Franzousekräiz

 

 

« Franzousekräiz »,

Die Rache der Franzosen.

 

 

 

Würde man auf der Strasse von Niederkorn nach Lasauvage die 90-Gradkurve  in der Nähe des « Roudenhaff » verfehlen, würde man direkt auf einem Parkplatz landen auf  dem sich das sogenannte « Franzousekräiz » unter hohen Bäumen befindet. « Franzousekräiz » keineswegs zu Ehren unserer französischen Nachbarn, sondern  als Erinnerung an die Niederkorner, die von den Franzosen  hier niedergemetzelt wurden.

 

 

 

 

Wir sind im Jahre 1794. Die französischen Revolutionstruppen lagen diesseits der Grenze in Tiercelet. Von der Festung Longwy aus wollten sie die oesterreichischen Truppen angreifen, welche sich in der Festung Luxemburg zusammengezogen hatten. Es gab mehrere Uebergriffe der französischen Truppen auf das Dorf Differdingen, das ja genau an der Grenze auf dem Weg zum oesterreichischen Feind in Luxemburg lag. Dabei hatten die französischen Republikaner es besonders auf das Kloster und das Schloss abgesehen, die ja Symbole des alten feudalen Systems waren. Die Klosternonnen flohen nach Luxemburg, der adlige Baron de Soleuvre ebenfalls. Charles-Ferdinand Vesque, « officier de la baronnie de Soleuvre », Notar und Besitzer des Hofes « Um Bau », heute noch « Vesquenhaff » geheissen beschloss den Widerstand gegen die « sans-culottes » zu organisieren.

 

 

Er hatte keine Mühe, Leute zu finden, welche bereit waren, sich mit den Franzosen, welche ihre Dörfer genug terrorisiert hatten, auseinander zu setzen. Waffen und Munition bekamen sie von den Oesterreichern von Luxemburg aus durch die Vermittlung des Barons.  So kam es, dass seit Beginn des Jahres jedesmal auf die Franzosen aus dem Hinterhalt heraus geschossen wurde, wenn sie sich in Differdingen, Niederkorn, oder Oberkorn zeigten. Barrikaden wurden in « Metzkimmert » errichtet, um sie vor dem Dorf aufzuhalten. Die französischen Marodeure schleppten des öfteren  Tote und Verwundete mit nach Hause.

 

 

 

 

Am 19. April, an Gründonnerstag, erschien ein Trompeter mit 9 Reitern vor den Barrikaden in Metzkimmert. Gegenüber standen die bewaffneten Verteidiger. Der Trompeter versuchte die Differdinger zu beruhigen. So wie berichtet wird, rief Joseph Lambert genannt « Jütz » : « Waart du kriss et geblosen ! » und schoss den Trompeter in die Brust. Die Reiter zogen sich schleunigst mit der Leiche  zurück. Nun musste sich die Einwohnerschaft auf einen Rachefeldzug der Franzosen gefasst machen. Und so kam es auch. Gegen 9 Uhr rückten ungefähr 6.000 Mann an. Die Differdinger gaben einige Schüsse ab. Die Franzosen kümmerten sich jedoch nicht darum. Sie ritten an den bewaffneten Bauern vorbei, umzingelten sie und stürzten sich von Oberkorn her auf sie. Da wegen der Umzingelung weder eine Flucht nach Niederkorn, noch nach Oberkorn möglich war, blieb nur noch der « Woiwerbësch », wo die so Ueberfallenen flüchten und sich verstecken konnten.  Die Franzosen verfolgten sie nicht weiter, weil sie oesterreichisches Militär in der Nähe vermuteten. Andere versuchten sich in den Häusern zu verstecken. So auch Charles-Ferdinand Vesque, der sich auf seinem Hof in eine Hanfgarbe eingewickelt hatte und so knapp der Entdeckung entging. Viele wurden auf grausame Art niedergemetzelt.  Die Soldaten der Republik plünderten Differdingen, Oberkorn und Niederkorn  regelrecht aus. So wurden zum Beispiel alle Güter und Kostbarkeiten des Klosters geraubt. Anscheinend beteiligten sich auch Einwohner der naheliegenden französischen Dörfer an dem Raubzug.  Nur knapp entgingen die drei Dörfer der kompletten Brandschatzung. Was mit den Gefangenen geschah, hing vom Wohlwollen der Kommandanten ab. Einige wurden wieder laufen gelassen. Die Gefangenen aus Niederkorn jedoch mussten ihr eigenes Grab schaufeln und wurden dann an der Stelle erschossen, an der eben heute das « Franzousekräiz » steht.

 

 

Die Zahl der Toten bei diesem Scharmützel wird verschieden angegeben. Es scheinen jedoch so an die 12 tote Luxemburger gegeben zu haben. Die aus dem « Woiwerbësch » flüchteten mit Hab und Gut nach Luxemburg und kehrten erst nach Wochen zurück.

 

 

Diese Ereignisse werden ausführlich in der Broschüre des Differdinger « Syndicat d’Initiative » von 1937 geschildert. (Es sind noch etliche Exemplare vorhanden, die man in der Stadtbibliothek erhalten kann).

 

 

Jacques Dollar hat in den französischen Archiven zusätzliche, interessante Dokumente zum « Massaker » entdeckt. (Luxemburger Wort vom 14. April 1994).

 

 

Vor allem geht Armand Logelin in allen Einzelheiten auf das abenteuerliche Leben des « arpenteur » aus Differdingen Charles Ferdinand Vesque und auf seinen Kampf gegen die Armee der Republik in « Galerie » 1, 2 und 3 von 2003 ein.

 

                                                                                             

                                                                                            r. fleischhauer

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