Die Sporthalle, damals ein Jahrhunderprojekt

 

 

Die Sporthalle, damals ein Jahrhundertprojekt

 

 

Jetzt wo die Gemeindeverwaltung beabsichtigt, ein neues Sportzentrum an Stelle der aktuellen Sporthalle in Oberkorn zu bauen, sollte man sich vielleicht an die Anfänge erinnern.

 

Im Jahre 1936 wurde unter Bürgermeister Emil Mark  das offene Schwimmbad im Rahmen der damaligen Notstandsarbeiten fertig gestellt. 1965 wurden die technischen Anlagen verbessert und eine Beheizung des Beckens installiert. Schliesslich wurde das Schwimmbad im Jahre 1997 komplett modernisiert und erhielt das jetzige Aussehen.

 

 

Das an das Schwimmbad grenzende Stadion wurde 1950 fertig. Es bestand aus einem Fussballfeld mit Tribünen und Stehplätzen für 10.000 Zuschauer, einem Trainingsfeld, Tennisplätzen, einem Basketballfeld, einer Aschenbahn und Einrichtungen für jede Art von Leichtathletik. Seiner Bestimmung übergeben wurde das Stadion am 18. Juni 1950. Ein zweiwöchiges sportliche Rahmenprogramm sollte im ganzen Land auf diese neue, moderne Freiluftsporteinrichtung aufmerksam machen. Es gab Konzerte,ein Fechtturnier, Leichtathletik-meetings, Basketballspiele, eine « rallye cycliste », Fussballtreffen, Turnfeste der « Pupilles », Degenfechten zwischen Nationalmannschaften, Tennisturniere mit Spitzenspielern, Hundedressurvorführungen, rhytmische Gymnastik und 5 Boxkämpfe des « Roude Léiw » gegen andere Boxclubs. Sogar Pferderennen fanden zeitweise dort statt. Im Jahre 1963 erhielt das Stadion eine neue Flutlichtanlage und eine moderne  Lautsprecheranlage.

 

Zu dieser Zeit kaufte die Gemeindeverwaltung bereits 8,5 ha in der Nähe mit der Absicht später einmal eine grosse Mehrzwecksporthalle dort zu errichten. Im Jahre 1962 war es dann soweit. Der Schöffenrat führte Gespräche mit einer Beratungsstelle für kommunalen Sportstättenbau in Deutschland. Die Planung übernahmen die Architekten Paul Kayser und Jean Lanners, Gewinner des Wettbewerbs, der vom Schöffenrat ausgeschrieben worden war.

 

Nach den Wahlen von 1964 kaufte der neue Schöffenrat bestehend aus Bürgermeister Jean Gallion und den Schöffen Jos Haupert und Jéhan Steichen noch weitere 3,5 ha hinzu, so dass man den Bau in Angriff nehmen konnte. Der Kosten wurden auf 105 Millionen Franken veranschlagt. Dieser Kostenvoranschlag wurde im Juli 1965 vom Gemeinderat angenommen. Die Arbeiten wurden nach der öffentlichen Ausschreibung an die Unternehmerfirma der Gebrüder Lazzara aus Niederkorn vergeben. Den Haushalt 1967 lehnte die Opposition im Gemeinderat ab und zwar wegen des Baus eines Sportkomplexes, « den man ruhig als wahnsinnig bezeichnen könne und welcher zum finanziellen Ruin der Gemeindeverwaltung führen würde. »

 

 

 Die Straußfeier konnte bereits im November 1967 stattfinden. Dabei wurde das Grunddokument in einer Schatulle in die Betonwand nahe des Eingangs eingemauert. Ein regelrechter Grundstein konnte wegen der Betonkonstruktion nicht gelegt werden.

 

Es gab allerdings wegen der Finanzierung des Rohbaus viel Opposition im Gemeinderat und einen Konflikt mit dem Innenministerium. Im « Journal » und im « Letzebuerger Land » wurde heftig gegen das Projekt und dessen Finanzierung polemisiert. Man schrieb vom « grössten und auch teuersten Sportkomplex des Landes ». Dabei soll die 200-Millionen-Grenze (Luxfranken) überschritten werden bei einem vorgesehenen Kostenvoranschlag von 105 Millionen Franken.

Und tatsächlich mit seinen 950 Zuschauern auf den Tribünen der Mehrzweckhalle und den zusätzlichen 450 Plätzen im Parterre, dem 25-Meterschwimmbecken, den grosszügig geplanten Sportsälen im Kellergeschoss, alles versehen mit modernster Technik und in solider Bauweise stellte der Oberkorner Komplex die grösste und best eingerichtete Sportstätte im Lande dar. Nicht nur für Sport, sondern auch für internationale Shows, Kongresse, Ausstellungen Konzerte musste die Sporthalle herhalten.

Die anspruchsvollen Einweihungsfeierlichkeiten begannen am 7. September 1969. S.K.H Prinz Charles mit seiner Gattin Joanne war anwesend, sowie Sportminister Gaston Thorn. Bürgermeister Jos Haupert mit den Schöffen J. Conter und René Bürger begrüßten die vielen Ehrengäste. Während zwei Stunden wurden alle möglichen Sportarten vorgeführt, die zeigen sollten, dass man für alle Sportarten vorgesorgt hatte. Das Einweihungsprogramm zog sich über eine ganze Woche hin. Jeden Tag traten andere bekannte internationale Stars und Mannschaften auf. Es gab grosse Konzerte Schwimmwettbewerbe, Turnen, Fechten, Tischtennis …und Udo Jürgens. Die Polemik über die Prozedur der Finanzierung zog sich allerdings bis zum September 1971 hin.

 

 

 

 

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