Kommunistesch Partei Letzebuerg
Vor 90 Jahren : Clara Zetkin in Differdingen.
Gründung der kommunistischen Partei Luxemburg.
Nach dem ersten Weltkrieg, am 24. Januar 1919 veröffentlichte Lenin sein Manifest an die Arbeiter der ganzen Welt zwecks Gründung einer “Dritten Internationalen”. Die Zweite Internationale hatte « versagt », als 1914 die Mitglieder auf einmal ihre « Vaterlandsliebe » entdeckten und für den Krieg eintraten.
Die Luxemburger Sozialistische Partei tagte am 1. und 2. Januar 1920 in Differdingen, um über den Anschluss an die Dritte Internationale zu beraten. Der Kongress fand am Neujahrstag 1921 im festlich geschmückten Saal Heidel in der Nähe des früheren Bahnhofs statt.
Es gab heftige Diskussionen. Schliesslich wurde der Antrag Th. Ewert angenommen, der besagte, dass darüber abzustimmen sei, ob der Anschluss mit oder ohne Vorbehalt anzunehmen sei. Bei Vorbehalten, sollte eine neu zu wählende Parteileitung mit Moskau diskutieren. Der Antrag wurde mit 67 gegen 21 Stimmen angenommen.
Daraufhin erklärten an die 18 Anhänger der « kommunistischen Gruppe » ihren Kollektivaustritt aus der sozialistischen Partei und gründeten anschliessend im Saal Josy Anen in Niederkorn die « Kommunistische Partei Luxemburg ».
Eine ausschlaggebende Rolle spielte dabei Clara Zetkin, welche am 1. Januar auf dem Kongress aufgetaucht war und mit Hochrufen und dem Absingen der « Internationalen » begrüsst wurde. Sie plädierte für einen bedingungslosen Beitritt zur Komintern, auch wenn es zu einer Spaltung kommen sollte.

Eine der ersten Kämpferinnen für die Gleichheit.
Der Name Clara Zetkin ist eng verbunden mit der Anfängen der Arbeiterbewegung und des Sozialismus in Deutschland und Europa, vor allem aber mit der Frauenbewegung innerhalb des Sozialismus.
“Gleichheit” hiess denn auch die Zeitschrift, die Clara von 1892 bis 1917, also 25 Jahre lang sozusagen im Alleingang herausbrachte. Sie erzielte eine Auflage von 140.000. Es war, wie der Untertitel auswies, die “Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen”.
Hauptthema war denn auch das Elend der Fabrikarbeiterinnen, der Dienstmädchen, der Landarbeiterinnen. Kellnerinnen und Hausarbeiterinnen, welche für einen Hungerlohn ihre Gesundheit ruinierten und meistens frühzeitig an Schwindsucht und Erschöpfung zu Grunde gingen. Frauenwahlrecht und Gleichstellung der Frauen waren weitere Themen.
Für Clara Zetkin war die Frauenemanzipation nur in einem revolutionären, marxistischen System zu verwirklichen (was sich später als Illusion herausstellen sollte). Sie stand auch am Ursprung des « Frauentages » vom 8. März, der ja auch heute noch gefeiert wird.
Kompromisslose Kriegsgegnerin.
Clara Eissner wurde 1857 in Wiederau (bei Leipzig) geboren. Während ihres Studiums am Lehrerinnenseminar kam sie schon sehr früh mit russischen Emigranten und Revolutionären in Kontakt. So lernte sie den russischen Studenten Ossip Zetkin kennen, den sie später heiratete. Als Lehrerin mit Abschluss aber ohne Stelle verliess sie Deutschland und lebte längere Zeit in Paris, wo ihr Gatte im Jahre 1889 verstarb. Clara Zetkin zog mit ihren Söhnen nach Stuttgart, wo sie die Redaktion der "Gleichheit" übernahm. Als die deutschen Sozialdemokraten 1914 bedingungslos die Kriegskredite des Kaisers stimmten, war der Bruch mit der Sozialdemokratie perfekt. Mit Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring und etlichen andern geriet Clara Zetkin in der Partei ins Abseits und ein regelrechtes Kesseltreiben gegen die “Abtrünnigen” und “Verräter” begann. 1917 schliesst Clara Zetkin sich der der neu gegründeten USPD an. Der aus ihr hervorgehende “Spartakusbund” konstituierte sich 1918 als KPD. Die kommunistische Partei erhielt bei den Wahlen 1920 zwei Sitze und Clara Zetkin zog am 6. Juni 1920 als Abgeordnete in den Reichstag ein. Am 30. August 1932 eröffnete sie als Alterspräsidentin den Reichstag und rief in einer flammenden Rede in Gegenwart von 230 Braunhemden zum Widerstand gegen den Faschismus auf. Vier Monate nach der Machtergreifung durch die Nazis starb Clara Zetkin in Moskau und wurde an der Kremlmauer beigesetzt.

Die”Mystifikation” Clara Zetkin.
Clara Zetkin verschwand am Abend des 1. Januar aus Differdingen so geheimnisvoll, wie sie aufgetaucht war: “ni vue, ni connue”, wie das “Escher Tageblatt” am 15. Januar in seinem “Supplément N. 12” über Clara Zetkin schrieb. (Die Presse war auf dem Parteitag selbst nicht zugelassen). Clara Zetkin war direkt vom Kongress der französischen Sozialisten in Tours, der vom 25. Dezember bis zum 30. Dezember dauerte und der ebenfalls mit der Spaltung Sozialisten/Kommunisten endete, nach Luxemburg gekommen. Sie hatte in Tours eine ähnliche Rede wie in Differdingen gehalten. Die französische Regierung hatte der Reichstagsabgeordneten die Einreise verweigert und dafür ein neues Gesetz gestimmt. Clara Zetkin brachte es jedoch fertig die Grenze heimlich zu überqueren. Damit riskierte sie eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten bis 3 Jahre.
Trotzdem tauchte sie am 1. Januar zur allgemeinen Ueberraschung in Differdingen auf, wie eine “dea ex machina”, wie die “Soziale Republik” schrieb. Scheinbar hat sie im Zug als unscheinbare Frau mit Strickzeug die Grenze passiert. Das “Escher Tageblatt” schrieb von einer “Mystifikation”. In einem “Interview mit einem Sozialisten”, das das “Escher Tageblatt” am 9. Januar 1921 brachte, fragte man den “anonymen Sozialisten” skeptisch, ob Clara denn nun wirklich in Differdingen gewesen sei, was dieser natürlich bejahte. Clara Zetkin wurde in dem Artikel beschrieben als “alternde Frau aus dem Volke, von eher kleiner Statur, mit weissen Haaren, unansehnliche Erscheinung, doch man müsse sie reden hören. Jeder lasse sich mit fortreissen. Der Zauber sei dahin, wenn sie aufhöre. Sie sei gegen den Krieg und predige jetzt den Bürgerkrieg! Man könne nur Gretchen aus dem Faust zitieren:”Heinrich, mir graut vor dir!”
r.fleischhauer








