De Saintignon

 

Zur renovierten Friedhofskapelle in Lasauvage :

 

Manuel, Giraud, Legendre und der Graf

 

 

Sie befand sich während Jahren in einem desolaten Zustand, die alle Gräber überragende Grabkapelle auf dem Friedhof in Lasauvage. Die Differdinger Gemeindeverwaltung hat sie eben instand gesetzt, so dass heute wieder ihre grazile neogothische Schönheit zum Vorschein kommt.

 

Drei Namen stehen über der Eingangspforte des Familiengrabes: Manuel, Giraud und Legendre. Die drei waren Besitzer der vormaligen Hütten-und Hammerwerkes Lasauvage. Und der Graf de Saintignon, der letzte Besitzer, dessen Namen auf dem Platz in Lasauvage verewigt wurde? Er ruht nicht in Lasauvage sondern zusammen mit seiner Gattin Louise Legendre auf dem Friedhof von Longwy-Bas. Doch er war es, der im Jahre 1907 diese Grabkapelle, die sich auf dem Friedhof von Saulnes befand, demontieren und auf dem Friedhof in Lasauvage wieder aufrichten ließ. Auch die Asche der Familienangehörigen der Manuel, Giraud und Legendre befinden sich in Lasauvage. Im Inneren der Kapelle erinnern Inschriften an die Verstorbenen der drei Familien.

 

 

Welche Rolle spielten nun die 4 Hüttenherren ?

 

Bereits im 16ten Jahrhundert gab es in Lasauvage einen Hochofen und ein Hammerwerk, das das Gusseisen verarbeitete. Angetrieben wurde es vom Bach “Crosnière“, oder “Réierbaach“. Das Werk kannte eine wechselhafte Geschichte und wurde von etlichen Hüttenherrn betrieben. Im Jahre 1828 kaufte Jean-Baptiste Manuel das Werk. Er ließ seinen Freund Pierre Giraud kommen und zusammen renovierten sie die Anlagen als « Société Pierre Giraud et cie ». 1841 errichteten sie einen zweiten Hochofen und im Jahre 1848 einen dritten. Wurde bisher nur Alluvial-oder Bohnerz in den Hochöfen verhüttet, so experimentierten die zwei bereits mit “Minette “. Der dritte Hochofen wurde auch mit Koks betrieben anstelle der bisherigen Holzkohle. Eine Dampfmaschine sorgte für das Gebläse in diesem Hochofen, ein damals revolutionäres Verfahren. Die beiden bauten weiterhin einen Hochofen in Longwy. Sie verkauften auch die “Minette“, die in Lasauvage reichlich vorkam an Werke der Umgegend. Die Eisenproduktion in Lasauvage befand sich in diesen Jahren auf ihrem Höhepunkt. Bis zu 67 Arbeiter waren dort beschäftigt. Doch wegen der fehlenden Eisenbahnverbindung geriet das Werk ins Hintertreffen und 1877 gab man die Produktion ganz auf.

 

 

 

 

 

Giraud starb im Jahre1869. Seine Tochter Louise-Marie-Catherine heiratete Jules-Joseph Legendre, der das Werk übernahm. Doch er verstarb sehr früh. Die Witwe heiratete in zweiter Ehe den Grafen Ferdinand de Saintignon, der sich als neuer Besitzer sofort an die Modernisierung der Werke in Lasauvage und Longwy machte. Doch auch er scheiterte schließlich an fehlenden Transportmöglichkeiten für die benötigte Kohle. 1881 wurde das Werk abgerissen. Für de Saintignon blieb nur noch der Erzabbau in Lasauvage. Damit verdiente er allerdings viel Geld. Er baute die Kirche, die Schule, etliche Arbeiterhäuser und richtete ein « Economat » für seine Arbeiter ein, wo sie auf Kredit einkaufen konnten. Johannes der Täufer im Kirchenfenster der Kirche von Lasauvage trägt die Züge des Grafen. De Saintignon hatte Forstwirtschaft studiert. Deshalb war die Jagd in den umliegenden Wäldern auch seine Hauptfreizeitbeschäftigung. Er veröffentlichte auch mehrere technisch-wissenschaftliche Werke, die sich heute in Paris befinden.

 

 

 

 

 

 

Dann kam der erste Weltkrieg. Als französischer Patriot weigerte er sich trotz fester Lieferverträge, “Minette“ an die Differdinger Hütte zu liefern, die ja damals einer deutschen Gesellschaft gehörte. De Saintignon schloß kurzerhand seine Erzgruben und schickte die Bergleute heim. Nach dem Krieg machte die Hadir ihm den Prozess und De Saintignon wurde zu einer extrem hohen Entschädigung verurteilt, die er nicht bezahlen konnte. Vollkommen verschuldet verstarb er am Neujahrstag 1921. An seinem Begräbnis nahmen hohe Würdenträger aus Frankreich teil. Man berichtet, dass allein elf Lobreden gehalten wurden. Die Witwe zog sich in die Villa der de Saintignon in Longwy zurück, wo sie 1932 verstarb.

 

Der Grubenbetrieb in Lasauvage wurde von der MMR aus Rodange aufgekauft. Später konnten die Bewohner der Arbeiterhäuser diese für 100.000 Franken erwerben. Die Gemeinde Differdingen übernahm die Schule und die Kirche.

 

Die Ländereien und Immobilien des Grafen wurden nach und nach versteigert. So kamen allein in Luxemburg ca 220 ha Land inklusive der Vesquenhof mit seinen Ländereien unter den Hammer.

 

Wer Näheres über die Schmelzherren aus Lasauvage wissen möchte : « Korspronk No 20 » der Geschichtsfreunde, « Historique de l’Ancienne Forge de Lasauvage » (Jacques Dollar) und vor allem “Lasauvage et son histoire“ (Emile Thoma) in der Broschüre zum 50ten Gründungsjahr des Club Bouliste Lasauvage.

 

 

                                                                                              r. fleischhauer

 

 

 

 

 

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