Eisenbahn

 

  

Als die Eisenbahn nach Differdingen kam.

 

 

Anfang des neunzehnten Jahrhunderts war Luxemburg ein armes Land mit sehr wenig Industrie und einer wenig erträglichen Landwirtschaft. Wirtschaftlich war das Land komplett isoliert. Es galt aus dieser oekonomischen Isolation herauszukommen, Das geschah zum Teil durch den Eintritt des Landes in den “Deutschen Zollverein” im Jahre 1842. Nun mussten internationale Verkehrsverbindungen geschaffen werden. 1845 begannen Verhandlungen über den Bau von Eisenbahnlinien mit Anschluss an das internationale Netz und 1859 fuhr der erste Zug in Luxemburg. Michel Lentz schuf damals bei der Einweihung den “Feierwon”. Die neuen Strecken verbanden die Stadt Luxemburg sternförmig mit Frankreich, Belgien und Deutschland. “Mir hunn de Wee nu fond zum éiweg grousse Völkerbond”, hiess es im “Feierwon” Dieses erste Eisenbahnnetz trug den Namen “Wilhelm-Luxemburg” zu Ehren des holländischen Königs und Grossherzogs von Luxemburg Wilhelm lll. Es wurde von der französischen “Compagnie de l’Est” verwaltet.

 

 

 

Doch bald stellte man fest, dass diese sternförmigen Linien  grosse Ortschaften des Landes nicht berührten. So plante man ein zweites ringförmiges Netz, das die Hauptlinien der “Wilhelm-Luxemburg”an mehreren Stellen berührte. Deshalb auch der Name “Gürtelbahn”. Es gab wenige, die begeistert waren, in den Bau dieses Netzes  Geld zu investieren, da man es für wenig gewinnbringend hielt. Deshalb beschloss die Regierung einem eventuellen Investor Minettkonzessionen zu übergeben, womit dieser dann den Bau und den Unterhalt der Sekundärbahn finanzieren könnte.

 

 

 

 

 

Schürfungsrechte

 


Zu dieser Zeit hatte man nämlich die eisenhaltige “Minette” im Süden entdeckt. Der Besitzer eines minetthaltigen Geländes durfte das Erz im Tagebau abbauen. Alles was tiefer lag und per “Galerie” abgebaut werden musste war konzessionspflichtig, das heisst der Staat musste die Genehmigung zum Abbau erteilen. Wer diese Schürfrechte haben wollte, musste dafür bezahlen. In der Folge gab es immer wieder Streit über die Tiefe der konzessionspflichtigen Schichten, da diese nicht präzis im Gesetz festgelegt war. Wer im Besitz einer Konzession war, durfte das Erz selber abbauen oder den Abbau an andere gegen Entgelt weitergeben.

 

 

Die Prinz Heinrich-Bahn profitiert davon.
Hier im Süden war eine belgische Gesellschaft bereit in den Bau einer Eisenbahnlinie zu investieren, die hauptsächlich dem Abtransport des Eisenerzes dienen sollte. So entstand nach vielen Traktationen und Problemen die “Société des Chemins de Fer et Minières Prince Henri”, diesmal zu Ehren des Prinzen Heinrich, des jüngeren Bruders des König-Grossherzogs. Der König hatte ihn zum Statthalter oder “Lieutenant-représentant” für das Grossherzogtum Luxemburg eingesetzt. So entstand die “Prinz-Heinrich-Bahn” deren Abkürzung “PH” an Bahnhöfen und Waggons zu finden war. Die PH erhielt vom Staat 417 ha Minett-Konzessionen in Beles und Oberkorn  die sie meist an andere Gesellschaften  weiterverkaufte. Beispiel: die Schweizer Winterthur-Gesellschaft, deren Namen mit der Strasse gleichen Namens verewigt wurde. Im Jahre 1870 erwarb die PH Gelände auf dem Differdinger Bann  und  1872 war die Strecke Esch/Alzette - Petingen fertig. Im August 1873 verkehrten die ersten Züge von Esch/Alzette über Beles, Oberkorn, Differdingen nach Petingen und zurück. Der Abtransport des Eisenerzes war wie gesagt die Hauptursache für den Bau der Linie. So konnten die Bergbaubetriebe in Beles, Oberkorn (“Bëschendall”), Differdingen (Wangert, Winterthur) und Niederkorn direkt an die Bahn angeschlossen werden. Die “Buggies” aus den Galerien wurden meist durch einen “plan incliné” zur PH-Bahn hinuntergelassen. Dabei zogen sie durch ihr Gewicht die leeren Wagen von den Bahngeleisen wieder hoch.

 

 

 

 

Hauptsächlich Erztransport

 


Da der Erztransport ihr Hauptgeschäft war baute die “Prënz Hari”  auch 1901 die Schmalspurbahn Rollesberg-Thillenberg, deren Brücke über die avenue de la Liberté eben abgerissen wurde um einem Fahrradweg Platz zu machen. Die PH baute auch 1875 die Erzlinie Fond-de-Gras-Petingen, über die jetzt der “Train 1900” fährt. Erst Jahre später wurden auch Reisende befördert. Der Bahnhof Differdingen wurde 1892 erst einmal als Holzkonstruktion gebaut und im Jahre 1879 der Bahnhof Oberkorn. Diese Bahnhöfe waren damals neben den Verladequais errichtet worden. Deshalb liegen sie auch ziemlich ausserhalb der beiden Ortschaften.
Am 24. Februar 1985 wurde der Oberkorner Bahnhof, das Wahrzeichen der “Goarer” abgerissen. Was mit dem schönen Gebäude des früheren Differdinger Bahnhofs neben der heutigen Umgehungsbrücke geschieht ist noch ungewiss.

 

 

War jemand bei der  Prinz-Heinrich-Gesellschaft beschäftigt , so sagte man “E schafft beim Prënz”. oder “um Prënz”.
Dass die Eisenbahn im Laufe der Jahre  eine immer wichtigere Rolle in Differdingen spielte, beweisen die Strassennamen wie “rue du Chemin de Fer”, “rue de la Gare”, “rue du Rail”, “Schwaarz Bréck” und natürlich “rue Prince Henri” .Am 14. Mai 1946 fusionierten Prinz-Heinrich”, “Wilhelm Luxemburg” und die Schmalspurbahnen “Jangeli, Charly, Benny”usw zur nationalen Eisenbahngesellschaft “Chemins de Fer du Luxembourg” CFL.

 

     

                                                                                                                r. fleischhauer

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