Bomben auf Differdingen
Bomben auf Differdingen
Im ersten Weltkrieg 1914/18 kamen erstmals Flugzeuge zum Einsatz. Zu Beginn wurden sie für die Fernaufklärung eingesetzt, später dann zur Artilleriekoordinierung. Die ersten beiden Piloten, die ihr Leben bei einem Luftkampf verloren, waren der russische Kapitän Nesteroff und sein Gegenspieler, der oesterreichische Baron Rosenthal. Beide waren auf einem Patrouillenflug an der Ostrfront. Als Nesteroff den Baron erspähte, stürzte er sich mit seinem Flugzeug in die klapprige Maschine des Oesterreichers. Beide stürzten ab und kamen ums Leben. Eine gewisse Ritterlichkeit herrschte bei späteren Luftkämpfen. Schoss man anfangs noch mit Gewehren und Pistolen aufeinander ( sogar mit Flaschen und Steinen), so kam später das Maschinengewehr in Mode, das mit dem Propeller synchronisiert war und durch diesen hindurchschoss.
Angriffsziel: Das Hüttenwerk
Ab 1916 wurden die Flugzeuge auch für Bombenangriffe eingesetzt. In Luxemburg waren die Hauptstadt und die Industriestandorte Hauptziele dieser Angriffe durch die Allierten. In der Nacht vom 20. März 1916 fielen die ersten Bomben auf Differdingen. Es ging darum, die “Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-und Hüttenaktiengesellschaft”, die ja für die Deutschen kriegswichtig war, zu beschädigen. Die nächtlichen Bombardierungen des Hüttenwerkes dauerten bis zum 23. Oktober 1918, also fast bis Kriegsende. Im “Korspronk” Nummer 2 der Differdinger “Amis de l’Histoire” zählt Nicolas Kodisch 27 Bombennächte einzeln auf mit genauer Auflistung der angerichteten Schäden. In Differdingen kamen damals 10 Menschen ums Leben, davon 8 Hüttenarbeiter und 2 Militär. Es gab 44 zum Teil schwer Verletzte, hauptsächlich Hüttenarbeiter, aber auch Zivilpersonen in ihren Häusern. Besonders die Häuser in der Nähe der Hütte wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Den meisten Schaden gab es also auf Fousbann und in Oberkorn.
Zur Flugabwehr hatten die Deutschen Abwehrgeschütze mit Scheinwerfern und Horchapparaten auf den Anhöhen um Differdingen in Stellung gebracht. Andere Kanonen wurden auf Eisenbahnwagen oder Lastwagen montiert und konnten so an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Zur Irreführung der alliierten Flugzeuge errichteten die Deutschen etwa 3 Kilometer vom Werk entfernt eine Hüttenattrappe mit einem künstlichen Schornstein. Lediglich einmal gelang es ihnen, ein Flugzeug abzuschiessen.
Die Bevölkerung war am stärksten betroffen.
Am schlimmsten für die Einwohner waren die schlaflosen Nächte, wenn die Sirenen heulten und sie sich in ihren Kellern verkriechen mussten. Die Bombardierungen erfolgten nur in klaren, wolkenlosen Nächten, wenn die Piloten volle Sicht hatten. Die Leute freuten sich also, wenn schlechtes Wetter herrschte. Lucien Marc in seinem vom Differdinger “Centre culturel” neu aufgelegten Büchlein “Kind im Krieg” schildert das so: “Waren das Nächte! Sirenengeheul zuerst, dann das Ballern der Abwehrgeschütze und das Krachen der Bomben. Das dröhnte und heulte oft und brüllte und tobte. Ein Splitterregen polterte nieder, trommelte auf Dach und Pflaster und Strasse” und weiter: “nur in Regennächten sind wir von Angriffen verschont geblieben. Ei, wie lag es sich so gut im Bett wenn dicke Regentropfen aufs Dach trommelten, ans Fenster schlugen und niederrannen...”
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Ganz klar, dass die Kinder, die wegen des mangelnden Proviantnachschubs stark unterernährt waren, besonders litten. Die Schulkommission schlug deshalb dem Gemeinderat vor, die Schulzeiten zu änden: “ Considérant qu’il y aurait lieu cependant de faire une exception quant à la durée de la classe pendant les temps anormaux que nous traversons eu égard à l’affaiblissement général causé par la dénutrition qui malheureusemnt a été constaté chez un grand nombre d’élèves, considérant que les attaques aériennes qui sans cesse se produisent instamment sur nos contrées, troublant le sommeil de la population sensiblement qu’en fixant à 8 heures l’heure de la rentrée le matin, les élèves n’ayant pas eu le repos voulu, ne peuvent pas se lever trop de bonne heure”...
schlägt vor “--de réduire les heures de classe de 6 à 5h 3/4”, was wohl kaum eine Verbesserung der Lage brachte.
Lucien Marc schildert eine der schlimmsten Bombennächte. Er musste damals mit ansehen wie die Mutter seines Freundes Jempi von hundert Splittern getroffen blutend in ihrem Hausgang lag.: “Als ich am darauffolgenden Tag in der Schule den Kopf auf die Bank legte und gleich in tiefen Schlaf verfiel, weckte mich der Lehrer nicht.”
Im Gemeinderat wurde beschlossen , dass bei Fliegerangriffen die Strassenlampen zu löschen sind. Dafür wurden 17 Mann eingesetzt. Sie erhielten eine Entschädigung von 2 Franken, was den Gemeindesäckel nicht weiter belastete, so Bürgermeister Emile Mark “da die Ersparnis an Gas der Höhe der zu bewilligenden Entschädigung fast gleichkommt.”
Auch über das nächtliche Sirenengeheul beklagte man sich im Gemeinderat. Das Oppositionsratsmitglied Aprato nahm dabei eine eher fatalistische Haltung ein: “Die Leute beklagen sich auch über das aufregende Heulen der Sirenen, wodurch sie im Schlafe aufgeschreckt werden. Man könnte das unterbleiben lassen, hängt es ja doch nur vom Schicksal ab, ob man von einer Bombe getroffen werden soll oder nicht!”
rob fleischhauer








