Spahis
10. Mai 1940 :
Differdingen und die algerischen und marokkanischen “Spahis »
Am Samstag den 4. Mai 1985, weihte die Differdinger Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Nic Eickmann eine Schrifttafel an der Kirche in Lasauvage ein. Der Text lautet wie folgt: ”Les 10, 11 et 12 mai 1940 sur le territoire des communes de Differdange, Pétange et Sanem, les lieutenants Jacques Chauvin et Abdelkader Batoul, le Maréchal des Logis-Chef Jacques Gendreau et le Spahi Guy Daniau ansi que trois sous-officiers et 53 brigadiers et spahis du 6e régiment des Spahis Algériens sont morts au champ d’honneur”.
Auch ehemalige “Spahis” in ihren schmucken Reiteruniformen nahmen an der Feier in Lasauvage teil. (“Spahi” vom Türkischen sipahi = Reiter). Der frühere Leutnant der “Spahis” René Doligé bedankte sich damals für diese Ehrung. Er erinnerte an die Kämpfe, die an den drei Tagen beim Einmarsch der Nazis in und um Differdingen und die Nachbargemeinden stattfanden, an die französischen Soldaten der 6ten algerischen und der 4ten marokkanischen Spahis, die ihr Leben liessen, als sie versuchten die eindringenden Deutschen von Longwy her zurückzuschlagen. Unter anderem bemerkte er gegenüber der Differdinger Bevölkerung « Nous nous souvenons que vous avez soigné nos blessés, enterré nos morts et fleuri leurs tombes, alors que les Allemands nazi ne le permettaient pas. »
Die Ereignisse vor 68 Jahren
Am 10. Mai1940 berichteten Arbeiter, welche von auswärts zur Frühschicht nach Differdingen kamen, dass deutsche Sturmtruppen in den Wiesen zwischen Niederkerschen, Linger, Petingen und Niederkorn gelandet seien. Die Einwohner hofften auf die Maginot-Linie und darauf, dass die französische Armee sogleich über die Grenze einmarschieren würde, um die Deutschen zurückzuschlagen. General P. Jouffrault hat in seinem Werk «“Les Spahis au feu“, das 1948 erschien, im Einzelnen die Ereignisse vom 10. bis 13. Mai an der französisch-luxemburgischen Grenze geschildert. U.a. schreibt er : “ Il a fallu dix heures au Commandement français pour se rendre compte de l’invasion et donner l’ordre d’exécution de la parade préparée. La surprise a été complète : elle est impardonnable!“. Obschon die Grenze bloss 4 Kilometer entfernt war, dauerte es bis halb zehn Uhr bis die ersten französischen “Spahis“ auf ihren wendigen Pferden und mit motorisierten Einheiten über “Kiemerchen“ und “Metzkimmert “ her Differdingen erreichten.
Jouffrault schreibt :“L’enthousiasme des habitants est touchant ; les Français sont acclamés , les Luxembourgeois patriotes se voient débarrassés des Allemands et ils s’empressent de dénoncer leurs agents.“ Die berittenen Spahis trugen farbige, hübsche Uniformen und breite Gürtel, in denen ein Säbel steckte. Mit ihren kleinen Wüstenpferden waren sie sehr beweglich (auf Befehl warfen sich Pferd und Reiter hinter einem Busch in Deckung).
Bürgermeister Pierre Gansen verhandelte mit den Franzosen, um eine Möglichkeit zu finden, die Differdinger Bevölkerung nach Frankreich zu evakuieren.
Die Franzosen beschossen von den Niederkorner Anhöhen mit Maschinengewehren die anrückenden Deutschen. Durch diese Feuergefechte wurde die Niederkorner Knabenschule, die dort stand, wo heute der Parkplatz ist, vollständig durch Brand zestört.(unser Bild)
Am Giebel der früheren Apotheke Hougnon in Niederkorn kann man heute nach 69 Jahren noch Einschusslöcher der Maschinengewehre erkennen. (Unser Bild)
Die Spahis waren bekannt für ihren Mut und ihren Einsatz. Der technisch hochgerüsteten deutschen Kriegsmaschinerie waren sie jedoch keineswegs gewachsen. Ausserdem kämpften die Spahis zum Teil in ihren weissen Tuniken mit dem farbigen Turban am Helm, während die Deutschen wohl wussten, welchen wichtige Rolle eine gute Tarnung spielte. Und trotzdem hatte es die französische Armee geschafft den deutschen Vormarsch zu stoppen und zwar bis zur Linie Petingen – Beles – Zolver – Esch. Sie kämpfte “verbissen “ gegen eine technisch und strategisch hochgerüstetes Heer. Doch nach und nach wichen sie der Uebermacht und am 11. Mai gegen Abend zogen sie sich über die Grenze zurück bis nach Longwy und zu den Maginot-Befestigungen.
Der 10. Und 11. Mai kostete die französische Armee 4 tote Offiziere und 3 Schwerverletzte, 90 tote Soldaten und 82 schwer Verwundete. Wieviel Deutsche bei diesen Kämpfen ihr Leben liessen, ist schwer zu schätzen. Auf dem Friedhof gab es 6 Gräber mit deutschen Soldaten. ( Schoux : Korspronk No 13).Wegen des Beschusses der Ortschaft kamen auch 16 Differdinger ums Leben (Armand Logelin : Meine Evakuierung – Eugène Weiss).
Unter anderem schlug eine deutsche Granate in das Haus der Familie Vettorretti auf “Metzkimmert”, wobei der Vater und zwei Söhne umkamen. Durch herumfliegende Granatsplitter gab es weitere Verwundete und Tote unter der Zivilbevölkerung. Roger Lamborelle, der im “Pissoire “ gegenüber der Metzgerei Jacques Schutz gesucht hatte, wurde durch einen Splitter in der Halsschlagader getötet. Doktor Behm operierte Verwundete im Niederkorner Spital der Hadir bei Kerzenlicht, weil der Strom ausgefallen war. Während der Operation fiel eine Granate auf den Operationssaal. Der verwundete Patient kam dabei ums Leben. Gegen 10.30 Uhr rückten die ersten deutschen Soldaten in die Stadt vor. Das französische Militär, das sich noch in Differdingen aufhielt wurde entwaffnet und gefangen genommen. Etliche Soldaten konnten über den Berg hinweg flüchten.

Die Kämpfe zwischen den neuen Besatzern und den französischen Truppen jenseits der Grenze dauerten jedoch fort. Die Franzosen belegten Differdingen mit Dauerfeuer, wodurch etliche Gebäude zerstört wurden. Unter anderem wurde der “Roudenhaff” auf dem Berg Opfer des Dauerbeschusses. Die 3 Tage nahmen also einen ziemlich blutigen Verlauf in der Südwestecke des Landes. Jedenfalls sollte die Dankbarkeit der Differdinger den tapferen gegen eine grosse Uebermacht kämpfenden marokkanischen und algerischen “Spahis” erhalten bleiben.

r. fleischhauer








