Abschuss 1917

 

Abschuss eines “feindlichen” Flugzeuges.

  

Am Samstag, den 10. Februar 1917 konnte die deutsche Flugzeugabwehr in Differdingen einen Erfolg verbuchen. Eine französische “Farman” wurde abgeschossen und zerschellte in einem Vorgarten der “rue des Jardins”. Beide Insassen: der Flugzeugführer sous-lieutenant Marius Lautiron, 29 Jahre und der zweite Mann, Caporal Alfred Furgerot, 21 Jahre waren auf der Stelle tot. Das Tageblatt berichtete damals: “Der Befund ergab, dass ein grosses Sprengstück einer Granate die Bordwand durchschlagen und dann wahrscheinlich den Führer so schwer im Gesicht verletzt hat, dass sein Tod sofort herbeigeführt wurde.” Später berichtete das Tageblatt. “Der Kopf des einen war grässlich zugerichtet und das Gesicht gleichsam abgeschnitten”. Wie der Höhenmesser anzeigte, war das Flugzeug aus “grosser Höhe” zur Erde niedergestürzt. Obschon der Boden gefroren war, bohrte sich der Motor tief in die Erde. Lucien Marc in seinem Büchlein über den ersten Weltkrieg  “Kind im Krieg” erzählt:” Ich eilte in die Gartenstrasse. Da lag in einem Vorgarten ein wüster Haufen. Eisenteile, Holzgestänge, Tuchfetzen, öldurchtränkte…... Mein Freund Emil, der nur wenige Schritte von der Unfallstelle wohnte, erzählte mir in aller Hast, dass sein Vater zuerst am Platze und dass es zwei Flieger gewesen. Ja, gelebt hätten sie noch, und viele Mühe hätte es gekostet, sie aus dem Trümmerhaufen hervorzuholen…..”

 

 

 

“Der Tod hat sie uns zu Freunden gemacht”.

 

Bürgermeister Emile Mark hatte sich erboten, die Bestattung der beiden französischen Flieger im Namen der Gemeinde  auf dem Differdinger Friedhof vorzunehmen. Doch die deutsche Militärverwaltung nahm die Sache in die Hand. Aus welchen Gründen auch immer wollten die Deutschen die Franzosen mit Pomp und allen militärischen Ehren zu Grabe tragen. Trotzdem befürchteten sie, dass es unter der Bevölkerung zu störenden Sympathiekundgebungen für die Franzosen kommen könnte. Deshalb sprach der Differdinger Ortskommandant der deutschen Besatzungstruppen, Hauptmann Steingröver beim Polizeikommissar Mosinger vor, um ihm nahezulegen, “alle feindlich gesinnten Elemente vom Trauerzug fernzuhalten”.

 

Die Beisetzungsfeierlichkeiten fanden unter grosser Beteiligung der Differdinger Bevölkerung am Montag, den 12. Februar gegen 4 Uhr statt. Im Luxemburger Wort war tags darauf folgendes zu lesen:

 

“Unter aussergewöhnlich grosser Beteiligung fand heute nachmittag die Beisetzung der beiden zum Absturz gebrachten französischen Flieger statt. Um 3 1/2 Uhr setzte sich der Zug vom Niederkorner Spital aus in Bewegung. Voran schritt eine Abteilung deutscher Landstürmer mit geschultertem Gewehr. Vor dem Leichenwagen trugen Sodaten 5 Kranzspenden, darunter eine vom Befehlshaber der deutschen Truppen in Luxemburg. .....Hinter dem Sarge schritten die Offizier und eine unabsehbare Menge Leidtragender von nah und fern. Zu beiden Seiten der Strasse bildete eine hundertköpfige Menge Spalier....”

 

 

 

 

Hier ein Auszug aus der Ansprache des Oberstleutnant von Völsing am offenen Grab:

 

Kameraden, wir stehen am Grabe französischer Flieger. Vor einigen Nächten kamen sie auf stolzem Flugzeug herüber , um uns zu bekämpfen. Sie sind im Kampf unterlegen. Sie waren unsere Feinde, jetzt sind sie es nicht mehr. Der Tod hat sie uns zu Freunden gemacht. Sie haben den schönsten Tod gefunden, den sich das Soldatenherz träumen kann.....!!”

 

Dann wurde das Gewehr präsentiert und der Befehl “Helm ab zum Gebet!” ertönte. Mit einer Gewehrsalve wurde den beiden “Freunden” die letzte Ehre erwiesen. 

 

Die beiden französischen Miltärangehörigen wurden kurz nach Kriegsende in ihre Heimatorte überführt. Marius Lautiron liegt in Villiers-le-Bacle (Seine/Oise) begraben und sein Name figuriert auf dem Kriegerdenkmal des ersten Weltkrieges. Bis vor kurzem wusste allerdings niemand in seinem Heimatort, wie und wo er zu Tode gekommen war. Wo Alfred Furgeron begraben liegt, konnte bis jetzt nicht in Erfahrung gebracht werden.     

 

                                                                                              r. fleischhauer            

 

 

          

 

 

                                                                                                                                     

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