Emile Mark

 

 

Emile Mark :

Der richtige Mann zur rechten Zeit.

 

Während ihres 100-jährigen Bestehens als Stadt, zählte Differdingen nicht mehr als 9 Bürgermeister. Jeder davon hat in irgendeiner Weise die Stadt nachhaltig geprägt. Ausschlaggebend für das Aussehen der Stadt und für seine zum Teil wegweisenden sozialen Einrichtungen war sonder Zweifel Emile Mark, der die Geschicke der Stadt in der schwersten Zeit ihres Bestehens nämlich von 1911 bis 1935 das heißt bis zu seinem Tod leitete. Seine Nachfolger konnten  auf dem aufbauen, was unter ihm  geschaffen wurde. Dieses ganze Heft würde wahrscheinlich nicht ausreichen, um dieser schillernden Persönlichkeit einigermaßen gerecht zu werden.Wir wollen versuchen in Kurzfassung auf sein Wirken während seines 24-jährigen Amtszeit als Bürgermeister einzugehen.

 

 

Emile Mark wurde am 18. Juli 1874 in Differdingen als Sohn des Kaufmannes und späteren Bürgermeisters Mathias Mark geboren. Er absolvierte seine Mittelschulstudien in Longwy und Nancy. 1893 nahm er in Alfort seine Studien zum Tierarzt auf.  1897 schloß er diese ab und trat in den Dienst der “Compagnie générale des omnibus“ in Paris, wo er sich um die Zugpferde  der damaligen Pferdetrambahnen kümmerte. 1899 wurde er Tierarzt in Differdingen. Bereits 1906 war er in den Gemeinderat gewählt worden. 1911 wurde er schließlich Bürgermeister. 1914 wurde er zum Abgeordneten gewählt und blieb dies mit einer Unterbrechung von drei Jahren bis zu seinem Tod im Jahre 1935.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Differdingen den Stadttitel erhielt, war bekanntlich Dr Conzemius Bürgermeister. Als Oppositionspolitiker nahm ihn der junge Emile Mark des öfteren scharf ins Visier, besonders wenn es um, seiner Meinung nach, unlautere Geldgeschäfte ging. Man muß auch sagen, dass Bürgermeister Conzemius bei den riesigen Aufgaben, die sich ihm stellten, leicht überfordert war. Schon zu diesem Zeitpunkt erwies sich Emile Mark als ein Politiker, dem besonders das Soziale am Herzen lag.

 

Gleich zu Beginn seiner Bürgermeisterschaft war er einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt. Während des blutigen Italienerstreiks von 1912, bei dem er mit der Ordnungsmacht von bewaffneten Arbeitern umzingelt war, soll er dem Gendarmeriebericht zufolge den Schießbefehl gegeben haben, wobei es vier Tote gab. Dies wurde ihm hauptsächlich im Gemeinderat von der sozialistischen Gruppe und später von den Kommunisten immer wieder vorgeworfen. Besonders tragisch war dieser Vorfall für ihn, weil er, und das hat er bei den großen Streikbewegungen von 1917 und 1921 ganz klar bewiesen, stets auf der Seite der Arbeiter stand.

 

Mit Entschlossenheit und Weitblick nahm er die Herausforderung an, aus den aus allen Nähten platzenden Ortschaften eine Stadt mit einer angepassten Infrastruktur und vor allem mit neuen sozialen Einrichtungen zu schaffen. Dabei kamen ihm sein scharfer Verstand aber auch sein zum Teil berüchtigtes autoritäre Vorgehen oft zu Hilfe.

 

4 Schulgebäude wurden während seiner Amtszeit gebaut. Bereits 1915 wurden erstmal im Lande “Kinderbewahrschulen“ in sämtlichen Sektionen geschaffen. Die erste kommunale Haushaltungsschule entstand 1920. Bereits 1909 wurde ein  Schularzt –und ein Schulzahnarztdienst nebst Schulzahnklinik eingeführt. Auch hier leistete Differdingen Pionierarbeit. 1913 wurde das Werk der Ferienkolonien für Arbeiterkinder eingeführt. Sämtliche Schulen wurden zu der Zeit mit Schulbibliotheken ausgestattet. Besonders während der Hungerjahre des ersten Weltkrieges sorgte die Gemeindeverwaltung dafür, daß die Kinder beköstigt wurden.

 

Sehr bald entstand ein “Dispensaire“ für Lungenkranke, sowie eine Säuglingsberatungsstelle. Um die Hygiene zu fördern, richtete die Gemeinde in der Differdinger und Niederkorner Schule “Volksbadeanstalten“ mit Brause-und Wannenbädern ein. Sie standen auch den Schülern zur Verfügung und wurden noch bis in die 70er Jahre benützt. Die Elektrifizierung der Gemeinde wurde unter Emile Mark durchgeführt.  Das erste Differdinger Krankenhaus im früheren Zisterzienserkloster wurde am 23. Mai 1931 eingeweiht. (Vorher gab es allerdings schon das Hüttenspital in Niederkorn). Emile Mark konnte am 16. Juli 1934 noch den ersten Spatenstich zum Bau des Freiluftschwimmbades in Oberkorn vornehmen, ein Projekt, das damals seinesgleichen in der ganzen Umgegend suchte. Das Oberkorner und Niederkorner Stadion wurden gebaut. Es wurden große Turnsäle in sämtlichen Sektionen errichtet, die auch den Turnvereinen zur Verfügung standen. Der Turnunterricht in den Schulen war obligatorisch.

 

Am 29. Mai 1927 konnte die elektrische Trambahn des Südens feierlich eingeweiht werden. Präsident des Syndikats war Emile Mark, der sich in den Jahren vorher auch für dieses Werk eingesetzt hatte. Auch der Gerlache-Park mit der berühmten Blumenuhr war sein Werk.

 

Ein grösseres Kapitel müßte seiner Rolle als Landespolitiker gewidmet werden. Von seinen Kontakten mit Linkspolitikern in Frankreich während seiner Studienjahre vorbelastet, war er sozusagen die Personfizierung  des sogenannten “Linksblocks“ in der Kammer der Abgeordneten. Dieser Block sah seine Hauptaufgabe darin, die klerikale Vorherrschaft im Lande zu brechen. Emile Mark liebte die Polemik und war bekannt für seine geschliffenen aber heftigen Stellungnahmen. Doch sein Hauptanliegen blieb stets seine Stadt Differdingen, für die er sich überall stark machte.

 

In Differdingen war “Schaußen Emil“ (da er “an der Chaussée“ wohnte, heute Fussgängerzone av de la Liberté) bekannt wie ein bunter Hund. Es gibt zahlreiche Anekdoten über ihn als Tierarzt aber vor allem als Bürgermeister und eifriger Präsident der Stadtmusik. Im Buch zum 100ten Jubiläum der Stadt Differdingen haben sich die “Amitiés Françaises“ besonders mit der Neigung des Bürgermeisters zum Französischen auseinandergesetzt. Die vollständige Biographie dieses außergewöhnlichen Menschen, dem man damals nach seinem Tode ein Denkmal im Park setzte, wäre noch zu schreiben.

 

 

Bildzeile : 16. Juli 1934 :Erster Spatenstich am Schwimmbad Oberkorn

 

 

 

 

Denkmal Emile Mark beim Parc Gerlache

 

 

 

 

 

                                                                                  r. fleischhauer

 

 

 

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