Balcon Lasauvage

 

 

« Lasauvage-les-Bains. »

 

 

« Place de Saintignon » heisst der renovierte Platz an der Schule in Lasauvage. Wer war wohl dieser De Saintignon, der von 1846 bis 1921 lebte und sogar einen Grafentitel trug ? Halten wir gleich fest, dass er nicht in Lasauvage selbst wohnte, sondern im nahen Longwy, dass er jedoch als der Vater des kleinen Arbeiterdorfes galt, als sein Wohltäter und Beschützer. Das lernten die Lasauvager Kinder bereits in der Schule. « Chantons d’une voix unanime, : Vive le comte de Saintignon !  Son cœur est grand et magnanime. Notre village raconte ses dons !.. » sangen sie Anfang des letzten Jahrhunderts.

 

Bekanntlich gab es in Lasauvage bereits im 16ten Jahrhundert am Bach « La Crosnière » eine Schmiede mit wassergetriebenem Hammerwerk. Man verarbeitete damals das sehr eisenhaltige Rasenerz, das man auf dem Feld einsammelte. Verhüttet wurde es mit  Holzkohle, welche in den umliegenden Wäldern gewonnen wurde. Das Werk gehörte u.a. den Familien d’Huart und Giraud. Durch Heirat übernahm in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Graf Fernand de Saintignon die Direktion der « Société des Hauts-Fourneaux de Longwy et de La Sauvage – F de Saintignon et Cie ». Mit ihm beginnt der Höhepunkt aber auch der Verfall des Lasauvager Werks. Lasauvage zählte zu diesem Zeitpunkt über 1000 Einwohner. (heute 387).

 

Bereits im Jahre 1880 begann de Saintignon Mietshäuser für seine Arbeiter zu bauen. Etwa 70 Arbeiterhäuser entstanden in der « Rue Principale », an der « Place de Saintignon », in der » rue de Rodange » und in der « rue de la Crosnière ». Die Wohnungen sind einheitlich gebaut. Es gibt drei Zimmer und eine Küche. Die Häuser haben keinen Hausflur, so dass jeweils eines der Zimmer als Durchgang dient. Je nach Geländeverlauf haben die Häuser eine Aussentreppe und einen Keller. Die Häuser sind im Stil der benachbarten lothringischen Arbeiterhäuser gebaut, die man « corons » nannte.

 

Nun hatten die Arbeiter Wohnungen, aber es fehlte noch einiges zu einem richtigen Dorfleben. So errichtete De Saintignon noch eine Schule an der Stelle der früheren Hochöfen und eine Kirche, die der Pariser « Sainte Chapelle » nachempfunden ist. Im « Economat » (gegenüber dem Schuleingang ) konnten die Arbeiter ihre Einkäufe besorgen und problemlos anschreiben lassen, denn  Hausmiete und Kredit wurden gegebenenfalls gleich vom Lohn abgezogen.

 

 

 

Wenn man von Differdingen her in das Dorf einfährt, fällt einem linkerhand der Komplex der Arbeiterhäuser auf, der insgesamt einen schlossähnlichen Charakter hat und eine durchgehende Terrasse an der breiten Vorderfront aufweist. Das Gebäude heisst deshalb auch im Volksmund « Balkon ». « Il habite au Balcon », sagen die « Zowaascher »

 

 

 

 

 

 

 

 

Ursprünglich war es nicht die Absicht des Grafen De Saintignon hier Arbeiterwohnungen schaffen, sondern….ein Kurhotel ! Das kam so : Der Graf liess damals in Longwy-Bas im  « Parc des Récollets », einem Park, den er 1910 angelegt hatte,  nach Kohle bohren, denn inzwischen wurde die « Minette » verhüttet und dazu brauchte man Steinkohle. Er fand keine Kohle, aber Mineralwasser. De Saintignon beschloss, in Longwy-Bas einen Thermalkurort einzurichten. Die Kurgäste sollten dann ganz angenehm und romantisch von dort aus mit einem Züglein in das idyllisch gelegene Dörfchen Lasauvage und ins dortige Kurhaus gebracht werden. Doch der Traum konnte nie verwirklicht werden, unter anderem auch, weil die Gesellschafter des Grafen sich gegen dieses unsichere Projekt aussprachen.

 

In dem Kurhaus wurden schliesslich dringend benötigte Arbeiterwohnungen eingerichtet und zwar 15 Stück. Doch der Bau selbst erinnert auch heute noch an die Architektur der Badeorte. Seine Bauweise ist symetrisch. In der Fassade gibt es teilweise Fachwerkimitationen, so wie sie in Badeorten üblich waren. Die Wohnungen selbst haben jedoch nichts Luxuriöses an sich. Sie ähneln im Grundriss den anderen Arbeiterwohnungen.

 

 

Durch den ersten Weltkrieg verlor der Graf sein ganzes Vermögen und Lasauvage wurde von der Hütte Rodange aufgekauft.

 

Vielleicht sollte man daran denken im Rahmen von « Lasauvage village-pilote » wenigestens die Fassade des « Kurhauses » instand zu setzen. Ein erster Entwurf von Zeyen/Baumann dazu bestand bereits in den 80er Jahren.

 

Ausführliches zu den Arbeiterwohnungen in Lasauvage findet man bei Antoinette Lorang « Luxemburgs Arbeiterkolonien und billige Wohnungen ». (Befindet sich in der Stadtbibliothek).

 

                                                                                  r. fleischhauer

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