Adolphe Krieps

 

 

Der dritte “Krieps“

 

 

In der Gemeinderatssitzung vom 17. Juni 2009 wurde beschlossen, dem neu zu schaffenden Boulevard  am “Plateau du Funiculaire“ den Namen “Emile Krieps“ zu verleihen. Der in Differdingen geborene Emile Krieps, Lehrer, Resistenzler, Pi-men, KZ-Insasse, später Offizier und Minister dürfte den Differdingern nicht unbekannt sein. Den Titel eines Ehrenbürgers der Stadt erhielt er u.a. auch, weil er als Gesundheitsminister in den Achtzigern viel zur Schaffung des “Hôpital Princesse Marie-Astrid » beigetragen hatte. 

  

Robert Krieps, Sohn eines Differdingers, auch Resistenzler und KZ-Häftling erwarb sich als Kulturminister unbestreitbare Verdienste um die Erhaltung des Industrieerbes und um die Einrichtung des “Musée Industriel et Ferroviaire“ in Fond-de-Gras. In der Gemeinderatssitzung vom 22. Juli 2009 wurde beschlossen, den Differdinger Schulkomplex nach ihm zu benennen, da ja die “Maison Robert Krieps“ auf dem Marktplatz anderen Zwecken zugeführt worden war. Robert Krieps war ja auch gleichzeitig Erziehungsminister für den Primärschulunterricht.

 

Doch, da gibt es beim Gerlache-Park eine Straße, die sich “rue Adolphe Krieps “ nennt. Das wäre dann der dritte « Krieps », der sich Verdienste um die Stadt erworben hat. Wer war Adolphe Krieps? Es handelt sich um den Vater des früheren Ministers Robert Krieps. Er wurde am 10 Februar 1882 in Petingen geboren. Er arbeitete als Chemiker zuerst im Werk von Hussigny, dann im Differdinger Werk. Adolphe Krieps war von der ersten Stunde an überzeugt, dass es nicht angeht, dass ein Lohnabhängiger dem Kapital total ausgeliefert ist, so wie es zu seiner Zeit noch der Fall war. Als im September 1916 in Esch der “Berg-und Hüttenarbeiterverband“ gegründet wurde u.a. auch, weil durch den ersten Weltkrieg der Hunger hier herrschte und es besonders den Arbeitern sehr schlecht ging, war Adolphe Krieps dabei. Bereits im Oktober 1916 entstand in Differdingen eine “Ortsgruppe“ der neuen Gewerkschaft unter seinem Vorsitz. Im Jahre 1919, als der “Berg-und-Hüttenarbeiterverband“ mit dem gleichzeitig entstandenen “Luxemburger Metallarbeiterverband“ aus der Hauptstadt fusionierte, übernahm Adolphe Krieps die Präsidentschaft der Generalkommission der Luxemburger Gewerkschaften. Er wurde in die “Constituante“ von 1918 gewählt und war ununterbrochen bis 1945 Abgeordneter. 1919, als ein “Comité de Salut Public“ in Luxemburg die Monarchie durch eine Republik ersetzen wollte, war er auch dabei.

 

 

 

1920 wurde er Mitglied des Differdinger Gemeinderats und blieb es bis 1925, als er nach Luxemburg fortzog. Im Gemeinderat vertrat er die “sozialistische Gruppe“, welche dem Bürgermeister Emile Mark besonders beim Streik von 1921 die Hölle heiß machte. Dieser mußte mehr als einmal die Sitzungen unterbrechen, weil keine Verständigung mehr möglich war.

 

Seine ersten Sporen als Gewerkschaftsvorsitzender in Differdingen verdiente sich  Adolphe Krieps beim sogenannten “Hungerstreik“ von 1917, der von Differdingen ausging. Die damals noch sehr junge Gewerkschaft hatte nicht die geringste Erfahrung. Adolphe Krieps setzte auch eher auf Verhandlung, denn auf Kampf. So hatte der Direktor der “Deutsch-Luxemburgischen“ leichtes Spiel. Er ließ deutsche Truppen aus Verdun kommen, welche den Streik, den sich die Deutschen mitten im Krieg nicht leisten konnten, gewaltsam beendeten. Die Folgen waren verheerend. Die Schmelz veröffentlichte die berühmten “schwarzen Listen“, auf denen diejenigen aufgeführt waren, die nirgends mehr eine Arbeit finden sollten.

 

 

 

 

 

 

Eine hervorragende Rolle spielte Adolphe Krieps beim Generalstreik von 1921, der auch von Differdingen ausging: Diesmal handelte es sich schon eher um einen politischen Streik. Die Russische Revolution warf ihre Schatten bis nach Luxemburg und es ging die Rede von “Weltrevolution“, “Produktionskontrolle durch die Arbeiter“ und “Besetzung der Werke durch die Arbeiter“. Und tatsächlich besetzte der Ausschuß des Werkes, der sich unter Adolphe Krieps nach sowjetischem Muster “Arbeiterrat“ nannte, die HADIR und erklärte den Direktor Gabriel Maugas  und die Betriebschefs als “abgesetzt“.

 

 

 Das Werk befinde sich jetzt in den Händen der Arbeiter. Das Werk jedoch sperrte die Arbeiter nach einer Massenkundgebung auf dem Marktplatz organisiert vom Arbeiterrat ganz einfach aus und die Freiwilligenkompanie verstärkt durch französisches Militär beendete den Streik, der in Differdingen immerhin vom 1. März bis zum 21. März gedauert hatte. Und wieder zirkulierten die “schwarzen Listen“. Auch Adolphe Krieps verlor als Anführer seinen Arbeitsplatz und zog nach Luxemburg, wo er eine Transportfirma gründete. Er blieb einer der am meisten engagierten Sozialisten und Gewerkschaftsführer und seine Beliebtheit beim schaffenden Volk stieg von Wahl zu Wahl. U. a. war er einer der heftigsten Kämpfer gegen das “Maulkorbgesetz“ im Jahre 1937. Es war ja zu erwarten, dass er als erklärter Gegner des Nazitums und gleich im Jahre 1941 ins KZ nach Hinzert und dann nach Dachau kam, wo er zeitweise zusammen mit seinem Sohn Robert einsaß. 1945, nach seiner Befreiung war er gesundheitlich sehr geschwächt. Er starb am 24. September 1950.

 

 

 

“…sein Hauptwesenszug war: er war ein im Guten und Schlechten unverrückbarer Charakter, ein Mensch, der wußte, was er wollte, eine Natur, von der sich nichts abhandeln ließ.“ hiess es u.a. in seinem Nachwort im “Tageblatt“.

 

r.fleischhauer

 

 

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