauvage village-pilote » wenigestens die Fassade des « Kurhauses » instand zu setzen. Ein erster Entwurf von Zeyen/Baumann dazu bestand bereits in den 80er Jahren.
Ausführliches zu den Arbeiterwohnungen in Lasauvage findet man bei Antoinette Lorang « Luxemburgs Arbeiterkolonien und billige Wohnungen ». (Befindet sich in der Stadtbibliothek).
r. fleischhauer
Adolphe Krieps
Der dritte “Krieps“
In der Gemeinderatssitzung vom 17. Juni 2009 wurde beschlossen, dem neu zu schaffenden Boulevard am “Plateau du Funiculaire“ den Namen “Emile Krieps“ zu verleihen. Der in Differdingen geborene Emile Krieps, Lehrer, Resistenzler, Pi-men, KZ-Insasse, später Offizier und Minister dürfte den Differdingern nicht unbekannt sein. Den Titel eines Ehrenbürgers der Stadt erhielt er u.a. auch, weil er als Gesundheitsminister in den Achtzigern viel zur Schaffung des “Hôpital Princesse Marie-Astrid » beigetragen hatte.
Robert Krieps, Sohn eines Differdingers, auch Resistenzler und KZ-Häftling erwarb sich als Kulturminister unbestreitbare Verdienste um die Erhaltung des Industrieerbes und um die Einrichtung des “Musée Industriel et Ferroviaire“ in Fond-de-Gras. In der Gemeinderatssitzung vom 22. Juli 2009 wurde beschlossen, den Differdinger Schulkomplex nach ihm zu benennen, da ja die “Maison Robert Krieps“ auf dem Marktplatz anderen Zwecken zugeführt worden war. Robert Krieps war ja auch gleichzeitig Erziehungsminister für den Primärschulunterricht.
Doch, da gibt es beim Gerlache-Park eine Straße, die sich “rue Adolphe Krieps “ nennt. Das wäre dann der dritte « Krieps », der sich Verdienste um die Stadt erworben hat. Wer war Adolphe Krieps? Es handelt sich um den Vater des früheren Ministers Robert Krieps. Er wurde am 10 Februar 1882 in Petingen geboren. Er arbeitete als Chemiker zuerst im Werk von Hussigny, dann im Differdinger Werk. Adolphe Krieps war von der ersten Stunde an überzeugt, dass es nicht angeht, dass ein Lohnabhängiger dem Kapital total ausgeliefert ist, so wie es zu seiner Zeit noch der Fall war. Als im September 1916 in Esch der “Berg-und Hüttenarbeiterverband“ gegründet wurde u.a. auch, weil durch den ersten Weltkrieg der Hunger hier herrschte und es besonders den Arbeitern sehr schlecht ging, war Adolphe Krieps dabei. Bereits im Oktober 1916 entstand in Differdingen eine “Ortsgruppe“ der neuen Gewerkschaft unter seinem Vorsitz. Im Jahre 1919, als der “Berg-und-Hüttenarbeiterverband“ mit dem gleichzeitig entstandenen “Luxemburger Metallarbeiterverband“ aus der Hauptstadt fusionierte, übernahm Adolphe Krieps die Präsidentschaft der Generalkommission der Luxemburger Gewerkschaften. Er wurde in die “Constituante“ von 1918 gewählt und war ununterbrochen bis 1945 Abgeordneter. 1919, als ein “Comité de Salut Public“ in Luxemburg die Monarchie durch eine Republik ersetzen wollte, war er auch dabei.

1920 wurde er Mitglied des Differdinger Gemeinderats und blieb es bis 1925, als er nach Luxemburg fortzog. Im Gemeinderat vertrat er die “sozialistische Gruppe“, welche dem Bürgermeister Emile Mark besonders beim Streik von 1921 die Hölle heiß machte. Dieser mußte mehr als einmal die Sitzungen unterbrechen, weil keine Verständigung mehr möglich war.
Seine ersten Sporen als Gewerkschaftsvorsitzender in Differdingen verdiente sich Adolphe Krieps beim sogenannten “Hungerstreik“ von 1917, der von Differdingen ausging. Die damals noch sehr junge Gewerkschaft hatte nicht die geringste Erfahrung. Adolphe Krieps setzte auch eher auf Verhandlung, denn auf Kampf. So hatte der Direktor der “Deutsch-Luxemburgischen“ leichtes Spiel. Er ließ deutsche Truppen aus Verdun kommen, welche den Streik, den sich die Deutschen mitten im Krieg nicht leisten konnten, gewaltsam beendeten. Die Folgen waren verheerend. Die Schmelz veröffentlichte die berühmten “schwarzen Listen“, auf denen diejenigen aufgeführt waren, die nirgends mehr eine Arbeit finden sollten.


Eine hervorragende Rolle spielte Adolphe Krieps beim Generalstreik von 1921, der auch von Differdingen ausging: Diesmal handelte es sich schon eher um einen politischen Streik. Die Russische Revolution warf ihre Schatten bis nach Luxemburg und es ging die Rede von “Weltrevolution“, “Produktionskontrolle durch die Arbeiter“ und “Besetzung der Werke durch die Arbeiter“. Und tatsächlich besetzte der Ausschuß des Werkes, der sich unter Adolphe Krieps nach sowjetischem Muster “Arbeiterrat“ nannte, die HADIR und erklärte den Direktor Gabriel Maugas und die Betriebschefs als “abgesetzt“.
Das Werk befinde sich jetzt in den Händen der Arbeiter. Das Werk jedoch sperrte die Arbeiter nach einer Massenkundgebung auf dem Marktplatz organisiert vom Arbeiterrat ganz einfach aus und die Freiwilligenkompanie verstärkt durch französisches Militär beendete den Streik, der in Differdingen immerhin vom 1. März bis zum 21. März gedauert hatte. Und wieder zirkulierten die “schwarzen Listen“. Auch Adolphe Krieps verlor als Anführer seinen Arbeitsplatz und zog nach Luxemburg, wo er eine Transportfirma gründete. Er blieb einer der am meisten engagierten Sozialisten und Gewerkschaftsführer und seine Beliebtheit beim schaffenden Volk stieg von Wahl zu Wahl. U. a. war er einer der heftigsten Kämpfer gegen das “Maulkorbgesetz“ im Jahre 1937. Es war ja zu erwarten, dass er als erklärter Gegner des Nazitums und gleich im Jahre 1941 ins KZ nach Hinzert und dann nach Dachau kam, wo er zeitweise zusammen mit seinem Sohn Robert einsaß. 1945, nach seiner Befreiung war er gesundheitlich sehr geschwächt. Er starb am 24. September 1950.
“…sein Hauptwesenszug war: er war ein im Guten und Schlechten unverrückbarer Charakter, ein Mensch, der wußte, was er wollte, eine Natur, von der sich nichts abhandeln ließ.“ hiess es u.a. in seinem Nachwort im “Tageblatt“.
r.fleischhauer
Titelberg
Der Titelberg : Forscher und Plünderer.
Der geschichtsträchtige “Titelberg“ gehört zur Gemeinde Petingen. Das heißt jedoch nicht, dass Differdingen nichts damit zu tun hat. Im Gegenteil : Eine ganze Reihe von Differdingern haben bei den archäologischen Ausgrabungen Pionierarbeit geleistet und ein früherer Differdinger, Dr Jeannot Metzler vom Geschichtsmuseum hat diese weltweit einmalige Stätte in mehreren Werken genau beschrieben und dafür unter anderem den Kulturpreis der Gemeinde Differdingen bekommen. (Eine Kopie des Wildschweins vom Titelberg, das sich im Musée du Louvre befindet.)
Die Lage des Hochplateaus mit zu zwei Seiten steilabfallenden Hängen war für eine Besiedlung ideal. Spuren reichen bis in die Steinzeit zurück. Die Gewinnung des oolithischen Rasenerzes und die Lage in einer fruchtbaren Gegend waren weitere Vorteile. Bereits zur Eisenzeit begann man mit dem Bau eines 2.700 Meter langen Walls um das Plateau herum. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieser in mindestens 5 Bauphasen erneuert und ausgebaut. Der Wall war mit Holzverzimmerung gefestigt. Im ersten Jahrhundert nach Christus war der Siedlungsort eine regelrechte befestigte Stadt, ein “oppidum“ und zwar das Wichtigste des keltischen Volkes der “Treverer“ (treveri – Trier). Die gallischen Kriege des Julius Caesar hinterließen wenig Spuren. Man stellte jedoch bei den Funden fest, dass sich die römische Kultur nach und nach mit der Keltischen vermischte. Die befestigte Stadt hatte wenig Militärisches an sich. Handel und Handwerk waren Trumpf und brachten grossen Reichtum. Durch die Anbindung an die grossen europäischen Straßenachsen der damaligen Zeit wurde Handel bis zum Mittelmeer hinab betrieben.
Daß hier immer noch römische und keltische Münzen gefunden werden, ist allgemein bekannt. Man sieht immer noch mit elektronischem Suchgerät bewaffnete Leute auf den frisch umgepflügten Aeckern herumgeistern, obschon das verboten ist. Im Staatsmuseum befinden sich inzwischen tausende Münzen vom Titelberg. Viel aufschlußreicher für den Archäologen sind jedoch banale Knochenfunde, oder Grabbeigaben. Sie geben Auskunft über die Essgewohnheiten, die Jagd, die Tierhaltung, den Haushalt und vor allem den Handel der damaligen Einwohner.
Heute wird auch nicht mehr gegraben, sondern mit Pinsel und Schaber die Erde Millimeter um Millimeter abgetragen. Lage und Erdschicht der Funde spielen nämlich eine sehr wichtige Rolle. Das war nicht immer so : Der 1890 geborene Schmelzarbeiter Franz Erpelding aus Niederkorn grub mit Leidenschaft vor und nach dem Krieg auf dem Titelberg. Als Autodiktakt entwickelte er sich zum ausgezeichneten Kenner des Titelbergs und stand sogar in Briefkontakt mit etlichen europäischen Archäologen. Sein Haus in der Niederkorner Schulstraße war ein regelrechtes Museum. Vor seiner Haustür hatte er seine größeren Funde aufgestellt. 1965 übergab er seine über tausend Stücke umfassende Sammlung an das Staatsmuseum. Bis zu seinem Tode im Jahre 1974 konnte man ihn immer noch auf dem Berg antreffen. Er war es auch, der Jeannot Metzler dazu brachte, Archäologie zu studieren und später den Titelberg wissenschaftlich zu ergründen. Es gibt noch für viele Jahrzehnte Arbeit dort.

Regelrecht geplündert wurde der Titelberg in den vorigen Jahrhunderten. Der Jesuit und Historiker Alexander Wiltheim beschreibt 1650 in einem Werk « Luxemburgum Romanum » den Titelberg als einen Ort, auf dem Dachziegel und Töpferwaren und Bausteine nur so herumlagen. Wie man später feststellen konnte, wurde der Titelberg von den Bewohnern der umliegenden Ortschaften regelrecht geplündert und alles, was man als Baumaterial benutzen konnte wurde in ihren Häusern verbaut. Vauban holte sich anscheinend die besten Quadersteine vom Titelberg, um die Festung Longwy zu bauen.
Neben Jeannot Metzler und Franz Erpelding machte sich der inzwischen verstorbene Henri Niederkorn aus Niederkorn als Amateur verdient um die Erforschung des Titelberg. Auch sein Bruder Michel half mit. Néckel Gaspar aus Oberkorn, einen anderen “Amateur“ trifft man fast täglich auf dem Berg respektiv in den Lokalitäten des Titelberg in Fond-de-Gras.
Ein Spaziergang zum Titelberg mit seinen Rekonstruktionen und Ueberresten vom Parkplatz auf Graskopp (Straße zum Fond-de-Gras) aus lohnt sich jedenfalls.
1. Bildzeile : Ein Brandgrab ausserhalb des Walls. Die Asche des Toten befindet sich in einem Tongefäß.

2. Bildzeile : Das Urnengefäss zerspringt, sobald es an die Luft kommt.

r. fleischhauer
Kolonien
Differdingen und seine Kolonien
Auf die ausgedehnten Liegenschaften des Gerlache-Schlosses, von dem wir in den vergangenen Beiträgen berichtet hatten, stürzten sich anfangs des Jahrhunderts nach dem Tod von Alexandre de Gerlache die Unternehmer. Es wurde dringend Wohnraum für die sich explosionsartig entwickelnde Bevölkerung gebraucht. So stieg beipielsweise zwischen 1900 und 1910 die Bevölkerung um 6.823 Einheiten.
Die Schmelz hatte das Problem schon sehr früh erkannt und sorgte selbst für Wohnungen für ihre Beschäftigten, zumindest für ihre Spezialisten. Bereits nach 1897 begann die neue “Société Anonyme des Hauts Fourneaux de Differdange” unter ihrem Verwaltungsratspräsidenten Alexandre de Gerlache mit dem Bau von Vierfach- und Doppelhäusern für Arbeiter, Werkmeister und höhere Beamte und zwar in der Stahlstrasse beim früheren Bahnhof. Dafür und auch für den Bau der Werkanlagen hatte die Gesellschaft eine Million Ziegel bei der Ziegelei Mouton in Villerupt bestellt. Die Werkshäuser in der Stahlstrasse sind noch heute bewohnt. Sie weisen die für Industriegebäude typischen Backsteinverzierungen auf.


Um eine bessere Lieferung der Hütte mit Koks zu gewährleisten, fand 1899 die Fusion mit der Kohlengrube “Dannenbaum” in Bochum statt. Die neue Gesellschaft nannte sich nun “Aktiengesellschaft für Eisen-und Kohlenindustrie Differdingen-Dannenbaum” .Die Firma begann sofort mit der Planung einer grösseren Siedlung. Da inzwischen die Bodenpreise in der Nähe der Schmelz stark angezogen hatten, erwarb das Unternehmen ein grösseres Areal in den Oberkorner Wiesen. Hier baute sie die “Kolonie Dannenbaum” in ähnlicher Bauweise wie die Kolonie in der Stahlstrasse. Die neue “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hütten A.G.” baute 1901 weiter in Oberkorn eine Siedlung von 4 Strassen mit Doppelhäusern, Einfamilienhäusern und Drei-bis Vierfamilienhäusern. Wohnkomfort und Grösse hingen von der Stellung des Bewohners im Betrieb ab. Die Grösse der Wohnung variierte zwischen 44 und 90 qm. Die Arbeiterfamilien lebten auf engsten Wohnverhältnissen und ihre Arbeit verfolgte sie bis in ihre Privatsphäre. Dadurch dass der Mietvertrag an den Arbeitsvertrag gekoppelt war und gewisse Bedingungen bezüglich des Verhaltens auf der Arbeitsstelle gestellt wurden, blieben die Bewohner in hohem Masse abhängig vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Sogar die Strassennamen erinnerten an die Schmelz: “rue de l’Industrie, de la Sidérurgie, de la Métallurgie, du Travail”.

Architektonisch anspruchsvoller war die kleine Kolonie, welche in der “rue du Funiculaire” gebaut wurde. Bei einigen Häusern springt das Mittelteil der Fassade leicht vor, so dass ein bewegtes Strassenbild entsteht. Erst am 30. Dezember 1955 übernahm die Gemeinde die Koloniehäuser in Oberkorn mit ihren Strassen, die bisher noch der HADIR gehört hatten.

In Lasauvage baute der Baron de Saintignon ab 1880 ein ganzes Arbeiterdorf aus Einfamilienhäusern. Lehnten die Arbeitersiedlungen in Differdingen sich eher an die deutsche Bauweise an, so entsprach der Baustil in Lasauvage ganz klar den Arbeiterhäusern im nahen Lothringen.

Kleinere Werkssiedlungen gab es noch in der rue Dalscheid und Laboulle (“Stummen-Kolonie).Es ging der Werksdirektion hauptsächlich darum, mit den Wohnungen Fachkräfte an die Schmelz zu binden. Handlanger und unqualifizierte Arbeiter blieben aussen vor. Im Jahre 1926 arbeiteten in Differdingen 4.427 Arbeiter in dem Hüttenwerk und im Bergbau. Davon wohnten 272 in Werkswohnungen (6%), 120 in der Kantine in Oberkorn und 53 in der Kantine in Differdingen (Antoinette Lorang: Luxemburgs Arbeiterkolonien und Billige Wohnungen). Der Mietsvertrag war wie gesagt an den Arbeitsvertrag gekoppelt. Es gab keinen Mieterschutz für den Bewohner. Bei der Pensionierung musste die Familie ausziehen. Verstarb der Arbeiter, so wurde seiner Familie ebenfalls gekündigt. Leider wurde nach dem Verkauf dieser Häuser durch das Werk nicht früh genug darauf geachtet, dass ihr ursprüngliches Aussehen erhalten bleibt.
Interessant wäre es zu untersuchen, wie sich das Zusammenleben der Bewohner dieser Kolonien in der damaligen Zeit gestaltete. Die Bewohner der Kolonien in Schifflingen beispielsweise treffen sich noch heute und feiern zusammen.
Wer sich intensiver mit dem Problem “billiger Wohnungsbau” vor dem Krieg beschäftigen möchte,sollte das Buch “Luxemburgs Arbeiterkolonien und billige Wohnungen” von Antoinette Lorang in der Stadtbibliothek ausleihen.
Rob fleischhauer
Karnaval 1908
Karnevalslied 1908.
In diesem Fastnachtsmonat wollen wir einen eher holprigen Liedertext zum besten geben, der im Februar 1908 in der « Escher Zeitung » erschien. Gedichtet und vorgetragen wurde er von « Differdange – Attractions ». Titel : « Kee Su a kee Frang ». Gesungen wird nach der Melodie “ Es steht ein Wirtshaus an der Lahn“
Lasset jetzt ein Lied erklingen,
Von unserer Ortschaft Differdingen :
Pflegen Kunst, Musik, Gesang,
Wir wollen heut gemütlich sein
Hu mär och kee Sou, kee Frang.
Der Ort hat große Industrie,
Treibt Ackerbau und zieht auch Vieh,
D’rum kann er nicht verarmen
Und für die Ruh und Sicherheit
Sorgt Police und Gendarmen.
Plötzlich wurde es bekannt :
Differding zur Stadt ernannt.
Freud’ über alle Maßen
Und dabei prangen immer noch :
Misthaufen an den Straßen.
Es hat den Anstrich einer Stadt
Wenn man den Dreck durchwatet hat ;
Doch nun kann man gewahren
Wie wenn zufällig Jahrmarkt wär
Die Trottoirs voller Waren.
Der Ort hat keine Kirchenuhr,
Getutet wird zeitweise nur,
Getutet wird zum Essen
Und wenn es ausgetutet hat
Ist bald die Zeit vergessen.
Ein großes Badehaus entstand,
Genannt aux Perles von Hrn Weynandt,
Für Groß und Klein zum Nutzen
Und hat man eine Mark bezahlt,
Kriegt man noch kalte Douchen.
Durch den Dreck ist nicht zu geh’n
Und ratlos bleiben die Leute steh’n :
Erhör uns doch Herr Jeses
Und leg ein gutes Wörtchen ein
Beim Kondukter Majeres.
Was hast Du Minette nur gemacht ?
Zwietracht in unseren Ort gebracht ;
Du bist der Stein der Weisen,
Zuerst wird Gold aus dir geholt,
Und nachher Stahl und Eisen.
Kürzlich ist es nachts passiert,
Bekanntes Haus wird bombardiert,
Da gibt es zu erwägen,
Ob man sich um die Folge noch
In’s Bett kann ruhig legen.
Läßt sich mal ein Häslein seh’n
So ist es bald um ihn gescheh’n,
Schneider, Noel, Thiry
Dann noch ein ganzes Bataillon
Und schließlich Marke Louis.
Mancher wünscht ein eig’nes Gericht
Fürwahr ne sonderbare Gschicht’
Ich halt es nicht von Nöten,
Wo der Juge und Huissier weilt,
Geh’n die Moneten flöten.
Doch laßt uns jetzt erheben all
Und rufen kräftig durch den Saal :
Hoch lebe Differdingen,
Wir streben immer weiter vor,
Eintracht vor allen Dingen.
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Das Wirtshaus an der Lahn wird zumeist mit sehr schlüpfrigen Strophen versehen : « Die Wirtin hat auch………. »
Was hast du Minette nur gemacht…. :Die Gemeinde lag jahrelang im Clinch mit dem Staat bezüglich der Minette-Konzessionen. Nach der Auslegung durch den Staat des Konzessionsgesetzes von 1870 ging der Gemeinde und den Privatbesitzern viel ausbeutungsfähiges Land verloren. Weiterhin gab es 1907 eine heftige Polemik unter der Bevölkerung über den Verkauf von Minette-Gelände durch die Gemeinde.
Ein grosses Badehaus entstand…

getutet ….es handelt sich natürlich um den « Bier », d.h. das dampfgetriebene Signal der Schmelz beim Schichtwechsel, das damals den Ablauf des Tages in den Arbeiterfamilien bestimmte.
Abschuss 1917
Abschuss eines “feindlichen” Flugzeuges.
Am Samstag, den 10. Februar 1917 konnte die deutsche Flugzeugabwehr in Differdingen einen Erfolg verbuchen. Eine französische “Farman” wurde abgeschossen und zerschellte in einem Vorgarten der “rue des Jardins”. Beide Insassen: der Flugzeugführer sous-lieutenant Marius Lautiron, 29 Jahre und der zweite Mann, Caporal Alfred Furgerot, 21 Jahre waren auf der Stelle tot. Das Tageblatt berichtete damals: “Der Befund ergab, dass ein grosses Sprengstück einer Granate die Bordwand durchschlagen und dann wahrscheinlich den Führer so schwer im Gesicht verletzt hat, dass sein Tod sofort herbeigeführt wurde.” Später berichtete das Tageblatt. “Der Kopf des einen war grässlich zugerichtet und das Gesicht gleichsam abgeschnitten”. Wie der Höhenmesser anzeigte, war das Flugzeug aus “grosser Höhe” zur Erde niedergestürzt. Obschon der Boden gefroren war, bohrte sich der Motor tief in die Erde. Lucien Marc in seinem Büchlein über den ersten Weltkrieg “Kind im Krieg” erzählt:” Ich eilte in die Gartenstrasse. Da lag in einem Vorgarten ein wüster Haufen. Eisenteile, Holzgestänge, Tuchfetzen, öldurchtränkte…... Mein Freund Emil, der nur wenige Schritte von der Unfallstelle wohnte, erzählte mir in aller Hast, dass sein Vater zuerst am Platze und dass es zwei Flieger gewesen. Ja, gelebt hätten sie noch, und viele Mühe hätte es gekostet, sie aus dem Trümmerhaufen hervorzuholen…..”
“Der Tod hat sie uns zu Freunden gemacht”.
Bürgermeister Emile Mark hatte sich erboten, die Bestattung der beiden französischen Flieger im Namen der Gemeinde auf dem Differdinger Friedhof vorzunehmen. Doch die deutsche Militärverwaltung nahm die Sache in die Hand. Aus welchen Gründen auch immer wollten die Deutschen die Franzosen mit Pomp und allen militärischen Ehren zu Grabe tragen. Trotzdem befürchteten sie, dass es unter der Bevölkerung zu störenden Sympathiekundgebungen für die Franzosen kommen könnte. Deshalb sprach der Differdinger Ortskommandant der deutschen Besatzungstruppen, Hauptmann Steingröver beim Polizeikommissar Mosinger vor, um ihm nahezulegen, “alle feindlich gesinnten Elemente vom Trauerzug fernzuhalten”.
Die Beisetzungsfeierlichkeiten fanden unter grosser Beteiligung der Differdinger Bevölkerung am Montag, den 12. Februar gegen 4 Uhr statt. Im Luxemburger Wort war tags darauf folgendes zu lesen:
“Unter aussergewöhnlich grosser Beteiligung fand heute nachmittag die Beisetzung der beiden zum Absturz gebrachten französischen Flieger statt. Um 3 1/2 Uhr setzte sich der Zug vom Niederkorner Spital aus in Bewegung. Voran schritt eine Abteilung deutscher Landstürmer mit geschultertem Gewehr. Vor dem Leichenwagen trugen Sodaten 5 Kranzspenden, darunter eine vom Befehlshaber der deutschen Truppen in Luxemburg. .....Hinter dem Sarge schritten die Offizier und eine unabsehbare Menge Leidtragender von nah und fern. Zu beiden Seiten der Strasse bildete eine hundertköpfige Menge Spalier....”

Hier ein Auszug aus der Ansprache des Oberstleutnant von Völsing am offenen Grab:
“Kameraden, wir stehen am Grabe französischer Flieger. Vor einigen Nächten kamen sie auf stolzem Flugzeug herüber , um uns zu bekämpfen. Sie sind im Kampf unterlegen. Sie waren unsere Feinde, jetzt sind sie es nicht mehr. Der Tod hat sie uns zu Freunden gemacht. Sie haben den schönsten Tod gefunden, den sich das Soldatenherz träumen kann.....!!”
Dann wurde das Gewehr präsentiert und der Befehl “Helm ab zum Gebet!” ertönte. Mit einer Gewehrsalve wurde den beiden “Freunden” die letzte Ehre erwiesen.
Die beiden französischen Miltärangehörigen wurden kurz nach Kriegsende in ihre Heimatorte überführt. Marius Lautiron liegt in Villiers-le-Bacle (Seine/Oise) begraben und sein Name figuriert auf dem Kriegerdenkmal des ersten Weltkrieges. Bis vor kurzem wusste allerdings niemand in seinem Heimatort, wie und wo er zu Tode gekommen war. Wo Alfred Furgeron begraben liegt, konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden.
r. fleischhauer
Den Tram
Als der TICE noch mit Saft fuhr.
“Mär huelen den “Tiss” oder auch manchmal den “Tiitschee” sagt man heute, wenn man einen Bus der “Tramways Intercommunaux du Canton d’Esch” nimmt. Doch am Anfang fuhr das interkommunale Syndikat nicht mit Bussen sondern mit der elektrischen Trambahn von einer Ortschaft des Südens zur anderen und auch innerhalb der Städte.
“Jus” nannten die “Tramsmännercher” damals die elektrische Spannung, die die Trambahn durch die Oberleitung hindurch ins Rollen brachte. Die Elektrische fuhr vom 1. Mai 1927 bis zum 4. Juli 1953. Ab diesem Datum verkehrten nur noch Autobusse auf der Differdinger Strecke.
Die Statuten des interkommunalen Syndikates, das heisst des Zusammenschlusses der Gemeinden des Südens zwecks Betreibung einer Trambahn wurden im Jahre 1913 veröffentlicht. Das Syndikat nannte sich damals: “Kommunalverband für den Bau und den Betrieb von Trambahnen im Kanton Esch an der Alzette”. Der Differdinger Gemeinderat gab am 3. März 1913 seine Zustimmung zu den Statuten mit den Bedingungen, dass der Pendelverkehr zwischen Niederkorn und Oberkorn als Lokalverkehr angesehen werden soll und dass Lasauvage ausgeklammert bleibt, was die Beteiligung an den Unkosten verminderte.

Die Streckenführung in Differdingen.
Differdingen wurde von Esch-Bahnhof aus angefahren und zwar mit folgender Strecke: Esch - Beles - Oberkorn rue de Belvaux - avenue Charlotte - rue Dicks-Lentz - rue E. Mark - avenue de la Liberté - Niederkorn durch die rue des Ecoles weiter über Biff, Petingen, bis zur Grenze in Rodange und mit einer Abzweigung nach Niederkerschen.
Die Lokallinie zweigte von der Interkommunalen an der Kreuzung rue E. Mark/avenue de la Liberté (heute Fussgängerzone) ab und führte durch die Grand-rue - rue Roosevelt - rue de la Montagne in die avenue Charlotte und zurück in die interkommunale Linie. Differdingen hatte zu dem Zeitpunkt 7.747 Meter Schiene.
Im März 1920 hatte das Syndikat die benötigten Grundstücke gekauft und die Ueberführung in Beles fertiggestellt. Nun konnten die Schienen verlegt werden. Sie wurden von der Rodanger Schmelz geliefert.
Eine fröhliche Einweihung
Es dauerte allerdings noch bis zum 29. Mai 1927 ehe das ganze Schienennetz mit den benötigten Rollmaterial feierlich eingeweiht werden konnte. Der Festakt fand in Esch statt. Man sprach von einem historischen Tag. Die Gemeinden des Südens würden jetzt enger zusammenrücken. Der Arbeiter könnten jetzt auf billige Art zu ihrer Arbeitsstätte gelangen. Sie könnten jetzt die düsteren Mietskasernen der Hochöfenstädte verlassen und sich draussen zwischen den Ortschaften ansiedeln und damit die Ortschaften aneinandergliedern, hoffte man. Bereits am Vortag des 29. Mai 1927 wurden unter den Klängen der Escher Stadtmusik drei Wagen gefüllt mit fröhlichen Fahrgästen über Beles, Differdingen, Niederkerschen nach Petingen geschickt. Die Triebwagen waren mit Tannenreisern und Fähnchen geschmückt “was sich auf dem gelb-roten Untergrund gut ausnahm”wie ein Zeitzeuge berichtete Bei der offiziellen Feier am Sonntag, den 29. Mai spielte die Differdinger Stadtmusik auf dem Vorplatz des Escher Stadthauses, während im Ratshaus die Notabilitäten sich versammelt hatten. Dort sprach unter anderen der Differdinger Bürgermeister Emile Mark als Präsident des Tramsyndikats. Er konnte dabei, wie das Tageblatt berichtete “eine bei ihm nicht gerade häufige Erregung nicht verbergen”. “Wir heben heute ein Kind aus der Taufe, das wir sehnsüchtig erwartet und mit Schmerzen geboren haben”, führte er weiter aus. Er stellte die neue Trambahn in den Kontext der europäischen Bedeutung der Luxemburger Stahlindustrie. Anschliessend gab es im Saal Metropol ein ausgedehntes Festessen für die hohen Politiker ehe sie sich “auf eine ständig fröhlichere Fahrt über Beles, Differdingen, Niederkerschen nach Petingen begaben”.
Die Trambahn in Differdingen
Hier fuhr sie wie gesagt eine Schleife durch Grosstrasse - Roosevelt - Bergstrasse zurück zur Hauptstrecke. Diese lokale Linie wurde jedoch 1931 bereits eingestellt. Viel Geschick vom Fahrer erforderte die abschüssige Strecke von Differdingen durch die enge Kurve am damaligen Spital hindurch zum Marktplatz in Niederkorn. Am 24. Oktober 1941 km dann was kommen musste: Die Triebwagen kippte mit dem Anhänger in der Kurve beim Spital um. Die Fahrgäste mussten per Leiter aus den Wagen befreit werden. Es gab lediglich einen Armbruch bei diesem spektakulären Umfall. Erst jetzt merkte man, dass die Gleise in der Kurve sich auch noch zur falschen Seite neigten. Kleinere Unfälle gab es immer. Unser Bild: Hier legte sich ein Triebwagen mit zwei Lastwagen in der Bahnhofsstrasse (heutige Fussgängerzone)an. Jedenfalls wurde damals vom öffentlichen Transport reger Gebrauch gemacht: Das Tageblatt schreibt am 9. Mai 1928 über die Differdinger Kirmes:” Das schöne Wetter hatte viele Fremde nach Differdingen gelockt und die Strassen waren am Sonntag mit Menschen dermassen angefüllt, dass der Verkehr wirklich gehemmt war. Besonders der Tram brachte viele Fremde nach Differdingen.”
Eine Anekdote aus dem Krieg sollte man noch hinzufügen. Sie steht in dem sehr aufschlussreichen Buch “De Minettstram” von Paul Bohnert, Raymond Dhur, Jules Eck und Prosper Rauen: Das übliche Schild, das auch in der Hauptstadt beim Fahrerstand angebracht war:”il est défendu de parler au wattmann.......” wurde im Krieg ersetzt durch “Verboten mit dem Führer zu sprechen”. So trugen die “Tramsmännercher” bei ihrer Umschulung in Traben Trabach beim Punkt “Berufsbezeichnung” im Fragebogen “Führer” ein.
Differdingen hatte auch einen “Tramsschapp” und zwar in der Max-Meier-Strasse (heute rue E. Mark) dort wo sich jetzt die Gemeindebetriebe befinden. Hier konnten 4 Motorwagen untergebracht werden. Es gab auch einen kleinen Werkraum und einen Gleichrichter, der in Spitzenstunden für ausreichenden “Jus” sorgte.

Das Ende der Elektrischen.
Hatte man anfangs noch geglaubt, die Gemeinden würden durch die Trambahn über neue Einnahmen verfügen, so stellte sich rasch heraus, dass das Tramsyndikat (wie auch heute noch) unter ständigem Geldmangel litt und ohne staatliche Hilfe nicht bestehen konnte. Allerdings sträubten die Syndikatsmitglieder sich immer gegen Fahrpreiserhöhungen. Die Trambahn sollte für jeden erschwinglich bleiben. Nach dem Krieg rieten “Experten” dem Syndikat immer dringlicher, die Elektrische durch beweglichere Busse zu ersetzen. So geschah es auch: Am 13. September 1949 wurde der Betrieb zwischen Differdingen-Bahnhof und Niederkerschen eingestellt und am 4. Juli 1953 kam das Aus für die Strecke Esch-Differdingen. Die Geleise in den Strassen der Stadt blieben noch jahrelang erhalten und befinden sich heute noch zum Teil unter dem Strassenbelag.
Wer sich ausgiebig über die Geschichte des TICE erkundigen möchte, findet das reich illustrierte Buch “De Minettstram” von Paul Bohnert, Raymond Dhur, Jules Eck und Prosper Rauen herausgegeben von der Kulturkommission Dudelingen in unserer Stadbibliothek.
Auch in den Nummer 4 der “Galerie” 1982/83 findet man einen Beitrag von Paul Bohnert über die Elektrische in Differdingen.


Mine Grôven
La mine Grôven a été entièrement réaménagée par le Cigl Differdange et inaugurée le 6 juillet 2010.
Elle est diponible pour des expositions à durée limitée et ceci dans un cardre unique. La galerie fait partie du patrimoine culturel industriel de la Ville de Differdange.
Adresse : Parc Grôven
rue de Hussigny



Minières II
Wie das Erz zu Tage kam
Bei den auf der Karte eingetragenen Gruben handelt es sich um die Wichtigsten in Differdingen. Sie wurden von großen Gesellschaften wie Arbed, Hadir, Thy le Château, Providence, Ougrée-Marihaye, Angleur, Couillet, Chiers, Steinfort, Gorcy, Musson usw ausgebeutet.

Die Minette ist in verschiedenen Schichten unter der Erde vorhanden. Die verschiedenen Schichten sind auch unterschiedlich eisenhaltig. Bei uns gab es übereinander : das schwarze Lager, das graue Lager, das rote Lager, das untere rotkalkige Lager, das obere rotkalkige Lager. Jede Schicht hat einen Durchmesser von 2 bis 4 Metern. Die Schichten sind auch von sterilen Schichten voneinander getrennt. Den höchsten Eisengehalt hat die rote Schicht. Auf diesen eisenhaltigen Gesteinsschichten befindet sich eine bis 20 Meter hohe Abraum-oder Deckschicht.
Im Tagebau.
An Stellen, wo die Schichten nicht zu tief lagen, war es kostengünstiger, sie im Tagebau abzubauen. Zuerst mußte natürlich die Abraum-oder Deckschicht entfernt werden. Sie diente später zum Auffüllen. Die verschiedenen Schichten wurden dann treppenförmig freigelegt, das heisst für jede Schicht legte man eine Stufe an, worauf der Abbau vorgenommen wurde. Auch für die sterilen Zwischenschichten gab es jeweils eine Stufe. Der Abbau im Tagebau war wie gesagt kostengünstiger und bot dem Bergarbeiter viel mehr Sicherheit, als der Stollenabbau. Ausserdem kam man viel besser an dünne oder an versteckt liegende Schichten heran. Der grosse Nachteil war jedoch die schreckliche Zerklüftung der Landschaft, die damals wohl die wenigsten kümmerte, denn hier ging es um den Reichtum des Landes. Heute nach über 30 Jahren hat die Natur die Tagebaugebiete zurückerobert und es entstand eine sehr interessante Pionierfauna–und Flora, die man jedoch schützen muss, weil es sonst zu einer regelrechten Verbuschung dieser Gebiete kommen würde. Größtes und schönstes frühere Tagebaugebiet ist der « giele Botter » in Niederkorn, wo auf einem geologischen Wanderweg mit Schautafeln auf das frühere Abbau des Erzes hingewiesen wird. (Zugang am Wasserbehälter rue Titelberg in Niederkorn).
Unter Tage.
Da wo die Abraumschicht zu hoch war und die abbaufähigen Lager zu tief, wurde mit Stollen gearbeitet und zwar vom Abhang aus. Die Stollen wurden waagerecht in die verschiedenen Schichten hineingetrieben und folgten ihnen. Dabei musste man darauf achten, dass der Gang keine falsche Neigung erhielt, damit das Wasser sich nicht dort sammeln konnte. Zuerst wurde der Hauptgang in den Berg gehauen und zwar bis zum Ende der Konzession. Von ihm aus trieb man die Sekundärstrecken in einem gewissen Winkel in das Gestein. Haupt-und Sekundärstrecken dienten dem Erztransport, dem Personentransport, der Belüftung und Wasserabführung. Zu den Sekundärstrecken wurden dann Parallellstrecken angelegt von welchen dann die Abbaustrecken abzweigten. Der Vorteil dieser zusätzlichen Parallellstrecke war, dass man sie gefahrlos benutzen konnte, vor allem aber, half sie die Gänge gut zu durchlüften. Die Abbaustrecken folgten dem Minette-Lager so auf 80 bis 100 Metern. War man am Ende angelangt, wurde durch Sprengung die « piles » d.h die Wände zwischen den Abbaustrecken zum Einsturz gebracht, worauf das gesamte « Dach » einstürzte. (Pfeilerrückbau oder « dépilage »). Auf diese Weise verringerte sich das Gewicht des Berges auf den Rest der Grube. Der zusammengestürzte Gang selber wurde mit einem aufgehängten Holzkreuz gezeichnet und hiess dann « alter Mann ». Klar, dass so ein Zusammmenbruch sich oft bis an die Oberfläche bemerkbar machte. Daher auch die vielen klaffenden Erdspalten auf dem “Berg“. Eine ausschlaggebende Rolle beim Stollenbau spielte der Grubengeometer oder Markscheide, der die Richtung genau vermessen mußte.
Grube Grand-Bois Lasauvage:

Salle des fêtes Lasauvage
La salle des fêtes se situe à la cave de l'école primaire de Lasauvage. Cette salle est utilisée lors de diverses manifestations culturelles. L'école nature se trouve également dans ce bâtiment.
Adresse :
Ecole Lasauvage
place Saintignon
L-4698 Lasauvage


Accès :
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Galerie en plein air
«Galerie en Plein air» est le nom donné aux expositions itinérantes sur 16 panneaux de grand format (3x4 mètres) situés à travers toute la ville.


La salle des pendus
Jusqu'à 1972 ce bâtiment a servi comme vestiaire pour les ouvriers des mines de Lasauvage. Les mineurs mettaient leurs vêtements sur un crochet et tiraient la chaîne sous le plafond.

La «Salle des pendus» au carreau de la mine à Lasauvage étoffe l’offre de lieux d’expositions.
L’ancien vestiaire de mineur offre une surface modeste, mais un cadre unique, parfait pour des expositions de petite envergure et leur confère une atmosphère très spéciale.


Accès :
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Le Hall Paul Wurth au Fond-de-Gras
La centrale électrique de la société Paul Wurth construite en 1913 à Luxembourg approvisionne à l'époque les différents ateliers en courant alternatif et en courant continu. Le hall a les caractéristiques architecturales de l'époque: ossature métallique en treillis avec maçonnerie en brique des long-pans et des pignons. L'installation est constituée d'une machine à vapeur à deux cylindres du constructeur "La Coyère Belgique“, d'une génératrice de courant continu de 250 V de la société AEG, ainsi que d'un groupe convertisseur de 5.000 V / 250 V des "Constructions électriques de Belgique/Liège“.
La centrale électrique a pu être conservée en étant démontée et transférée de l'usine Hollerich au Fond-de-Gras où elle peut être visitée aujourd'hui. De temps en temps, elle est utilisée pour des manifestations notamment à caractère culturel.

De nombreuses expositions prestigieuses de photographies ont déjà été présentées au Hall Paul Wurth. Chaque été, l’administration communale présente une grande exposition de photographie internationale dans ce bâtiment industriel et attire de nombreux visiteurs dans cet espace d’exposition très original.

Accès :
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Le centre Noppeney
Adresse : Centre Noppeney, rue de Belvaux
L-4510 Differdange
Téléphone : 58 40 34 - 1

La Galerie d’art municipale Marcel Noppeney d’Oberkorn donne l’occasion à tout artiste de présenter ses créations. Les personnes intéressées sont priées de faire une demande avec un dossier présentant l’artiste et son œuvre auprès du Service Culturel.


Accès :
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Symposium des sculptures
Un symposium biannuel de sculpture est organisé dans le parc communal durant la semaine de la Pentecôte. Les sculpteurs sélectionnés travaillent sous les yeux des passants dans le parc Gerlache.
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Le marché hebdomadaire
La Ville de Differdange, en collaboration avec son Comité des Fêtes, a pris l'initiative de réorganiser son marché hebdomadaire et ceci depuis le 3 juin 2010. Depuis, le marché hebdomadaire n'a plus lieu les mercredis et samedis matins, mais uniquement les jeudis après-midis de 14h30 à 18h30. Ainsi, dorénavant un large éventail de produits frais est proposé : fruits et légumes, fleurs, produits laitiers, huiles, épices, biscuits, miel, charcuterie, fromages, pâtes et spécialités italiennes, de la Provence, grecques, des produits nationaux, etc. Au bout des courses, accordez-vous une petite pause sur une des nombreuses terrasses, savourez une bonne glace ou flânez tout simplement à travers le Parc Gerlache, où des activités pour enfants sont d’ailleurs proposées les après-midis scolaires libres. Bref, une visite à Differdange, sur et autour de sa belle place du Marché s’impose un de ces jeudis ! Alors, à bientôt ?
Plus de stands, plus de choix....., visitez le nouveau marché hebdomadaire.





Parc de Gerlache
Depuis le réaménagement du parc mis en œuvre dans le cadre de la revalorisation du centre-ville, ce poumon vert de la Ville de Differdange constitue un véritable centre de rencontre et de détente pour toute la famille. Récemment le gazon vient d’être renouvelé et de nouvelles plantations ont été posées, des investissements qui en disent long sur l’importance qu’accordent les décideurs politiques à cet espace vert. Les aires de jeux modernes font le bonheur des enfants. Des endroits plus tranquilles invitent à la détente et offrent des moments d’évasion. Le parc offre un lieu de pause idéal grâce aux petits bancs et aux allées simples qui respectent bien le milieu urbain. Pour toutes les générations, le parc est un lieu de rencontre. Le parc est aussi utilisé à des fins culturelles. Ainsi, chaque année, le service culturel de la ville y organise des concerts classiques à ciel ouvert. On peut dire que c’est ici que bat le cœur du centre-ville de Differdange par beau temps, comme l’illustrent à merveille nos différentes prise de vue. Donc, si vous êtes en quête d’une bouffée d’oxygène, c’est l’endroit idéal pour petits grands.




Minières I
Als man die "rote Erde" noch zu Geld machte
Am 6. Juli 2010 wurde der restaurierte Eingang der früheren Mine "Grôven" in der Nähe der rue de Hussigny eingeweiht. Der CIGL (Centre d’Initiative et de Gestion Locales) ist mit Hilfe der Gemeindeverwaltung dabei, hier eine Art Dokumentationszentrum über den früheren Untertagebau in Differdingen zu schaffen. Wir wollen in den nächsten Beiträgen der "Geschichtskëscht" auf die Eisenerzförderung in Differdingen eingehen, die ihr Ende am ersten Dezember 1981 fand, als die letzte Grube im Land, nämlich der Differdinger "Thillebierg" definitiv geschlossen wurde.
Die Grube "Grôven", welche nicht weit entfernt vom Thillenberg liegt, stellte den Betrieb allerdings bereits im November 1957 ein.
Vom hochprozentigen Wiesen-und Bohnenerz zum armen Minettegestein
Das Bohnerz wurde bereits seit 1623 im Lasauvager Hütten-und Hammerwek verarbeitet. Die Bauern sammelten die Eisenknollen auf den Aeckern und Wiesen oder gruben Trichter in die Erde, wo es sich ansammelte. Man kann es heute noch finden, wenn man bespielsweise vom Spielplatz in Niederkorn oben in der rue de Longwy über das Feld parallell zur Straße Richtung "Roudenhaff" wandert. Es war bis zu 75% eisenhaltig. Verhüttet wurde es mit Hilfe von Holzkohle, welche in den angrenzenden Wäldern gewonnen wurde mit dem Resultat, dass sich die Wälder um Lasauvage auf beängstigende Weise lichteten. Das augegrabene Bohnerz war natürlich lehmverschmiert und mußte gewaschen werden. Das geschah in Erzwäschereien, wo der Lehm sich in grossen Bottichen absetzte. Eine solche Erzwäscherei gab es beispielsweise in Niederkorn oben in der “Hiel“. Das herabfliessende Lehmwasser verschmutzte alles Darunterliegende zum Leidwesen des Müllers Werner, dessen Bach regelmässig verstopfte.
So um 1842 fand man heraus, dass der rote "Backofenstein" im Süden des Landes eisenhaltig war, allerdings höchstens zu 20 - 30%. Daher auch der Name “Minette” d.h. “kleines“, also minderwertiges Erz. Dieses “oolithische Erz” war stark phosphorhaltig, wodurch nur ein brüchiges Eisen daraus gewonnen werden konnte. Durch das Thomasverfahren konnte später der Phosphor gebunden werden. Unsere “Minette”-Erdschicht ist ein Teil des großen länderübergreifenden Erzbassins. Frankreich besitzt davon 96.000 ha. Luxemburg 3.740 ha und Belgien 260 ha. Der Vorteil dieses armen Gesteins war jedoch auch, dass es in grossen Mengen vorhanden war und daher eine groß angelegte Ausbeute erlaubte. Darüber hinaus konnte durch die Zugehörigkeit Luxemburgs zum deutschen Zollverein Eisen und Eisenerz im Ausland verkauft werden und die Kohle, die es hier nicht gab eingeführt werden.
Der Streit um die Konzessionen.
Bei der Ausbeutung stellte sich natürlich die Besitzerfrage, denn es ging ja um viel Geld. Wie tief reicht der Besitz einer Erdparzelle? Der Staat fand darauf eine Antwort in Form der Konzessionsgesetze. Am 15. März 1870 stimmte die Kammer der Abgeordneten das Gesetz, das noch für etliche Unruhe in Differdingen sorgen sollte: Im Kanton Esch wurden die Erzfelder in Gelände rechts der Alzette und Gelände links der Alzette aufgeteilt. Rechts der Alzette vergab der Staat Konzessionen, wenn die obere Deckschicht 6 Meter übertraf, links der Alzette, wenn die Deckschicht (Abraumschicht) eine Höhe von 24 Metern übertraf, was für Differdingen der Fall war. Bei weniger, als 6 respektiv 24 Metern konnte der Landbesitzer selber die Ausbeutung unter-oder oberirdisch übernehmen, das heißt das Gelände war konzessionsfrei. Der Staat vergab die Konzessionen selbstverständlich gegen Bezahlung. Den Eisenbahngesellschaften überließ er an die 700 ha Konzessionen, welche diese weiter vergaben und so die benötigten finanziellen Mittel zum Bau der Linien erhielten, was wiederum dem Bergbau zugute kam. Fahrgäste der Eisenbahnlinie Petingen – Esch (früher Prinz Heinrich) wundern sich immer wieder darüber, dass die Linie zwischen Differdingen und Belval einen grossen Bogen am Berghang entlang macht, anstatt geradewegs Richtung Esch zu führen. Beim Bau dieser Strecke ging es weniger um die Fahrgäste, sondern eher um die abgebaute “Minette” an den Berghängen. Gesetzlich wurde festgelegt, dass das Erz im Land verhüttet werden soll, was zum Bau der vielen Schmelzen im Süden führte.
Streit gab es mit der Gemeinde Differdingen und anderen Privateigentümern über die Auslegung des Konzessionsgesetzes. Es kam nämlich darauf an, von welcher tiefbaufähigen Schicht man ausging, um die 24 Meter zu bestimmen. Bei der Auslegung der Gemeinde wäre man auf eine Fläche von 515 ha freies Gelände gekommen und 698 ha konzessionspflichtiges Gelände. Nach Auslegung des Staates blieben jedoch nur 234 ha freies Gelände für Gemeinde und Privatbesitzer und 979,5 ha für den Staat. Gemeinde und Privatbesitzer würden also 281 ha verlieren. Die jahrelangen Prozesse verlor die Gemeinde. Dass der Staat ohne Einwilligung der Besitzer über das konzessionsfähige Gelände verfügen durfte, löste einen Sturm der Entrüstung in Differdingen aus. Allerdings musste der Ausbeuter eine Entschädigung an den Besitzer des darüber liegenden Geländes bezahlen (Goergen-Jacoby). Durch Gesetz vom 12. Juni 1874 (Art. 3)wurde die Entschädigung auf 5% des Ertrages des Staates festgesetzt.

Klouschter an Schlässer
D’Wahrzeechen vun Déifferdang
D’Gléckrad bleiwt beim Klouschter hänken, da beim Schlass a beim Gerlache-Schlass
Déifferdang gëtt fir d’éischt ernimmt an engem Schenkungsakt vum Mee 1235. Mat deem Akt vermécht den Alexander vun Zolwer de Schwesteren vun der Abtei Fontaine-Marie, déi e just gegrënnt hat en Haus, eng Millen an e Weier. Dat Klouschter gouw datselwecht Joer dem Orden vun den Zisterzienserinnen zougesprach. An sengem Testament iwerléist den Alexander vun Zolwer de Schwësteren vun « Differtingen » och eng Zomm vun 500 « livres ». Fontaine-Marie woar e grousst Klouschter,mat villen Dependenzien ronderem. Et ass haaptsächlech vun den Hären vun Zolwer gefördert ginn. Just nach hiert Haus fir d’Gäscht vum Klouschter ass Rescht bliwen, mämlech deen alen Deel vum heitegen Pflegeheim, dem alen Déifferdanger Spedol. D’Klouschter ass wéi esou vill anerer 1797 an der franzéischer Revolutioun opgeléist ginn. Durno hu räich Leit dra gewunnt. Dee leschten deen dra gewunnt huet, woar den Notaire Ed Reiffers. Am Joer 1929 huet d’Gemeng ënner dem Buergermeeschter Emil Mark et kaaft, fir dat éischt Déifferdanger Spëdol drann anzeriten. D’Gemeng huet et 1981 un de Staat verkaaft, deen doraus e Pflegeheim gemaacht huet.
En anert interessant Gebai, wat bis op den Ursprung vun eiser Stad zréckgeet ass d’Déifferdanger Schlass. Et ass schwéier ze soen, wéini dass et gebaut ginn ass. Et gëtt awer déi So vun der Fra vum Ritter vum Zolwerknapp, deen vum Tara geschloe ginn ass an deem seng Fra d’Erlaabnis vun deem Raubritter kritt huet, fir hire Mann ob dem Bockel souwäit ze droen, wéi et geet. Do kënnten se en neit Schlass opriten. D’Fra huet hire Mann op den Halsebockel geholl an den Iesel mat de Wertsaachen aus dem Schloss virun sech gedriwen. An engem Morast ass den Iesel ënnergaang an d’Fra konnt hire Mann nach just op en Hiwwel eropschleefen. Do ass dunn hiert neit Schlass opgerit ginn, nämlech dat heitegt Déifferdanger Schlass.
Deen éischte Schlasshär woar de Wilhelm, e Brudder vum Här vun Zolwer. Esou steet et an engem alen Dokument vun 1310. 1400 ass d’Rittergeschlecht ausgestuerwen, Wéi dunn nach d’Buerg vun Zolwer 1552 verbrannt ass, hunn sech déi Zolwer Hären definitiv zu Déifferdang an hirem Schlass etabléiert. Verschidden Adleger hunn an de Joren durno dra gewunnt. Schliesslech koum et ufanks 1900 an de Besëtz vun der « Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks-und Hütten-Aktiengesellschaft », déi et als Casino fir Réceptiounen an als Gaaschthaus fir hire Besuch benotzt huet, Dat huet och d’HADIR gemaach an d’Arbed, bis d’Schlass dunn 1997 un d’Miami-University verlount ginn ass déi zanterhir do all Joer amerikanesch Studenten empfängt.
Et gouw awer nach en zweet Schlass zu Déifferdang an zwar d’Gerlache-Schlass. Do wou et stoung ass haut de Stadpark, deen jo och nach « Gerlache-Park » genannt gëtt. Dat Schlass ass wahrscheinlech am 16ten Jorhonnert gebaut ginn. Dee leschten, deen dra gewunnt huet woar den Alexandre de Gerlache de Waillimont mat senger Fra Louisa- Marie-Sidonie Ablay an hir 6 Kanner. Den Alexandre de Gerlache huet eng wichteg Roll an der Gemeng gespillt. Hien huet d’ »Société Anonyme des Hauts-fourneaux de Differdange » gegrënnt, déi d’Schmelz am Joer 1996 gebaut huet. Den De Gerlache woar Präsident vun der Gesellschaft an och Deputéierten. Wéi d’Schmelz am Joer 1900 an zolitt finanziell Schwieregkeete geroden ass, huet den de Gerlache de Verwaltungsrot verlooss. Am Joer 1908 ass e gestuerwen. En hat knapps 49 Joer. Seng Famill ass an d’Belsch geplënnert, wou d’Gerlachen hirstamen an d’Schlass ass eidel stoe bliwen. Am Ufank huet nach e Wiechter dra gewunnt. Durno ass et komplett verkomm. Dobäi hat den Alexandre et nach 1908 sou schéin renovéiert. Eréischt am Joer 1920 huet d’Gemeng d’Schlass an de grousse Park vun den Ierwen vum Alexandre de Gerlache ofkaaft, vrun allem fir onbedéngt noutwennegen Wunnraum ze schafen. D’Schlass gouw ouni weideres ofgerappt an een Deel vum Park gouw als neie Stadpark amenagéiert, nodeems de Stadpark op « Grouwen » duerch d’Galerien agefall ass an net méi ze gebrauche woar.
De Buergermeeschter Emil Mark hat op enger Rees vun der Stadmusek zu Interlaken eng Blummenauer gesinn. Déi huet him onheemlech gefall. En huet dofir gesuergt, dass esou eng Blummenauer an deen neie Stadpark komm ass. Den Auermécher Jean Schwickerath huet d’Auerwierk gebaut, dat deemools nach huet missen vun Zäit zu Zäit opgezu ginn. 1935 koum och den Zwerg derbäi, deen a séngem Pavillon all Véierelstonn mat séngem Himmerchen un d’Klacke geschloen huet. Et gëtt gesot, dass den Zwerg fir d’éischt gelaut huet, wéi de Buergermeschter Emil Mark den 22. Mee 1935 begruewe ginn ass.
Eier d’Schmelz gebaut ginn ass. Huet Déifferdang nach ganz anescht ausgesinn :
De Lucien Marc schreiwt an sengem Artikel : « Als die Schlote noch nicht rauchten » :
Virliesen Synd. D’Init. 1936 S.114
Gerlache
Als es in Differdingen zwei Schlösser gab.
Das Differdinger Schloss ist bekannt. In seinen Mauern befindet jetzt die “Miami University”. Es gab jedoch ein zweites Schloss unterhalb, das leider in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verschwand. Es befand sich an der Stelle des heutigen Stadtparks, der ja auch noch “Gerlache”-Park genannt wird. Weshalb “Gerlache”-Park? Weil hier das “Gerlache”-Schloss stand. Weshalb “Gerlache”-Schloss? Weil die letzte Familie, die es besass: “de Gerlache” hiess. Alexandre de Gerlache de Waillimont, seine Gattin Louisa-Marie-Sidonie Ablay und ihre sechs Kindern waren die letzten Bewohner des Schlosses, dessen Ursprung bis ins 16te Jahrhundert zurückreichte. Alexandre de Gerlache spielte eine sehr wichtige Rolle in Differdingen: Er war sozusagen der Gründer der Differdinger Schmelz. Er war Besitzer einer Eisenerzgrube in Oberkorn. Seine Absicht war es das gewonnene Eisenerz an Ort und Stelle zu verhütten. Das führte am 12. März 1896 zur Gründung der “Société anonyme des Hauts-founeaux” de Differdange, welche sich sofort an die Arbeit machte und die Differdinger Schmelz errichtete. Alexandre de Gerlache war Präsident des Verwaltungsrates und auch Abgeordneter in der Luxemburger Kammer. Die Wirtschaftskrise von 1900 traf das eben in Betrieb genommene Werk heftig. Alexandre de Gerlache schied aus dem Verwaltungsrat aus. Im Jahre 1908 verstarb er 49.jährig in seinem Schloss in Differdingen.

Seine Familie zog nach Belgien. Nun begann die lange Agonie des Schlosses. Differdingen, das ja im Jahre 1907 den Titel einer “Stadt” erhielt, vergrösserte sich explosionsartig und brauchte unbedingt Bauland. Nach und nach kauften Unternehmer den Erben der de Gerlache die umliegenden ausgedehnten Liegenschaften des Schlosses ab und bebauten sie. Das Schloss selber blieb leer. Lediglich ein Wächter wohnte darin. Mein Vater, der im ersten Weltkrieg in Differdingen zur Schule ging erzählte uns, dass die Mauern um das Schloss oben mit Glasscherben bestückt waren . Das hinderte die Lausbuben jedoch nicht daran, darüber zu klettern und “Hondsäësch” im verwilderten Park zu klauen. Sie wurden dann regelmässig vom Wächter, einem Invaliden verjagt. Später hausten Truppenteile der Deutschen und dann der Amerikaner darin. Der Verfall des Schlosses zog sich bis 1920 dahin. In dem Moment kaufte die Differdinger Gemeinde unter Bürgermeister Emile Mark den Erben das Schloss und den Park ab. Leider verkannte man damals den kulturellen Wert der Gebäude. Es musste Neues her! Das Schloss wurde ohne Zögern der Gemeinderatsmitglieder abgerissen, um weiteren Bauplätzen Platz zu machen. Auf dem 1,70 ha grossen Anwesen, entstanden drei neue Strassen. In der Mitte blieb der 85 Ar grosse Park, den die Gemeindeväter als Stadtpark anlegten..

Lucien Marc beschreibt in seinem Beitrag“Als die Schlote noch nicht rauchten..” im Heft des “Syndicat d’Initiative” von 1937 die Lage des “Gerlache”-Schlosses :”In der heutigen Bahnhofsstrasse (heute av. de la Liberté Fussgängerzone) waren die Häuser Logelin (Tréis Hans) und Mark (a Schaussen, das Haus des Bürgermeisters Emile Mark) und an der Grossstrassenecke das Haus, in dem Notar Noppeney bewohnte. Rechts lief den Weg entlang die Umfassungsmauer des Schlosses der de Gerlache (heute r. Ad. Krieps), die einerseits in die Poststrasse, andererseits an der heutigen Max-Meier-Strasse (heute: r. E. Mark) entlang bis zur Bahn reichte. Den Abschluss dieser Besitzung bildete im Hintergrunde der Eisenbahndamm. Der Eingang zum Park war ungefähr in der Gegend des Pavillons, das Schloss etwa rechts vom Parkteich (heute verschwunden) und die Wirtschaftsgebäude reichten bis in die Nähe der “Chaussée” (heute Fussgängerzone av de la Liberté) dem Teil der Bahnhofsstrasse die zum Marktplatz führt. Von den alten Bäumen des Parks sind einige nunmehr erhalten und zeugen von der altehrwürdigen Parkherrlichkeit...”
Heute käme es keinem Gemeindeverantwortlichen mehr in den Sinn, ein so schönes Schloss, das von Alexandre de Gerlache, im Jahre 1900 komplett renoviert worden war dem Verfall preiszugeben um es dann 20 Jahre später abzureissen.
Armand Logelin hat sich eingehend mit den Familien Du Rieux und de Gerlache und dem Schloss in den Nummern 9 und 10 des “Korspronk” der Differdinger Geschichtsfreunde beschäftigt. Die beiden Bände befinden sich auch in der Gemeindebibliothek.
r. fleischhauer
Die Blumenuhr
Ein Zwerg feiert Geburtstag
Zu Differdingen gehören drei Wahrzeichen, die man auf Plakaten, Briefköpfen, Briefmarken, Vereinsbroschüen usw immer wieder begegnet: der Differdinger Greyträger, das Schloss und die im Land wohl einmalige Blumenuhr im Park.
Im “Déifferdanger Magazin” haben wir über das Gerlache-Schloss berichtet und dass aus dem Schlosspark ein Stadtpark wurde. Das war im Jahr 1920. Der Architekt Traus entwarf damals im Auftrag der Gemeinde den Plan des Stadtparks. Der Plan wurde vom Geheimrat Stübben mit einigen Aenderungen an den Gemeinderat empfohlen.

Die Idee einer Blumenuhr stammt vom Bürgermeister Emil Mark , der eine solche in Interlaken gesehen hatte, als er mit der Differdinger Stadtmusik anfangs der Dreissiger zu einem Austauschkonzert dort weilte. Der geeignete Platz dafür war der im Jahr 1925 eingeweihte Stadtpark im Zentrum von Differdingen. Die Aufziehmechanik der neuen Blumenuhr entwarf damals Jean Schwickerath, der Grossvater des letzten Inhabers des Uhrengeschäftes in Differdingen. Die Gemeindebetriebe sorgten für die Fertigung der Bauteile, wobei besonders der Name von Camille Specht aus Oberkorn zu erwähnen ist. Die Uhr war im Jahre 1933 fertig. “Père” Schwickerath sorgte Zeit seines Lebens für sein “Uehrche”, stieg täglich zum Räderwerk hinunter, um es zu kontrollieren und aufzuziehen, wobei er diesem etwaige Mucken sofort austrieb. Erst viel später nach dem Krieg wurde das Aufziehwerk durch ein elektrisches Werk ersetzt, das vom Gemendebetrieb instand gehalten wird.

Seit 1933 machen sich die Gemeindebetriebe eine Ehre daraus, die Uhr jedes Jahr nach einem anderen Muster zu bepflanzen. Der Plan zur Bepflanzung wird während des Winters ausgearbeitet. 1.200 Pflanzen finden bei der provisorischen Bepflanzung zu Ostern auf dem Zifferblatt von 9 Meter Durchmesser Platz. Im Sommer, wenn auch die Ziffern aus Blumen bestehen sorgen 12.000 Pflänzlinge für ihre Pracht. Sehr teuer und für die Gärtnerei frustrierend ist allerdings der Vandalismus, der beständig an der Uhr festzustellen ist. Nur während des Krieges nämlich von 1942 - 1945 durfte die Uhr auf Anordnung des Besatzers nicht bepflanzt werden. Die Stadtgärtner hatten Gemüse zu züchten, keine Blumen. Der damalige Stadtgärtner Jean Uhres brachte es jedoch fertig, über drei Jahre hinweg die Pflänzlinge in der Stadtgärtnerei zu hegen und zu pflegen, so dass die Blumenuhr 1945 gleich wieder ihrem Namen gerecht werden konnte.
1933 gab es noch keinen Zwerg und kein Geläute. Das Schlagwerk, der Zwerg und seine Behausung wurden erst 2 Jahre später, also 1935 fertig . Im vergangenen Jahr wurde der Zwerg also 70 Jahre alt. Von Rente spricht allerdings noch niemand. Im Gegenteil, man hat ihm zu seinem Siebzigten eine neue Luxuswohnung mit Kupferdach und Beleuchtung geschenkt und ihn selbst wieder auf Hochglanz gebracht.
So wie man erzählt läutete er zum ersten Mal, als Bürgermeister Emil Mark am 22. Mai 1935 zu Grabe getragen wurde. Seine erste Aufgabe war also das Totengeläute für den Mann, dem er sein Dasein verdankte.

Während der fünfziger Jahre funktionierte in der Pagode des Zwergs ein Apostrelreigen, der sich zu jeder Stunde drehte. Er fiel damals dem Vandalismus zum Opfer und wurde nicht mehr erneuert, so dass der Zwerg wieder allein sein Stundenwerk verrichten musste.
Der Zwerg selber verschwand zweimal. Zuletzt in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1982 nach der Finale der Fussballweltmeisterschaft, als unsere italienischen Mitbürger und auch manche Luxemburger ausser Rand und Band gerieten. Ein Differdinger, der es dem Vernehmen nach, schon einmal vorher versucht hatte, entführte den Zwerg. Lange fahndete man nach ihm. Eine Lösegeldforderung gab es nicht. Am 14. September desselben Jahres schliesslich tauchte er auf einen anonymen Anruf bei der Polizei hin wieder auf. Sein Gefängnis war wie bekannt wurde ein dunkler Kleiderschrank irgendwo in Differdingen. So eine Blumenuhr mit Zwerg würde vielleicht heute nicht mehr in ein modernes Konzept von Parklandschaftsanlagekunst passen, aber man muss sich einfach bewusst sein, dass die Blumenuhr zu Differdingen gehört wie das Amen zum Gebet. Hoffen wir, dass sich in Zukunft niemand daran vergreifen wird.
Streetfestival
STREETFESTIVAL
Zone piétonne Differdange
À l’occasion de l’inauguration de la zone piétonne en plein centre-ville à Differdange, la Ville de Differdange et son Comité des Fêtes ont eu l’honneur de présenter le premier STREETFESTIVAL en 2004. Suite au grand succès dès la première édition, le festival a été intégré dans le calendrier annuel.
Pendant ces soirées, des groupes professionnels de tout genre se défoulent sur scène pour offrir des moments inoubliables aux visiteurs. Une bonne vingtaine de stands culinaires encadrent cet événement d’envergure.
Toutes les attractions prévues dans le cadre du « Streetfestival » sont entièrement gratuites. De la bonne musique, de la joie et de la bonne humeur, des jeunes et des moins jeunes, à boire et à manger pour tous les goûts…
Il reste à noter que le « Diffbus » circule gratuitement sur les lignes habituelles jusque 3h30 du matin.
Minièresbunn
L'association M.B.D
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La MMR-A (Minières et métallurgie de Rodange - Athus) exploitait le minerai de fer dans leurs concessions entre Niedercorn, Lasauvage et Rodange jusqu'à la fermeture de la mine en hiver 1977/78. À cause de sa faible teneur en fer (max.36%) ce minerai était appelé minette. Pour autant que possible toutes les voies et le trolley étaint déposés après la fermeture.
 En 1990 fut fondée l'association sans but lucratif "Minièresbunn Doihl" (Doihl est le nom du lieu-dit où se trouve le carreau principal de la mine). D'abord une nouvelle voie était construite de Fond-de-Gras à Doihl, ensuite la voie qui emprunte la galerie de roulage principale entre Doihl et Lasauvage était posée. Le service touristique débutait avec une locomotive (No10) et un wagon. Au début la galerie ne pouvait pas être parcourue sur toute sa longueur. Les trains devaient faire demi-tour à hauteur de l'actuel "atelier-fond". Au fil des années les trains atteignaient le carreau de Lasauvage, plus tard Saulnes (F) et Lasauvage-église. Quelques centaines de mètres de galerie ont été aménagés pour permettre des visites à l'intérieur de la mine.
Beaucoup de travaux sont réalisés pendant les weekends d'hiver par l'équipe de la Minièresbunn. (nouvel éclairage à l'atelier-fond, remise en service d'un transformateur et d'un redresseur qui approvisionnent le trolley, révision, réparation et restauration de matériel roulant, prolongation des voies de garage ...). Depuis 2007 l'association est aidée substantiellement par une équipe de Proactif, qui a réalisé une grande partie des travaux sur la ligne vers Lasauvage-église (assainissement de l'assiette de la voie, pose de la voie, restauration des aiguillages ...).
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Ancienne gare “artistique”
Les trains ont laissé la place aux chevalets et aux toiles, le chef de gare est remplacé par des photographes. L'ancienne gare de Differdange est devenue un lieu dévolu à l'art.
Des ateliers artistiques y ont été installés. Ainsi, l'association L'Art Vivant, qui ne disposait d'aucun local, y a été installée. Au même titre que le Photo-Club, dont les anciens locaux ont dû être abandonnés après un incendie.
Adresse : rue du Rail Differdange

Foire aux saveurs
La Ville de Differdange, sa Commission de l’environnement et sa Commission sociale ont organisé la troisième «Foire aux saveurs», laquelle a eu lieu le 26 et 27 juin 2010 sur la place du Marché à Differdange.
L’objectif principal de cette foire a été de sensibiliser l’ensemble de la population vers l’apprentissage d’une consommation réfléchie et d’une alimentation saine et équilibrée, choisir ses produits en toute connaissance de cause et revoir les préjugés de prix envers les produits bio.

Les plus de 40 exposants de produits biologiques, ainsi que les stands d’information à la santé alimentaire, ont fourni des informations utiles et essentielles. Le «Show-cooking» des chefs de cuisine professionnels, qui a été retransmis sur écran géant, a connu un grand succès.
Un rallye gastronomique pédestre de plus ou moins 6 kilomètres a été organisé. Il a permis aux participants de découvrir la Ville de Differdange à travers ses sites verdoyants, tout en dégustant par étapes un long menu préparé par des restaurateurs locaux. Le menu tout compris était composé d'un apéritif, d'une entrée, de deux plats, d'un dessert ainsi que des boissons.
www.foire-aux-saveurs.lu

Ateliers pour artistes à louer
Afin de soutenir les jeunes artistes, la Ville de Differdange lance un nouveau projet! L’administration communale met à disposition des personnes intéressées des ateliers de différentes dimensions à loyer modéré.
Un dossier présentant le travail de l’artiste est à adresser par courrier au:
Service culturel de la Ville de Differdange
c/o Tania Brugnoni
B.P. 12
L-4501 Differdange
Tél.: +352 58 77 1 - 1904
Fax.: +352 58 40 34 - 229
E-mail: Tania Brugnoni
Centre de gymnastique - Oberkorn
Inauguré le 22 janvier 2009, le nouveau Centre de gymnastique à Oberkorn a largement contribué à une augmentation de la qualité d’entraînement de nos quatre clubs de gymnastique. En effet les anciennes installations empêchaient une formation adéquate de nos jeunes gymnastes artistiques. Dès la mise en service du complexe sportif, les clubs ont pu enregistrer un nombre impressionnant de nouveaux membres.
Adresse :
avenue du Parc des Sports
Oberkorn
Tél: 58 77 1 -
Les infrastructures sportives de la commune
Consciente de l’importance du sport comme source de bien-être pour tous ceux qui le pratiquent, la Ville de Differdange offre de nombreuses possibilités pour profiter de structures sportives de qualité. La commune s’évertue à constamment les moderniser, voire à en bâtir de nouvelles, comme le parc des sports à Oberkorn incluant une nouvelle piscine, un centre de fitness et de wellness, un nouveau stade de football avec trois terrains de jeu et d'entraînement. Le futur hall sportif intégré au projet d’agrandissement de l’école Fousbann ainsi que le nouveau centre pour le tennis, le badminton ou le squash, représentent quant à eux une partie des infrastructures qui assureront l’avenir du sport à Differdange.
Voici deux exemples concrets : (Cliquez sur les images pour voir les details des projets)

Projet Aqua Sud Nouveaux terrains de football
Terrain de Dressage canin Niederkorn
Terrain d’entraînement du club «Amateurs du chien de race Differdange».
Adresse :
rue de Longwy / Bongert
Niederkorn
Tél: 58 97 50
Stade Thillenberg Differdange
Dans un cadre unique au Luxembourg le «Thillebierg» est le stade du F.C Differdange 03 pour ses matchs à domicile.
Adresse :
rue de l’Hôpital
Differdange
Tél: 58 77 1 -
Stade de tir Oberkorn
Ces installations sont utilisées par le Club «Société de tir Differdange».
Adresse :
rue des Mines
Oberkorn
Tél: 58 77 1 -
Stade de tir Jos Rodeghiero Lasauvage
Voici les installations du Club de tir CTFS Differdange.
Adresse :
um Stronk
Lasauvage
Tél: 58 77 1 -
Stade Jungers Fousbann
L’ancien terrain ASD accueille le F.C. Differdange 03.
Adresse :
rue du Stade Henri Jungers
Differdange – Fousbann
Tél: 58 77 1 -
Stade des Mineurs Lasauvage
Le terrain à Lasauvage accueille actuellement le FC Mineurs Lasauvage et le FC Commune de Differdange.
Adresse :
rue Principale
Lasauvage
Tél: 58 77 1 -
Stade Jaminet Oberkorn
Le FC Luna Oberkorn est sociétaire du terrain Jaminet.
Adresse :
um Biergwee
Oberkorn
Tél: 58 77 1 -
Stade Jos Haupert Niederkorn
Outre le terrain principal, le stade Jos Haupert dispose d’un nouveau terrain synthétique et d’un nouveau terrain d’entraînement. Le stade accueille actuellement le FC Progrès Niederkorn.
Adresse :
route de Bascharage
Niederkorn
Tél: 58 77 1 -
Terrain Synthétique Woiwer
Premier terrain synthétique de la commune de Differdange, le Woiwer accueille les clubs de football : FC Differdange 03 et CS Oberkorn.
Adresse :
rue Neuwies
Differdange - Fousbann
Tél: 58 77 1 -
Hall sportif – Ecole des garçons Niederkorn
Mis à part l'éducation sportive de l'enseignement primaire, les installations sportives sont également utilisés par Le Progrès Niederkorn en hiver, le Futsal Samba Seven, le Flic-Flac Differdange, le Club Européen, le Muay Thai Boxe et le service des sports de la commune l'utilise pour les cours de Gym douce.
Adresse :
rue Pierre Gansen
Niederkorn
Tél: 58 77 1 -
Salle de gymnastique – Ecole des Garçons Niederkorn
A côté de l’enseignement primaire, les installations sont utilisées par le Club de gymnastique La Liberté Niederkorn.
Adresse :
rue Pierre Gansen
Niederkorn
Tél: 58 77 1 -
Salle de gymnastique – Ecole Fousbann
Mis à part de l'enseignement primaire, les installations sont églament utilisés par le Fraentreff, le Tricanas, le club de gymnastique Flic-Flac Differdange et par le service des sports de la commune qui y organise les cours du Skigym.
Adresse :
place des Alliés
Differdange - Fousbann
Tél: 58 77 1 -