Die Blumenuhr
Ein Zwerg feiert Geburtstag
Zu Differdingen gehören drei Wahrzeichen, die man auf Plakaten, Briefköpfen, Briefmarken, Vereinsbroschüen usw immer wieder begegnet: der Differdinger Greyträger, das Schloss und die im Land wohl einmalige Blumenuhr im Park.
Im “Déifferdanger Magazin” haben wir über das Gerlache-Schloss berichtet und dass aus dem Schlosspark ein Stadtpark wurde. Das war im Jahr 1920. Der Architekt Traus entwarf damals im Auftrag der Gemeinde den Plan des Stadtparks. Der Plan wurde vom Geheimrat Stübben mit einigen Aenderungen an den Gemeinderat empfohlen.
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Die Idee einer Blumenuhr stammt vom Bürgermeister Emil Mark , der eine solche in Interlaken gesehen hatte, als er mit der Differdinger Stadtmusik anfangs der Dreissiger zu einem Austauschkonzert dort weilte. Der geeignete Platz dafür war der im Jahr 1925 eingeweihte Stadtpark im Zentrum von Differdingen. Die Aufziehmechanik der neuen Blumenuhr entwarf damals Jean Schwickerath, der Grossvater des letzten Inhabers des Uhrengeschäftes in Differdingen. Die Gemeindebetriebe sorgten für die Fertigung der Bauteile, wobei besonders der Name von Camille Specht aus Oberkorn zu erwähnen ist. Die Uhr war im Jahre 1933 fertig. “Père” Schwickerath sorgte Zeit seines Lebens für sein “Uehrche”, stieg täglich zum Räderwerk hinunter, um es zu kontrollieren und aufzuziehen, wobei er diesem etwaige Mucken sofort austrieb. Erst viel später nach dem Krieg wurde das Aufziehwerk durch ein elektrisches Werk ersetzt, das vom Gemendebetrieb instand gehalten wird.

Seit 1933 machen sich die Gemeindebetriebe eine Ehre daraus, die Uhr jedes Jahr nach einem anderen Muster zu bepflanzen. Der Plan zur Bepflanzung wird während des Winters ausgearbeitet. 1.200 Pflanzen finden bei der provisorischen Bepflanzung zu Ostern auf dem Zifferblatt von 9 Meter Durchmesser Platz. Im Sommer, wenn auch die Ziffern aus Blumen bestehen sorgen 12.000 Pflänzlinge für ihre Pracht. Sehr teuer und für die Gärtnerei frustrierend ist allerdings der Vandalismus, der beständig an der Uhr festzustellen ist. Nur während des Krieges nämlich von 1942 - 1945 durfte die Uhr auf Anordnung des Besatzers nicht bepflanzt werden. Die Stadtgärtner hatten Gemüse zu züchten, keine Blumen. Der damalige Stadtgärtner Jean Uhres brachte es jedoch fertig, über drei Jahre hinweg die Pflänzlinge in der Stadtgärtnerei zu hegen und zu pflegen, so dass die Blumenuhr 1945 gleich wieder ihrem Namen gerecht werden konnte.
1933 gab es noch keinen Zwerg und kein Geläute. Das Schlagwerk, der Zwerg und seine Behausung wurden erst 2 Jahre später, also 1935 fertig . Im vergangenen Jahr wurde der Zwerg also 70 Jahre alt. Von Rente spricht allerdings noch niemand. Im Gegenteil, man hat ihm zu seinem Siebzigten eine neue Luxuswohnung mit Kupferdach und Beleuchtung geschenkt und ihn selbst wieder auf Hochglanz gebracht.
So wie man erzählt läutete er zum ersten Mal, als Bürgermeister Emil Mark am 22. Mai 1935 zu Grabe getragen wurde. Seine erste Aufgabe war also das Totengeläute für den Mann, dem er sein Dasein verdankte.
Während der fünfziger Jahre funktionierte in der Pagode des Zwergs ein Apostrelreigen, der sich zu jeder Stunde drehte. Er fiel damals dem Vandalismus zum Opfer und wurde nicht mehr erneuert, so dass der Zwerg wieder allein sein Stundenwerk verrichten musste.
Der Zwerg selber verschwand zweimal. Zuletzt in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1982 nach der Finale der Fussballweltmeisterschaft, als unsere italienischen Mitbürger und auch manche Luxemburger ausser Rand und Band gerieten. Ein Differdinger, der es dem Vernehmen nach, schon einmal vorher versucht hatte, entführte den Zwerg. Lange fahndete man nach ihm. Eine Lösegeldforderung gab es nicht. Am 14. September desselben Jahres schliesslich tauchte er auf einen anonymen Anruf bei der Polizei hin wieder auf. Sein Gefängnis war wie bekannt wurde ein dunkler Kleiderschrank irgendwo in Differdingen. So eine Blumenuhr mit Zwerg würde vielleicht heute nicht mehr in ein modernes Konzept von Parklandschaftsanlagekunst passen, aber man muss sich einfach bewusst sein, dass die Blumenuhr zu Differdingen gehört wie das Amen zum Gebet. Hoffen wir, dass sich in Zukunft niemand daran vergreifen wird.








