Douane

 

 

« Rien à déclarer ? »

 

 

Im Jahre 1993 ist die Zollverwaltung ihrer früheren Aufgabe, nämlich der Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs größten Teils enthoben worden. Sie hat heute eine ganze Reihe anderer Kontrolltätigkeiten im fiskalen Bereich, beim Drogenschmuggel, aber auch beim Umweltschutz und der Kontrolle des Eu-übergreifenden Verkehrs übernommen. Doch die Differdinger als Bewohner eines Grenzortes erinnern sich noch gut an den « Douanier » « um Bau » mit seiner bekannten Frage: »Hutt der näischt ze verzollen? » Oder « rien à déclarer ?».

 

1894, als die Straße nach Hussigny fertiggestellt war, wurden « Um Bau » erstmals Grenzkontrollen vorgenommen. (Kodisch). Vorher mußte man die Grenze beim Zollbüro an der Straße Luxemburg-Longwy überqueren.

 

 

 

Der Differdinger Grenzposten

 

 

Der Posten wurde im Jahre 1924 per Gesetz als « succursale de douane » eingerichtet, nachdem die Hütte im Jahre 1923 das dafür notwendige Gelände zur Verfügung gestellt hatte. Darauf errichtete man ein Zollhäuschen, das inzwischen (leider) abgerissen wurde. Nur der Baum, unter dem das Häuschen stand, existiert noch (unser Bild). Dass man in früheren Zeiten gerne versucht hat, Alkohol, Kaffee oder Tabak ohne die Entrichtung der Akzisen am « Douanier » vorbei zu schmuggeln und durch den Preisunterschied zwischen Frankreich und Luxemburg Geld zu verdienen, war völlig normal.

 

 

Wegen des heftig betriebenen Schmuggels in der Gegend um Lasauvage verfügte Differdingen denn auch zeitweise über eine motorisierte Einheit, welche die Grenze in dieser Region überwachte. Allgemein bekannt war sie unter der Bezeichnung « d’Fligend ».

 

Zuständig war der Posten in der rue de Hussigny für ganz Differdingen, Bachermühle, Bëschendall, Fond-de-Gras, Fond de Hussigny, Kahlbréck, Kuelesgrond, Lasauvage, Oberkorn, Roudenhaff und ferme Vesque. Dem « arrêté grand-ducal » vom 21. Februar 1928 betreffend  einer Zweigstelle der Zollverwaltung bei der « ferme Vesque » entnehmen wir den weiteren Kontrollbereich der Differdinger « Douaniers » :

 

 

-         Drahtseilbahn Differdingen – Oettingen (Frankreich)

 

-         Schmalspurbahn : Gruben Prince Henri und Grandbois – Hütte Hussigny-Godbrange

 

-         Schmelz Hussigny-Godbrange – Schlackenhalde (Luxemburger Territorium)

 

-         Schmalspurbahn Lasauvage (inkl Herrenbusch und Grandbois) – quai Gouraincourt (De Saintignon Longwy)

 

 

Hatte eine Erzgrube einen Ein-oder Ausgang im nahen Frankreich, so wie in Rumelingen, so wurden auch die betreffenden Stollen vom Zoll kontrolliert.

 

Im Buch « La douane luxembourgeoise hier et aujourd-hui » finden wir ein Organigramm von 1918. Damals versahen folgende Zöllner ihren Dienst in Differdingen : Pierre Roilgen, Jean-Grégoire Schaul, Joseph Mitten, Victor Weydert und Michel Schmit. Niederkorn :Jean-Baptiste Ferber, Nicolas Martin, Jean-Baptiste Hostert.

 

 

 

Reger Schmuggel

 

 

Eine einzigartige grenzbedingte Besonderheit gab es bis 1980  in Lasauvage. Da der Friedhof auf französischem Territorium liegt, musste bei Begräbnissen jedes Mal ein französischer Grenzbeamter anwesend sein.

 

Gleich nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Schmuggel besonders intensiv betrieben, so dass man sogenannte « Hilfsgendarmen » einstellte, um die Grenze zu kontrollieren. Diese hatten jedoch nur eine minimalistische Ausbildung. Und so geschah es im Grenzgebiet  bei Kuentzig, am 28. Juli 1945, dass einer dieser Hilfsgendarmen seinen Kollegen Nic Kneip aus Petingen erschoss, weil er ihn mit einem Viehschmuggler verwechselt hatte.

 

 

Die Differdinger begaben sich im Laufe der Jahre gerne zu Fuß auf den Markt nach Hussigny, wo sie die beliebten französische Erzeugnisse wie Käse und Wein einkauften. Dasselbe galt für die Niederkorner, welche die «Hiel» hinauf bis nach Longwy auf den Markt und zurück wanderten.

 

Oben in der « Hiel » zur Seite des « Honsbësch » gab es vor dem ersten Weltkrieg die Wohnhäuser für die Zöllner, die « Gaardenhaiser », (die Zollbeamten wurden damals « Gaarden » genannt : Katrin C. Martin in Nicolas Kodisch :  Studien zur Toponymie und Geschichte der Gemeinde Differdingen). Vor dem ersten Weltkieg bestand die Absicht der Gemeindeverwaltung, Zöllnerwohnungen in der alten Schule in Niederkorn einzurichten. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Die Schule wurde am 10. Mai 1940 ein Raub der Flammen.

 

Josy Moutschen erzählt in seinem Bändchen « Oberkorner Geschichten » vom Pfarrer Toorchen, der während der « Houmass » ein Fass Wein von Hussigny nach Oberkorn schmuggeln liess, weil die Zöllner alle im Hochamt waren. (Hussigny gehörte 1714 zur Pfarrei Oberkorn). Nicolas Kremer erzählt in seinem Buch « Wéi et deemools wor », dass die französischen « douaniers » seinen Vater einmal gezwungen hatten, seinen ganzen Eimer wilder Erdbeeren, die er auf dem Berg gepflückt hatte auf den Boden zu entleeren, weil sie auf französischem Territorium gepflückt worden waren. In der nächsten Nummer lassen wir den früheren Lehrer in Lasauvage Jean Diderich zu Wort kommen, der wie sehr viele Lasauvager mit der « Fligend » zu tun hatte.

 

 

 

 

 

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