Fond-de-Gras
Mme Schroeder Kies aus Niederkorn erinnert sich.
« Wir wohnten in Fond-de-Gras. »
Meine Erinnerung an Fond-de-Gras geht auf das Jahr 1930 zurück. Ich verbrachte meine Kinderjahre und meine Jugend dort.
Am Eingang der kleinen Ortschaft, auf der rechten Seite der Strasse stand das erste Haus. Es war quer zur Strasse gebaut. Es hiess seit jeher « d’Haus op der Trap ». Es gehörte der Eisenerzgesellschaft « Thy le Château ». Das Haus wurde bis 1933 von einer italienischen Familie bewohnt, dann von der Familie Alverdi (Eltern und 3 Kinder) bis nach dem zweiten Weltkrieg.
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Im nächsten Haus genannt « am Haff » waren 4 Wohnungen untergebracht. In den ersten 4 Zimmern wohnten 2 Junggesellen : Angelo Bosio und Willy Weyer, ein deutscher Nazi, den wir damals « de preisesche Willy » nannten. In der zweiten Wohnung lebte die Familie Nic Stolz (Eltern und 5 Kinder), in der dritten Wohnung die Familie Michel Weber (Eltern und 2 Kinder) und in der vierten Wohnung eine italienische Familie namens Silvio…(der Familienname ist mir entfallen).
Im nächsten Haus befand sich das noch heute wohlbekannte hölzerne Wirtshaus « bei der Giedel ». Das Haus wurde anfangs des vorigen Jahrhunderts gebaut und wurde von der ersten « Giedel » geführt, Mme Mullesch, dann kam die « Giedel »Bosseler die ich kannte und später deren Sohn Paul Bosseler (mit Ehefrau und 4 Kindern).

Unterhalb des Wirtshauses war die « Kantine » (heute Restaurant). Um 1915 bis 1930 wohnten dort Nic Schmitt mit Ehefrau und 4 Kindern. Dann wurde die Kantine aufgelöst und privat vermietet. Das Gelände gehörte der Gesellschaft « Providence ». In der Kantine wohnte jetzt die Familie Flammang (Eltern und 4 Kinder). Aus den Zimmern der « Kaschtgänger » entstanden 2 Wohnungen. Erstere bewohnte der Steiger Jean Schuh mit Familie (3 Kinder) und 1938 dann der Steiger Vic Reder. In der anderen Wohnung lebte der Bergarbeiter Jos Heitz.
Auf der rechten Strassenseite befanden sich noch die Hallen für die Lokomotiven und die Büros der Gesellschaft « Providence ».
Auf der linken Strassenseite lag nur ein einziges Haus, das der Gesellschaft « Thy le Château » gehörte. Es war mein Elternhaus. Hier wohnte der einzige Bauer des Ortes Jos Kies mit seiner Ehefrau und mir, seiner Tochter. Zum Haushalt gehörte noch ein Knecht. Wir lebten vom Bauernbetrieb und hatten 3 Pferde. Sie waren in der Grube beschäftigt. Hier zogen sie die « Buggis » mit dem Erz aus der Grube und arbeiteten dort, wo die Maschinen nicht hinkamen. Ein Pferd verdiente 60 Franken am Tag. Dieses Geld war für unseren Lebensunterhalt sehr wichtig. Nachmittags arbeiteten die Pferde mit meinem Vater und dem Knecht auf dem Feld.

Die Männer aus Fond-de-Gras waren alle Bergarbeiter.
Die oben aufgezählten Häuser gehörten alle zur Gemeinde Differdingen. Die Kinder (18 an der Zahl) besuchten alle die Primärschule in Niederkorn. Sie gingen zu Fuss zur Schule und zwar 4 mal am Tag, im Sommer wie im Winter. Damals gab es noch keinen Schulbus und der Schulweg schien uns manchmal unendlich lang, besonders im Winter.
Etwas unterhalb dieser Wohnhäuser auf der rechten Seite stand ein Haus, genannt « op der Knupp ». Es gehörte der Gesellschaft « Couliers ». Dort wohnte Mich. Reichling mit Ehefrau und 3 Kindern. Dieses Haus lag auf dem Petinger Bann und die Kinder mussten nach Rodingen zur Schule.

200 Meter rechts befanden sich die Büros und die Abladequais der Gesellschaft « Couliers » und « Providence ».
Auf der linken Seite waren Büro und Abladequai der Gesellschaft « Thy le Château »
Dort begannen dann auch die Bahngeleise und ungefähr 100 Meter weiter stand das Bahnhofsgebäude mit der Wohnung für den Bahnhofswärter. Die Familie Grégoire Arend (5 Kinder) war dort zu Hause.
Daran schloss sich der Abladequai der Gesellschaft « Fuussbësch » an. 50 Meter weiter stand ihr Büro mit Wohnung und Ställen für die Pferde, die der Gesellschaft gehörten. Dort wohnte der Betriebsführer der Gesellschaft « Fuussbësch » Jean Palm mit seiner Ehefrau und seinem Schwager. Herr Palm war ein leidenschaftlicher Bienenzüchter.
In Fond-de-Gras gab es damals noch keine Wasserleitung. Wir holten das Wasser von einer Quelle bei der Grube « Thy le Château » am Anfang der Bahngeleise. Einkäufe besorgten wir in Differdingen oder Rodingen. Kleinigkeiten brachten wir nach der Schule aus Niederkorn mit.
Im Jahre 1933 (glaube ich) gab es ein Grubenunglück. 5 Bergarbeiter waren 2 Tage lang eingeschlossen. Glücklicherweise wurden alle gerettet. Die Grossherzogin Charlotte kam zur Unglücksstelle um sich nach den Bergarbeitern zu erkundigen. Ihre Limousine war auf unserem Hof geparkt. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Leider habe ich keine weiteren privaten Fotos aus Fond-de-Gras. Für Fotografien war das Geld zu knapp.
Madame Lucie Schroeder-Kies.









