Ein Kleinod in der Gemeinde

 

 

Die Kirche von Lasauvage

 

 

Seit 1861 gehörte das Dorf Lasauvage zur Pfarrei Differdingen. Den Kirchgängern von Lasauvage war jedoch der Weg nach Differdingen zu weit. Ausserdem hätten sie einen beschwerlichen Pfad benutzen müssen, der im Winter kaum begehbar war. Sie gingen sonntags im benachbarten Saulnes (Zounen) in Frankeich zur Messe. Hier wurde im Gegensatz zu Differdingen die Messe auf französisch zelebriert, was den französischsprachigen Lasauvagern sehr entgegen kam. Der Besitzer des Lasauvager Werkes und der Erzstollen, Graf Fernand de Saintignon beschloß daher, den Einwohnern von Lasauvage eine Kirche in ihrem Ort zu bauen. Immerhin wohnten zu der Zeit bereits 274 Personen im Dorf, eine Zahl welche 1910 bis auf 492 steigen sollte.

 

 

Gemäß Armand Logelin in «Differdange chagrins et espérances» schlug der Graf am 24. März 1893 der Luxemburger Regierung vor, einige Meter abseits der «Crosnière» auf seinem Fabrikgelände eine Kirche zu errichten und zwar auf Kosten seiner Gesellschaft «Hauts Fourneaux de Longwy et de Lasauvage». Die Differdinger Gemeindeverwaltung hatte auch nichts dagegen einzuwenden. Beim Baugelände handelte es sich um die frühere Schlackenhalde der Lasauvager Schmelz. Der Untergrund war also ziemlich unstabil. Die Fundamente reichen nur etwa 60 cm unter die Erde, was sich dann bemerkbar machte. Die Kirche mußte nämlich später mit schweren Ankerschrauben zusammengehalten werden, da sie sonst auseinander zu brechen drohte. (Auch heute noch zu sehen.)

 

Der Architekt Dax aus Paris nahm sich auf Wunsch des ferventen französischen Patrioten De Saintignon die «Sainte Chapelle» aus Paris als Vorlage für seinen Plan. Eine «Miniatur» der bereits im 12ten Jahrhundert erbauten «Sainte Chapelle» auf der Stadtinsel in Paris wurde es jedoch nicht, so wie in vielen Schriften immer wieder behauptet wird. Man kann höchstens feststellen, dass die Lasauvager Kirche der «Sainte Chapelle» nachempfunden wurde.

 

Eine wahre Kuriosität sind die Kirchenfenstern. Als bleibende Erinnerung an die Spender, ließ der Graf de Saintignon die diversen Heiligen mit den Gesichtern seiner Familienangehörigen und nahen Bekannten versehen. So trägt Johannes der Täufer die Züge des Grafen selbst, der heilige Petrus ähnelt dem P.L. Giraud, der hl. Ludwig sieht aus wie J.J. Legendre, der hl Antonius ist Amidieu du Clos, Franz von Sales ist der Colonel de Merlin und die hl Pauline als einzige Frau sieht aus wie Pauline Legendre.

 

Leider mussten die wertvollen Kirchenfenster von außen geschützt werde, da auch vor solch geschichtsträchtigen Gegenständen der Vandalismus nicht halt macht.

 

Das Unternehmen Logelin frères aus Differdingen war mit dem Bau der Kirche beauftragt worden. Das meiste Baumaterial stammt aus der Umgegend, respektiv von der Schlackenhalde und dem seit 1881 still gelegten Hochofen. Die Arbeiten dauerten ein Jahr.

Und : schön ist diese kleine im neogotischen Stil erbaute Kirche geworden! Einfach, ausgewogen und bezaubernd, ein Schmuckstück in der Gemeinde! Von Anfang an war sie der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute gewidmet. Ihre Statue steht in der Nische des rechten Türmchens. Darunter findet man das Wappen der «De Saintignon» :  die 3 Türme. Ueber dem Eingang unter der herrlichen Rosette ist eine lateinische Inschrift angebracht: «HIC VENITE ADOREMUIS» (kommt hierher, lasset uns anbeten).


Am 5. September 1894 konnte die neue Kirche bereits eingeweiht werden. Die Differdinger « Chorale Municipale » unter der Leitung ds Lehrers J-J- Theisen erhielt viel Lob für ihre Darbietungen bei der Einweihung. Bischof Koppes und viele hohe Würdenträger nahmen daran teil. Am 29. September traute Jacques Klingenberg, der erste Vikar der neuen Kirche das erste Lasauvager Paar. Am 23. Juni 1895 zog die erste Fronleichnamprozession durch das Dorf angeführt von der werkseigenen Musikgesellschaft. Die Familie des Grafen nahm geschlossen an der Feier teil und kniete zusammen mit den Arbeitern und Angestellten vor den 4 Altären, welche im Dorf errichtet worden waren. Der Graf hatte bei der Gelegenheit ein riesiges Kreuz auf der «Pierre de Cron» errichtet, welche den Eindruck vermittelte als stehe das ganze Dorf unter dem Schutze des Herrn (Armand Logelin : Differdange, chagrins et espérances)

 

 

Der Bischof stellte die Kirchengemeinschaft Lasauvage unter die Verwaltung der Differdinger Pfarrei und der Differdinger Kirchenfabrik. Lasauvage wurde damit eine Kaplanei der Differdinger Pfarrei. Die Lasauvager schienen die Differdinger Kapläne jedoch nicht so in ihr Herz geschlossen zu haben. Es amtierten nämlich dort 2 Kapläne innerhalb von 3 Jahren. Am 20. Dezember 1948 wurde die Pfarrei in der Kammer zur Landespfarrei erklärt, was bedeutete, dass die Pfarrer vom Staat besoldet wurden. Seit 1975 wird die Pfarrei von Niederkorner Geistlichen betreut. Die Lasauvager Pfarrer wohnten im nahe der Kirche gelegenen Pfarrhaus, das de Saintignon ebenfalls errichten liess. De Saintignon bezahlte auch die Gehälter der Vikare, Pfarrer und Lehrer bis zu seinem Tode. Am 17. Februar 1924 nahm die Differdinger Gemeindeverwaltung kostenlos Besitz von der Kirche, dem Pfarrhaus ud dem Garten und war somit für deren Unterhalt zuständig. In der Kirche wurde eine Zentralheizung installiert und im Jahre 1947 erhielt die Kirche ein Harmonium. Die vom Grafen gespendete Orgel war nämlich nach ihrer Reparatur in die Kirche vom Fousbann eingebaut worden.

 

 

 

 

 

Da Lasauvage über keinen Friedhof verfügte, wurden die Lasauvager bis 1905 in Saulnes begraben. 1907 legte der Graf dann einen Friedhof am Ort an und zwar auf der französischen Seite. Seine zumeist französischen Arbeiter und Angestellten sollten in französischer Erde begraben werde. Dies führte jedoch bei den grenzüberschreitenden Begräbnissen zu einigen administrativen Problemen, die von Paris gelöst werden mußten. Bis 1980 war bei Begräbnissen ständig ein französischer Zollbeamter anwesend. Im Jahre 1949 wurde der Friedhof von Lasauvage von der Gemeindeverwaltung vergrössert.

 

 

Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt im Einklang mit der staatlichen «Sites et Monuments» Verwaltung dieses unbedingt  erhaltenswerte Juwel der kirchlichen Baukunst als nationales Monument zu klassieren und fachgerecht zu restaurieren, um es dann später sowohl zu religiösen Zeremonien als auch zu kulturellen Zwecken zu nutzen.

 

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