Thillenbahn
Vom “Talbo“ zum Fahrrad.
Am Parkplatz der Umgehungsstraße hat man eine Auffahrt zum neuen Fahrrad-und Spazierweg zum Thillenberg fertiggestellt. Der Weg folgt genau der früheren Erzbahn. Nicht weit vom Zugang entfernt, also damals noch auf HADIR-Gelände wurden die Erzwagen vom Thillenberg in der « Käseminn » ausgetippt, zerkleinert und dem Hochofen zugeführt.
Auf dem neuen Spazierweg nimmt man heute nur noch Spuren der früheren Erzbahn wahr.
Man sah sie schon von weitem, wenn man von Niederkorn aus über die av. de la Liberté das Differdinger Geschäftszentrum erreichen wollte: die Stahlbrücke, die den “Thillebierg” mit der Schmelz verband. Selten ging man darunter hindurch, ohne dass es oben rumpelte, ächzte und quietschte, wenn die “Rame” mit den vollbeladenen “Talboën” in Richtung Hochofen schwankte. Es herrschte beständig reger Verkehr auf der Brücke, denn die Züglein kamen nicht nur vom “Thillebierg” sondern auch vom “Rollesbierg“, wo die Minette bis 1975 im Tagebau gewonnen wurde. Zwischen Thillenberg und Rollesberg wurde auch bis 1957 die Grube “Grôven” von der Arbed betrieben. Auch sie benutzte die Geleise bis zum Bahnhof, wo die Minette in die Arbed-Eisenbahnwagen getippt wurde. Der Grubeneingang wurde vom CIGL auf 114 Metern wieder instand gesetzt. Im früheren Maschinenhaus neben dem Eingang ist ein Dokumentationszentrum über die Differdinger Grubenbetriebe entstanden. Dies wird den Spazier-und Fahrradweg umso interessanter machen.
Die Bahn Differdingen-Thillenberg mit ihrer 700 mm-Spur gehörte ursprünglich der Prinz Heinrich-Bahngesellschaft und war am 23. Januar 1901 in Betrieb genommen worden. Sie hatte eine Länge von 2,27 km. Sie führte über 4 Brücken. Von der Schmelz ab überquerte sie die Eisenbahnstrecke Petingen-Esch, setzte über die av. de la Liberté hinweg (heute mit neuer Brücke), überquerte die Brücke über der Spitalstrasse, um dann über eine weitere Brücke über die Hussigny-Strasse hinüber zum “Bounefeldchen“ und zum “Rollesbierg“ zu gelangen. 1933 verpachtete die Prinz-Heinrich-Bahn der HADIR die gesamte Strecke mit den Nebengeleisen. Zu Beginn wurde die Strecke mit Dampfloks der Prinz-Heinrich-Bahn befahren. Später wurde sie elektrifiziert und es kamen Elektroloks der Marken Siemens-E und AEG zum Einsatz.

Die Strecke vom Thillenberg bis Rollesbierg wurde in den Jahren 1971/72 parallell zu den alten Gleisen neu verlegt und mit einem Tunnel versehen. Auf diese Weise konnte die Steigung einigermassen ausgeglichen werden. (Die alte Strecke ist noch sichtbar).
“Die Strecke führte zum grossen Teil knapp an den Häusern und Gärten vorbei. Da musste man besonders auf die Kinder aufpassen die an der Bahn spielten”, erzählt uns Arthur Huss, der 30 Jahre lang auf dieser Strecke fuhr.“im Winter sausten sie mit dem Schlitten über die Geleise hinweg, was sehr gefährlich war, denn wir bemerkten nicht immer, was hinten an der “Rame” passierte. Es war auch nicht immer angenehm für die Anwohner, wenn die “Talboën” neben den Gärten und Häusern entgleisten. Sowas kam fast täglich vor. Dann hieß es mit dem “Opgleiser”, die Wagen wieder auf die Schienen zu setzen was viel Zeit und Kraft kostete. “Aber”, betont Arthur Huss, “Gott sei Dank passierte sowas nie auf der Brücke, denn das wäre schlimm gewesen.“ Arthur Huss fuhr hauptsächlich die Kleinlok von Siemens-Schuckert. Aber auch die AEG kam zeitweise zum Einsatz. Von Fahrkomfort war da nicht die Rede. Der großgewachsene Arthur musste sich da hineinzwängen, wie in einen Schuhkarton.

Ab Thillenberg geht es leicht bergab bis zum Werk. Deshalb gab es am hinteren Talbo einen Bremser. Später wurden die Züge mit Luftdruckbremsen ausgerüstet, so dass man den Bremser nicht mehr brauchte. Wichtig war auch die Arbeit des “accrocheur“.
Im Jahre 1963 wurde auf Thillenberg eine Vorbrecheranlage in Betrieb genommen. Hier wurden die Minette-Steine bereits vor dem Werk zerkleinert. Den Lärm dieser Zermalmungsanlage konnte man bis weit die Spital-und Hussigny-Straße hinauf und hinunter hören. Jetzt fuhren die “Rammen” vom Tagebau “Bounefeldchen” nur noch bis in die Anlage und kippten die Steine dort ab. Eine zweite “Rame” wurde mit dem zerkleinerten Erz abgefüllt und zuckelte dann bis ins Werk. Das Tageblatt vom 13. Juli 1967 berichtete über eine schwere Explosion eines mit Pulver gefüllten Talbos in der Nähe der Hussigny-Straße. Es gab Sachschäden an den Häusern, doch Gott sei Dank keine Verletzte. (in “Korspronk“ No 18/ 1999).
Seit 1981, seit auch der “Thillenberg” seine Tore geschlossen hatte, war es still auf der Strecke. Nur noch die Wasser-und Kabelleitung vom Werk bis zum “Thillenberg” funktionierte, denn das Stahlwerk betätigt eine Pumpstation in den früheren Galerien, die ihr das Kühlwasser für den ganzen Betrieb liefert.
Jetzt hat die Gemeindeverwaltung hier einen Spazier-und Radfahrerweg geschaffen, den man unbedingt von der avenue de la Liberté respektiv vom Parkplatz aus ausprobieren sollte. Er bietet eine herrliche Sicht auf Differdingen und zeigt gleichzeitig, wie Differdingen durch den Schweiß seiner Schmelz-und Grubenarbeiter zum Wohlergehen des Landes beigetragen hat.
Wer über den Erzabbau in der Differdinger Gegend Genaueres erfahren möchte, sollte sich den “Korspronk 18” und “Korspronk 20 “ der Differdinger Geschichtsfreunde beschaffen (Gemeindebibliothek).
r. fleischhauer









